Saab Kein Platz in der Nische
Die Autobranche steuert auf ein neues Rekordjahr zu – Saab und das E-Mobil "Think" stehen trotzdem vor dem Aus.
© MANDEL NGAN/AFP/Getty Images

Das Elektroauto Think City im Januar 2010 auf der Automesse in Washington
Erst hielten Lieferanten ihre Teile zurück, weil ihre Rechnungen nicht bezahlt wurden. Wochenlang standen die Bänder bei Saab im schwedischen Trollhättan still. Investoren aus China und Russland sollten aus der finanziellen Klemme helfen. Dann war Ende vergangener Woche kein Geld mehr da, um die Löhne zu bezahlen. Die Pleite schien unausweichlich. Nun keimt wieder Hoffnung auf, weil ein chinesischer Kunde angeblich gut 500 Autos im Voraus bezahlt, damit genügend Geld für die Löhne der 3.500 Mitarbeiter da ist. Aber wie lange funktioniert so etwas?
Ebenfalls vergangene Woche meldete der norwegische Elektroautopionier Think Global Insolvenz an. Think ist einer der wenigen Produzenten eines alltagstauglichen batteriebetriebenen Stadtautos. Während große Konzerne wie Volkswagen oder Toyota immer noch E-Autos testen, konnte man den Think schon lange kaufen. Mehrfach standen die Norweger schon am finanziellen Abgrund. Jetzt ging auch hier wieder das Geld aus.
Derweil boomt das Autogeschäft. Der weltweite Absatz 2011 könnte sogar das bisherige Rekordjahr 2007 übertreffen. Für die Folgejahre wird weiteres Wachstum prophezeit. Dem Mobilitätsbedürfnis von Menschen in Ländern wie China, Indien, Brasilien, der Türkei oder Russland ist das zu verdanken.
Warum aber hat Saab, warum hat Think da offenbar keinen Platz?
So breit und neu wie gegenwärtig war die Saab-Modellpalette in der Geschichte der Marke noch nie. Im Jahr 1947 begann der gleichnamige Flugzeug- und Rüstungskonzern auch Autos zu bauen. Eine besonders aerodynamische Form hob die Autos aus Schweden von anderen Fabrikaten ab. Bald erregten die Originale aus Schweden auch in anderen Märkten Interesse. Einen Saab zu fahren galt immer als etwas Besonderes. Mit kräftigen Turbomotoren konnte man auch unter der Haube etwas anderes bieten. In Deutschland standen in den achtziger und neunziger Jahren vor allem Werber, Zahnärzte und Architekten auf das Schwedenauto, in Kalifornien hoben sich Intellektuelle mit ihrem Saab gerne von der Masse ab. Das weltweite Potenzial schien längst nicht ausgeschöpft.
Saab war nicht mehr origineller als BMW, Audi oder Mercedes
Dann, im Jahr 1990, beschlossen die Bosse des Weltmarktführers General Motors (GM), ebendieses Potenzial der Schwedenmarke zu heben. Sie kauften die Hälfte der Saab-Anteile. Der Absatz stieg aber längst nicht so stark wie erhofft. Im Jahr 2000 übernahm GM dann die Anteile komplett, mit Technik von anderen Konzernmarken wie Opel sollte Saab Kosten sparen. Die Modellpalette vergrößerte sich im Laufe der Jahre: Zum klassischen Mittelklasse-Saab (heute: Modell 9-3), der auch traditionell als Cabrio zu haben ist, kam der größere 9-5 hinzu, zudem spendierte GM auch noch einen SUV. In Spitzenjahren wurden um die 100.000 Saab verkauft. Doch eines gelang den vielen von Amerikanern entsandten Saab-Chefs nie: nachhaltig mit der Marke Geld zu verdienen.
- Datum 30.06.2011 - 19:23 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 30.6.2011 Nr. 27
- Kommentare 12
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Danke.
Dirk Reinknecht.
Dafür, dass angeblich keiner E-Autos kauft, wie immer wieder behauptet wird, ist das doch eine ganze Menge. Vor allem bei dem Preis...
Im Artikel wird aber das prinzipielle Problem genannt: große Autohersteller finanzieren die Entwicklung und Markteinführung eines neuen Modells einfach mit den Gewinnen aus dem Vorgängermodell und anderen, gleichzeitig produzierten etablierten Modellen.
Eine Firma, die das erste und einzige Modell auf den Markt bringt, hat diese Möglichkeit natürlich nicht.
ist der Unterschied zwischen Wunsch und Wirklichkeit.
Natürlich haben wir alle wünsche über das was sein sollte.
Wenn wir aber konkrete Kaufentscheidungen fällen, dann muss ein Produkt nebrn den Wünschen auch einen handfesten praktischen Nutzen haben.
Und der ist zu den gleichen Kosten, wie bei herkömmlichen Autos nicht annähernd zu haben.
Gut, das unser Wunschdenken durch die Realitäten hier immer wieder auf den Teppich geholt werden. Denn wäre es nicht so würden weite Teile der Gesellschaft ob der Ineffizenz verarmen.
Letztlich zeigt sich dabei deutlich, dass Experimente aus Wunschdenken heraus ohne Wohlstandsverluste nur zu finanzieren sind, wenn man über Waren verfügt, die hohe Gewinne abwerfen.
Letztlich wäre also ohne die verteufelten Produkte weder das Problem da, noch die dazugehörigen Arbeitsplätze, noch die potentiellen Lösungen finanzier- oder erforschbbar.
Das sollte bei allem Wunschdenken nicht vergessen werden, ebenso wie die Tatsache, dass ohne Wirtschaftlichkeit auch das Wünschenswerte am Ende auf der Strecke bleibt.
H.
Wenn wir aber konkrete Kaufentscheidungen fällen, dann muss ein Produkt nebrn den Wünschen auch einen handfesten praktischen Nutzen haben.
Und der ist zu den gleichen Kosten, wie bei herkömmlichen Autos nicht annähernd zu haben.
Was ist denn an den Saabs so teuer, nutzlos und "unherkömmlich"?
Ich habe mich zwar nicht mit Fahrzeugdetails beschäftigt, aber so exotisch kam mir diese Automarke nicht vor.
Wenn wir aber konkrete Kaufentscheidungen fällen, dann muss ein Produkt nebrn den Wünschen auch einen handfesten praktischen Nutzen haben.
Und der ist zu den gleichen Kosten, wie bei herkömmlichen Autos nicht annähernd zu haben.
Was ist denn an den Saabs so teuer, nutzlos und "unherkömmlich"?
Ich habe mich zwar nicht mit Fahrzeugdetails beschäftigt, aber so exotisch kam mir diese Automarke nicht vor.
Wenn wir aber konkrete Kaufentscheidungen fällen, dann muss ein Produkt nebrn den Wünschen auch einen handfesten praktischen Nutzen haben.
Und der ist zu den gleichen Kosten, wie bei herkömmlichen Autos nicht annähernd zu haben.
Was ist denn an den Saabs so teuer, nutzlos und "unherkömmlich"?
Ich habe mich zwar nicht mit Fahrzeugdetails beschäftigt, aber so exotisch kam mir diese Automarke nicht vor.
sondern um Nischenfahrzeuge.
Saab selbst fällt nur dem Überangebot zum Opfer.
H.
sondern um Nischenfahrzeuge.
Saab selbst fällt nur dem Überangebot zum Opfer.
H.
Entfernt. Bitte diskutieren Sie das Thema des Artikels. Danke. Die Redaktion/ew
Entfernt, siehe oben. Die Redaktion/ew
Entfernt, siehe oben. Die Redaktion/ew
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