McDonald’sFrittieren bildet

Wer die Hamburger-Universität bei McDonald’s durchlaufen hat, gilt als begehrte Führungskraft.

Tiefer ging es damals kaum für McDonald’s . 26 Jahre ist es her, dass der Journalist Günter Wallraff in seinem Buch Ganz unten kolossale hygienische und arbeitsrechtliche Missstände mit Dumpinglöhnen bei der Hamburger-Kette anprangerte. Damals war das Image ruiniert, die Burger waren verpönt. Auch Gewerkschaften und Verbraucherschutzorganisationen lagen mit der Fast-Food-Kette im Dauerstreit.

Heute, 40 Jahre nachdem in München das erste Schnellrestaurant der Kette öffnete, scheint das miese Karma überwunden: Die Deutschen essen so viel bei McDonald’s wie nie zuvor. Mit Buletten im labbrigen Brötchen – überall derselbe Geschmack, überall dieselben Zutaten – hat das Unternehmen in Deutschland rund drei Milliarden Euro umgesetzt. Das ist Fast-Food-Rekord. Knapp 1400 Restaurants betreibt der Konzern aus Oak Brook, Illinois, hierzulande. So viele Filialen hat sonst keiner aus der Gastronomiebranche, und mit dem Wachstum hat sich auch der Ruf der McDonald’s-Manager enorm verbessert. Wer es in leitende Positionen schafft oder mehrere Restaurants als Franchisenehmer betreibt und eine Ausbildung in der konzerneigenen »Hamburger University« vorweisen kann, wird für andere Unternehmen der Gastronomie und Hotellerie zum gesuchten Führungskandidaten.

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Denis Hennequin etwa ist neuer Vorstandschef von Europas größter Hotelkette Accor. Der französische Konzern (Sofitel, Novotel, Ibis, Mercure) hat Hennequin direkt von McDonald’s-Europaspitze weggeworben. Der Mann, der in den vergangenen 26 Jahren den Franzosen gegen alle Widerstände Buletten schmackhaft gemacht und dann das gesamte Europageschäft zu einem der erfolgreichsten des ganzen US-Konzerns ausgebaut hat, soll jetzt das Franchisekonzept auf die Herbergen übertragen.

Edel-Pizzerien werden mit Burger-Methoden geführt

»Die ganze Branche orientiert sich an McDonald’s«, stellt Mirko Silz, ebenfalls ein Exmanager des Fast-Food-Konzerns, fest, »denn sie sind meistens die Vorreiter, sei es beim Restaurantdesign oder bei neuen Produkten.« Silz leitet inzwischen die Restaurantkette Vapiano aus Bonn, die das amerikanische Selbstbedienungskonzept auf italienische Pizza und Pasta in Designer-Gasträumen übertragen hat und einen Jahresumsatz von 43 Millionen Euro erreicht. Vapiano wächst seit der Gründung vor neun Jahren rasant: 90 Restaurants in 22 Ländern gibt es bereits. Das Know-how für das tägliche Management von Mitarbeitern, Franchisenehmern und Lieferketten kommt von Silz. Er hatte 1991 bei McDonald’s angeheuert und dort alle Stationen bis zum Gebietsmanager für ein Dutzend Restaurants durchlaufen. Abläufe erfassen, neue Standorte finden, eine zentrale Logistik aufbauen – die McDonald’s-Methoden haben auch Vapiano genutzt.

Auch Gerhard Schöps baut gerade eine neue Restaurantkette auf. Mit Mitteln des Bofrost-Gründers Josef Boquoi hat er Holy-Fields-Lokale in Frankfurt und Berlin eröffnet, andere deutsche Großstädte sollen bald folgen. Schöps war von 2006 bis 2009 deutscher Marketingvorstand der Fast-Food-Kette. Auch er hat das »Rückgrat« seines Konzeptes vom Fast-Food-Riesen mitgebracht: die minutiös geplanten Abläufe in Küche und Restaurant. »Ohne meine Erfahrung bei McDonald’s hätte ich mir das nicht zugetraut.«

