Religionen : Harmonie kann man lernen

Ein Gespräch mit dem großen Hindu Sri Sri Ravi Shankar über Atemtechnik, Atheisten und religiös motivierte Konflikte.
Sri Sri Ravi Shankar © Dibyangschu Sarkar/AFP/Getty Images

DIE ZEIT: Eure Heiligkeit, Herr Shankar, Sie sind berühmt für Ihre Gelassenheit. Sie haben daraus sogar eine Lebensphilosophie gemacht, die sie unterrichten. Was tun Sie eigentlich, wenn Sie selber einmal gestresst sind?

Sri Sri Ravi Shankar: Um ehrlich zu sein, ich habe solche Gefühle schon vor langer Zeit abgelegt. In den letzten dreißig Jahren war ich nie gestresst.

DIE ZEIT: Dreißig Jahre ohne Stress? Aber Sie haben vor Kurzem doch noch mit radikalen Islamisten debattiert.

Sri Sri: Ja, und ich habe auch schon auf dem Weltwirtschaftsforum gesprochen.

DIE ZEIT: Verraten Sie uns doch bitte, welche spirituellen Übungen Sie mit den Fundamentalisten und den Wirtschaftsbossen gemacht haben.

Sri Sri Ravi Shankar

ist Indiens populärster spiritueller Lehrer und einer der bekanntesten Hindus der Welt. Geboren 1965 als Sohn eines Brahmanen, steht er für die Botschaft der Toleranz. Mit dem Dalai-Lama gründete er den Internationalen Verein für menschliche Werte. Seine Stiftung Art of Living ist mit über 5000 Projekten an sozialen Brennpunkten der Welt präsent, bietet aber auch Workshops für Manager. Shankar war nominiert für den Friedensnobelpreis.

Sri Sri: Eine Tiefenentspannungsübung namens Pranayama, die die Nerven beruhigt und den Verstand klärt. Zu jeder menschlichen Emotion gibt es einen Atemrhythmus, der sich verändert, je nachdem, wie man sich fühlt. Aber wenn Sie die Sudarshan-Kriya-Technik anwenden, werden alle Muster des Sorge, der Wut und des Schmerzes ersetzt durch sanftere Gefühle. Auch der Pegel der Stresshormone sinkt. Für Geschäftsleute empfehle ich kurze Meditationen mit Atemübungen wie Nadi Shodan oder eben Sudarshan Kriya.

DIE ZEIT: Kriya ist Sanskrit und bedeutet so viel wie vollkommene Handlung. Im Westen kennen wir das Wort aus dem Yoga, aber Sie sind kein Yogalehrer. Man könnte Sie den Papst der Hindus nennen. Wie erklären Sie den Hinduismus jemandem, der noch nie davon gehört hat?

Sri Sri: Hinduismus ist die älteste Religion auf unserem Planeten. Sie kennt nur einen Gott, den Gott der Liebe, der allerdings viele Namen hat. Er kann auf unterschiedliche Arten gefeiert werden. Darin besteht die Freiheit unseres Gottesdienstes.

DIE ZEIT: Hindus kennen kein zentrales Glaubensbekenntnis. Und wir haben immer noch nicht verstanden, wer von den Göttern Vishnu, Brahma oder Saraswati nun der wichtigste ist.

Sri Sri: Der Hinduismus hat viele Bücher und Propheten. Alles, wofür die moderne Gesellschaft steht, ist darin angelegt: Freiheit, Unabhängigkeit, Gleichberechtigung und sogar Demokratie.

DIE ZEIT: Warum hat der Hinduismus keine Kirche?

Sri Sri: Weil er nur eine Lebensweise und keine organisierte Religion ist.

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Kommentare

141 Kommentare Seite 1 von 13 Kommentieren

glauben

naja, solange man diesen satz nicht als "ritterschlag" für den aberwitzigen gedanken, nicht-glauben wäre auch ein glauben versteht....

ansonsten bin ich überrascht dass die zeit herrn shankar mit "eure heiligkeit" anspricht, ist das ironnisch gemeint?

gebe gerne eine bildungslücke zu, aber es wäre darüberhinaus hilfreich gewesen in der einleitung wenigstens kurz anzudeuten was der mensch der gleich interviewt wird denn so macht? also außer ein "großer hindu" zu sein.....

[...]

Ich spare mir gleich die persönlichen Beleidigungen der Interviewerin (dann braucht mich niemand auffordern, sachlich zu bleiben), möchte aber wenigstens auf die Seite

http://www.agpf.de/Ravi-S...

hinweisen, die bei Google auf der ersten Trefferseite erscheint.

