Das Erzgebirge strebt nach Weltruhm: Bis 2014 soll die Bergbauregion Unesco-Kulturerbe werden. Seit Jahrhunderten suchten die Menschen hier nach Schätzen; zur DDR-Zeit prägte besonders ein Konzern das Bild der Region: Die Wismut gehörte bis 1990 zu den größten Uranförderern der Welt. Drei Jahre lang durchkämmten Historiker und Literaturwissenschaftler nun die Wismut-Archive, lasen Brigadetagebücher und befragten einstige Bergleute. Was sie zutage gefördert haben, präsentierten sie vor wenigen Tagen auf einer Konferenz in Chemnitz – zwölf Schlaglichter.

Uran für den Krieg

Um nach dem Zweiten Weltkrieg im Rüstungswettkampf gegen die USA mithalten zu können, zündeten die Sowjets im August 1949 ihre erste Atombombe. Möglich wurde dies nur durch das Uran aus dem Erzgebirge; der UdSSR mangelte es nämlich an eigenen Vorkommen. Die sozialistische Propaganda feierte das sächsische Uran als »Erz für den Frieden«.

Deckname »Pechblende«

Um den Uranabbau zu verschleiern, benannten die Sowjets das Unternehmen nach dem unverdächtigen Metall Wismut. Im Sprachgebrauch der Kumpel waren auch Synonyme wie »Pechblende«, »Strahlungsträger« oder »Erz« verbreitet.

Huren und Schläger

»Klein Texas« nannten die Einheimischen ihr einst so beschauliches Erzgebirge. Das Uran wurde schnell gebraucht, deshalb wiesen die Arbeitsämter in der Nachkriegszeit alle, die zur Verfügung standen, in die Gruben der Wismut ein – Kriegsheimkehrer und Vertriebene, Gelernte und Ungelernte. 1950 waren es bereits 200.000 Arbeiter; es gab nicht genug Wohnraum und nicht genug zu essen, es fehlte an Toiletten und Waschgelegenheiten. In den Massenunterkünften blühten Glücksspiel und Schwarzhandel. Besonders heiß her ging es in den Wirtshäusern, dort wurde gepöbelt und geprügelt, gezecht und gehurt. Jeder zehnte Kumpel infizierte sich in den frühen Wismut-Jahren mit Tripper.

Doppelter Lohn für Sowjets

Bessere Lebensbedingungen als die deutschen bekamen die sowjetischen Arbeiter, die in eigenen Siedlungen wohnten. Außerdem wurden sie doppelt bezahlt – in Rubel und in Ostmark.

Weniger Lohn für Frauen

Bei der Wismut gab es nicht nur Bergmänner, sondern auch Bergfrauen. Die Frauen waren dort allerdings vor allem Lückenfüller. In den ersten Nachkriegsjahren schufteten Tausende von ihnen unter und über tage, weil es überall in Deutschland an Männern fehlte. 1948 war etwa ein Fünftel aller Kumpel weiblich, später sank der Frauenanteil auf sieben Prozent. Die offizielle Devise »Gleicher Lohn für alle« galt nur für alle Männer. Frauen verdienten unter dem Vorwand geringerer Leistungsfähigkeit deutlich weniger als ihre Kumpel und machten seltener Karriere: Weibliche Kader blieben während 45 Jahren Wismut die absolute Ausnahme.

Privilegien gegen Revolte

Kurz vor dem Mauerfall attestierte die Stasi den Kumpel, dass sie nicht am Revolutionsfieber erkrankt waren. Schon 1953, während des Arbeiteraufstandes, blieb es bei der Wismut ruhig. Davor allerdings kam es zu einer frühen Revolte. 1951 stürmten Bergarbeiter eine Polizeiwache und ein Gefängnis, befreiten zwei Insassen, verprügelten Polizisten und beleidigten Funktionäre. Walter Ulbricht untersagte der Staatsmacht, auf die Arbeiter zu schießen. Lieber stellte man die Wismut-Männer mit materiellen Privilegien ruhig.