Einmal im Jahr schwitzen auch die Chefs hinterm Tresen

Weil selbst Männer wie der Opernregisseur Andreas Baesler und der Vorstandschef des IT-Dienstleisters Datev, Dieter Kempf, ihre früheren Erfahrungen im Schnellrestaurant hervorheben, rühmt sich die Burger-Kette inzwischen unbescheiden seiner Management-Kultur: Wer ganz oben ist, packt auch unten mit an. Die Manager um Deutschland-Chef Bane Knezevic tragen Gummisohlen. Lederbeschlagene Schuhe gelten ihnen als weltfremd, weil auch die Mitarbeiter an den Hamburger-Stationen Profilsohlen tragen. In der Münchner Hauptverwaltung animiert die Statue des Unternehmensgründers Ray Kroc mit einem aufgerichteten Reisigbesen in der Hand zum unprätentiösen Anpacken. Der praktisch veranlagte Amerikaner, 1984 verstorben, soll sich auch für das Aufsammeln herumliegender Verpackungen auf den Parkplätzen seiner Restaurants nicht zu schade gewesen sein. An seinem Gedächtnistag pilgern die Manager der Zentrale jährlich in ein Restaurant der Kette, um an der Fritteuse oder hinter dem Tresen mitzuarbeiten. »Der Trend in der Wirtschaft ist, als Führungskraft nah am Geschäft zu sein«, sagt Walter Jochmann, Geschäftsführer von Kienbaum Management Consultants. »Es geht heute nicht mehr um Distanz und Machtinsignien.«

Doch so gerne andere Firmen vom McDonald’s-Führungspersonal profitieren, ein langfristig guter Arbeitgeber für einfache Angestellte ist die Kette auch nach 40 Jahren nicht. In den Restaurants muss das Unternehmen jedes Jahr mit einem Personalabfluss von bis zu 40 Prozent fertig werden. Das sei für die Systemgastronomie zwar ein sehr guter Wert, meint Unternehmensberater Jochmann. Doch bei anderen deutschen Unternehmen wechseln pro Jahr nur rund 15 Prozent der Mitarbeiter den Job.

 
Leserkommentare
    • TDU
    • 02.07.2011 um 14:51 Uhr

    Ohne Fast Food geht es doch nicht. Und je qualitativer, um so besser. Ausserdem werden die immer eine grüne Ampel kriegen. Die können diese Bedingnungen nämlich locker bezahlen.

    Im Gegensatz zu dem, der zwar qualitativ hochwertiges Essen auf die Schnelle liefern will, aber nicht alles in Edelstahl und genormten Gräten anbieten kann.

  1. Alles eine Frage des Arbeitsklimas, der Arbeitszeiten und den Verdienstes. Ein Beispiel für den Verdienst (Link, Punkt 6) ist 6,28 pro Stunde * 8 * 30 = 1.507,20 Monat

    http://www.dooyoo.de/imbi...

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    • Argi
    • 03.07.2011 um 9:15 Uhr

    Die Gehaltsrechnung unter #2 geht, wenn ich das richtig sehe, von 30 Vollzeitarbeitstagen im Monat aus. Reeller dürften 22 Tage sein, so dass man nur dezent über €1000,- kommt (zuz. gelegentlicher Zuschläge). Ich denke, €6,28/h sind kein wertschätzender Lohn.

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/mk

    • Argi
    • 03.07.2011 um 9:15 Uhr

    Die Gehaltsrechnung unter #2 geht, wenn ich das richtig sehe, von 30 Vollzeitarbeitstagen im Monat aus. Reeller dürften 22 Tage sein, so dass man nur dezent über €1000,- kommt (zuz. gelegentlicher Zuschläge). Ich denke, €6,28/h sind kein wertschätzender Lohn.

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/mk

  2. Die Holyfields-Filale in Frankfurt ist schon wieder insolvent: http://www.journal-frankf...

  3. Buletten sind eher rund (Kügelchen). Hamburgerfleischeinlagen sind dem moralischem, ethischen und geistigen Horizont ihrer "Erfinder" angepasst.

    2 Leserempfehlungen
  4. Leider sind die wirklich guten Fast-Food-Ketten nicht in Deutschland vertreten. Taco Bell Food ist frischer, schmeckt besser, sieht appetitlicher aus und hat weniger Kalorien.

    Wann kommt endlich Taco Bell nach Deutschland?

    http://www.tacobell.com/f...

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    Das hab ich mich schon 1996/97 gefragt, als ich Taco Bell in den USA kennenlernte... Das würde hier sicher auch gut laufen - an Stelle einer "Me-too"-Hamburgerkette.

    Das hab ich mich schon 1996/97 gefragt, als ich Taco Bell in den USA kennenlernte... Das würde hier sicher auch gut laufen - an Stelle einer "Me-too"-Hamburgerkette.

