Sopranistin Anna Prohaska Erotik der Seelenlosigkeit
Aufmerksamkeitsheischende Räkeleien hat sie nicht nötig. Die Sopranistin Anna Prohaska ist verführerisch aus Prinzip: Ihr Debüt-Album ist den Sirenen gewidmet.
© Patrick Walter/Deutsche Grammophon

Die Sopranistin Anna Prohaska
Eigentlich ist sie eine Besonnene ihres Fachs, und eigentlich dachte man, die Zeiten exhibitionistischer Cover-Räkeleien seien vorbei. Ausgerechnet die 28-jährige österreichische Sopranistin Anna Prohaska belehrt die Musikwelt nun eines anderen. Mal wickelt sie sich nackt in Satinlaken, mal schmachtet sie wie Ophelia blütenumkränzt in der Badewanne. Undinen, Nixen, Nymphen und andere Wasserfeen sind das Thema von Prohaskas Debüt-CD bei der Deutschen Grammophon.
Aber die Dramaturgie der Lieder von John Dowland bis Karol Szymanowski, die Eric Schneider auf dem Klavier begleitet, ist so bestrickend intelligent, dass man allen Kitsch der Aufmachung rasch wieder vergisst. Anna Prohaskas Timbre ist eher kindlich und gläsern, eher weißlich in der Farbe als von Ausdruck und Persönlichkeit durchglüht.
Das kommt der Verführungsmacht vieler Zauberfrauen im Liedrepertoire entgegen: den tändelnden Lockrufen von George Bizets Sirène, der nächtlichen Klage in Felix Mendelssohn Bartholdys Schilflied. Spätestens beim Rauschen der Wellen und Tauschen der Küsse in Des Fischers Liebesglück von Schubert erliegt man dieser Erotik der Seelenlosigkeit.
Anna Prohaska: Sirène, Deutsche Grammophon
- Datum 14.08.2011 - 18:20 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 7.7.2011 Nr. 28
- Kommentare 5
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"Sex sells (better)" - nicht wahr???
Kann die Musik nicht für sich stehen? Muss das so aufgebauscht werden, müssen da all die Marketing-Strategen ihre Konzepte einbringen, damit der "Marktwert" steigt (egal ob bei Künstlern, Sportlern etc...)? Ich bin dessen so müde. Da ist mir ein Rezital lieber, wo jemand auf der Bühne steht, und es ist letztlich etwas, was im Augenblick geschieht, im Dialog mit dem Publikum, und nicht vor- und durchinszeniert, so durch unzählige Hände zum Produkt gestylt.
Seelenlos kann Erotik nie sein, dann ist sie keine Erotik mehr. Und was ist die "Erotik der Seelenlosigkeit" - ein ästhetisches Konstrukt? Das, was wir hier sehen, im Filmchen? Eine Inszenierung, fern aller Erotik ... fern aller Seele ...
Ob etwas verführerisch ist oder nicht, entscheide ICH und nicht irgendein Promoter. Ich frage mich ernsthaft, bei wem das funktionieren soll.
@Autorin: Stellen sie die Musik (!) in den Vordergrund und lassen sie doch bitte die mündigen Hörer entscheiden, wie sie die Musik deuten. Bieten sie ihre Interpretation an, aber machen sie nicht den Fehler und reden von einem Ist-Zustand, der in Wirklichkeit letztendlich auch nur mehr als zur Hälfte der Soll-Zustand irgendeines Promoters ist. Überdenken sie ihre Überschriften. Aus Prinzip ist niemand verführerisch, schon gar nicht in der Musik!
Der Artikel ist aus meiner Sicht eine Beleidigung für all jene, die einen gewissen Grad an musikalischer Bildung besitzen. Da reicht es nicht Musikklatschblättern und Musikklatschern, die sich avantgardistisch dünken, nachzuplappern und dem eine weitere Plattform zu überlassen. Lassen sie die Leute diskutieren (!) und verkaufen sie sie nicht für dumm. Empathie trägt jeder in sich und somit auch die Urteilskraft etwas als schön, melancholisch oder erotisch zu bewerten.
Erotik speziell zu definieren und womöglich vorzuschreiben ist von dem gleichen Gleichschalterwahnsinn geprägt, der auch seit Jahrzehnten versucht mickrigen Stammelhiphop als subkulturelles Gut oder musikalisch wertvoll zu verkaufen.
Nieder mit der Geschmacksbevormundung!
Ob etwas verführerisch ist oder nicht, entscheide ICH und nicht irgendein Promoter. Ich frage mich ernsthaft, bei wem das funktionieren soll.
