Digitale Öffentlichkeit Ab nach draußen!
Wie ausgerechnet das Internet eine Renaissance des öffentlichen Lebens befeuert
© Fabrice Coffrini/AFP/Getty Images

Im Internet wurde zum "Pillowfightday" aufgerufen - wie hier in Zürich versammelten sich in 130 Städten Menschen zur Kissenschlacht.
Vielleicht ist es nur eine Sommerlaune, und es bedeutet nicht viel, dass derzeit ein wildes Einladungsfieber die Republik erfasst und sämtliche Polizeidienststellen alarmiert sind. Ständig und überall wird zur großen öffentlichen Party aufgerufen, in Solingen, Lörrach oder Ahrensburg, selbst im Zollernalbkreis. Allein in Bochum wollen sich in zwei Wochen gleich 50.000 wildfremde Menschen treffen. Seitdem Anfang Juni ein Mädchen namens Thessa versehentlich alle Welt per Facebook zu ihrem Geburtstag einlud und ungefähr die halbe Welt tatsächlich ins stille Hamburg-Bramfeld reiste, sind die Freunde der Massenfeiern nicht mehr zu bremsen. Eine Sommerlaune, doch seltsam genug.
War nicht jahrzehntelang vom »Verfall und Ende des öffentlichen Lebens« (Richard Sennett) die Rede? Hatte nicht der bekannte Architekt Rem Koolhaas behauptet, der öffentliche Raum werde für nichts mehr gebraucht außer fürs Shoppen? Und erzählte nicht auch Jürgen Habermas mit seinem Strukturwandel der Öffentlichkeit eine Niedergangsgeschichte? Die Menschen, so hatte es den Anschein, igelten sich ein in ihrer Privatheit – Stichwort: Cocooning – und wollten vom Gemeinwesen nichts mehr wissen. Forciert durch das Internet, zerfiel die eine, die große Öffentlichkeit in viele Stämme. Denn im Internet findet jeder, was ihn interessiert, er findet Gleichgesinnte. Der Sinn fürs Große und Ganze geht verloren.
Doch das ist höchstens die halbe Wahrheit. Wenn wir uns in Thessa und ihren vielen Nachahmern nicht täuschen, dann könnten die Niedergangsgeschichten bald zu Ende gehen – und es wäre an der Zeit, dem Strukturwandel der Öffentlichkeit einen zweiten Band hinzuzufügen.
Trotz aller Privatisierungstendenzen ist der Drang nach draußen, hinein ins Öffentliche, ungeheuerlich. Überall wird gejoggt, geskatet, gewalkt, vielerorts werden Fitnessgeräte in den öffentlichen Raum gestellt, in Hamburg halten sie selbst vor dem Rathaus ein Beachvolleyball-Turnier ab. Das eine Lieblingswort der Gegenwart ist »vernetzt«, das andere »atmungsaktiv«. Aber nicht nur die körperliche Ertüchtigung treibt die Menschen hinaus auf Straßen und Plätze. Bei vielen wächst auch die Bereitschaft, sich auf ungewohnte Spielformen des Öffentlichen einzulassen. Und erst die digitale Technik ermöglicht diese Spielformen. Besonders beliebt ist Geocaching, eine Art öffentlicher Schnitzeljagd per Navigationsgerät; allein in Deutschland gibt es bereits mehr als 50.000 solcher Geheimverstecke.
Andere begeistern sich für Flash- und Smartmobs, bei denen sich viele Menschen zu skurrilen Kurzaktionen verabreden, etwa zum Polkatanzen vor der chinesischen Botschaft. Seit Kurzem findet auch das Planking viele Anhänger, bei dem sich Menschen dabei fotografieren, wie sie mit gestrecktem Körper auf Brückengeländern oder U-Bahn-Treppen liegen, um dann die Fotos ins Internet zu stellen. Überhaupt wird der öffentliche Raum von vielen neuerdings als ein Ort des Abenteuers erfahren, durchaus auch in politaktivistischer Hinsicht: Ob Adbusting (Verfremdung von Werbeplakaten) oder Containern (Plündern von essbaren Supermarktabfällen) – der öffentliche Raum wird als gesellschaftlicher Raum begriffen, als ein Raum, der allen gehört und den sich jeder aneignen und politisch durchaus subversiv gestalten darf.