  5. Es ist doch schon sehr bezeichnend, dass sogenannte Führungskräfte nicht die einfachsten beruflichen Qualifikationen vorweisen können, um dann die tayloristische und sozialdarwinistische McDonalds-Welt in den höchsten Tönen zu loben. Weils sie dort das lernen, was sie in Chaplins Moderen Zeiten ebenso sehen hätten können. Die Menschen werden bis aufs Blut ausgepresst, wenn sie verbraucht sind und nicht mehr können, gehen sie freiwillig.

    In einer Massengesellschaft werden die Massen eben genau wie die Nutztiere industriell und rationell abgefüttert. Was daran besonders oder gar erstrebenswert sein soll, erschließt sich mir nicht.

    Noch immer wird bei uns dem Mythos der Dienstleistungsgesellschaft gefröhnt, also ob dort Werte geschaffen würden.

    Ohne eine technisch-wissenschaftliche Basis wird in keinem Land etwas produziert. Ohne industrielle Produkte verdient auch niemand etwas, für dass er sich dann Dienstleistungen kaufen kann.

    Mit solchen Leuten als "Führungskräften" kann es nur bergab gehen. Mit Deutschland!

    3 Leserempfehlungen
  6. Ich bin wahrlich kein überzeugter Fan von McDonalds (weder vom überteuerten Essen noch vom Geschäftsbetrieb) aber die vielfach betriebene Dämonisierung dieser Firma kann ich nicht nachvollziehen.

    Niemand wird gezwungen dort zu essen und es gibt eben zum Glück noch das verdammte Recht darauf, sich so ungesund zu ernähren wie man möchte (auch wenn das manchen Leuten nicht passt).

    Zum Thema Arbeitnehmerrechte sei gesagt, dass es diesbezüglich bei McDonalds sicherlich mal jede Menge auszusetzen gab, dass dies heute im Großen und Ganzen wohl anders aussieht. Ich bin mir z.B. sicher, dass eine Hilfskraft im örtlichen Beriner Dönerladen Vollzeit nicht auf 1500 brutto kommt aber da regt sich niemand auf. Da gelten ausgebeutete Familienangehörige ja oft als Teil der Folklore. Auch im Sektor der Zeitarbeit, in vielen Call-Center-Jobs und anderswo werden oft Löhne gezahlt, die deutlich unter denen von McDonalds liegen.

    Ich kann mir nicht helfen aber oft wirkt die plakative Kritik an McDonalds auf mich, als ob man nur ein Ventil braucht um gegen die "blöden Amis" und ihren "kulturlosen Fraß" sowie "Imperialismus" wettern zu können. Im gleichen Atemzug werden dagegen vergleichbare Unternehmensstrukturen anderer Firmen oft wesentlich wohlwollender bewertet. Ne Menge Deutsche brauchen anscheinend das Feinbild "Amerika" um sich selbst als Teil der Dichter & Denker zu fühlen - auch wenn ihre Lebensrealität keineswegs so schöngeistig aussieht.....

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    Michael Sonntag: Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen!So ist es. Wir Europäer mäkeln wirklich zu viel an den Amis herum. Natürlich machen die Fehler, wir aber ebenfalls; sogar in der Gastronomie.Man schiesst sich immer wieder auf die "US-Unkultur" ein, kopiert diese aber seit Jahrzehnten freudig. Die "US-Multis" werden als Inkarnation einer un- oder sogar asozialen Verhaltensweise dämonisiert. Das ist doch einfach alles Schwachfug, ein Überraschungsei bigotten Inhalts. Ich selbst wurde übrigens noch nie mit vorgehaltener Waffe zum Verzehr eines Burgers gezwungen.

    Michael Sonntag: Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen!So ist es. Wir Europäer mäkeln wirklich zu viel an den Amis herum. Natürlich machen die Fehler, wir aber ebenfalls; sogar in der Gastronomie.Man schiesst sich immer wieder auf die "US-Unkultur" ein, kopiert diese aber seit Jahrzehnten freudig. Die "US-Multis" werden als Inkarnation einer un- oder sogar asozialen Verhaltensweise dämonisiert. Das ist doch einfach alles Schwachfug, ein Überraschungsei bigotten Inhalts. Ich selbst wurde übrigens noch nie mit vorgehaltener Waffe zum Verzehr eines Burgers gezwungen.

  7. McDonalds hat 31.000 Restaurants in über 100 Ländern. Auf ein Land mehr oder weniger kommt's da nicht so an.

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