Ich zitiere mal von confessio.de

"Mit scharfsinnigen Analysen oder besonders beachtenswerten Projekten ist er aber bislang nicht in Verbindung gebracht worden. Die Transparenz der Organisation lässt sehr zu wünschen übrig. Es lassen sich keine Statistik und kein Rechenschaftsbericht finden, die über die Verwendung von Spendengeldern Auskunft geben würden. Das DZI-Spendensiegel hat keine der in Deutschland aktiven Organisationen. Der von Sri Sri Ravi Shankar organisierte „Dialog der Kulturen“ nimmt die Kulturen nicht wirklich ernst, wenn der Meister die Religionen gern als Bananenschale und die Spiritualität als Banane bezeichnet. Sein Markenzeichen war bislang eher die heitere Banalität.[1] Wegweisende Impulse außer der Vermarktung seines Guru-Images und der Atemtechnik des Sundarshan-Kriya sind von ihm nicht ausgegangen. Insofern ist es bedauerlich, dass der neue Preis durch diesen ersten Preisträger einen faden Beigeschmack bekommt."

"Shankar war nominiert für den Friedensnobelpreis."

Diese Behauptung stimmt nicht, woher wissen Sie das?

Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Beleidigungen. Die Redaktion/sc

vielen Dank für den Link,

Der allen Verehrern dringend anzuempfehlen ist. Bitte bis zum Ende lesen, dann werden siefeststellen, dass sie einem Menschen aufgesessen sind, der es mit der Aufrichtigkeit nicht ganz so genau nimmt. Bis zum Studium der Seiten fand ich das Interview belanglos, seitdem stimme ich der Entrüstung zu. Demnächst wird hier noch jede 3-Personenendzeitsekte im Sinne interreligiöser Toleranz interviewt mit dem Ziel, das Weltwissen zu bereichern.

Trotz mancher hasserfüllter Kommentare hier

und auch wenn ich KEINE Anhängerin von "Sri Sri" bin, so möchte ich dennoch ZO für den nachdenklich stimmenden Artikel danken!

Mir persönlich hat besonders der Satz:

"und dass Gott unsere Security sei" gefallen.

Ansonsten, da ich nicht mit "Sri Sri" aber auch durch einen Zugang (einen anderen) mit dem Hinduismus liiert bin, war vieles für mich nicht neu, sondern einfach nur nochmal durch eine etwas andere Brille formuliert!

Nochmals Danke Evelyn Finger!

Hasserfüllt besser als völlig inhaltsleer

"Mir persönlich hat besonders der Satz: "und dass Gott unsere Security sei" gefallen."

Nun, mir nicht. Warum ist dieser Gott nicht immer im Einsatz, warum Kinderkrebskliniken? Hatte die Security da Urlaub??

Und welcher Gott ist gemeint: Zeus, Thor, Allah, Jahwe oder Lord Voldemort? Kommen Moslems in die Hölle?

Die Lehren der großen Weltreligionen sind nicht kompatibel,

[...]

Gekürzt. Bitte achten Sie auf eine angemessene Wortwahl und bemühen Sie sich um differenzierte Beiträge. Die Redaktion/sc

Der Vorkommentar war @5

Nun noch zu ihrem Kommentar Nr. 6

Wieso wollen Sie mir verbieten, dass ich mit diesem Satz etwas anfangen kann?

Schreibe ich Ihnen etwa vor, dass Sie damit etwas anfangen können MÜSSEN?

Ich habe hier nur mein rein persönliches subjektives Empfinden wieder gegeben, mit dem mir Shankar aus der Seele spricht!

Offensichtlich haben Sie eine etwas andere Gotteserfahrung oder schlicht eine gewisse anthropomorphe Vorstellung von Gott!

Wenn Sie natürlich den Kaugummi-Automaten-Gott wollen, der die Welt wie ein Marionetten-Spiel lenkt, ohne menschliche Freiheit, eigene Erfahrungen zu machen, dann kann ich Sie schon verstehen, dass Sie Ravi Shankar nicht verstehen können.

Aber ich finde nicht, dass Ravi Shankar von SOLCH EINEM Gott ausgeht, noch spricht.

Sonst hätte er ja wohl auch kaum die Verbindungsbrücke (theoretisch!) zwischen Atheisten und Gottgläubigen aufgezeigt!