Zivildienst Seine Jungs
In dieser Woche endet der Zivildienst. Holger Dresel aus Hamburg sitzt im Rollstuhl, seit 27 Jahren betreuen ihn Zivis. Sie wohnten bei ihm, gehörten zu seinem Leben. Was wird ohne sie?
Holger Dresel betreibt seit 27 Jahren soziologische Forschung. Er beobachtet Männer um die 20 in Deutschland. Er lässt sie bei sich wohnen. Er befragt sie zu ihren Ansichten, er beobachtet, was sie sich im Fernsehen anschauen und was sie lesen. Erst nach ungefähr einem Jahr, frühestens, lässt er sie wieder ziehen. Holger Dresel ist querschnittgelähmt, er hat seit mehr als 27 Jahren Zivis.
Es ist Ende Mai, halb fünf am Nachmittag, Holger Dresel trägt ein T-Shirt der finnischen Rockband Sonata Arctica, Jan, einer seiner letzten Zivis, trägt sein Abi-T-Shirt. Jan ist ein schmaler Junge, 20 Jahre alt, aber er sieht eher noch jünger aus. Er hat gerade den Nachmittagstee, Geschmacksrichtung Pfirsich, in einer Glaskanne serviert. Holger Dresel, im Rollstuhl sitzend, trinkt mithilfe eines Gummischlauchs, der ihm als Strohhalm dient, und Jan liest derweil brav ein Buch, das ihm Holger Dresel rausgesucht hat. 1001 Alben heißt es, und es soll seiner musikalischen Bildung dienen.
Holger Dresel war 16 Jahre alt, als er mit ein paar Jungs im Klassenzimmer herumalberte und mit Schwung auf einen Fenstersims sprang, ohne damit zu rechnen, dass das Fenster mitten im Winter offen stand. Er stürzte nur ein Stockwerk tief, kam unten aber so unglücklich auf, dass er sich den Halswirbel brach. Seither ist er Tetraplegiker, was bedeutet, dass alle seine vier Gliedmaßen gelähmt sind. Die Arme kann Holger Dresel ein wenig bewegen. Den Rollstuhl kann er elektronisch steuern, aber nicht so sicher, dass er draußen allein zurechtkommt. Er kann Musikkassetten wechseln, aber keine Schallplatten.
Jan betreut ihn rund um die Uhr. Er hebt ihn morgens aus dem Bett in den Rollstuhl, rasiert ihn, hilft ihm bei der Toilette (er war erstaunt, wie einfach das ging), schmiert ihm Schwarzbrot mit Tilsiter, fährt ihn zur Arbeit, sitzt mit ihm im Büro der Unfallkasse Nord, die Holger Dresel als Juristen beschäftigt, holt für ihn Akten aus dem Schrank, schaut abends mit ihm fern und schläft in Holger Dresels Wohnung am Nordrand von Hamburg, im Stadtteil Volksdorf, wo manche Bürgersteige im Wald verlaufen. Das Zivi-Zimmer, vielleicht zehn Quadratmeter groß, liegt Holger Dresels Schlafzimmer gegenüber.
Pro Jahrgang sind es vier oder fünf Zivis gewesen, insgesamt also mehr als einhundert. Aber jetzt ist Schluss, weil Ende Juni 2011 nicht nur der Wehrdienst, sondern auch der Zivildienst Geschichte sein wird.
Erstaunlicherweise gab es in den letzten Monaten eine laute Debatte um das Ende des Wehrdienstes, aber eine kaum hörbare um das Ende des Zivildiensts. Was dieses Ende bedeutet, versteht vielleicht am allerbesten, wer sich mit Holger Dresel unterhält. Kaum jemand hat in Deutschland so viele Zivis so nah kennengelernt wie er. Er ist das Gedächtnis einer bundesrepublikanischen Institution.
Im Jahr 1984, als Holger Dresel seinen ersten Zivi bekam, stellten 43875 Männer den Antrag, aus Gewissensgründen nicht zum Bund gehen zu müssen. In den nuller Jahren waren es mehr als viermal so viele. Was hat sich geändert seit den achtziger Jahren, als Zivis noch Kriegsdienstverweigerer hießen?
