Von Aussagepsychologie verstehen Richter nicht mehr als Laien
Falschbeschuldigungen kommen weitaus öfter vor, als die Öffentlichkeit ahnt. Die in den Medien kolportierte Schätzung von drei Prozent wird von der forensischen Realität weit übertroffen. Die – durchaus begrüßenswerte – allgemeine Hinwendung zum Verbrechensopfer ermutigt aber offenbar nicht nur echte Opfer dazu, Straftaten anzuzeigen, sondern ermuntert auch eine stetig wachsende Zahl von Menschen mit psychischen Defekten oder zweifelhaften Motiven, sich als Verbrechensopfer zu präsentieren (siehe auch Nichts als die Unwahrheit , Dossier, ZEIT Nr. 15/2008). »Die in Statistiken meist verfälschte, tatsächlich aber relativ hohe Falschaussagenquote gerade in Sexualstrafverfahren«, schreibt der Richter am Bundesgerichtshof, Ralf Eschelbach, in seinem Kommentar, »wird nicht ausreichend beachtet.« Stattdessen werde den zumeist weiblichen Opferzeugen ein unangebrachter moralischer Kredit eingeräumt.
Dabei ist die Problematik in Staatsanwaltschaften, bei Rechtsmedizinern und Aussagepsychologen durchaus bekannt. Der Kieler Psychologieprofessor Günter Köhnken, einer der gefragtesten Glaubwürdigkeitssachverständigen Deutschlands, schätzt die Quote der Falschbeschuldiger unter den von ihm Untersuchten auf 30 bis 40 Prozent. Klaus Püschel, Direktor des Rechtsmedizinischen Instituts Hamburg, das die größte deutsche Opferambulanz betreibt, konstatiert, im Jahr 2009 hätten sich 27 Prozent der angeblich Vergewaltigten bei der ärztlichen Untersuchung als Scheinopfer erwiesen, die sich ihre Verletzungen selbst zugefügt hatten. Nur in 33 Prozent der Fälle habe es sich erwiesenermaßen um echte Opfer gehandelt, bei den restlichen 40 Prozent sei die Rechtsmedizin zu keinem eindeutigen Ergebnis gekommen. Die Tendenz zum Fake hat – laut Püschel – erst in den vergangenen Jahren eingesetzt. Bis dahin habe die Falschbeschuldigungsrate über Jahrzehnte konstant bei fünf bis zehn Prozent gelegen. Eine Entwicklung, die sich nicht nur für Angeklagte verhängnisvoll auswirkt, sondern unter der auch die echten Opfer von Missbrauch und Vergewaltigung zu leiden haben.
Wenn es Falschbezichtigern gelingt, ein Gericht zu beeindrucken, hat das oft damit zu tun, dass die Richter auf den Rat von Sachverständigen verzichten und sich selbst zutrauen, beispielsweise die Glaubhaftigkeit einer belastenden Aussage zu beurteilen. In eigener Selbstüberschätzung übersehen sie oft genug die wahren Motive des »Opfers« oder die Tatsache, dass sie es mit einer gestörten Persönlichkeit zu tun haben, die krankheitsbedingt zu extrem manipulativem Verhalten neigt. Der viel beschworene »persönliche Eindruck«, auf den die Richter ihre Einschätzung zu stützen pflegen, wird dann zu einer gefährlichen Fehlerquelle.
Ein Richter mag sich im Strafrecht und der Strafprozessordnung auskennen – von Aussagepsychologie oder Psychiatrie versteht er nicht mehr als jeder Laie. Weder im Studium noch im Vorbereitungsdienst wird Juristen viel von dem beigebracht, was sie als »Hilfswissenschaften« bezeichnen. Und schon gar nicht lernt der Richter einen Sachverständigen von jemandem zu unterscheiden, der sich nur dafür hält. Ein Richter muss sich das nötige Wissen – oft auf Kosten der Angeklagten – im Laufe seiner Berufsjahre selbst erwerben.
Dass es Richtern manchmal nicht einmal gelingt, ein Gutachten minderer Güte als ein solches zu erkennen, wurde auch im Mannheimer Kachelmann-Prozess offenbar. Hier hielt die 5. Große Strafkammer den später freigesprochenen Wettermoderator monatelang im Untersuchungsgefängnis fest – aufgrund einer Expertise, die vom behandelnden Therapeuten des angeblichen Opfers verfasst worden war und deren dürftige Qualität den Richtern erst im Laufe der Hauptverhandlung durch weitere Sachverständige erklärt werden musste.