Eine stille Anarchie scheint viele Menschen zu erfassen, vor allem die jüngeren: Sie begreifen noch die hässlichsten Parkhäuser als Übungsplätze für athletische Kunststücke (Parcouring), verwandeln betonierte Straßenränder in kleine Blumenbeete (Guerilla-Gardening), machen aus Stromkästen Kunstwerke (Street-Art) oder erklären verwaiste Stadtplätze zur neuen Partyzone (Outdoor-Clubbing). Und wiederum ist das Internet, sind Facebook und Twitter oft der Katalysator. Hier gibt es die nötigen Hinweise, hier wird überwunden, was als städtische Anonymität lange gefürchtet war.
Die virtuelle Welt ist also nicht der Feind des öffentlichen Raums, wie lange behauptet wurde. Je weiter sich das Leben ins Reich des Digitalen verlagert, umso größer scheint das Bedürfnis nach Realräumen zu werden, nach jener »Kraft der Intersubjektivität«, von der Jürgen Habermas spricht und die auch eine körperliche Erfahrung ist. Einerseits ebnet das Internet viele Wege in die Anonymität und Vereinzelung; zugleich erleichtert es aber das Kollektivdenken, das in sogenannten Crowd-Sourcing-Projekten wie Wikipedia zum Ausdruck kommt. Nicht zuletzt solche digitalen Gemeinschaftsprojekte und erst recht jene Freiheit der Meinungsäußerung, jenes Moment der Selbstermächtigung, das durch das Internet befördert wird und das aus jedem Nutzer einen potenziellen Produzenten macht, verändern die Vorstellung von dem, was Öffentlichkeit bedeutet.
- Datum 03.07.2011 - 18:38 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 30.6.2011 Nr. 27
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Im Gegensatz zur reinen "Machtablöse-Revolution" ´68 zeichnet sich seit ´09 eine - von Medien und übrigen Teilen der Gesellschaft unbemerkte - Revolution in vielen Bereichen ab. Grundlage dafür waren finanziell begrenzte Möglichkeiten und begrenzte berufliche Perspektiven der jungen Menschen, die sie zu neuen Kommunikations- und Lebensgewohnheiten drängten. Was jetzt in Spanien, Portugal, Griechenland und Italien passiert sind nur Symptome, in Deutschland beispielsweise ist die Jugend in den letzten 10 Jahren nach dem Studium in das europäische Ausland gewechselt um die innerdeutschen Mängel zu umgehen, daher war und ist es dort immer noch etwas ruhiger als in oben genannten Ländern. Diese Vorgänge haben die europäische Jugend untereinander vermischt und vernetzt was meiner Meinung nach für eine gute Weiterentwicklung Europas ein wichtiger Grundstein ist und man nur gespannt sein kann wie sich das weiterentwickeln wird. Nun der Schwenk zum Artikel: auch die zunehmende Nutzung des Öffentlichen Raums und deren Organisation ist durch die begrenzten privaten Mittel und Möglichkeiten der jungen Menschen bedingt. Erstaunlich ist an all diesen Ereignissen das Entsetzen der derzeitigen Machtgeneration über diese Andersartigkeit und ihre beschränkte Reaktion darauf, die sich immerfort auf Verbote beschränkt. Die weitere Entwicklung dieser Parallelentwicklung zum Etablierten wird sehr interessant werden.
"... ist das Private öffentlich, das Öffentliche privat und damit im Grunde alles eins"
Wenn's denn so kommen soll wird mancher Bürger, manches Unternehmen (auch Medienunternehmen die sich für ganz fürchterlich progressiv haltern) und Politikern Toleranz üben im Schnelldurchlauf lernen müssen.
Die Kräfte die solches verhindern wollen dürften wir alleridngs alle in gewissem Maße in uns tragen.
Schöner Artikel.
Wer montiert jetzt nur die "Skate- und Inlinefahren verboten", "Fahrräderabstellen verboten", "Beschriften verboten", "Lärm und Fußballspielen im Innenhof verboten" Schilder ab und ersetzt sie mit "Verbieten, verboten! Der Verursache von Schäden kommt für die Kosten auf".
