Europapolitik Nein, wir schaffen das nicht allein
Keine Nation kann ihre Probleme alleine lösen – Deutschlands Zukunft ist kosmopolitisch
© Aris Messinis/AFP/Getty

Die europäische und die griechische Flagge vor dem Parthenon in Athen
Der Prozess der europäischen Einigung hatte nach dem Zweiten Weltkrieg eine klare Begründung: »Nie wieder!« Ging es doch darum, wie aus Feinden Nachbarn werden. Weil dieses Wunder gelang, mobilisiert das Friedensprojekt nicht mehr ohne Weiteres. Daran kann überhaupt kein Zweifel bestehen: Das Projekt der europäischen Einigung bedarf dringend einer zusätzlichen Begründung! Dazu drei Thesen.
These 1: Die Neubegründung der EU eilt, weil sich drei selbstzerstörerische Prozesse in Europa überlagern und wechselseitig verstärken – »Ausländerfeindlichkeit«, »Islamfeindlichkeit« und »Europafeindlichkeit«. Den Kritikern »des« Islam, der angeblich die westlichen Werte der Freiheit missbraucht, gelang es, Ausländerfeindlichkeit und Aufklärung zu verbinden. Plötzlich konnte man sogar im Namen der Aufklärung gegen Einwanderer sein.

lehrt Soziologie an der London School of Economics und an der Universität Harvard. Zuletzt erschien von ihm Das kosmopolitische Europa.
Im Zusammenhang mit den Rettungsschirmen für die südeuropäischen Länder hat sich eine neuartige, nationalistische Ressentiments aufheizende Verteilungs- und Konfliktlogik entwickelt. Die Geberländer müssen nach innen Sparprogramme durchsetzen und ziehen deswegen die politischen Daumenschrauben bei den Griechen bis über die Schmerzgrenze hinweg an. Die Griechen wiederum sehen sich dem »Diktat der EU« unterworfen, das ihre nationale Unabhängigkeit und Würde verletzt. Beides schürt Hass auf Europa.
Hier wie dort wird – um Hans Magnus Enzensbergers Wort vom »sanften Monster Brüssel« aufzugreifen – die Europafeindlichkeit befeuert. (Warum nehmen wir eigentlich Unwahrheiten über Europa mittlerweile widerstandslos hin? Die EU-Verwaltung hat bekanntlich weniger Beamte als die Stadt Köln!) Dahinter steht unausgesprochen die Überzeugung: Wir schaffen das auch allein. »Wir«, das sind wir Deutschen, wir Franzosen, ja vielleicht sogar wir Luxemburger.
Das ist die nationale Lebenslüge, das ist die neue deutsche Ohnemichelei. Hans Magnus Ohnemichel ist nur einer von vielen. Ganz allgemein redet man über Europa, als wäre Deutschland völlig eigenständig. Die Gegenfrage gehört endlich auf den Tisch: Man stelle sich vor, die EU würde tatsächlich zerfallen. Welche Kosten würde es verursachen, die europäische Währung wieder durch zwölf nationale Währungen zu ersetzen, wieder alle nationalen Grenzen zu kontrollieren und nationale Zölle einzuführen, europäische Regulierungen wieder durch 27 nationale zu ersetzen? Ganz davon abgesehen, dass sich nationale Politik zu globalen Verwicklungen wie dem Klimawandel oder der Finanzkrise wie die Fahrradklingel und -bremse am Interkontinentalflugzeug ausnimmt.
These 2: Europa krankt weder an der Euro-Krise noch an der fehlenden Bereitschaft, die politische Union auszubauen (zum Beispiel durch eine europäische Wirtschaftsregierung), noch an dem Mangel einer europäischen Bürgerbewegung. Das sind die Symptome. Das Grundproblem ist ein ganz anderes: Europa krankt an einem Selbstmissverständnis. Genau das großartige Ziel der »Vereinigten Staaten von Europa« – so wie es bislang verstanden wird – macht Europa und seine Mitgliedsländer hinter der Fassade gemeinschaftlichen Handelns letztlich zu Erzrivalen, die wechselseitig ihre Existenz infrage stellen. Solange es heißt »Entweder Europa oder die Nationalstaaten« und ein Drittes ausgeschlossen bleibt, werden dort, wo von »Europa« die Rede ist, Ängste geweckt. Muss in dieser Wahrnehmung doch die Existenz der Nationalstaaten stets gegen Europa verteidigt werden. So wird europäische Integration zu einem teuflischen Nullsummenspiel, bei dem am Ende beide – Europa und seine Mitgliedsländer – verlieren.