Doch auch wenn Falschbeschuldiger vor Gericht scheitern und der Angeklagte freigesprochen wird – eine Strafverfolgung müssen sie nicht fürchten. Wegen Vortäuschens einer Straftat wird laut Polizeistatistik pro Jahr nur gegen 0,2 Prozent der Verdächtigen ermittelt. Dahinter steckt der Wille der Staatsanwälte, potenzielle Anzeigeerstatter nicht abzuschrecken. Die Strafjustiz lebt von Hinweisen aus dem Volke, in Werbekampagnen wird dazu ermuntert, Straftaten bei der Polizei zu melden. Es wäre also kontraproduktiv, die Hinterbringer selbst in Bedrängnis zu bringen.
- Datum 11.07.2011 - 18:58 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 7.7.2011 Nr. 28
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Aus genau den genannten Gruenden muss das Justizgeheimnis
gewahrt werden und Uebertretungen muessen streng geahndet
werden. Die Journalisten muessen Selbstdisziplin ueben
und Publikationen, die ernst genommen werden wollen,
duerfen unbewiesene Dinge nicht veroeffentlichen. Auch hier
muessen, wenn notwendig, empfindliche Strafen verhaengt
werden.
Hallo hajohans,
.
Zitat: "Guter Artikel ... Aus genau den genannten Gruenden muss das Justizgeheimnis
gewahrt werden"
.
was denn für ein "Justizgeheimnis"? Kennt unsere Justiz sowas?
Hallo hajohans,
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Zitat: "Guter Artikel ... Aus genau den genannten Gruenden muss das Justizgeheimnis
gewahrt werden"
.
was denn für ein "Justizgeheimnis"? Kennt unsere Justiz sowas?
»Die in Statistiken meist verfälschte, tatsächlich aber relativ hohe Falschaussagenquote gerade in Sexualstrafverfahren«, schreibt der Richter am Bundesgerichtshof, Ralf Eschelbach, in seinem Kommentar, »wird nicht ausreichend beachtet.«
Na, das wäre doch mal ein Betätigungsfeld für Rechtswissenschaftler -- mit dem Nachteil, dass man bei einem solchen Thema nicht so viel abschreiben kann, wie es zurzeit gerade bei promovierenden Juristen (ähnlich auch in verwandten Forschungsrichtungen) in Mode ist...
Sie machen es sich ganz schön einfach mit Ihren Pauschalisierung.
Weil ein Freiherr von und zu irgendwo bei seiner Dissertation betrogen hat, sind alle Rechtswissenschaftler böse, faul und inkompetent.
Ihr Kommentar ist respektlos und oberflächlich. Gratulation!
Zum Thema:
Frau Rückert spricht hier ein wichtiges Thema an, doch sei anzumerken: Auch der Staatsanwalt ist zur Wahrheitsfindung verpflichtet. Einseitiges Ermitteln ist also genauso unzulässig wie einseitige Urteile.
Was der Artikel jedoch verkennt: Gutachter sind keine Richter. Es stellt sich oft genug heraus, dass Gutachter falsche Ergebnisse liefern, der Richter dagegen dennoch das richtige Urteil spricht. es ist also doch nicht alles schwarz und weiß.
Sie machen es sich ganz schön einfach mit Ihren Pauschalisierung.
Weil ein Freiherr von und zu irgendwo bei seiner Dissertation betrogen hat, sind alle Rechtswissenschaftler böse, faul und inkompetent.
Ihr Kommentar ist respektlos und oberflächlich. Gratulation!
Zum Thema:
Frau Rückert spricht hier ein wichtiges Thema an, doch sei anzumerken: Auch der Staatsanwalt ist zur Wahrheitsfindung verpflichtet. Einseitiges Ermitteln ist also genauso unzulässig wie einseitige Urteile.
Was der Artikel jedoch verkennt: Gutachter sind keine Richter. Es stellt sich oft genug heraus, dass Gutachter falsche Ergebnisse liefern, der Richter dagegen dennoch das richtige Urteil spricht. es ist also doch nicht alles schwarz und weiß.