»Fußball, das hat sich geändert«, sagt Holger Dresel und nimmt einen Schluck Tee. Er ist Fan des FC St. Pauli, Wimpel, Tasse und eine Uhr im Wohnzimmer künden davon, sie fallen kaum auf zwischen seiner Plattensammlung bis zur Decke, einem beträchtlichen Leerkassettendepot, Stapeln von ungelesenen Büchern auf Tischen und in Kartons. In den achtziger Jahren war Fußball für die meisten Abiturienten (fast jeder seiner Zivis hatte Abitur) ein großes Thema, vielleicht gerade weil sie von allen für so furchtbar sensible Männer gehalten wurden. »In den Neunzigern verschwand der Fußball. Aber in den Nullern kam er wieder. Genauso wie die langen Haare.« Es scheint eine Verbindung zu geben zwischen Haarlänge und Fußballaffinität. Das gefällt Holger Dresel. Er kichert. Wenn er so kichert und dabei den Kopf ein wenig schräg hält, was seiner Krankheit geschuldet ist, sieht er fast jungenhaft schelmisch aus.
Früher waren die meisten Zivis überzeugte Linke, erzählt er, es wäre undenkbar gewesen, dass einer CDU oder FDP wählte, was mindestens zwei seiner fünf aktuellen Zivis täten. Jan, der Zivi, hebt kurz den Kopf aus dem Buch, um anzumerken, dass »der Zivildienstleistende von heute nun mal kein Überzeugungstäter mehr« sei. Er sagt öfter solche Sätze, die nach Abitur klingen. Jan, sagt Holger Dresel, sei der Einzige seiner letzten fünf, der im weitesten Sinne links dächte, woraufhin Jan sagt: »Ich engagiere mich zwar in einem autonomen Jugendzentrum, rechne mich aber keinem politischen Spektrum zu.« Über Holger Dresels Gesicht legt sich ein zartes Grinsen, als ob er sagen wollte: So sind sie heute.
Holger Dresel findet es zwar schade, dass, wie er schätzt, vier von fünf Zivis abends keine Lust mehr haben, mit ihm »zu schnacken« oder Wer wird Millionär mit ihm anzusehen, sondern sich stattdessen mit ihren iPhones beschäftigen. Er glaubt auch, dass die Zivis früher mehr von Politik und Geschichte verstanden und mehr Spaß an der Diskussion hatten. Aber enttäuscht ist er nicht von den Jüngeren, nur weil sie politisch anders denken als er. Inzwischen ist der Altersunterschied sehr groß geworden, er ist 52, die Zivis blieben immer 20. Er spricht mit väterlicher Nachsicht. Er nennt sie ja auch »meine Jungs«.
Holger Dresel schaut auf die Digitaluhr, die auf seinem Schreibtisch steht. 18.00 Uhr. »Wir müssen jetzt auch gleich mal loslegen.«
Dresel hält sich streng an die Uhrzeiten, es ist genau festgelegt, wann er ruhen und wann er sitzen soll, sonst bilden sich an seinem Körper Druckstellen, die zu Geschwüren werden können. Seit einigen Jahren muss er am frühen Abend einen »Zwischenleger machen«, sich für zwei Stunden hinlegen. Er spürt, dass er schneller müde wird als noch vor zwei, drei Jahren. Jan hebt ihn mit einem Hebekran aus dem Stuhl, legt ihn ins Bett, entkleidet ihn und deckt ihn zu. Der Zwischenleger war ein Einschnitt in Dresels ohnehin schon eingeschränktem Leben, war doch die Zeit zwischen 18 und 20 Uhr die, in der er gerne mal ins Kino ging. »Als der Wilfried noch bei mir war, waren wir oft unterwegs. Da war viel möglich.« Wilfried ist ein ehemaliger Zivi. Dresel teilt die Zeit nicht in Jahre ein, sondern in Zivis.
- Datum 30.06.2011 - 07:07 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin, 30.6.2011 Nr. 27
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Das ist doch erstaunlich, dass die Gesellschaft ohne auch nur ein schlechtes Gewissen zu haben, junge Männer zum Gemeingut erklärt, primär für den Kriegsdienst und sekundär für den Sozialdienst als Zwangsarbeiter einsetzt, denn um etwas anderes als Zwangsarbeit handelt es sich bei Beidem nicht.
Von Frauen wurde und wird dergleichen nicht erwartet.
Warum eigentlich nicht. Denn das Argument, dass die Frauen ihren Tribut an die Gemeinschaft dadurch leisten, dass sie Kinder in die Welt setzen, trifft erstens auf die meisten Frauen nicht mehr zu und zweitens, können Frauen nur deswegen Kinder in die Welt setzen, weil da Männer als Väter oder als Steuerzahler vorhanden sind, die durch ihre Leistung diese Frauen samt deren Kinder überhaupt am Leben erhalten, jedenfalls auf einem erträgliche Niveau.