These 3: Das »ausgeschlossene Dritte« ist ein kosmopolitisches Europa und ein kosmopolitisches Deutschland. In diesem Sinne gilt es, zwischen Nation und Nationalismus klar zu unterscheiden und die Nation nicht den Nationalisten zu überlassen. Wer angesichts eines schleichenden Zerfalls der EU ein »Zurück zur Nation« fordert, wer also die deutsche Ohnemichelei predigt, handelt naiv und unpatriotisch; naiv, denn er verschweigt die unermesslichen Kosten einer Auflösung der EU; unpatriotisch, denn er gefährdet Deutschland. Wer dagegenhält: Deutschlands Zukunft ist kosmopolitisch, bereichert Deutschland und Europa.
- Datum 03.07.2011 - 17:52 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 30.6.2011 Nr. 27
- Kommentare 143
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Es gibt keine europäische Identität. Hat es nie gegeben Die Stärke Europas war schon immer seine Vielfalt - wie Nigel Farage es kürzlich sagte. Entweder man ist FÜR die Europäische Union - oder man ist FÜR die europäische Vielfalt der Völker und Kulturen. Beides ist unmöglich. Es kann gut sein, dass die EU den Frieden in Europa gestärkt hat - aber um welchen Preis? Es werden ganze Kulturen und Völker durch Gleichschaltung vernichtet. Die europäische Union wird als der bisher größte Ethnozid in die Geschichte eingehen.
Kommentar wieder hregestellt. Danke, die Redaktion/fk.
Ethnozid! Ich bitte Sie!
Wie bildet sich bitte identität aus? Dialogisch und intersubjektiv und kontingent ist sie sowieso.
Genauso wie sich die deutsche Identität im 19. Jahrhundert langsam ausgebildet hat. Identität ist dabei niemals stabil und konstant sondern verändert sich stetig und das wird auch in Zukunft so sein.
Es bildet sich seit einigen Jahrzehnten langsam eine europäische Identität aus und das wird auch so weitergehen.
Ich zähle mich zur jungen Generation und behaupte sowohl eine bayerische wie auch eine deutsche wie auch eine europäische Identität zu besitzen. Das ist doch nicht inkompatibel oder doch?
[Ironie]
Im Umkehrschluss müssten sie nämlich sagen, dass eine bayerische Identität mit einer deutschen Identität nicht kompatibel ist. Ich bitte Sie, was haben wir Bayern denn mit den Preußen gemein? ;DD [/Ironie]
Wo ist denn das bitte ein Doppelposting gewesen?
„Es werden ganze Kulturen und Völker durch Gleichschaltung vernichtet.“ Sicher können Sie für diese Aussage ein paar Beispiele geben... ;)
Ethnozid! Ich bitte Sie!
Wie bildet sich bitte identität aus? Dialogisch und intersubjektiv und kontingent ist sie sowieso.
Genauso wie sich die deutsche Identität im 19. Jahrhundert langsam ausgebildet hat. Identität ist dabei niemals stabil und konstant sondern verändert sich stetig und das wird auch in Zukunft so sein.
Es bildet sich seit einigen Jahrzehnten langsam eine europäische Identität aus und das wird auch so weitergehen.
Ich zähle mich zur jungen Generation und behaupte sowohl eine bayerische wie auch eine deutsche wie auch eine europäische Identität zu besitzen. Das ist doch nicht inkompatibel oder doch?
[Ironie]
Im Umkehrschluss müssten sie nämlich sagen, dass eine bayerische Identität mit einer deutschen Identität nicht kompatibel ist. Ich bitte Sie, was haben wir Bayern denn mit den Preußen gemein? ;DD [/Ironie]
Wo ist denn das bitte ein Doppelposting gewesen?