Ich weiß nicht, was es nutzen sollte, zu einer überdimensionierten Kissenschlacht zu gehen, wo auch mal jemand hätte unter den Leuten begraben werden können. Jegliche Sicherheitsaspekte werden ausgeblendet. Ein Verbot kann man natürlich schlecht aussprechen, schließlich darf sich hier jeder VERSAMMELN, wie er will, aber nicht mit wie vielen er will und es darf schon gar nicht eine riesige Kissenschlacht plötzlich wo losbrechen. Zum Thema mit der Geburtstagsparty: Wie intelligenzlos muss man sein, um wirklich zu glauben, dass man wirklich eingeladen sei? Sind die denn alle bekloppt? Und dann noch auf die Idee kommen, das Haus zu stürmen? Mit 1000 Mann? Wie bekloppt kann man eigentlich sein.
Außerdem sagt das Gesetz ganz klar, dass Versammlungen einer gewissen Größe, anmeldepflichtig sind.
Mit der Jugend heute ist einfach nichts mehr los, so siehts doch aus, die wissen nichts mit sich anzufangen.
Bitte beteiligen Sie sich mit sachlich formulierten Beiträgen. Danke. Die Redaktion/er
mir scheint dass mit der Jugend an sich alles in Ordnung ist: Containern, gegen Atomkraft demonstrieren, sich einbringen wie im Artikel beschrieben, Abi in 12 Jahren, das Leben auf den Lebenslauf abstimmen, Internetfirmen gründen und, der Wahnsinn: soziale Netzwerke pflegen die den Freundeskreis von anno dunnemal in jeder Hinsicht sprengen.
Der Erkenntnis was ein persönlicher Kontakt über den virtuellen Hinaus wert ist dürften die meisten ebenfalls erfahren haben. Genauso aber was Vielfalt wert ist.
Dass sich die selben in Lloret abschiessen und manchmal übers Ziel hinaus - gehört zum Lernprozess.
Wo soll das nur enden, im einen Moment schlagen sich die Jugendlichen noch mit Kissen und im nächsten sprengen sie sich in Luft.
Kissenschlachten sind die Gateway Drug zum internationalen Terrorismus, das muss man doch mal sagen dürfen. Den Schneid kaufen sie mir nicht ab!
> Ich weiß nicht, was es nutzen sollte, zu
> einer überdimensionierten Kissenschlacht zu
> gehen, wo auch mal jemand hätte unter den
> Leuten begraben werden können.
Der Nutzen ist doch offensichtlich: Spaß, Freude und Lebendigkeit. Risiken gibt es überall und gehören zum Leben dazu. Selbst wenn man sich in der Wohnung verkriecht ist man hohem Risiko ausgeliefert; nirgends verunglücken Menschen mehr als in den eigenen vier Wänden.
> Jegliche Sicherheitsaspekte werden
> ausgeblendet.
Von wem? Den Teilnehmern? Vielleicht ist denen ja eine gewisse Eigenverantwortung bewusst. Menschen müssen nicht mit Staatsgewalten kontrolliert und reguliert werden, um auch in großer Menge relativ konfliktfrei aufeinander zu treffen. Die „Party“ verlieft laut Polizeiaussagen recht üblich für diese Größenordnung.
> .. es darf
> schon gar nicht eine riesige Kissenschlacht
> plötzlich wo losbrechen.
Hier zeigt sich ein weiterer Motivationspunkt für so eine spontane (nicht legale) Aktion: Die Erfahrung der eigenen Autonomität, Lebensverantwortung und die Abkehr von der Vorschrift wie man zu leben habe. Sicher ist so eine riesige Kissenschlacht risikoreicher als eine kleine Kissenschlacht. Aber ein Risiko bleibt ein Risiko und es unterliegt einer Wahrscheinlichkeit. Die Menschen möchten sich nicht mehr vorschreiben lassen, welche Risiken sie eingehen möchten. Seine Grenzen kennenzulernen ist auch eine wichtige Lebenserfahrung. Nicht wenige, in totaler Sicherheit und Bestimmung aufgewachsene scheitern genau deshalb an der eignen Grenzsetzung und -Wahrnehmung.
> Zum Thema mit der
> Geburtstagsparty: Wie intelligenzlos muss
> man sein, um wirklich zu glauben, dass man
> wirklich eingeladen sei?
