Jetzt auch noch die Familienunternehmer. Als hätte Angela Merkel noch nicht genug ehemalige Freunde aus der Wirtschaft, die auf sie schimpfen. Der schnelle Atomausstieg bringt die Energie- und Schwerindustriemanager gegen sie auf und mit ihnen auch wichtige Wirtschaftsverbände. Mit dem Euro ergeht es ihr kaum besser. Viele Unternehmer verübeln es der Bundeskanzlerin , dass sie bei jeder neuen Rettungsrunde erst edle ökonomische Prinzipien betont – um sie dann regelmäßig einem Kompromiss mit dem tigerhaft lächelnden Nicolas Sarkozy zu opfern. So löste sich die deutsche Forderung nach automatischen Sanktionen für künftige Schuldensünder ebenso in nichts auf wie der Berliner Wunsch, dass die Banken die Last eines neuen Pakets für Griechenland ernsthaft mittragen. War irgendwie klar, dass gerade die langfristig denkenden Familienunternehmer ihr dieses Hin und Her übel nehmen würden .

Es sind nicht bloß diese Zwistigkeiten, die keine Liebe zulassen. Hinzu kommt eine sympathische Eigenschaft der Kanzlerin: Sie hält – anders als ihr Vorgänger – die Manager zumeist auf Distanz, egal, ob sie Stromkonzerne leiten oder Großbanken (selbst wenn sie ihnen gerade hilft). Sie hat es anscheinend nicht nötig, immerzu mit den Topleuten der Wirtschaft auf best buddies zu machen.

Das Glück der Kanzlerin ist, dass sie zwar nicht unbedingt die Wirtschaftschefs auf ihrer Seite hat, wohl aber die Wirtschaftsentwicklung. Deutschland boomt, da mag Griechenland bröckeln, da mögen gar die USA wanken.

Das heißt aber auch für die nächsten Wahlen: Angela Merkel ist fast auf Gedeih und Verderb auf eine gute Konjunktur angewiesen. Bricht die ein, hört man schon das »Siehste« der Manager.