„Es werden ganze Kulturen und Völker durch Gleichschaltung vernichtet.“ Sicher können Sie für diese Aussage ein paar Beispiele geben... ;)
Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Beiträgen an der Diskussion. Die Redaktion/sc
Entfernt. Bitte argumentieren Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/wg
[...] Bitte einmal wieder bewußt machen: der Bürger ist der Souverän, nicht eine abgehobene politische Kaste und ihre medialen Steigbügenhalter.
Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/wg
Der Film heißt: Eine total, total verrückte Welt
Alle Beteiligten könnten friedlich ihrer Wege gehen und das Beste aus ihrem Leben machen. Aber nein, alle verrennen sich in die eine Idee und ruinieren sich am Ende selbst. Anstatt zusammenzuarbeiten siegt die eigene Gier.
Nur macht es keinen Sinn zu sagen:"Ihr sollt nicht egoistisch sein!". Die Menschen sind nunmal egoistisch und unvernüftig.
Und die EU ist jetzt durch die Gier und Unvernunft der Griechen, Iren usw, beschädigt worden und nicht durch die Haltung der EU-Kritiker, die ehrlicher Weise rechtbehalten haben.
[...]
Gekürzt. Bitte diskutieren Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/er
Ethnozid (ein Begriff, den ich mir zueigen machen werde, danke dafür) ist die Folge der ´Vereinigten Staaten von Europa´.
Die faktisch fehlende Mitbestimmung der Völker über die Gestaltung der EU, der Zugriff einer selbsternannten europäischen Elite auf die Entscheidungsprozesse der EU ausschließlich zum eigenen Vorteil, sind die wahren Gründe der Ablehnung der jetzigen EU, und wird nicht umsonst als EUkratie bezeichnet.
Ein ´Europa der Völker´, legitimiert über das EU-Parlament als einzige authorisierte Völkervertretung Europas, wäre der moralisch und ethisch verantwortbare Weg.
Das sollte sich der Autor Ulrich Beck überlegen, wenn er Gründe sucht für den Verdruß und die Schieflage der europäischen Bevölkerungen in ihren Wahrnehmungen der jetzigen EU.
Ein "Wir wissen, was gut für euch ist" reicht nicht zur europäischen Identitätsfindung.
Herr Ulrich Beck, nur aus einer Sicht des saturierten Bildungsbürgertums heraus ein Schönreden zu veranstalten, ist keine zielfördernde Auseinandersetzung.
Es ist auch nicht hilfreich, argumentativ ein ´Dagegen´ mit einer latenten Fremdenfeindlichkeit zu vermengen. Solcherart Sprachakrobatik hat sich überlebt, es reagiert kaum einer noch darauf.
"Ein ´Europa der Völker´, legitimiert über das EU-Parlament als einzige authorisierte Völkervertretung Europas, wäre der moralisch und ethisch verantwortbare Weg."
...ein Parlament ist doch selbst:
"Ein "Wir wissen, was gut für euch ist"
Sieht man doch dauernd in D, schon dort funktioniert es ja nicht.
Und ein wirksames, auch nur ansatzweise demokratisch zu nennendes, Parlament bedürfte dringend einer euopäischen Öffentlichkeit, die schon sprachbedingt nicht existiert und auf absehbare Zeit auch nicht existieren kann.
Ich halte den EU-Bundesstaat schon für den vollkommen falschen Ansatz (der leider nie öffentlich diskutiert wurde, schon da fängt das Problem an). Warum keinen EU-Staatenbund? (Mehr oder weniger) demokratische und souveräne Nationalstaaten, die zusammenarbeiten (oder eben auch nicht, dann müssen sie ihre Probleme halt allein lösen).
Wenn im Aufmacher steht:
"Keine Nation ...Probleme alleine lösen"
Dann will ich mal dagegen halten: international lassen sie sich offenbar auch nicht in absehbarer Zeit und schon gar nicht demokratisch lösen. Das zeigt das Finanzmarkt-Dilemma.
Und nun Herr Beck? Wer TINA beschwört, muss sich nicht wundern, wenn man ihn nicht mehr ernst nimmt. Natürlich lassen sich Probleme national auch lösen, idR viel schneller und konsequenter. Allerdings muss man da die *globale Konkurrenz*-Scheuklappen abstreifen und darf Ökonomie nicht mehr als gott- und marktgegeben hinnehmen, sondern muss anfangen sie wieder zu gestalten.