Und was ist und war der Dank der Gesellschaft an diese jungen Männer? Wo sind die Förderprogramme, wo der Respekt, wo die Anerkennung?
In diesem Staate dreht sich alles um Mädchen und Frauen.
[...]
Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen und diskutieren Sie differenziert das Artikelthema. Danke, die Redaktion/mk
in diesem Staat dreht sich alles um Mädchen und Frauen. Einfache Lösung, machen Sie es nicht. Sie sind doch ein Teil dieser Gesellschaft.
Aber sobald Sie eine vorbeilaufende Frau hinterherschauen, haben Sie sich ein bisschen um die Frau gedreht. Sobald Sie einer vermeintlich hübschen Kollegin mit Ausschnitt einen Gefallen tun, den Sie einem Mann nicht getan hätten, haben Sie sich ein bisschen gedreht. Einer Frau die Tür geöffnet, das Essen bezahlt, oder auch nur Musik von weiblichen Interpreten mögen, die einfach minderwertig ist.
Sie werden feststellen, Sie drehen sich selber viel zu oft um Frauen.
...ist eine Schande!
[...]
Anm: Danke. Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde moderiert. Die Redaktion/kh
In der häuslichen Pflege von Angehörigen engagieren sich etwa 75% Prozent Frauen und nur rund 25% Männer. Was Ihre Selbstviktimisierung aber vermutlich nicht ins Wanken bringen wird - sie ist ja auch wunderbar bequem.
Frauen setzen Kinder nicht deswegen in die Welt, weil Männer ihnen den finanziellen Rückhalt dazu bieten. Sondern es war einmal so, daß Männer finanziellen Rückhalt dazu boten, daß Frauen Kinder in die Welt setzten - im relativ privilegierten Bürgertum. Bei den Armen sah das immer schon anders aus, da haben nicht nur die Frauen, sondern auch die Kinder gearbeitet. Vielleicht werfen Sie aber mal einen Blick in die Jetzt-Zeit? http://www.familienernaeh...
http://www.boeckler.de/pd...
............
Zum Artikel: es ist bereits jetzt jenseits jeder Achtung der Menschenwürde, was in der Pflege, besonders in der von Alten, vollkommen normal ist. Es verhungern und verdursten alte Menschen, es werden Medikamente nicht zur Heilung, sondern für leichtere Abfertigung verabreicht, es treten strukturell Pflegefehler wie Decubitus http://commons.wikimedia.... auf, weil das Pflegepersonal zu wenig Zeit hat, Bettlägerige umzubetten. Pfleger m/w werden, gemessen an Ausbildung und Schwere der Arbeit, in skandalöser Weise unterbezahlt. Die Zivis boten bislang eine sehr kostengünstige Stützung dieses Systems.
Wir alle werden staunen, wieviel schlechter es noch geht.
[...]
Anmerkungen zur Moderation wenden Sie bitte direkt an community@zeit.de. Danke. Die Redaktion/kh
forderte ein Teil der deutschen Frauenbewegung für junge Mädchen, hauptsächlich aus dem Bürgertum, das Dienstjahr. Zwei Hauptargumente lagen dem zugrunde. Sie wollten, dass die Mädchen aus dem 'Backfisch'-Dasein herausgeholt und zum organischen Teil des Volksganzen, zu Staatsbürgerinnen, erzogen würden. Das zweite Argument sind die Staatsbürgerrechte, wie das Wahlrecht. Männer hatten es und es wurde ihnen ua auch auf Grund ihrer unfreiwilligen Militärzeit zugestanden. Es hilft ihnen vielleicht nicht versöhnend weiter, aber der Überbleibsel der Unterdrückung der Frauen schleicht sich eben nur langsam aus. Was Männer vor hundert Jahren als Ehrung empfanden, wird nun einfach als Kampfmittel gegen Frauen verwendet?
Abschließend: seit 40 Jahren gibt es in D freiwillige Jahre, soziale und ökologische genannt. Zitat:"Blickt man auf die Soziodemografie der Teilnehmenden im FSJ und FÖJ, so sind es in der Mehrzahl junge Frauen, die überwiegend nach dem Abschluss der Realschule oder des Gymnasiums einen Freiwilligendienst leisten. Der Anteil junger Männer ist zwischen den Jahrgängen 2001/02 und 2003/04 von rd. 12 % auf 24 % im FSJ und von rd. 27 % auf rd. 32 % im FÖJ angestiegen." (Ergebnisse der Evaluation des FSJ und FÖJ, hrsg. bmfsfj)
Sie sprechen einen interessanten Aspekt an: Ich wundere mich schon seit Jahren darüber, dass Männer, die seit Jahrhunderten zu Kanonenfutter gemacht wurden, nie gegen diese Instrumentalisierung gewehrt haben.