Hat das denn jemand geglaubt? Ich denke den meisten war klar, dass da eine Party versehentlich öffentlich bekannt gemacht wurde. Zudem hat die Aktion ja mehr Bedeutung als das was du objektiv zu sehen scheinst. Alleine der Medienrummel zeigt, dass der Aktion eine Metabedeutung beiwohnt und es zeigte sich ja, dass es einigen Teilnehmern bewusst war. Nicht nur Individuen lernen, sondern auch die Gesellschaft als Gesamtheit lernt. In diesem Fall schauen die Menschen wohl nun noch genauer hin, wenn sie eine Veranstaltung ankündigen möchten.
> Sind die denn alle bekloppt?
Vielleicht. Aber warum auch nicht? Ist Beklopptheit nun schon verboten?
> Und dann noch auf die Idee kommen,
> das Haus zu stürmen? Mit 1000 Mann? Wie
> bekloppt kann man eigentlich sein.
Nicht jeder Mensch hat seine Rationalität zur Hoheit erklärt und lebt in ständiger Maßregelung seiner Selbst. Wurde wirklich das Haus gestürmt? Dazu habe ich keine Infos gefunden.
> Außerdem sagt das Gesetz ganz klar, dass
> Versammlungen einer gewissen Größe,
> anmeldepflichtig sind.
Damit sieht man, dass Gesetze eben nur Gesetze sind, und den gesellschaftlichen Entwicklungen immer hinterher hinken. Zudem ist hier wie seit Jahrtausenden sichtbar, dass die Jugend eben mehr will, als Regeln zu befolgen. Und das ist gut so, auch wenn es nicht immer schöne Folgen mit sich bringt. Stillstand wäre der Tod einer Gesellschaft. Gott sei dank hat die Geschichte gezeigt, dass Stillstand nicht erzwungen werden kann und Gleichschaltung schon gar nicht.
> Mit der Jugend heute ist einfach nichts mehr > los, so siehts doch aus,
Also was ich von der „Veranstaltung“ so gesehen habe ist mit der Jugend verdammt viel los. In den Interviews zeichnet sich auch ab, dass sie mitnichten alle unreflektiert dabei waren.
Und was willst du uns und dir mit der Aussage eigentlich mitteilen? Die Menschheit ist verloren? Das Verhalten von Menschen ist in Stein gemeißelt und er kann sich nicht weiterentwickeln?
> die wissen nichts mit sich anzufangen.
Das mag temporär und vereinzelt stimmen, aber man muss eben gewisse Erfahrungen machen, um sich selbst und seinen Platz in der Welt zu finden. Die Vielfalt des Lebens macht es nicht unbedingt leicht. Hinzu kommt, dass viele von einer Generation der Kontrolle, Gehorsam, Emotionsarmut/-Verstümmelung und Selbstzerstörung großgezogen wurden und dieses Defizit irgendwie erst mal überwunden werden muss. Und das geht nicht im stillen Kämmerlein.
LOL mit diesem generalisierenden Kommentar haben Sie sich gerade selbst vollkommen disqualifiziert.
mir scheint dass mit der Jugend an sich alles in Ordnung ist: Containern, gegen Atomkraft demonstrieren, sich einbringen wie im Artikel beschrieben, Abi in 12 Jahren, das Leben auf den Lebenslauf abstimmen, Internetfirmen gründen und, der Wahnsinn: soziale Netzwerke pflegen die den Freundeskreis von anno dunnemal in jeder Hinsicht sprengen.
Der Erkenntnis was ein persönlicher Kontakt über den virtuellen Hinaus wert ist dürften die meisten ebenfalls erfahren haben. Genauso aber was Vielfalt wert ist.
Dass sich die selben in Lloret abschiessen und manchmal übers Ziel hinaus - gehört zum Lernprozess.
Wo soll das nur enden, im einen Moment schlagen sich die Jugendlichen noch mit Kissen und im nächsten sprengen sie sich in Luft.
Kissenschlachten sind die Gateway Drug zum internationalen Terrorismus, das muss man doch mal sagen dürfen. Den Schneid kaufen sie mir nicht ab!
> Ich weiß nicht, was es nutzen sollte, zu
> einer überdimensionierten Kissenschlacht zu
> gehen, wo auch mal jemand hätte unter den
> Leuten begraben werden können.
Der Nutzen ist doch offensichtlich: Spaß, Freude und Lebendigkeit. Risiken gibt es überall und gehören zum Leben dazu. Selbst wenn man sich in der Wohnung verkriecht ist man hohem Risiko ausgeliefert; nirgends verunglücken Menschen mehr als in den eigenen vier Wänden.