Der Artikel deutet in die richtige Richtung. Gerade in so schwierig zu beurteilten Fällen, wo die Aussage des möglichen Opfers gegen jene des möglichen Täters steht, müssen auch persönliche Hintergründe und psychologische Expertisen eine Rolle spielen.
Das wäre nicht nur im Sinne von fälschlich Angeklagten oder Verurteilten, sondern insbesondere im Sinne der wahren Opfer, deren Glaubwürdigkeit durch die Häufung von Falschbeschuldigern pauschal leidet.
Das Problem liegt vermutlich in der Überlastung des Justizsystems, der problematischen Vorarbeit der Ermittlungsbehörden und der Selbstüberschätzung der kognitiven Fähigkeiten der Richter. Das ist auch in vielen anderen intellektuell anspruchsvollen Berufsgruppen festzustellen, dass man ob der eigenen anspruchsvollen Ausbildung und Erfahrung nicht gerne zugeben mag, irgendwann auch an seine Grenzen zu kommen und stattdessen auf andere Experten zu vertrauen.
... doch sind solche Gutachten in der Praxis sehr kostspielig und verzögern den Prozess.
Freilich ist jedes Fehlurteil ein Rückschlag für unser Rechtssystem. Doch wie überall gilt: Es muss gespart werden. Zum einen am Geld, zum anderen aber auch an Zeit, denn ein schneller Prozess ist ebenso Menschenrecht wie ein fairer Prozess.
Mit ihrer Vermutung der Richter könne sich überschätzen gebe ich Ihnen bedingt auch Recht, denn auch der Richter ist ein Mensch und der Mensch neigt zum Übermut.
... doch sind solche Gutachten in der Praxis sehr kostspielig und verzögern den Prozess.
Freilich ist jedes Fehlurteil ein Rückschlag für unser Rechtssystem. Doch wie überall gilt: Es muss gespart werden. Zum einen am Geld, zum anderen aber auch an Zeit, denn ein schneller Prozess ist ebenso Menschenrecht wie ein fairer Prozess.
Mit ihrer Vermutung der Richter könne sich überschätzen gebe ich Ihnen bedingt auch Recht, denn auch der Richter ist ein Mensch und der Mensch neigt zum Übermut.
Vielen Dank!
Soweit ich das Urteil im Fall Kachelmann verstanden habe, gab es dort einen Freispruch aus Mangel an Beweisen. Der Richter hat bei der Urteilsverkündung klar gestellt, dass das Gericht nicht aufklären konnte, was in der angeblichen Tatnacht tatsächlich vorgefallen ist. Im Falle von Strauss-Kahn ist nicht mehr bekannt, als dass das mutmaßliche Opfer keine so reine Reputation hat, wie zuerst dargestellt. Auch hier ist weiterhin im Dunkeln, was war und was nicht.
Deshalb finde ich es ein starkes Stück, diese beiden Frauen mit diesem Artikel indirekt als "Lügnerinnen" darzustellen. Das ist schlechter Journalismus. Aber Frau Rückert hat in dem gesamten Kachelmann-Fall keine glückliche Figur abgegeben. Ich frage mich, was für einen Kampf sie kämpft, der sie immer wieder dazu veranlaßt, gute journalistische Standards zu verletzen.
kann ich Ihnen sämtliche Artikel von Frau Alice Schwarzer in der BILD Zeitung ans Herz legen. Was für eine Frau! Völlig offenherzig, unerschrocken und wahrheitsgemäss aus Verhandlungen zu berichten, zu denen sie faktisch nie anwesend war - Chapeau!
Live-Reportage auf Basis von Hörensagen. Wer hat's erfunden? Nein, nicht die Schweizer.
Wer in den genanten Fällen nun endgültig Täter und Opfer ist, kann vielleicht nie aufgeklärt werden. Aber Eines ist für mich sicher, man kann inbesondere als Mann ganz schnell zu Unrecht beschuldigt und verurteilt werden.
Das wirklich Beunruhigende ist doch auf welchen dünnen Brettern von "Behauptungen" man in den Knast wandern kann.
Die Ermittlungen im Fall K. waren schon extrem einseitig. Es war ja kabarettreif was Frauen der Staatsanwaltschaft erzählen können. Und selbst, als sich einzelne Behauptungen als falsch oder nicht plausibel heraustellen- kommen von Dort keine Zweifel. Im Gegenteil es wird verzweifelt weiter nach belastenden Indizien gesucht.