Anderen Aspekten Ihres Kommentares kann ich hingegen nichts abgewinnen.
in diesem Staat dreht sich alles um Mädchen und Frauen. Einfache Lösung, machen Sie es nicht. Sie sind doch ein Teil dieser Gesellschaft.
Aber sobald Sie eine vorbeilaufende Frau hinterherschauen, haben Sie sich ein bisschen um die Frau gedreht. Sobald Sie einer vermeintlich hübschen Kollegin mit Ausschnitt einen Gefallen tun, den Sie einem Mann nicht getan hätten, haben Sie sich ein bisschen gedreht. Einer Frau die Tür geöffnet, das Essen bezahlt, oder auch nur Musik von weiblichen Interpreten mögen, die einfach minderwertig ist.
Sie werden feststellen, Sie drehen sich selber viel zu oft um Frauen.
...ist eine Schande!
[...]
Anm: Danke. Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde moderiert. Die Redaktion/kh
In der häuslichen Pflege von Angehörigen engagieren sich etwa 75% Prozent Frauen und nur rund 25% Männer. Was Ihre Selbstviktimisierung aber vermutlich nicht ins Wanken bringen wird - sie ist ja auch wunderbar bequem.
Frauen setzen Kinder nicht deswegen in die Welt, weil Männer ihnen den finanziellen Rückhalt dazu bieten. Sondern es war einmal so, daß Männer finanziellen Rückhalt dazu boten, daß Frauen Kinder in die Welt setzten - im relativ privilegierten Bürgertum. Bei den Armen sah das immer schon anders aus, da haben nicht nur die Frauen, sondern auch die Kinder gearbeitet. Vielleicht werfen Sie aber mal einen Blick in die Jetzt-Zeit? http://www.familienernaeh...
http://www.boeckler.de/pd...
............
Zum Artikel: es ist bereits jetzt jenseits jeder Achtung der Menschenwürde, was in der Pflege, besonders in der von Alten, vollkommen normal ist. Es verhungern und verdursten alte Menschen, es werden Medikamente nicht zur Heilung, sondern für leichtere Abfertigung verabreicht, es treten strukturell Pflegefehler wie Decubitus http://commons.wikimedia.... auf, weil das Pflegepersonal zu wenig Zeit hat, Bettlägerige umzubetten. Pfleger m/w werden, gemessen an Ausbildung und Schwere der Arbeit, in skandalöser Weise unterbezahlt. Die Zivis boten bislang eine sehr kostengünstige Stützung dieses Systems.
Wir alle werden staunen, wieviel schlechter es noch geht.
[...]
Anmerkungen zur Moderation wenden Sie bitte direkt an community@zeit.de. Danke. Die Redaktion/kh
forderte ein Teil der deutschen Frauenbewegung für junge Mädchen, hauptsächlich aus dem Bürgertum, das Dienstjahr. Zwei Hauptargumente lagen dem zugrunde. Sie wollten, dass die Mädchen aus dem 'Backfisch'-Dasein herausgeholt und zum organischen Teil des Volksganzen, zu Staatsbürgerinnen, erzogen würden. Das zweite Argument sind die Staatsbürgerrechte, wie das Wahlrecht. Männer hatten es und es wurde ihnen ua auch auf Grund ihrer unfreiwilligen Militärzeit zugestanden. Es hilft ihnen vielleicht nicht versöhnend weiter, aber der Überbleibsel der Unterdrückung der Frauen schleicht sich eben nur langsam aus. Was Männer vor hundert Jahren als Ehrung empfanden, wird nun einfach als Kampfmittel gegen Frauen verwendet?
Abschließend: seit 40 Jahren gibt es in D freiwillige Jahre, soziale und ökologische genannt. Zitat:"Blickt man auf die Soziodemografie der Teilnehmenden im FSJ und FÖJ, so sind es in der Mehrzahl junge Frauen, die überwiegend nach dem Abschluss der Realschule oder des Gymnasiums einen Freiwilligendienst leisten. Der Anteil junger Männer ist zwischen den Jahrgängen 2001/02 und 2003/04 von rd. 12 % auf 24 % im FSJ und von rd. 27 % auf rd. 32 % im FÖJ angestiegen." (Ergebnisse der Evaluation des FSJ und FÖJ, hrsg. bmfsfj)
Sie sprechen einen interessanten Aspekt an: Ich wundere mich schon seit Jahren darüber, dass Männer, die seit Jahrhunderten zu Kanonenfutter gemacht wurden, nie gegen diese Instrumentalisierung gewehrt haben.
