HeimarbeitMy home is my office

Drei Heimarbeiter erzählen, warum sie dem Büro in der Firma den Rücken gekehrt haben. von Katja Bosse

Susanne Eichhorn, 36, Juristin bei der Allianz:

»Ich habe noch nie so effektiv und ungestört gearbeitet wie heute – obwohl ich mich neben meinem Job noch um drei Kinder (1, 4 und 6 Jahre), Haus und Garten kümmere. Dass mir mein früherer Arbeitgeber nach fünf Jahren Elternzeit das Angebot machte, in Heimarbeit wieder einzusteigen, kam einem Lottogewinn gleich. Vier Tage pro Woche kümmere ich mich jetzt vormittags in meinem Homeoffice um die Umsetzung eines internen Kartellrechtprogramms. Per Mail und Telefon halte ich Kontakt zu Chef und Kollegen. Nur etwa alle sechs Wochen muss ich für Meetings von Braunschweig nach München fahren. Nachmittags ist mein Handy aus; dafür arbeite ich die Stunden davor konzentriert und ohne Pausen durch. Kaffeeklatsch und Kantine fehlen mir nicht. Ich spare Anfahrtswege und Ablenkungsmanöver – und gewinne so Zeit für meine Familie.«

Chris-Markus Kratz, 29, Outsourcing-Berater bei IBM:

»Mein Job im Homeoffice in Ehningen gestaltet sich sehr flexibel, in meinen Pausen spiele ich Gitarre oder gehe kurz joggen; und wenn das Auto mal in die Werkstatt muss, trage ich in unseren interaktiven Kalender eine Stunde »nicht verfügbar« ein. Es geht nicht um Anwesenheit, sondern darum, eine Zielvereinbarung zu erreichen. Ich bin viel unterwegs und beim Kunden, sitze abends oft lange am Schreibtisch und horche selbst dann auf mein Handy, wenn ich Kaffee kochen gehe. Meine Kollegen arbeiten alle nach diesem Modell – ein mobiler Internetzugang, Webkonferenzen und Livechats machen’s möglich. Es motiviert, wenn man so eigenverantwortlich arbeiten kann und nicht dauernd kontrolliert wird. Aber es ist auch nach wie vor eine Herausforderung, mit den eigenen Kräften zu haushalten.«

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Meike Schmidt, 35, freiberufliche Grafikerin:

»Mein Homeoffice in Hamburg ist ein 20 Quadratmeter großes WG-Zimmer, in dem ich nicht nur arbeite, sondern auch schlafe – mit Blick auf den Schreibtisch. Ich habe mich erst vor ein paar Monaten selbstständig gemacht und möchte die Miete für einen Atelierplatz noch so lange sparen, bis die Auftragslage stabil ist. Gut gefällt mir, dass ich meinen Tag selbst strukturieren und ein kreatives Hoch noch besser nutzen kann, wenn ich mich zu Hause verschanze. Der Nachteil ist, dass ich keinen klassischen Feierabend mehr kenne: Meine Zimmerwände zieren Ideenskizzen, die Regale sind voll mit Farben und Werkzeugen – und mein Laptop ist leider schnell aufgeklappt, wenn mich ein Thema nicht loslässt. Am liebsten wäre mir für die Zukunft ein Gemeinschaftsbüro mit anderen Kreativen, die mir Feedback geben können, wo ich aber weiter mein eigener Chef bin.«

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Leserkommentare
  1. "Mit dem Homeoffice kann ich trotz meiner Behinderung und dem Übergewicht meine Tätigkeit für das Atomkraftwerk seriös und verantwortungsvoll ausüben. Es bleibt mir viel mehr Zeit für meine Familie und das Kino."

