BitcoinsAnarcho-Geld

Wenn Hacker und Kriminelle im Internet einkaufen, zahlen sie nicht mit Kreditkarte – zu riskant. Sie nehmen zum Beispiel "Bitcoins". von 

Im Internet gibt es Orte, die man als gewöhnlicher Nutzer mit einem Internetbrowser gar nicht besuchen kann. Zu ihnen gehört der »Silk Road Anonymous Marketplace«. Es ist ein Shop im Internet, den man nur findet, wenn man erst ein Programm namens Tor herunterlädt und auf dem eigenen Computer installiert. Und dann muss man auch noch eine komplizierte Buchstaben- und Zahlenkombination (ianxz6zefk72 und so weiter) eingeben, bis die Webseite erscheint. Schritte, die der Geheimhaltung dienen.

Wenn man endlich in diesem Internetshop gelandet ist, merkt man, warum seinen Betreibern die Geheimhaltung so wichtig ist. »4 Gramm im Zimmer gezogenes Marihuana, großartige Qualität« wird da angeboten. Lieferbar aus der Schweiz, mit ganz normaler Post verschickt. »1Fläschchen sauberer Urin zur Umgehung eines Drogentests«, sofort verfügbar zum weltweiten Versand von einem Anbieter namens vicious86. Es gibt Cannabis, Ecstasy und Schnüffelware. Waffen (»umgebauter Colt M16«), Sportartikel (»1 Paar Surferflossen«), Nahrungsmittel (»125-Gramm-Brezel« von HazednConfused aus Hannover) und das Dienstleistungsangebot eines MrDdroMcGillacutty aus den USA: »Schaffen Sie Ruhe in Ihrem Leben. Wir kidnappen den Hund Ihres Nachbarn.«

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Ist schon klar: Die Polizei würde die wahre Identität dieser Anbieter und ihrer Kunden gerne erfahren. Trotzdem blüht das Geschäft, was man den Bewertungen zufriedener Kunden entnehmen kann.

Und das liegt vor allem am Geld.

Um bei solchen Transaktionen wirklich anonym zu bleiben, ist es nämlich erforderlich, dass man auch anonym bezahlt. Das ist leichter gesagt als getan: Kreditkarten und herkömmliche Internet-Zahlungsmittel wie PayPal sind tabu, weil ihr Gebrauch eine Datenspur im Internet und bei den Banken hinterlässt. Auf Silk Road und ähnlichen Plätzen ist daher nur eine Währung zugelassen: »Bitcoins« . Sie ermöglicht derzeit einen schwunghaften Handel in der Unterwelt.

Bitcoin ist eine merkwürdige Art von Geld, das nur im Internet existiert: eine Fantasiewährung für Computerfreaks. Das System hinter Bitcoins wird seit 2007 von einer Hackergruppe entwickelt, die heute vom US-Bundesstaat Massachusetts aus operiert. Bitcoin hat Schattenmarktplätze wie Silk Road im Sturm erobert, ob das nun von den Entwicklern so gewollt war oder nicht. Auch Hackergruppen haben in den vergangenen Monaten große Spenden in Bitcoin-Währung entgegengenommen, darunter LulzSec – die zum Wochenbeginn nach einer Serie spektakulärer Einbrüche in Firmen- und Regierungscomputer ihre eigene Schließung bekannt gab . Auch die umstrittene Geheimnisverratswebseite WikiLeaks erhielt auf diesem Wege Geld.

Nun ist der Umgang mit Bitcoins wirklich bloß etwas für eingefleischte Technikexperten – und für Leute, die es sehr ernst meinen mit dem anonymen Bezahlen im Internet. An Bitcoins zu kommen ist ja noch viel komplizierter als der Besuch bei Silk Road: Erst muss man ein Programm herunterladen und laufen lassen, dann muss man auf irgendwelchen obskuren Internetseiten Bitcoins kaufen. Wer den Betreibern dieser Tausch-Webseiten traut, kann dafür sogar seine Kreditkarte benutzen.