Anderen Aspekten Ihres Kommentares kann ich hingegen nichts abgewinnen.
...aus dem Osten. Das ist doch prima, dann kann Herr Dresel ein wenig russisch lernen. Warum das sein muss? Muss eigentlich nicht sein - aber es ist so. Weil wir eine Demokratie haben und in dieser werden die Menschen verheizt, damit ein paar Bonzen sich Luxuskarossen und Weltreisen kaufen können. Die mutigen Jungen flüchten aus Deutschland - das machen die richtig, das machen die gut. Hier wächst bald kein Gras mehr.
Die "Fachkräfet" verdienen sicherlich auch nicht mehr, nur dass der Zeitarbeitschef seine Mitarbeiter mit dem goldenen Porsche einsammelt... und irgendwann bilden sich wieder tolle Gettos und Paralellgesellscahften, wenn die Sozialleistungen weiter gekürzt werden und Herr Dresel Würmer knabbern muss.
Ein Hoch auf die Demokratie! Die erste und einzige Gesellschaftsform, die ihre Bürger knechten kann, ganz ohne großen Feind und Militärpräsenz. Der Teufel der Boshaftigkeit wäre neidisch auf unsere Dämonkratie...
Anstatt den jungen Deutschen die Zukunft schlecht zu reden, sollten Sie sich an Ihre Verantwortung als Erwachsener erinnern und lieber Zuversicht und Werte vertreten als diesen verbitterten, desillusionierten Pseudo-Realismus.
Im Übrigen finde ich es schlimm, dass der Zivildienst abgeschafft worden ist. Wo sonst können junge Leute nun noch dazu 'gezwungen' werden, nicht nur die reale Arbeitspraxis kennenzulernen, bevor sie Informatik, Politik, Philosophie, Kunst oder BWL studieren, sondern auch die wichtigen Dinge im Leben wir in Entscheidungen von Menschen, die Macht haben?
Anstatt den jungen Deutschen die Zukunft schlecht zu reden, sollten Sie sich an Ihre Verantwortung als Erwachsener erinnern und lieber Zuversicht und Werte vertreten als diesen verbitterten, desillusionierten Pseudo-Realismus.
Im Übrigen finde ich es schlimm, dass der Zivildienst abgeschafft worden ist. Wo sonst können junge Leute nun noch dazu 'gezwungen' werden, nicht nur die reale Arbeitspraxis kennenzulernen, bevor sie Informatik, Politik, Philosophie, Kunst oder BWL studieren, sondern auch die wichtigen Dinge im Leben wir in Entscheidungen von Menschen, die Macht haben?
Zuerst glaubt man, es geht nicht ohne, und mancher Sklave hat sich so an seine Rolle gewöhnt, daß er gerne Sklave ist.
Doch es bleibt dabei: Eine nur symbolische bezahlte Arbeit, wo das Fernbleiben oder Weglaufen mit Gefängnis bestraft wird, ist Sklaverei in ziemlich engem Wortsinne.
Ich war von 1987/1988 zwanzig Monate lang Zivi, und habe damals auch etwas gelernt, nämlich daß das offiziöse Gerede von Freiheit und Menschenrechten hohle Propaganda ist (was sich seitdem immer wieder bestätigt hat, wenn man nur genauer hinschaut).
Wenn es den Regierenden in den Kram paßt, wird sogar die Sklaverei wieder eingeführt, Kriege angefangen, die Demokratie mit Füßen getreten... Und kein Verfassungsgericht hat etwas dagegen.
.. bezeichnen, ist der Dienst an unserer Gesellschaft. Ist alles, aus dem Sie keinen persönlichen Vorteil erlangen, gleich Sklaverei?
Wenn eine Gesellschaft sich auf die Fahnen schreibt, sozial zu sein, so muss Sie auch sicherstellen, dass den Schwachen in ihrer Mitte geholfen wird. Der Zivildienst war lange Zeit ein wichtiger Baustein in unserem Pflegesystem. Steuern und Sozialabgaben sind das eine, aber oft braucht es auch helfende Hände, die etwas bewegen und nicht bloß anonyme Einzahler. Sie wurden 20 Monate ihres Lebens dazu verpflichtet, diesem System ihre Unterstützung zuzuführen.