"Ein ´Europa der Völker´, legitimiert über das EU-Parlament als einzige authorisierte Völkervertretung Europas, wäre der moralisch und ethisch verantwortbare Weg."
...ein Parlament ist doch selbst:
"Ein "Wir wissen, was gut für euch ist"
Sieht man doch dauernd in D, schon dort funktioniert es ja nicht.
Und ein wirksames, auch nur ansatzweise demokratisch zu nennendes, Parlament bedürfte dringend einer euopäischen Öffentlichkeit, die schon sprachbedingt nicht existiert und auf absehbare Zeit auch nicht existieren kann.
Ich halte den EU-Bundesstaat schon für den vollkommen falschen Ansatz (der leider nie öffentlich diskutiert wurde, schon da fängt das Problem an). Warum keinen EU-Staatenbund? (Mehr oder weniger) demokratische und souveräne Nationalstaaten, die zusammenarbeiten (oder eben auch nicht, dann müssen sie ihre Probleme halt allein lösen).
Wenn im Aufmacher steht:
"Keine Nation ...Probleme alleine lösen"
Dann will ich mal dagegen halten: international lassen sie sich offenbar auch nicht in absehbarer Zeit und schon gar nicht demokratisch lösen. Das zeigt das Finanzmarkt-Dilemma.
Und nun Herr Beck? Wer TINA beschwört, muss sich nicht wundern, wenn man ihn nicht mehr ernst nimmt. Natürlich lassen sich Probleme national auch lösen, idR viel schneller und konsequenter. Allerdings muss man da die *globale Konkurrenz*-Scheuklappen abstreifen und darf Ökonomie nicht mehr als gott- und marktgegeben hinnehmen, sondern muss anfangen sie wieder zu gestalten.
"wer also die deutsche Ohnemichelei predigt, handelt naiv und unpatriotisch; naiv, denn er verschweigt die unermesslichen Kosten einer Auflösung der EU"
Ich glaube, Ulrich Beck hat die gegenwärtige Problemlage der EU nicht ganz mitbekommen. Mir ist nicht bekannt, dass Kritiker der jetzigen EU-Politik die Auflösung der Union fordern oder sich der Vorstellung hingeben, Nationalstaaten könnten z.B. in der Umweltpolitik allein handeln.
Beck greift zu einer suggestiven Generalisierung: weil in der Umweltpolitik in einigen (keineswegs allen) Feldern koordiniertes Handeln erforderlich ist, gelte dies auch für die Sozialpolitik. Das ist einfach falsch. Deutschland muss nicht dieselbe Renten- oder Arbeitsmarktpolitik wie Dänemark oder Bulgarien betreiben, wohl aber bekommen die Mitgliedstaaten von Kommission und EuGH immer mehr Vorgaben auf diesen und anderen Politikfeldern gemacht - obwohl die EU hier keine Kompetenzen durch die Verträge hat. Das unterhöhlt die Demokratie mehr und mehr und kann auch nicht durch Kompetenzübertragung an das EU-Parlament aufgefangen werden, da die Stimmengewichte die Bevölkerung der Mitgliedstaaten verzerren.
Mitlerweile verunklaren sich die Verantwortlichkeiten zusehends: keiner weiß, ob die nationale Regierung oder die EU für ein Gesetz verantwortlich sind. Diesen Fragen muss man nachgehen anstatt eine Euro-Arie anzustimmen. Das Demokratieproblem Europas ist virulent und lässt nicht mit hohen Tönen zu Kosmopolitismus und Zukunft wegsingen.
[...]
Inhaltlich bietet Herr Beck wenig Neues. Er verkennt völlig, dass die "Alles-oder-Nichts" Frage nicht gestellt wird. Die Fragen sind doch ob "immer mehr Europa" die richtige Lösung ist, oder ob es nicht reichen würde, wenn alle sich an die bereits bestehenden Spielregeln halten würden. Hier ist das Susidiaritätsprinzip eigentlich eine der tragenden Säulen. Gleiches gilt für die EU-Institutionen. Das völlige Versagen dieser durch mehr Machtverlagerungen nach Brüssel zu kurieren ist schon sehr gewagt. Die Vorstellung eines von Island bis Griechenland gleichgeschalteten Europas unter der Knute der EU-Kommission mag den Autor begeistern, diese Vorstellung ist aber nicht für alle Bürger erstrebenswert.