> Jegliche Sicherheitsaspekte werden
> ausgeblendet.
Von wem? Den Teilnehmern? Vielleicht ist denen ja eine gewisse Eigenverantwortung bewusst. Menschen müssen nicht mit Staatsgewalten kontrolliert und reguliert werden, um auch in großer Menge relativ konfliktfrei aufeinander zu treffen. Die „Party“ verlieft laut Polizeiaussagen recht üblich für diese Größenordnung.
> .. es darf
> schon gar nicht eine riesige Kissenschlacht
> plötzlich wo losbrechen.
Hier zeigt sich ein weiterer Motivationspunkt für so eine spontane (nicht legale) Aktion: Die Erfahrung der eigenen Autonomität, Lebensverantwortung und die Abkehr von der Vorschrift wie man zu leben habe. Sicher ist so eine riesige Kissenschlacht risikoreicher als eine kleine Kissenschlacht. Aber ein Risiko bleibt ein Risiko und es unterliegt einer Wahrscheinlichkeit. Die Menschen möchten sich nicht mehr vorschreiben lassen, welche Risiken sie eingehen möchten. Seine Grenzen kennenzulernen ist auch eine wichtige Lebenserfahrung. Nicht wenige, in totaler Sicherheit und Bestimmung aufgewachsene scheitern genau deshalb an der eignen Grenzsetzung und -Wahrnehmung.
> Zum Thema mit der
> Geburtstagsparty: Wie intelligenzlos muss
> man sein, um wirklich zu glauben, dass man
> wirklich eingeladen sei?
Hat das denn jemand geglaubt? Ich denke den meisten war klar, dass da eine Party versehentlich öffentlich bekannt gemacht wurde. Zudem hat die Aktion ja mehr Bedeutung als das was du objektiv zu sehen scheinst. Alleine der Medienrummel zeigt, dass der Aktion eine Metabedeutung beiwohnt und es zeigte sich ja, dass es einigen Teilnehmern bewusst war. Nicht nur Individuen lernen, sondern auch die Gesellschaft als Gesamtheit lernt. In diesem Fall schauen die Menschen wohl nun noch genauer hin, wenn sie eine Veranstaltung ankündigen möchten.
> Sind die denn alle bekloppt?
Vielleicht. Aber warum auch nicht? Ist Beklopptheit nun schon verboten?
> Und dann noch auf die Idee kommen,
> das Haus zu stürmen? Mit 1000 Mann? Wie
> bekloppt kann man eigentlich sein.
Nicht jeder Mensch hat seine Rationalität zur Hoheit erklärt und lebt in ständiger Maßregelung seiner Selbst. Wurde wirklich das Haus gestürmt? Dazu habe ich keine Infos gefunden.
> Außerdem sagt das Gesetz ganz klar, dass
> Versammlungen einer gewissen Größe,
> anmeldepflichtig sind.
Damit sieht man, dass Gesetze eben nur Gesetze sind, und den gesellschaftlichen Entwicklungen immer hinterher hinken. Zudem ist hier wie seit Jahrtausenden sichtbar, dass die Jugend eben mehr will, als Regeln zu befolgen. Und das ist gut so, auch wenn es nicht immer schöne Folgen mit sich bringt. Stillstand wäre der Tod einer Gesellschaft. Gott sei dank hat die Geschichte gezeigt, dass Stillstand nicht erzwungen werden kann und Gleichschaltung schon gar nicht.
> Mit der Jugend heute ist einfach nichts mehr > los, so siehts doch aus,
Also was ich von der „Veranstaltung“ so gesehen habe ist mit der Jugend verdammt viel los. In den Interviews zeichnet sich auch ab, dass sie mitnichten alle unreflektiert dabei waren.
Und was willst du uns und dir mit der Aussage eigentlich mitteilen? Die Menschheit ist verloren? Das Verhalten von Menschen ist in Stein gemeißelt und er kann sich nicht weiterentwickeln?
> die wissen nichts mit sich anzufangen.