Und das Signal, dass eine Falschbeschuldigung in der Praxis für "Denunzanten" meist keine negativen Folgen haben, ist absolut fatal. Da werden Trittbrettfahrerinnen ja geradezu ermuntert.
Dazu nur ein Beispiel aus meiner Region (nicht im Bereich sex. Gewalt): Eine Frau als einzige Zeugin beschuldigte einen bis dato völlig unbescholtenen Familienvater bei seiner Tätigkeit als Auslieferungsfahrer einen PKW (leicht!)beschädigt zu haben. Der Mann war einfach nicht "geständig" und wurde deshalb von der Richterin! kurzerhand in Beugehaft geschickt. Erst nach Protesten von Kollegen und Freunden kam er wieder frei. Und später stellte sich per Lackgutachten heraus, dass es der Beschuldigte 100% sicher nicht gewesen sein konnte... Man stelle sich diese Geschichte mal mit verkehrten Geschlechtern vor..
Einen sog. "Freispruch aus Mangel an Beweisen" gibt es meines Wissens nicht mehr. Liegen keine Beweise vor, gilt jemand - zu Recht - als unschuldig. Jemand, der dennoch von einer Schuld ausgeht und dies öffentlich kundtut, stellt implizit aus meiner Sicht das gesamte Rechtssystem in Frage. Wer will in einem Staat leben, in dem jeder jeden ohne belastbare Grundlage und Beweise anklagen oder gar verurteilen lassen kann? Es muss die Unschuldsvermutung gelten. Und es darf keine medialen Urteile vorab geben!
Im Fall DSK geht es zudem um weit mehr als die "Reputation" der klagenden Person, wenn man den Medienberichten hierzu glauben schenken darf. Es gibt ja scheinbar Anzeichen dafür, dass jemand evtl. Profit aus einer zweifelhaften Begegnung schlagen wollte. Der Artikel formuliert dies sehr treffend, wie ich finde.
Ich finde es ein starkes Stück, dass dem Artikel unterstellt wird, dass beide Frauen "Lügnerinnen" wären. Es geht nicht darum, wer lügt. Es geht darum, ob jemand zu Recht und ohne Zweifel etwas über den andern behaupten darf. Und das sollte eben nicht sein. Nimmt man an, es wäre von den vermuteten Opfern die Unwahrheit gesagt worden, hätten diese bewusst das gesellschaftliche Leben der beiden (bekannten und im Licht der Öffentlichkeit stehenden) Männer zerstört.
Genau darum geht der Artikel auch: Er wirft die Frage auf, ob dies legitim sein kann. Meine Meinung daher: ein guter Beitrag zur Diskussion einiger Probleme und offener Fragen, die beide Fälle aufwerfen.
Ihrem Beitrag kann ich nur zustimmen. Dieser Artikel soll die zweifelhafte Berichterstattung im Fall Kachelmann im Nachhinein rechtfertigen. Ich schätze, jeder ist ein Glückspilz, der im Falle einer Vergewaltigungsbeschuldigung Frau Rückert und ggf. den bewussten Staranwalt auf seiner Seite hat. Ich bin sicher, dass auch Strauss-Kahn, weil er natürlich unschuldig ist, nichts weiter passieren wird. Er ist ja auch, Gott sei dank, finanziell in der Lage, sich den besten Anwalt der USA zu leisten. Was ein Beweis dafür ist, dass doch die Gerechtigkeit fast immer siegt. Oder?
zu 5
Sie fragen sich warum Fr. Rückert so von guten journalistischen Standards abweicht.
Klicken Sie oben rechts ihren Namen an und Sie werden wissen warum. Volontariat bei der Bildzeitung.
kann ich Ihnen sämtliche Artikel von Frau Alice Schwarzer in der BILD Zeitung ans Herz legen. Was für eine Frau! Völlig offenherzig, unerschrocken und wahrheitsgemäss aus Verhandlungen zu berichten, zu denen sie faktisch nie anwesend war - Chapeau!
Live-Reportage auf Basis von Hörensagen. Wer hat's erfunden? Nein, nicht die Schweizer.