[...]
Gegenfrage an den Autor: Wollen Sie das totale Europa?
Grüße
Teile entfernt. Bitte formulieren Sie artikelbezogene Kritik sachlich und verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/wg
"Mir ist nicht bekannt, dass Kritiker der jetzigen EU-Politik die Auflösung der Union fordern"
In ihrer jetzigen Form tue ich das, sie ist undemokratisch, neoliberal und schafft mehr Probleme und Kosten, als wie sie vermeidet.
"oder sich der Vorstellung hingeben, Nationalstaaten könnten z.B. in der Umweltpolitik allein handeln."
Klar können sie, gerade in der Umweltpolitik. D wird nicht das Klima retten (so man an die globale Erwärmung glaubt), aber es kann z.B. vormachen wie es gehen könnte. Während alle anderen in ihrer Angststarre auf die (politisch gewollte und forcierte) *Globalisierung* gaffen und dabei dummdreist den Untergang der Welt bejammern.
Das Argument welches an dieser Stelle gerne kommt: aber dann sind wir nicht mehr konkurrenzfähig.
Auf diese Angst-Polemik, kann man nur antworten:
1) wir verhungern auch nicht, wenn wir nicht mehr konkurrenzfähig sind, wir haben eigenes Land und Arbeitskräfte genug
2) weniger Konkurrenzfähigkeit wäre angesichts Exportüberschuß sowieso notwendig um die anderen Staaten nicht zu ruinieren
3) ob weniger Konkurrenzfähigkeit eintritt, ist prinzipiell nicht absehbar und hängt von den Randfaktoren ab, wer z.B. zuerst vollkommen auf erneuerbare Energien umstellt, bei dem armortisiert es sich auch zuerst, er hat das KnowHow und die Maschinen die er verkaufen kann usw.
[...]
Inhaltlich bietet Herr Beck wenig Neues. Er verkennt völlig, dass die "Alles-oder-Nichts" Frage nicht gestellt wird. Die Fragen sind doch ob "immer mehr Europa" die richtige Lösung ist, oder ob es nicht reichen würde, wenn alle sich an die bereits bestehenden Spielregeln halten würden. Hier ist das Susidiaritätsprinzip eigentlich eine der tragenden Säulen. Gleiches gilt für die EU-Institutionen. Das völlige Versagen dieser durch mehr Machtverlagerungen nach Brüssel zu kurieren ist schon sehr gewagt. Die Vorstellung eines von Island bis Griechenland gleichgeschalteten Europas unter der Knute der EU-Kommission mag den Autor begeistern, diese Vorstellung ist aber nicht für alle Bürger erstrebenswert.
[...]
Gegenfrage an den Autor: Wollen Sie das totale Europa?
Grüße
Teile entfernt. Bitte formulieren Sie artikelbezogene Kritik sachlich und verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/wg
"Mir ist nicht bekannt, dass Kritiker der jetzigen EU-Politik die Auflösung der Union fordern"
In ihrer jetzigen Form tue ich das, sie ist undemokratisch, neoliberal und schafft mehr Probleme und Kosten, als wie sie vermeidet.
"oder sich der Vorstellung hingeben, Nationalstaaten könnten z.B. in der Umweltpolitik allein handeln."
Klar können sie, gerade in der Umweltpolitik. D wird nicht das Klima retten (so man an die globale Erwärmung glaubt), aber es kann z.B. vormachen wie es gehen könnte. Während alle anderen in ihrer Angststarre auf die (politisch gewollte und forcierte) *Globalisierung* gaffen und dabei dummdreist den Untergang der Welt bejammern.
Das Argument welches an dieser Stelle gerne kommt: aber dann sind wir nicht mehr konkurrenzfähig.