Das mag temporär und vereinzelt stimmen, aber man muss eben gewisse Erfahrungen machen, um sich selbst und seinen Platz in der Welt zu finden. Die Vielfalt des Lebens macht es nicht unbedingt leicht. Hinzu kommt, dass viele von einer Generation der Kontrolle, Gehorsam, Emotionsarmut/-Verstümmelung und Selbstzerstörung großgezogen wurden und dieses Defizit irgendwie erst mal überwunden werden muss. Und das geht nicht im stillen Kämmerlein.
LOL mit diesem generalisierenden Kommentar haben Sie sich gerade selbst vollkommen disqualifiziert.
Was für eine Naivität, als ob es der Polizei, dem Staat also der Staatsmacht um Party geht. Facebook kratzt massiv an dem Mobilisierungsmonopol des Staates, der Parteien, der Gewerkschaften und Kirchen. Plötzlich kann ein Einzelner Tausende mobilisieren. Der Wutbürger braucht keine Parteien, Gewerkschaften oder die Kirchenkanzel. Das geht massiv an unsere demokratische Grundordnung. Aber diesmal sind es nicht die Extremisten sondern Bürger, eventuell nur der Partymacher der die Revolution startet. Natürlich bekommt jede Staatsmacht auch eine demokratische Angst wenn sie plötzlich nicht mehr weis wer wann wie viele Bürger wo und für was mobilisiert. Wir leben in einer Parteiendemokratie die sich auf Vereine, Gewerkschaften und Verbände stützt. Wenn diesse System eine Paralellgesellschaft bekommt, wird es wanken und das wird kein Funktionär einfach hinnehmen. Man spricht lobend über die Facebook-Revolution in Nord-Afrika und die Zukunft wird zeigen wieviel Revolution man in Europa zulässt.Von daher versucht mach jetzt auch das "Volk" mit einer Partydebatte einzulullen. Hier geht aber um viel mehr.
"Überhaupt wird der öffentliche Raum von vielen neuerdings als ein Ort des Abenteuers erfahren, durchaus auch in politaktivistischer Hinsicht: Ob Adbusting (Verfremdung von Werbeplakaten) oder Containern (Plündern von essbaren Supermarktabfällen)"
Sollte ich nun mal wieder am Monatsende oder der Monatsmitte oder dem Monatsbeginn verwahrloste Rentner aus meinem Viertel kopfüber in der Tonne vom Edeka hängen sehen, so werde ich ihnen zu ihrem ungebrochenen politaktivistischen Kampfeswillen gratulieren.
Generell fehlt dem Schreiber wohl der Blick für den Unterschied zwischen Quantität und Qualität. Wenn sich die neue 'digital gestützte' Öffentlichkeit aus Mediterranisierung, Infantilisierung und Vandalismus speist, dann ist das nicht lobenswert und leider immer noch der genannte Niedergang.
mir scheint dass mit der Jugend an sich alles in Ordnung ist: Containern, gegen Atomkraft demonstrieren, sich einbringen wie im Artikel beschrieben, Abi in 12 Jahren, das Leben auf den Lebenslauf abstimmen, Internetfirmen gründen und, der Wahnsinn: soziale Netzwerke pflegen die den Freundeskreis von anno dunnemal in jeder Hinsicht sprengen.
Der Erkenntnis was ein persönlicher Kontakt über den virtuellen Hinaus wert ist dürften die meisten ebenfalls erfahren haben. Genauso aber was Vielfalt wert ist.
Dass sich die selben in Lloret abschiessen und manchmal übers Ziel hinaus - gehört zum Lernprozess.
"Containern, gegen Atomkraft demonstrieren, sich einbringen wie im Artikel beschrieben, Abi in 12 Jahren, das Leben auf den Lebenslauf abstimmen, Internetfirmen gründen"
Ja, das ist die eine Klientel, die aus den bürgerlichen Schichten. Da gibt es aber noch ganz andere Klientel, die Mitschülerinnen auf dem Schulklo vergewaltigt oder Mitschüler mit vier anderen auf dem Schulklo zusammentritt und das auf dem Handy aufzeichnet und in Youtube online stellt.
Mit anderen Worten: in unserer Gesellschaft, in der ohnehin in manchen Punkten zu Extremen geneigt wird, gibt es junge Menschen, die fast schon überangepasst sind (für den Lebenslauf leben - Hallo?) und dann eben noch das andere Extrem, das wirklich nichts Rechtes mit sich anzufangen weiß und von morgens bis abends nur Scheiße baut.