Leserkommentare
  1. Kriminelle Geschäfte werden auch mit echten Geld betrieben. Problematischer ist jedoch, dass etwas, für uns alle, fundamentales mit dieser dezentralen Währung berührt wird. Das Recht der Münzausgabe lag bei allen Gesellschaften ,welche ein gewisses Maß an Komplexität erreichten auf Seiten der Herrschenden. Dieses Verständnis wird mit den Bitcoins hinterfragt.

    http://tcityforschung.wor...

  2. [...]

    1) Bitcoin wurde nicht von einer Hackergruppe entwickelt sondern von einem japanischen jungen Mann der ein wissenschaftliches Paper dazu geschrieben hat (http://bitcoin.org/bitcoi...).

    [...]
    3) "Gesamtwert aller Bitcoins auf knapp 200 Millionen Euro."... Bei dem angegeben Wert von 6 Mio. Bitcoins und einem Handelswert von 30 Dollar sind das => 180 Mio. Dollar... In Google eingegeben "180.000.000 Dollar in Euro" ergibt das einen Betrag von ung. 124 Mio. Euro... [...]

    Gekürzt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich und fair. Danke. Die Redaktion/ew

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    4) "Das Ergebnis war ein massiver Vertrauensverlust in die Cyberwährung. Der Kurs von Bitcoins stürzte auf bloß noch einen US-Cent ab. "... Wenn sich Herr Journalist mehr als 1 Sekunden mit der Materie befasst hätte, hätte er erfahren, dass der Kurssturz durch EINEN kompromittierten Account erfolgt ist, welcher großen Mengen an Bitcoins abverkauft hat. Dies hatte 0! damit zu tun, dass ein Vertrauensverlust erfolgt ist. Weiters wurde die genannte Transaktion zurückgezogen von der Handelsplattform und der vorher gültige Kurs wiederhergestellt.

    5) Weiters ist es falsch dass Bitcoins Geldwäsche erleichtern, da das "Orderbook" öffentlich ist, kann jeder sehen an welche Bitcoin-Adresse wieviel Bitcoins beinhaltet. Werden diese Bitcoins zum Zahlen irgendwohin überwiesen, ist dort der Anknüpfungspunkt zu persönlichen Daten gegeben.

    [...]

    Gekürzt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Danke. Die Redaktion/ew

    Zur qualität des Artikels habe ich mich vorhin schon geäußert, aber daß man 6 Mio. bitcoins mit einem höchstkurs von 30 USD auf 200 Mio EURO umrechnen kann ist schon noch fast eine grandiosere Fehlleistung als der inhaltlich letztklassige Artikel. Bitte liebe Zeit Redaktion über Sie mehr Qualitätskontrolle in einer Qualitätszeitung!

  3. 4) "Das Ergebnis war ein massiver Vertrauensverlust in die Cyberwährung. Der Kurs von Bitcoins stürzte auf bloß noch einen US-Cent ab. "... Wenn sich Herr Journalist mehr als 1 Sekunden mit der Materie befasst hätte, hätte er erfahren, dass der Kurssturz durch EINEN kompromittierten Account erfolgt ist, welcher großen Mengen an Bitcoins abverkauft hat. Dies hatte 0! damit zu tun, dass ein Vertrauensverlust erfolgt ist. Weiters wurde die genannte Transaktion zurückgezogen von der Handelsplattform und der vorher gültige Kurs wiederhergestellt.

    5) Weiters ist es falsch dass Bitcoins Geldwäsche erleichtern, da das "Orderbook" öffentlich ist, kann jeder sehen an welche Bitcoin-Adresse wieviel Bitcoins beinhaltet. Werden diese Bitcoins zum Zahlen irgendwohin überwiesen, ist dort der Anknüpfungspunkt zu persönlichen Daten gegeben.

    [...]