Wer in den genanten Fällen nun endgültig Täter und Opfer ist, kann vielleicht nie aufgeklärt werden. Aber Eines ist für mich sicher, man kann inbesondere als Mann ganz schnell zu Unrecht beschuldigt und verurteilt werden.
Das wirklich Beunruhigende ist doch auf welchen dünnen Brettern von "Behauptungen" man in den Knast wandern kann.
Die Ermittlungen im Fall K. waren schon extrem einseitig. Es war ja kabarettreif was Frauen der Staatsanwaltschaft erzählen können. Und selbst, als sich einzelne Behauptungen als falsch oder nicht plausibel heraustellen- kommen von Dort keine Zweifel. Im Gegenteil es wird verzweifelt weiter nach belastenden Indizien gesucht.
Und das Signal, dass eine Falschbeschuldigung in der Praxis für "Denunzanten" meist keine negativen Folgen haben, ist absolut fatal. Da werden Trittbrettfahrerinnen ja geradezu ermuntert.
Dazu nur ein Beispiel aus meiner Region (nicht im Bereich sex. Gewalt): Eine Frau als einzige Zeugin beschuldigte einen bis dato völlig unbescholtenen Familienvater bei seiner Tätigkeit als Auslieferungsfahrer einen PKW (leicht!)beschädigt zu haben. Der Mann war einfach nicht "geständig" und wurde deshalb von der Richterin! kurzerhand in Beugehaft geschickt. Erst nach Protesten von Kollegen und Freunden kam er wieder frei. Und später stellte sich per Lackgutachten heraus, dass es der Beschuldigte 100% sicher nicht gewesen sein konnte... Man stelle sich diese Geschichte mal mit verkehrten Geschlechtern vor..
Einen sog. "Freispruch aus Mangel an Beweisen" gibt es meines Wissens nicht mehr. Liegen keine Beweise vor, gilt jemand - zu Recht - als unschuldig. Jemand, der dennoch von einer Schuld ausgeht und dies öffentlich kundtut, stellt implizit aus meiner Sicht das gesamte Rechtssystem in Frage. Wer will in einem Staat leben, in dem jeder jeden ohne belastbare Grundlage und Beweise anklagen oder gar verurteilen lassen kann? Es muss die Unschuldsvermutung gelten. Und es darf keine medialen Urteile vorab geben!
Im Fall DSK geht es zudem um weit mehr als die "Reputation" der klagenden Person, wenn man den Medienberichten hierzu glauben schenken darf. Es gibt ja scheinbar Anzeichen dafür, dass jemand evtl. Profit aus einer zweifelhaften Begegnung schlagen wollte. Der Artikel formuliert dies sehr treffend, wie ich finde.
Ich finde es ein starkes Stück, dass dem Artikel unterstellt wird, dass beide Frauen "Lügnerinnen" wären. Es geht nicht darum, wer lügt. Es geht darum, ob jemand zu Recht und ohne Zweifel etwas über den andern behaupten darf. Und das sollte eben nicht sein. Nimmt man an, es wäre von den vermuteten Opfern die Unwahrheit gesagt worden, hätten diese bewusst das gesellschaftliche Leben der beiden (bekannten und im Licht der Öffentlichkeit stehenden) Männer zerstört.
Genau darum geht der Artikel auch: Er wirft die Frage auf, ob dies legitim sein kann. Meine Meinung daher: ein guter Beitrag zur Diskussion einiger Probleme und offener Fragen, die beide Fälle aufwerfen.
Ihrem Beitrag kann ich nur zustimmen. Dieser Artikel soll die zweifelhafte Berichterstattung im Fall Kachelmann im Nachhinein rechtfertigen. Ich schätze, jeder ist ein Glückspilz, der im Falle einer Vergewaltigungsbeschuldigung Frau Rückert und ggf. den bewussten Staranwalt auf seiner Seite hat. Ich bin sicher, dass auch Strauss-Kahn, weil er natürlich unschuldig ist, nichts weiter passieren wird. Er ist ja auch, Gott sei dank, finanziell in der Lage, sich den besten Anwalt der USA zu leisten. Was ein Beweis dafür ist, dass doch die Gerechtigkeit fast immer siegt. Oder?
zu 5
Sie fragen sich warum Fr. Rückert so von guten journalistischen Standards abweicht.
Klicken Sie oben rechts ihren Namen an und Sie werden wissen warum. Volontariat bei der Bildzeitung.
