Adam Fürst Czartoryski nach einem Porträt aus den letzten Jahren vor seinem Tod 1861.

Dreimal war Polen gegen Ende des 18. Jahrhunderts von den Häusern Hohenzollern, Romanow und Habsburg geteilt worden; Napoleon hatte es kurzfristig wiederhergestellt, als französischen Satellitenstaat. Nach dem Wiener Kongress 1815 vegetierte es dann als Königreich Polen unter russischer Fuchtel dahin. Der blutig gescheiterte Aufstand von 1830 schien sein Schicksal endgültig zu besiegeln: finis Poloniae.

Gegen dieses Schicksal kämpfte sein Leben lang Fürst Adam Czartoryski , eine der großen Gestalten der polnischen Geschichte, deren Namen jedes Schulkind in Polen kennt. Er war ein Patriot und zugleich ein Freund des Zaren Alexander I., zeitweilig russischer Außenminister, der seine Europa-Politik auf einen russisch-polnischen Ausgleich stützen wollte, dennoch 1830 die aufständische Regierung anführte und nach der Niederlage, von Paris aus, als ungekrönter König seines geteilten Landes dreißig Jahre lang der polnischen Emigration präsidierte.

Adam Jerzy Fürst Czartoryski entstammte einem litauischen Adelsgeschlecht, dem auch Jagiełło angehörte, der legendäre Sieger von Grunwald. Am 14.Januar 1770, zwei Jahre vor Polens erster Teilung, wurde Czartoryski in Warschau geboren. Er erhielt eine standesgemäße Ausbildung und reiste viel – in Weimar besuchte er 1786 Wieland, Herder und Goethe. In St. Petersburg freundete er sich mit dem liberalen Enkel der Zarin Katharina an. Alexander war Freimauer wie Czartoryski. Beide bereiteten sie mit ihren damals liberalen Freunden Nikolaj Graf Nowosilzow und Grigorij Graf Stroganow eine Perestrojka des Zarenreiches vor. Auch privat waren sie eng miteinander verbunden: Czartoryski wurde zum Geliebten von Alexanders Frau Elisabeth, Alexander wusste davon und ließ ihn gewähren. Die jungen Fürsten führten eine Art Ehe zu dritt.

Alexander verdammte »das Verbrechen der Großmutter Katharina an Polen« und versprach, eine Wiedergutmachung zu seiner Lebensaufgabe zu machen; Czartoryski entwarf schon Zukunftsmodelle. Und tatsächlich: 1801, gerade zum Zaren gekrönt, holte Alexander den Freund nach Petersburg, in den innersten Kreis der Macht. Czartoryski sollte Entwürfe für die Staatsreform vorbereiten. Er schlug vor, nach dem Modell der polnischen Verfassung vom 3.Mai 1791 Ministerien einzuführen; 1802 unterzeichnete Alexander ein entsprechendes Dekret. Im Jahr darauf machte er den Freund zum Außenminister.

In Westeuropa hatte Czartoryski keinen leichten Stand. »Ich glaube nicht, dass ein Pole ein guter Russe sein kann«, schrieb aus Petersburg Joseph de Maistre, Botschafter des Königreichs Sardinien. Auch der Erste Konsul der Französischen Republik, Napoleon Bonaparte, intrigierte gegen den Polen. Er bezirzte gerade mal wieder Petersburg und verschiffte polnische Legionen in die Karibik, zur Niederwerfung des Aufstands in Haiti. Dass Czartoryski es in Wien (wo er als »kalt, schweigsam und abweisend« galt) schwer hatte, war naheliegend. Und in Berlin schlug dem Polen gar blanker Hass entgegen.

Die geliebte Zarin darf nicht seine Frau werden, der Zar verweigert die Scheidung

Czartoryski wusste, dass er als Minister und Freund des Zaren von der deutschen Kamarilla in Petersburg, aber auch von den meisten Russen bekämpft werden würde und nur auf Alexander und die beiden anderen »Triumvirn« Nowosilzow und Stroganow setzen konnte. Zugleich aber vertraute er dem Idealismus und den liberalen Ansichten des Zaren, der immer wieder seine Zuneigung zu den Polen beteuerte. So ließ er in den russischen Teilungsgebieten Polens – heute Litauen, Weißrussland und Ukraine – eine Selbstverwaltung und Bildungseinrichtungen zu, und in Wien und Berlin intervenierte er für die dort gemaßregelten Polen.

1803 legte Czartoryski Alexander ein umfangreiches Memorandum vor: Vom politischen System, das Russland anwenden sollte. Es war ein aufklärerisches Programm für eine Friedensordnung, die den »ewigen Frieden« mit dem »Gleichgewicht der Kräfte«, dem politischen Liberalismus und – zum ersten Mal in der europäischen Geschichte – mit der Selbstbestimmung der Nationen verband.