Auf diese Angst-Polemik, kann man nur antworten:
1) wir verhungern auch nicht, wenn wir nicht mehr konkurrenzfähig sind, wir haben eigenes Land und Arbeitskräfte genug
2) weniger Konkurrenzfähigkeit wäre angesichts Exportüberschuß sowieso notwendig um die anderen Staaten nicht zu ruinieren
3) ob weniger Konkurrenzfähigkeit eintritt, ist prinzipiell nicht absehbar und hängt von den Randfaktoren ab, wer z.B. zuerst vollkommen auf erneuerbare Energien umstellt, bei dem armortisiert es sich auch zuerst, er hat das KnowHow und die Maschinen die er verkaufen kann usw.
Ethnozid! Ich bitte Sie!
Wie bildet sich bitte identität aus? Dialogisch und intersubjektiv und kontingent ist sie sowieso.
Genauso wie sich die deutsche Identität im 19. Jahrhundert langsam ausgebildet hat. Identität ist dabei niemals stabil und konstant sondern verändert sich stetig und das wird auch in Zukunft so sein.
Es bildet sich seit einigen Jahrzehnten langsam eine europäische Identität aus und das wird auch so weitergehen.
Ich zähle mich zur jungen Generation und behaupte sowohl eine bayerische wie auch eine deutsche wie auch eine europäische Identität zu besitzen. Das ist doch nicht inkompatibel oder doch?
[Ironie]
Im Umkehrschluss müssten sie nämlich sagen, dass eine bayerische Identität mit einer deutschen Identität nicht kompatibel ist. Ich bitte Sie, was haben wir Bayern denn mit den Preußen gemein? ;DD [/Ironie]
"...Ich zähle mich zur jungen Generation und behaupte sowohl eine bayerische wie auch eine deutsche wie auch eine europäische Identität zu besitzen. Das ist doch nicht inkompatibel oder doch?..."
--------------------------------------------------------
Nein, nicht inkompatibel, aber konturlos.
"Kein größerer Schaden kann einem Volk zugefügt werden, als wenn man ihm das Volkswesen, die Eigenart seines Geistes und seiner Sprache nimmt."
- Immanuel Kant
Wie viele preußische und bayrische Eigenarten gibt es denn noch? Kennen Sie noch Menschen, welche wirklich Preußen sind? Wie viele wahre Bayern kennen Sie?
Sprechen Sie hauptsächlich Hochdeutsch oder Bairisch?
Natürlich befindet sich eine Identität im steten Wandel - welcher aber aus dem Volk heraus entstehen sollte.
Eine übergeordnete Institution, welche bspw. eine Sprache zur Weltsprache oder zur Hauptsprache der Region deklariert und von ihren Mitgliedsstaaten verlangt, dass diese auch ausgiebig und überall gelehrt wird - und, wie es in der EU Brauch ist, Regierungspapiere und Gesetzgebungen nur in diesen Hauptsprachen veröffentlicht (und damit Millionen Menschen bewusst ausschließt, bzw. eine Sprache aufzwingt) betreibt Ethnozid.
Moin,
auf Ihre Frage zur Identitätsbildung möchte ich an eine kürzlich erfolgte Definierung erinnern:
"Maßgeblich ist die Abstammung. (...) Personen mit mehrheitlich außereuropäischen Vorfahren sind unter Hinweis auf die Abstammungsgemeinschaft eines Volkes dementsprechend keine Angehörigen des deutschen Volkes."(Hervorhebung von mir).
Der gleiche Geist läßt manche in der Furcht vor einem einigen, freien und demokratischen Europa nicht schlafen. Und dann wird von Ethnozid gesprochen. Andere sprechen auch von einer "populationsgenetischen Gruppierung" die man vor "fortschreitender Überfremdung" schützen müsse.
Das Vokabular kommt vertraut vor....
CU
"Ich zähle mich zur jungen Generation und behaupte sowohl eine bayerische wie auch eine deutsche wie auch eine europäische Identität zu besitzen. Das ist doch nicht inkompatibel oder doch?"
Aha. Und wie äußert sich so etwas? Ist das so etwas über den Dingen Schwebendes, Metaphysisches? Was glauben Sie denn, woraus Europa besteht oder was es ist: Ist das nicht eine Gemeinschaft der europäischen Nationen wie der tschechischen, britischen, italienischen, französischen, ungarischen, polnischen usw.?