Wobei man, der Ehrlichkeit halber, zugeben sollte dass es meist nur um die Kohle geht.
Ich möchte nicht wissen, wieviele Männer aus purer Angst vollkommen überzogene Unterhaltszahlungen an die faule Haut, auf der sie dereinst lagen überweisen, um angedrohten Missbrauchsbehauptungen zu entgehen. Solche Erpressungen im
"familiären" Bereich sind nicht wirklich die Ausnahme.
Von der "Dich mach' ich fertig - mitsamt deiner Neuen" Nummer können viele Männer ein Lied singen. Tun sie aber nicht. Aus Angst. Zu Recht, wie die Verurteilungsstatistiken zeigen.
Die Anzahl der Fehlurteile, teilweise wohl als vorsätzlich falsch zu bezeichnen, die Familiengerichte fällen, dürfte noch viel höher liegen.
Die moralische Keule gegen Männer wird da gern geschwungen.
Und ein sehr kreativer Umgang mit der Wahrheit "gepflegt".
Da freut es mann schon, wenn mal ein Richter(m/w) sich genötigt sieht, gegenüber der weiblichen Prozeßseite, das Wort "Prozeßbetrug" zu benutzen.
So bei einem Unterhaltsprozeß/Vermögensauseinandersetzung vor wenigen Wochen erlebt.
trauen sich gar nicht erst ihre Peiniger anzuzeigen wegen Leuten wie Ihnen. Die armen armen armen Männer, die armen armen Opfer...
Da finden Sie doch sicher solche Richter geil, die einem geständigen Kinderf...er ein halbes Jahr auf Bewährung geben und einer entehrten Frau, die von ihrem Mann nicht nur verprügelt sondern auch betrogen wurde, ein halbes Jahr OHNE Bewährung gegeben hat, weil sie den Lack des BMW ihres Peinigers zerkratzt hat. Die beiden Fälle sind übrigens wahr und von einem und dem selben Richter erlassen worden.
Die Anzahl der Fehlurteile, teilweise wohl als vorsätzlich falsch zu bezeichnen, die Familiengerichte fällen, dürfte noch viel höher liegen.
Die moralische Keule gegen Männer wird da gern geschwungen.
Und ein sehr kreativer Umgang mit der Wahrheit "gepflegt".
Da freut es mann schon, wenn mal ein Richter(m/w) sich genötigt sieht, gegenüber der weiblichen Prozeßseite, das Wort "Prozeßbetrug" zu benutzen.
So bei einem Unterhaltsprozeß/Vermögensauseinandersetzung vor wenigen Wochen erlebt.
trauen sich gar nicht erst ihre Peiniger anzuzeigen wegen Leuten wie Ihnen. Die armen armen armen Männer, die armen armen Opfer...
Da finden Sie doch sicher solche Richter geil, die einem geständigen Kinderf...er ein halbes Jahr auf Bewährung geben und einer entehrten Frau, die von ihrem Mann nicht nur verprügelt sondern auch betrogen wurde, ein halbes Jahr OHNE Bewährung gegeben hat, weil sie den Lack des BMW ihres Peinigers zerkratzt hat. Die beiden Fälle sind übrigens wahr und von einem und dem selben Richter erlassen worden.
kann ich Ihnen sämtliche Artikel von Frau Alice Schwarzer in der BILD Zeitung ans Herz legen. Was für eine Frau! Völlig offenherzig, unerschrocken und wahrheitsgemäss aus Verhandlungen zu berichten, zu denen sie faktisch nie anwesend war - Chapeau!
Live-Reportage auf Basis von Hörensagen. Wer hat's erfunden? Nein, nicht die Schweizer.
@ 7: Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Gar nichts, genau.
Noch eine Anmerkung zu der Dimension von Falschanschuldigungen bei Sexualdelikten: Internationale Studien kommen zu dem Ergebnis, dass etwa 5-10 Prozent aller Anzeigen aufgrund falscher Aussagen zustande kommen.
Andererseits wird die Dunkelziffer von Vergewaltigungen mit dem 4- bis 10-fachen aller zur Anzeige gebrachten Taten veranschlagt. Wir Männer sollten uns hier also nicht von falscher Hysterie getrieben in ein Opferrolle katapultieren. Das ist lächerlich.