Menschen, wie in diesem Artikel beschrieben, sind ihr Leben lang auf diese Hilfe angewiesen. Was Sie leisteten war also nur ein kleiner Beitrag, diesen Menschen ein würdiges Leben zu ermöglichen.
Ein Zwangsdienst ist ein Zwangsdienst, insofern haben Sie natürlich Recht: Doch der Sinn dieses Dienstes wäre auch Ihnen eines Tages zu Gute gekommen, wenn Sie mal darauf angewiesen wären. Doch das blendet man da gerne aus.
.. bezeichnen, ist der Dienst an unserer Gesellschaft. Ist alles, aus dem Sie keinen persönlichen Vorteil erlangen, gleich Sklaverei?
Wenn eine Gesellschaft sich auf die Fahnen schreibt, sozial zu sein, so muss Sie auch sicherstellen, dass den Schwachen in ihrer Mitte geholfen wird. Der Zivildienst war lange Zeit ein wichtiger Baustein in unserem Pflegesystem. Steuern und Sozialabgaben sind das eine, aber oft braucht es auch helfende Hände, die etwas bewegen und nicht bloß anonyme Einzahler. Sie wurden 20 Monate ihres Lebens dazu verpflichtet, diesem System ihre Unterstützung zuzuführen.
Menschen, wie in diesem Artikel beschrieben, sind ihr Leben lang auf diese Hilfe angewiesen. Was Sie leisteten war also nur ein kleiner Beitrag, diesen Menschen ein würdiges Leben zu ermöglichen.
Ein Zwangsdienst ist ein Zwangsdienst, insofern haben Sie natürlich Recht: Doch der Sinn dieses Dienstes wäre auch Ihnen eines Tages zu Gute gekommen, wenn Sie mal darauf angewiesen wären. Doch das blendet man da gerne aus.
in diesem Staat dreht sich alles um Mädchen und Frauen. Einfache Lösung, machen Sie es nicht. Sie sind doch ein Teil dieser Gesellschaft.
Aber sobald Sie eine vorbeilaufende Frau hinterherschauen, haben Sie sich ein bisschen um die Frau gedreht. Sobald Sie einer vermeintlich hübschen Kollegin mit Ausschnitt einen Gefallen tun, den Sie einem Mann nicht getan hätten, haben Sie sich ein bisschen gedreht. Einer Frau die Tür geöffnet, das Essen bezahlt, oder auch nur Musik von weiblichen Interpreten mögen, die einfach minderwertig ist.
Sie werden feststellen, Sie drehen sich selber viel zu oft um Frauen.
...ist eine Schande!
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Anm: Danke. Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde moderiert. Die Redaktion/kh
[...]
Mal ernsthaft!
Auch wenn der von Ihnen kritisierte Beitrag nüchtern betrachtet wohl falsch und überzogen ist, so kann man ihn mit einer Portion Ironie durchaus verstehen.
Zeigt er doch unmißverständlich ein wohl unzeitgemäßes Wertverständnis hiesiger Machthaber und wohl auch größerer Teile unserer Gesellschaft auf:
Der Vater verteidigt das Vaterland, die Mutter bekommt die Kinder.
Mal von unterschiedlichen "Laufzeiten" des Wehr- oder Zivildienstes, der Berechtigung eines Ersatzdienstes abgesehen, also einem Diskussionsanreiz hinsichtlich Gerechtigkeit und Gleichbehandlung.
Hat man nicht Jahrzehnte Zeit gehabt, sich über Sinn und Unsinn des Zivildienstes Gedanken zu machen?
Wäre es nicht sinnvoller gewesen, unser Sozialsystem nicht auf diese Art "Zwangsarbeit" zu stützen?
Wer im Zivil- oder Wehrdienst (ich meine hier keine Berufssoldaten) einen Bereicherung im Sinne einer Vorbereitung für das spätere Berufsleben sieht, dem sei vor Augen geführt, dass beispielsweise Akademiker aus Staaten ohne Wehrpflicht erhebliche Vorteile (altersbedingt) geniesen. Da interessieren die paar Rentenpunkte für den Frondienst wenig.
Gekürzt. Kritik an der Moderation können Sie gerne an community@zeit.de richten. Die Redaktion/vn
[...]
Mal ernsthaft!
Auch wenn der von Ihnen kritisierte Beitrag nüchtern betrachtet wohl falsch und überzogen ist, so kann man ihn mit einer Portion Ironie durchaus verstehen.
Zeigt er doch unmißverständlich ein wohl unzeitgemäßes Wertverständnis hiesiger Machthaber und wohl auch größerer Teile unserer Gesellschaft auf:
Der Vater verteidigt das Vaterland, die Mutter bekommt die Kinder.