@Autorin: Stellen sie die Musik (!) in den Vordergrund und lassen sie doch bitte die mündigen Hörer entscheiden, wie sie die Musik deuten. Bieten sie ihre Interpretation an, aber machen sie nicht den Fehler und reden von einem Ist-Zustand, der in Wirklichkeit letztendlich auch nur mehr als zur Hälfte der Soll-Zustand irgendeines Promoters ist. Überdenken sie ihre Überschriften. Aus Prinzip ist niemand verführerisch, schon gar nicht in der Musik!
Der Artikel ist aus meiner Sicht eine Beleidigung für all jene, die einen gewissen Grad an musikalischer Bildung besitzen. Da reicht es nicht Musikklatschblättern und Musikklatschern, die sich avantgardistisch dünken, nachzuplappern und dem eine weitere Plattform zu überlassen. Lassen sie die Leute diskutieren (!) und verkaufen sie sie nicht für dumm. Empathie trägt jeder in sich und somit auch die Urteilskraft etwas als schön, melancholisch oder erotisch zu bewerten.
Erotik speziell zu definieren und womöglich vorzuschreiben ist von dem gleichen Gleichschalterwahnsinn geprägt, der auch seit Jahrzehnten versucht mickrigen Stammelhiphop als subkulturelles Gut oder musikalisch wertvoll zu verkaufen.
Nieder mit der Geschmacksbevormundung!
Geschwungener Artikel aber beim letzten Wort "Seelenlosigkeit" verliert er jede Sinnhaftigkeit oder Aussage.
Ob etwas verführerisch ist oder nicht, entscheide ICH und nicht irgendein Promoter. Ich frage mich ernsthaft, bei wem das funktionieren soll.
@Autorin: Stellen sie die Musik (!) in den Vordergrund und lassen sie doch bitte die mündigen Hörer entscheiden, wie sie die Musik deuten. Bieten sie ihre Interpretation an, aber machen sie nicht den Fehler und reden von einem Ist-Zustand, der in Wirklichkeit letztendlich auch nur mehr als zur Hälfte der Soll-Zustand irgendeines Promoters ist. Überdenken sie ihre Überschriften. Aus Prinzip ist niemand verführerisch, schon gar nicht in der Musik!
Der Artikel ist aus meiner Sicht eine Beleidigung für all jene, die einen gewissen Grad an musikalischer Bildung besitzen. Da reicht es nicht Musikklatschblättern und Musikklatschern, die sich avantgardistisch dünken, nachzuplappern und dem eine weitere Plattform zu überlassen. Lassen sie die Leute diskutieren (!) und verkaufen sie sie nicht für dumm. Empathie trägt jeder in sich und somit auch die Urteilskraft etwas als schön, melancholisch oder erotisch zu bewerten.
Erotik speziell zu definieren und womöglich vorzuschreiben ist von dem gleichen Gleichschalterwahnsinn geprägt, der auch seit Jahrzehnten versucht mickrigen Stammelhiphop als subkulturelles Gut oder musikalisch wertvoll zu verkaufen.
Nieder mit der Geschmacksbevormundung!
Mir gefällt was ich hier höre besser als das was ich sehe.
Ich möchte nur kurz anmerken, dass sich der Begriff der Seelenlosigkeit auf die Nymphen bezieht. Nymphen, Sirenen und Wasserfrauen sind von Natur aus seelenlos, nur die bedingungslose Liebe und ewige Treue eines Menschen(mannes) gibt ihnen die Chance, nach ihrem Tode eine unsterbliche Seele zu bekommen. Nymphen haben zwar keine Seele, leben dafür aber viele hundert Jahre ohne zu altern. Ihre Schönheit und `Andersartigkeit` zog (der zahlreichen Sagen nach) schon immer Menschen an, die aber sehr schnell ihr Interesse an den schönen Wesen verloren und sich und die Wasserfrau ins Verderben stürzten (siehe Dvoraks Rusalka, die dazu verdammt wird, die Untreue ihres Prinzen zu büßen, indem sie auf ewig zum todbringenden Irrlicht wird. Gleichzeitig aber so selbstlos und `seelenvoller` als mancher Mensch ist, in ihrer (und des Prinzen) Todesstunde für ihn und seine Seele zu beten `Buh te pomiluj`= Gott erbarme sich DEINER, und nicht, wie in der deutschen Übersetzung `erbarme sich unser`). So, das war ein kleiner Exkurs in die `Seelenlosigkeit`der Nymphen, um die Überschrift des Artikels vielleicht besser zu verstehen.
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