"[Ironie]
Im Umkehrschluss müssten sie nämlich sagen, dass eine bayerische Identität mit einer deutschen Identität nicht kompatibel ist. Ich bitte Sie, was haben wir Bayern denn mit den Preußen gemein? ;DD [/Ironie]"
Daß sowohl in Bayern als auch in Preußen die einheitliche deutsche Sprache gesprochen wird und die deutsche Kultur gelebt wird, ist Ihnen aber nicht entgangen? Denn im Unterschied z.B. zum Französischen handelt es sich beim Bayrischen wie beim Berliner Idiom nicht um verschiedene Sprachen, sondern um verschiedene Dialekte des Deutschen. Sowohl in den bayrischen als auch in den "preußischen" (Berliner/Brandenburger) Schulen wird das reine Deutsch gelehrt.
Was die Kultur betrifft, so handelt es sich hier um ein Bäume-Wald-Problem. Die deutsche Kultur besteht aus der bayrischen wie auch der preußischen wie aus der sächsischen usw. Lebensart. Gemeinsam machen diese Bäume den Wald deutsche Kultur aus.
Eine deutsche Identität hat sich nicht erst im 19. Jahrhundert langsam herausgebildet, sondern bereits sehr viel früher zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert. Was die Französische Revolution und die Napoleonischen Kriege brachten, war eine enorme Politisierung der Nation - eine deutsche Identität war damals jedoch schon längst vorhanden und auf ihr konnte nun aufgebaut werden.
Um ein mittelalterliches Beispiel zu bringen: Bereits 800 Jahre alt - entstanden wahrscheinlich 1198 oder kurz danach - ist Walther von der Vogelweides "Ir sult sprechen willekomen", in dem es heißt (man beachte die frappierende Ähnlichkeit zur 1. Strophe des "Liedes der Deutschen" von Hoffmann von Fallersleben):
"Ich hân lande vil gesehen
unde nam der besten gerne war. […]
tiuschiu zuht gât vor in allen.
Von der Elbe unz an den Rîn
und her wider unz an Ungerlant
mugen wol die besten sîn,
die ich in der werlte hân erkant."
("Ich habe viele Länder gesehen
und wollte immer die Besten kennenlernen. […]
Deutsche Art und Bildung übertrifft alle anderen.
Von der Elbe bis an den Rhein
und dann wieder bis an die Grenze zu Ungarn
da leben gewiss die Besten,
die ich in der ganzen Welt gefunden habe.")
Also, wenn man da keine deutsche Identität ausmachen kann, weiß ich auch nicht. Nach den heutigen Normen im hegemonialen Diskurs der Bundesrepublik, könnte man fast schon von Chauvinismus sprechen...
... noch nicht kompatibel. Bitte gedulden Sie sich bis zur Fertigstellung von HTML Version 4.02
"...Ich zähle mich zur jungen Generation und behaupte sowohl eine bayerische wie auch eine deutsche wie auch eine europäische Identität zu besitzen. Das ist doch nicht inkompatibel oder doch?..."
--------------------------------------------------------
Nein, nicht inkompatibel, aber konturlos.
"Kein größerer Schaden kann einem Volk zugefügt werden, als wenn man ihm das Volkswesen, die Eigenart seines Geistes und seiner Sprache nimmt."
- Immanuel Kant
Wie viele preußische und bayrische Eigenarten gibt es denn noch? Kennen Sie noch Menschen, welche wirklich Preußen sind? Wie viele wahre Bayern kennen Sie?
Sprechen Sie hauptsächlich Hochdeutsch oder Bairisch?
Natürlich befindet sich eine Identität im steten Wandel - welcher aber aus dem Volk heraus entstehen sollte.
Eine übergeordnete Institution, welche bspw. eine Sprache zur Weltsprache oder zur Hauptsprache der Region deklariert und von ihren Mitgliedsstaaten verlangt, dass diese auch ausgiebig und überall gelehrt wird - und, wie es in der EU Brauch ist, Regierungspapiere und Gesetzgebungen nur in diesen Hauptsprachen veröffentlicht (und damit Millionen Menschen bewusst ausschließt, bzw. eine Sprache aufzwingt) betreibt Ethnozid.