Mal von unterschiedlichen "Laufzeiten" des Wehr- oder Zivildienstes, der Berechtigung eines Ersatzdienstes abgesehen, also einem Diskussionsanreiz hinsichtlich Gerechtigkeit und Gleichbehandlung.
Hat man nicht Jahrzehnte Zeit gehabt, sich über Sinn und Unsinn des Zivildienstes Gedanken zu machen?
Wäre es nicht sinnvoller gewesen, unser Sozialsystem nicht auf diese Art "Zwangsarbeit" zu stützen?
Wer im Zivil- oder Wehrdienst (ich meine hier keine Berufssoldaten) einen Bereicherung im Sinne einer Vorbereitung für das spätere Berufsleben sieht, dem sei vor Augen geführt, dass beispielsweise Akademiker aus Staaten ohne Wehrpflicht erhebliche Vorteile (altersbedingt) geniesen. Da interessieren die paar Rentenpunkte für den Frondienst wenig.
Gekürzt. Kritik an der Moderation können Sie gerne an community@zeit.de richten. Die Redaktion/vn
habe ich auch als zivi gemacht, mit dem unterschied, dass "mein" rolli-fahrer verheiratet ist.
Es war das beste Jahr meines Lebens, und seitdem finanziere ich mein Studium mit der Betreuung von Rollstuhlfahrern.
Ein Sklave war ich sicher nicht, sondern habe eher die soziale Ader in mir entdeckt, und dass es das größte Geschenk ist, selbstbestimmt und ohne großen Aufwand aufs Klo gehen zu können
Natürlich waren sie ein Sklave. Das Sklavendasein hat nichts mti der persönlichen Einstellung zu tun, sondern mit faktischen Gegebenheiten.
Wenn sie ihre Rechte und Pflichten als Zivildienstleistender lesen, dann werden sie feststellen, dass ihre Grundrechte weitreichend eingeschränkt waren. Natürlich waren sie nicht vollkommen rechtelos.
Es gibt und gab immer Sklaven, die sich in ihrer Rolle gefallen haben und von Wohlwollenden Sklavenhaltern gut behandelt wurden und wegen derer Gnaden die Sklaven Freiheiten besaßen.
Es gibt gute Zivildienststellen und schlechte Zivildienststellen. Ich selbst war auch bei einer sehr guten, doch beim Zivilehrgang haben mir andere Zivildienstleistende berichtet, dass in ihren Einrichtungen (oftmals kirchlich betriebene Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Pflegeheime) Ausbeutung an der Tagesordnung war und sie wirklich jeden Mist machen mussten, auf den die regulären Arbeiter keien Lust hatten.
Die Abschaffung des Zivildienstes ist nicht nur "gut" oder "schlecht" und es muss eine Alternative gefunden werden, doch war der Zivildienst immer nur Ersatzdienst für den Kriegsdienst und somit musste er auch in seiner jetzigen Form mit dem Kriegsdienst abgeschafft werden.
sie haben recht, faktisch bin ich während der zivizeit in meinen grundrechten beschnitten gewesen...
bei meinem zivilehrgang war es so, dass diejenigen, die am ehesten ausgebeutet wurden, auch die gewesen sind, die die zeit einfach auf sich haben zukommen lassen. ich kenne niemanden, der in einer zivistelle unglücklich gewesen ist, die er sich selbst ausgesucht hat und der er nicht zugeteilt wurde.
mein rolli-fahrer hat in der taz eine anzeige gehabt mit der unterschrift "keep me rolling on", da wusste ich, das ist es, da muss ich hin, und es war wirklich ein glücksgriff.
Natürlich waren sie ein Sklave. Das Sklavendasein hat nichts mti der persönlichen Einstellung zu tun, sondern mit faktischen Gegebenheiten.
Wenn sie ihre Rechte und Pflichten als Zivildienstleistender lesen, dann werden sie feststellen, dass ihre Grundrechte weitreichend eingeschränkt waren. Natürlich waren sie nicht vollkommen rechtelos.
Es gibt und gab immer Sklaven, die sich in ihrer Rolle gefallen haben und von Wohlwollenden Sklavenhaltern gut behandelt wurden und wegen derer Gnaden die Sklaven Freiheiten besaßen.
Es gibt gute Zivildienststellen und schlechte Zivildienststellen. Ich selbst war auch bei einer sehr guten, doch beim Zivilehrgang haben mir andere Zivildienstleistende berichtet, dass in ihren Einrichtungen (oftmals kirchlich betriebene Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Pflegeheime) Ausbeutung an der Tagesordnung war und sie wirklich jeden Mist machen mussten, auf den die regulären Arbeiter keien Lust hatten.
