Diese Woche trifft der Bundestag die wichtigste bioethische Entscheidung dieser Legislaturperiode. Nach fast zwei Jahrzehnten Diskussion wollen die Abgeordneten die Präimplantationsdiagnostik (PID) per Gesetz regeln . Lange Zeit hielt man dieses Verfahren in Deutschland für verboten. Betroffene Paare reisen deshalb nach Belgien, Spanien oder Tschechien, wo der Gentest an Embryonen erlaubt ist. Genau vor einem Jahr hatte der Bundesgerichtshof die PID jedoch für zulässig erklärt, sofern die zukünftigen Eltern unter einer schweren erblichen Vorbelastung leiden. Zuvor hatte sich ein Berliner Arzt selbst angezeigt, der eine PID bei drei betroffenen Paaren angewandt hatte .

Welcher der drei Gesetzentwürfe am Ende eine Mehrheit finden wird, ist noch völlig offen. Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen in dieser heiklen Debatte:

Welche Rechte hat ein Embryo?

Bei der PID werden Embryonen nach einer künstlichen Befruchtung auf genetisch bedingte Krankheiten untersucht. Klicken Sie hier für eine Infografik . Die gesunden Embryonen pflanzen die Ärzte der Frau ein, die defekten werfen sie weg. Falls Embryonen, die in diesem Stadium aus einigen Dutzend Zellen bestehen, dieselben Rechte besäßen wie ein geborener Mensch, dann müsste die PID verboten werden. Denn einen genetisch belasteten Embryo zu vernichten liefe dann auf dasselbe hinaus, wie einen behinderten Menschen zu töten.

Für diese Sichtweise spricht, dass die genetischen Anlagen jedes Individuums feststehen, sobald sich Ei- und Samenzelle vereint haben. Dann ist neues Leben entstanden, aus dem sich alle späteren Entwicklungsstadien – einem biologischen Programm folgend – bis zur Geburt quasi automatisch ergeben. Deshalb, so argumentieren PID-Gegner, gebühre dem Embryo von diesem Zeitpunkt an der volle Schutz des Grundgesetzes.

Auch für die PID-Befürworter ist der Embryo nicht wertlos. Für sie genießt der Keimling jedoch keinen absoluten Schutz, sondern nur einen abgestuften. Damit der Zellhaufen leben kann, braucht er nämlich die Mutter, die ebenfalls Rechte hat. Erst nach der Einnistung in die Gebärmutter kann der Embryo weiterreifen. Und selbst zu diesem Zeitpunkt sind die meisten Embryonen nicht überlebensfähig. Biologen gehen davon aus, dass rund 70 Prozent aller befruchteten Eizellen während der ersten Wochen wieder absterben – meist ohne dass die Frau es überhaupt bemerkt.