Moin,
auf Ihre Frage zur Identitätsbildung möchte ich an eine kürzlich erfolgte Definierung erinnern:
"Maßgeblich ist die Abstammung. (...) Personen mit mehrheitlich außereuropäischen Vorfahren sind unter Hinweis auf die Abstammungsgemeinschaft eines Volkes dementsprechend keine Angehörigen des deutschen Volkes."(Hervorhebung von mir).
Der gleiche Geist läßt manche in der Furcht vor einem einigen, freien und demokratischen Europa nicht schlafen. Und dann wird von Ethnozid gesprochen. Andere sprechen auch von einer "populationsgenetischen Gruppierung" die man vor "fortschreitender Überfremdung" schützen müsse.
Das Vokabular kommt vertraut vor....
CU
"Ich zähle mich zur jungen Generation und behaupte sowohl eine bayerische wie auch eine deutsche wie auch eine europäische Identität zu besitzen. Das ist doch nicht inkompatibel oder doch?"
Aha. Und wie äußert sich so etwas? Ist das so etwas über den Dingen Schwebendes, Metaphysisches? Was glauben Sie denn, woraus Europa besteht oder was es ist: Ist das nicht eine Gemeinschaft der europäischen Nationen wie der tschechischen, britischen, italienischen, französischen, ungarischen, polnischen usw.?
"[Ironie]
Im Umkehrschluss müssten sie nämlich sagen, dass eine bayerische Identität mit einer deutschen Identität nicht kompatibel ist. Ich bitte Sie, was haben wir Bayern denn mit den Preußen gemein? ;DD [/Ironie]"
Daß sowohl in Bayern als auch in Preußen die einheitliche deutsche Sprache gesprochen wird und die deutsche Kultur gelebt wird, ist Ihnen aber nicht entgangen? Denn im Unterschied z.B. zum Französischen handelt es sich beim Bayrischen wie beim Berliner Idiom nicht um verschiedene Sprachen, sondern um verschiedene Dialekte des Deutschen. Sowohl in den bayrischen als auch in den "preußischen" (Berliner/Brandenburger) Schulen wird das reine Deutsch gelehrt.
Was die Kultur betrifft, so handelt es sich hier um ein Bäume-Wald-Problem. Die deutsche Kultur besteht aus der bayrischen wie auch der preußischen wie aus der sächsischen usw. Lebensart. Gemeinsam machen diese Bäume den Wald deutsche Kultur aus.
Eine deutsche Identität hat sich nicht erst im 19. Jahrhundert langsam herausgebildet, sondern bereits sehr viel früher zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert. Was die Französische Revolution und die Napoleonischen Kriege brachten, war eine enorme Politisierung der Nation - eine deutsche Identität war damals jedoch schon längst vorhanden und auf ihr konnte nun aufgebaut werden.
Um ein mittelalterliches Beispiel zu bringen: Bereits 800 Jahre alt - entstanden wahrscheinlich 1198 oder kurz danach - ist Walther von der Vogelweides "Ir sult sprechen willekomen", in dem es heißt (man beachte die frappierende Ähnlichkeit zur 1. Strophe des "Liedes der Deutschen" von Hoffmann von Fallersleben):
"Ich hân lande vil gesehen
unde nam der besten gerne war. […]
tiuschiu zuht gât vor in allen.
Von der Elbe unz an den Rîn
und her wider unz an Ungerlant
mugen wol die besten sîn,
die ich in der werlte hân erkant."
("Ich habe viele Länder gesehen
und wollte immer die Besten kennenlernen. […]
Deutsche Art und Bildung übertrifft alle anderen.
Von der Elbe bis an den Rhein
und dann wieder bis an die Grenze zu Ungarn
da leben gewiss die Besten,
die ich in der ganzen Welt gefunden habe.")
Also, wenn man da keine deutsche Identität ausmachen kann, weiß ich auch nicht. Nach den heutigen Normen im hegemonialen Diskurs der Bundesrepublik, könnte man fast schon von Chauvinismus sprechen...
... noch nicht kompatibel. Bitte gedulden Sie sich bis zur Fertigstellung von HTML Version 4.02
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