Die Abschaffung des Zivildienstes ist nicht nur "gut" oder "schlecht" und es muss eine Alternative gefunden werden, doch war der Zivildienst immer nur Ersatzdienst für den Kriegsdienst und somit musste er auch in seiner jetzigen Form mit dem Kriegsdienst abgeschafft werden.
sie haben recht, faktisch bin ich während der zivizeit in meinen grundrechten beschnitten gewesen...
bei meinem zivilehrgang war es so, dass diejenigen, die am ehesten ausgebeutet wurden, auch die gewesen sind, die die zeit einfach auf sich haben zukommen lassen. ich kenne niemanden, der in einer zivistelle unglücklich gewesen ist, die er sich selbst ausgesucht hat und der er nicht zugeteilt wurde.
mein rolli-fahrer hat in der taz eine anzeige gehabt mit der unterschrift "keep me rolling on", da wusste ich, das ist es, da muss ich hin, und es war wirklich ein glücksgriff.
Sie sprechen mir aus der Seele. All die Krokodilstränen, die jetzt vergossen werden, sind überflüssig. Die Sozialdienste hätten sich einfach nicht darauf verlassen dürfen, daß die Grundrechte für die jungen Männer auf ewige Zeiten beschnitten werden.
Das Regime hat die vom Verfassungsgericht geforderte Änderung des Wahlrechts in Bezug der Überhangmandate nicht umsetzen können und somit ist das Regime ab morgen illegal.
Da kein gültiges Wahlrecht für Neuwahlen vorliegt ist Deutschland ab morgen eine Anarchie.
... trägt nicht im Geringsten zu dieser Diskussion bei und zeigt obendrein, dass Sie keine Ahnung von unserer Verfassung haben. Sie sollten sich also zu solchen Sachverhalten besser nicht äußern.
Zum Thema: Ich halte es in der derzeitigen Kostenlage für richtig, den Wehr- und Ersatzdienst abzuschaffen. Trotzdem hielt ich immer viel von dieser Institution. Der einzige Makel war die völlige Ungerechtigkeit, dass Frauen nicht auch zu einem solchen Dienst verpflichtet werden konnten.
Die Tätigkeit, der ich selbst im Zivildienst damals nachging, hat mit meinem heutigen beruflichen Werdegang nichts gemein. Trotzdem habe ich in dieser Zeit einiges gelernt, was ich in Schule und Universität nie lernen konnte. Für einen jungen Menschen in diesem Alter ist es wichtig, wenn man auch mit Menschen in Kontakt kommt, die man sonst nie treffen würde. Menschen, die auf die Hilfe eines anderen angewiesen sind.
Der Zivildienst war eine wichtige Institution um die Gesellschaft ein Stück sozialer zu formen. Denn man lernt, dass es im Leben nicht immer darauf ankommt, einen persönlichen Vorteil aus allem herauszuschlagen.
... Vielleicht ist aber auch gerade diese Erkenntnis schon wieder ein Vorteil?
... trägt nicht im Geringsten zu dieser Diskussion bei und zeigt obendrein, dass Sie keine Ahnung von unserer Verfassung haben. Sie sollten sich also zu solchen Sachverhalten besser nicht äußern.
Zum Thema: Ich halte es in der derzeitigen Kostenlage für richtig, den Wehr- und Ersatzdienst abzuschaffen. Trotzdem hielt ich immer viel von dieser Institution. Der einzige Makel war die völlige Ungerechtigkeit, dass Frauen nicht auch zu einem solchen Dienst verpflichtet werden konnten.
Die Tätigkeit, der ich selbst im Zivildienst damals nachging, hat mit meinem heutigen beruflichen Werdegang nichts gemein. Trotzdem habe ich in dieser Zeit einiges gelernt, was ich in Schule und Universität nie lernen konnte. Für einen jungen Menschen in diesem Alter ist es wichtig, wenn man auch mit Menschen in Kontakt kommt, die man sonst nie treffen würde. Menschen, die auf die Hilfe eines anderen angewiesen sind.
Der Zivildienst war eine wichtige Institution um die Gesellschaft ein Stück sozialer zu formen. Denn man lernt, dass es im Leben nicht immer darauf ankommt, einen persönlichen Vorteil aus allem herauszuschlagen.
... Vielleicht ist aber auch gerade diese Erkenntnis schon wieder ein Vorteil?
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