Eine Journalistin, die in der Zeit veröffentlicht mit einer möchtegern Journalistin und deren Artikel in der möchtegern "Zeitung" Bild zu vergleichen ist hirnrissig. Christopher Blunt hat 100%ig Recht mit seinem Beitrag. Ihr Kommentar hingegen ist eine neutrale Aussage...
@ 7: Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Gar nichts, genau.
Noch eine Anmerkung zu der Dimension von Falschanschuldigungen bei Sexualdelikten: Internationale Studien kommen zu dem Ergebnis, dass etwa 5-10 Prozent aller Anzeigen aufgrund falscher Aussagen zustande kommen.
Andererseits wird die Dunkelziffer von Vergewaltigungen mit dem 4- bis 10-fachen aller zur Anzeige gebrachten Taten veranschlagt. Wir Männer sollten uns hier also nicht von falscher Hysterie getrieben in ein Opferrolle katapultieren. Das ist lächerlich.
Eine Journalistin, die in der Zeit veröffentlicht mit einer möchtegern Journalistin und deren Artikel in der möchtegern "Zeitung" Bild zu vergleichen ist hirnrissig. Christopher Blunt hat 100%ig Recht mit seinem Beitrag. Ihr Kommentar hingegen ist eine neutrale Aussage...
Aber er erweckt in mir das Grauen. Wann können wir mit einer Strafrechtsreform rechnen? Wenn die Zahlen stimmen, sollte man hier völlig angepasst leben, oder sich schnell verdrücken.
Mir fällt auch in meiner Umgebung immer mal wieder ein gestörtes Rechts-und Demokratieverständnis auf. 800000 zu 90 lässt mich zittern.
Ich glaube nicht, dass es so sehr ein Problem des Justiz- und Rechtssystems ist. Bei aller systemischer Rafinesse müssen wir doch zur Kenntnis nehmen, dass Richter zuerst Menschen sind. Und zwar Menschen, die einmal Jurastudenten waren.
Und um Jura erfolgreich im Sinne der Professoren zu studieren - denn die geben das "summa cum laude", braucht es eigentlich nichts weiter als Lesen und Schreiben zu können. Und unglaublich viel Fleiß. Fleiß kann einen zwar klüger machen, nicht aber intelligenter. Richter nun werden die Besten, besten Jurastudenten. Die bewegen sich jetzt in einer ritualisierten Falldogmatik, in einer Selbstvergessenheit, die nicht selten zu einem Selbstverständnis von Unantastbarkeit wird.
Ich würde gerne mal eine Studie dazu sehen, wieviel wirtschaftlicher Schaden entsteht, weil in Zivilverfahren Richter eben aus diesem Selbstverständnis die missbräuchliche Rechtsverwendung einer Seite duldet, weil sie oberflächlich formal korrekt aussieht und die geschädigte Seite einfach Angst hat, noch mehr Geld auszugeben für die nächste Instanz.
Das Korrektiv der nächsthöheren Instanz steht steht sowieso wackelig da.
Ich glaube nicht, dass es so sehr ein Problem des Justiz- und Rechtssystems ist. Bei aller systemischer Rafinesse müssen wir doch zur Kenntnis nehmen, dass Richter zuerst Menschen sind. Und zwar Menschen, die einmal Jurastudenten waren.
Und um Jura erfolgreich im Sinne der Professoren zu studieren - denn die geben das "summa cum laude", braucht es eigentlich nichts weiter als Lesen und Schreiben zu können. Und unglaublich viel Fleiß. Fleiß kann einen zwar klüger machen, nicht aber intelligenter. Richter nun werden die Besten, besten Jurastudenten. Die bewegen sich jetzt in einer ritualisierten Falldogmatik, in einer Selbstvergessenheit, die nicht selten zu einem Selbstverständnis von Unantastbarkeit wird.
Ich würde gerne mal eine Studie dazu sehen, wieviel wirtschaftlicher Schaden entsteht, weil in Zivilverfahren Richter eben aus diesem Selbstverständnis die missbräuchliche Rechtsverwendung einer Seite duldet, weil sie oberflächlich formal korrekt aussieht und die geschädigte Seite einfach Angst hat, noch mehr Geld auszugeben für die nächste Instanz.
Das Korrektiv der nächsthöheren Instanz steht steht sowieso wackelig da.
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