    Gekürzt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Danke. Die Redaktion/ew

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    • c3p
    • 30. Juni 2011 18:05 Uhr

    Kann dem Vorposter nur rechtgeben. Es stehen im Artikel genau die Sachen die überall behauptet werden, diese sind aber nur teilweise korrekt und gerade Schlußfolgerungen wie "Geldwäsche ist damit einfach" sind bei genauerem hinsehen falsch.
    Genaueres und bessere Informationen gibt u.a. in folgenden Podcasts:
    Generell über Online Währungen:
    http://alternativlos.org/16/
    Konkreter (und aktueller) über Bitcoin:
    http://blog.chaosradio.cc...

    Entfernt. Bitte wenden Sie sich bei Fragen oder Anmerkungen zur Moderation an community@zeit.de, da das Forum der Themendiskussion vorbehalten ist. Danke. Die Redaktion/sc

    • c3p
    • 30. Juni 2011 18:05 Uhr

    Kann dem Vorposter nur rechtgeben. Es stehen im Artikel genau die Sachen die überall behauptet werden, diese sind aber nur teilweise korrekt und gerade Schlußfolgerungen wie "Geldwäsche ist damit einfach" sind bei genauerem hinsehen falsch.
    Genaueres und bessere Informationen gibt u.a. in folgenden Podcasts:
    Generell über Online Währungen:
    http://alternativlos.org/16/
    Konkreter (und aktueller) über Bitcoin:
    http://blog.chaosradio.cc...

  4. .. so einen schlecht recherchierten Artikel in der Zeit zu lesen.

    Die Idee von Bitcoin hat hat viele interessante Aspekte, die - ohne tendenziöse Sensationslust - einen lesenswerten Artikel ergeben hätten.

    Ich empfehle dem Autor z.B. unter Technology Review einfach nochmal nachzulesen worum es eigentlich geht:

    http://www.heise.de/tr/ar...

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    als ich in der Überschrift schon Hacker und Kriminelle in einem Zusammenhang gelesen habe, schwante mir schlimmes. Und ich wurde bestätigt.

  5. Bitcoins muss man nicht "auf irgendwelchen obskuren Internetseiten" kaufen.

    Man gehe zur Suchmaschine des Vertrauens und gebe "bitcoin mining" ein.
    Das Mining ist eines der zentralen Konzepte des Systems, aber offensichtlich war sich der Schreiber dieser Zeilen zu fein auch nur bei Wikipedia nachzusehen.

    So eine miese Recherche gibt es normalerweise nur bei Artikeln zu Kernenergie...

  6. Entfernt. Wir möchten Sie bitten, Ihre Kritik sachlich zu begründen. Danke. Die Redaktion/ew

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    Ich stimme Ihnen zu aber man sollte das Print-Angebot einer Zeitung eben nie in qualitativer Hinsicht automatisch mit dem Online-Angebot gleichsetzen.

    Online müssen eben jeden Tag ein paar neue Headlines produziert werden damit genug (werbewirtschaftlich relevante) Klicks gesammelt werden können. Das geht eben immer auf Kosten der Qualität und verführt zu plakativem Alarmismus wie in diesem und einigen anderen Artikeln. Davon ist eben auch nicht die ZEIT gefeit, deren Print-Ausgabe ich zwar immer noch für relativ hochwertig halte aber deren Online-Angebot sich eben leider zunehmend an dem großen Mitbewerber aus Hamburg orientiert.

  7. Dieser Arktikel ist ein schönes Beispiel was passiert, wenn ein fachfremder, unmotivierter Journalist "liefern muss".

    Keine belastbare Fakten, polemisiert und begrifflich Unscharf. Dieser Artikel ist wahrlich kein Schmuck im Angebot von zeit.de.

    Nehmen Sie sich doch das nächste Mal die Zeit sinnvoll zu recherchieren. Kleines Beispiel bei der Konkurrenz:
    http://tinyurl.com/3j6kmy7
    http://tinyurl.com/3qa4vmu

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  • Schlagworte Geldwäsche | Hacker | PayPal | Währung | Schweiz | USA
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