    Eine Leserempfehlung
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    • 3cpo
    • 14. Juli 2011 9:48 Uhr

    Nun, bei der Grafikerin gebe ich Ihnen noch recht, scheinbar ist sie "nicht" angestellt, sondern eine normale Freelancerin. Aber bei der Mutter und dem IBMer ist das doch auf dem Thema. Die Frau muss nicht in der Firma sitzen, sondern macht den Job von zu Hause und kann sich demnach um die Kids kümmern. Genau das ist ein Ansatzpunkt beim Homeoffice. Jetzt macht sie das 4 Tage und nicht 5, das heisst aber nicht, dass dies kein echter Job ist. Da meine Eltern selbst bei IBM gearbeitet haben, weiss ich, dass IBM das Thema Homeoffice schon seit Jahren pushed und fördert. Auch hier ist der Outsourcer ein korrektes Beispiel für erfolgreiches Homeoffice. Beide Jobs werden in ollem Maße von zu Hause aus augeübt. Zumal es beim Thema Homeoffice nicht um den Job geht, sondern nur um die Tatsache, dass man, wenn es eine Arbeit zuläßt, diesen von zu Hause machen kann.

    mfg

  4. Ein dezentralisierter Arbeitsplatz in einer dezentralisierten Welt. "Das ist die Zukunft."

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    Genau. Es ist schon verrückt, dass Leute jeden Tag zig Kilometer fahren, nur um dann dort vor dem PC zu sitzen.

  5. Genau. Es ist schon verrückt, dass Leute jeden Tag zig Kilometer fahren, nur um dann dort vor dem PC zu sitzen.

    Antwort auf "Konsequent"
  6. Wie kann jemand mit drei Kindern zu hause in Ruhe im Home-Office arbeiten?
    Ok, die beiden älteren sind wahrscheinlich im Kindergarten, aber das einjährige wird ja wohl kaum 8 Stunden am Tag ruhig im Stubenwagen liegen...

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    als im Büro.

    Im Homeoffice ist es überhaupt kein Problem ein Kleinkind nebenbei zu betreuen.
    Das liegt daran, dass man im Büro viel tote zeit ungenutzt verstreichen lassen muss.

    Auch die Fahrzeiten fallen weg.
    Ich arbeite mittlerweile ausschließlich im Homeoffice zusammen mit meiner Frau, die ebenfalls einen Homeofficearbeitplatz hat.

    Neben der Ersparnis der Fahrzeiten hat sich herausgestellt, dass man etwa 25% mehr Zeit gewinnt.
    Denn das, was im Büro als Beschäftigungstherapie bei Leerlauf oder als Kaffeeklatsch daherkommt, kann man nun für Anderes nutzen.
    Zusätzlich sind gemeinsame Mahlzeiten und gesunde Kost ein positiver Nebeneffekt.
    Es gibt kaum noch weitere Wege als bis zu den Nachbardörfern, da hier alles erhältlich ist.

    H.

    • 3cpo
    • 14. Juli 2011 9:48 Uhr

    Nun, bei der Grafikerin gebe ich Ihnen noch recht, scheinbar ist sie "nicht" angestellt, sondern eine normale Freelancerin. Aber bei der Mutter und dem IBMer ist das doch auf dem Thema. Die Frau muss nicht in der Firma sitzen, sondern macht den Job von zu Hause und kann sich demnach um die Kids kümmern. Genau das ist ein Ansatzpunkt beim Homeoffice. Jetzt macht sie das 4 Tage und nicht 5, das heisst aber nicht, dass dies kein echter Job ist. Da meine Eltern selbst bei IBM gearbeitet haben, weiss ich, dass IBM das Thema Homeoffice schon seit Jahren pushed und fördert. Auch hier ist der Outsourcer ein korrektes Beispiel für erfolgreiches Homeoffice. Beide Jobs werden in ollem Maße von zu Hause aus augeübt. Zumal es beim Thema Homeoffice nicht um den Job geht, sondern nur um die Tatsache, dass man, wenn es eine Arbeit zuläßt, diesen von zu Hause machen kann.

    mfg

    Antwort auf "Das war Sarkasmus..."
  7. Und jetzt nochmal einen Bericht, der mit nicht ganz so realitätsfremden Juristen und Beratern zu tun hat bitte.

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    • medwed
    • 14. Juli 2011 11:16 Uhr

    Aha, Juristen und Berater sind also realitätsfremd. Wer wäre dann Ihrer Meinung nach realitätsvertraut? Mir scheint, Sie haben das Thema nicht ganz verstanden. Oder geht's wieder mal nach dem Prinzip "heute schon gemosert"? Das würde auch zu Ihrem Nick passen.

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  • Schlagworte Allianz | Arbeitgeber | Chef | Garten | Gitarre | Heimarbeit
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