Aber ich befürchte, dass solche Leute, die zu 1000 auf eine private Party gehen, eher zur ersten Gruppe gehören.
Andererseits stimmt es schon, dass die heutige Jugend (zu der ich mich ja auch noch zählen kann) nicht genuin schlechter ist als die Generationen vor uns. Wer könnte das auch behaupten angesichts der blutigen ersten Hälfte des 20. Jh.s? Verglichen mit Großvater und Urgroßvater sind wir doch heute Waisenknaben (bis jetzt zumindest).
"Containern, gegen Atomkraft demonstrieren, sich einbringen wie im Artikel beschrieben, Abi in 12 Jahren, das Leben auf den Lebenslauf abstimmen, Internetfirmen gründen"
Ja, das ist die eine Klientel, die aus den bürgerlichen Schichten. Da gibt es aber noch ganz andere Klientel, die Mitschülerinnen auf dem Schulklo vergewaltigt oder Mitschüler mit vier anderen auf dem Schulklo zusammentritt und das auf dem Handy aufzeichnet und in Youtube online stellt.
Mit anderen Worten: in unserer Gesellschaft, in der ohnehin in manchen Punkten zu Extremen geneigt wird, gibt es junge Menschen, die fast schon überangepasst sind (für den Lebenslauf leben - Hallo?) und dann eben noch das andere Extrem, das wirklich nichts Rechtes mit sich anzufangen weiß und von morgens bis abends nur Scheiße baut.
Aber ich befürchte, dass solche Leute, die zu 1000 auf eine private Party gehen, eher zur ersten Gruppe gehören.
Andererseits stimmt es schon, dass die heutige Jugend (zu der ich mich ja auch noch zählen kann) nicht genuin schlechter ist als die Generationen vor uns. Wer könnte das auch behaupten angesichts der blutigen ersten Hälfte des 20. Jh.s? Verglichen mit Großvater und Urgroßvater sind wir doch heute Waisenknaben (bis jetzt zumindest).
in Alkoholexzessen und Massenschlägereien endet, sieht der Autor eine "Renaissance des öffentlichen Lebens".
Angesichts der Probleme die wir in Deutschland und Europa haben, scheint mir das eher eine Art von "Brot und Spiele" im Endstadium des institutionellen und moralischen Verfalls zu sein.
Immer diese "Jugend". Moralisch verkommen und von innen heraus schlecht! Alle saufen sie und trinken sie. Spritzen sich Heroin und lungern nur herum. Und alles nur wegen diesem Internet. Das sollte wirklich verboten werden!
Dass die meißten dieser Leute einfach nur ein friedliches und fröhliches Miteinander (manchmal sogar auch ohne Alkoholvergiftung) suchen wäre ja zu einfach und zu friedlich gedacht. Da verallgemeinert man lieber und wettert auf Massenschlägereien die nach meinem Wissenstand zumindest in Deutschland noch nie als Flashmob vom Internet aus organisiert worden sind.
Was das mit "Brot und Spiele" zu tun hat, müssten Sie außerdem bitte auch noch erklären. Das scheint mir doch ein Vergleich zu sein, der hier vollkommen fehl am Platz ist.
Immer diese "Jugend". Moralisch verkommen und von innen heraus schlecht! Alle saufen sie und trinken sie. Spritzen sich Heroin und lungern nur herum. Und alles nur wegen diesem Internet. Das sollte wirklich verboten werden!
Dass die meißten dieser Leute einfach nur ein friedliches und fröhliches Miteinander (manchmal sogar auch ohne Alkoholvergiftung) suchen wäre ja zu einfach und zu friedlich gedacht. Da verallgemeinert man lieber und wettert auf Massenschlägereien die nach meinem Wissenstand zumindest in Deutschland noch nie als Flashmob vom Internet aus organisiert worden sind.
Was das mit "Brot und Spiele" zu tun hat, müssten Sie außerdem bitte auch noch erklären. Das scheint mir doch ein Vergleich zu sein, der hier vollkommen fehl am Platz ist.
Wo soll das nur enden, im einen Moment schlagen sich die Jugendlichen noch mit Kissen und im nächsten sprengen sie sich in Luft.
Kissenschlachten sind die Gateway Drug zum internationalen Terrorismus, das muss man doch mal sagen dürfen. Den Schneid kaufen sie mir nicht ab!
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