Staatsanleihen Geld verdienen mit den Griechen
Wie lässt sich aus der Schuldenkrise Profit schlagen? Eine Spekulation
Eigentlich widerstrebt es mir ja, Aktien oder Anleihen direkt zu kaufen. Ich streue mein Geld lieber über viele Unternehmen, Währungen und Weltregionen, und das geht besser mit Fonds. Von diesem Prinzip mache ich für gewöhnlich nur eine Ausnahme: Bundesobligationen (das sind deutsche Staatsanleihen mit fünfjähriger Laufzeit) kaufe ich direkt (und lasse sie anschließend von der bundeseigenen Finanzagentur kostenlos verwahren).
In diesen stürmischen Zeiten habe ich noch eine Ausnahme gemacht und mir griechische Staatsanleihen zugelegt. Eine alte Börsianerweisheit sagt ja, man solle kaufen, »wenn die Kanonen donnern«. Das ist zurzeit der Fall, wenn sich auch das Schlachtgetümmel nach den jüngsten Spar- und Kreditbeschlüssen etwas gelegt hat. Griechische Anleihen? Halten Sie mich nicht für wahnsinnig, das Risiko ist überschaubar. Ich habe kein Vermögen angelegt, aber es ist auch kein kleiner Betrag. Sie wollen wissen, wie viel? Na gut: Es waren 14.307 Euro. Ich möchte hier keine weiteren Angaben über meine Verhältnisse machen, nur, dass ich das Geld absehbar nicht benötige.
Ich habe es nicht direkt nach Griechenland überwiesen. Selbst wenn ich das als überzeugter Europäer tun wollte, es ginge nicht. Der griechische Staat gibt seit einiger Zeit keine Anleihen mehr aus. Er kann es nicht, in der jetzigen Lage würde er die Schuldpapiere nicht loswerden. Oder nur, wenn er den Anlegern extrem hohe Zinsen garantieren würde. Das ist der Grund, warum die anderen Länder der Europäischen Währungsunion und der Internationale Währungsfonds den Griechen mit Krediten zur Hilfe gekommen sind. Sie räumen Athen Konditionen ein, die es am freien Kapitalmarkt nicht mehr gibt. Da es derzeit also keine neuen griechischen Papiere zu kaufen gibt, musste ich mich bei den »umlaufenden« bedienen, sozusagen in der Secondhandabteilung. Dort gibt es Staatsanleihen, die Griechenland früher mal ausgegeben hat und die noch ein Weilchen laufen, bis sie fällig werden.
Beim Stand der Dinge ist es keineswegs sicher, dass Griechenland das geliehene Geld komplett zurückzahlt. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen. Es ist nicht damit zu rechnen, dass die Griechen gar nichts zurückzahlen werden. Bei einem Haircut würde Griechenland nur einen Teil der Schulden tilgen, vielleicht 80 Prozent, vielleicht auch nur 50.
So ein Schuldenschnitt wäre für Griechenland eine Erleichterung, er ist aber auch eine gefährliche Sache. Wer würde dem griechischen Staat dann noch Geld leihen? Das Land hätte größte Schwierigkeiten, jemals wieder Kredite am großen globalen Kapitalmarkt zu bekommen. Ohne neue Anleihen kommt es aber nicht über die Runden, denn Jahr für Jahr läuft eine Teil der alten Kredite aus und muss durch neue ersetzt werden. Zum Tilgen fehlt Griechenland vorerst die Kraft.
Die anderen Euro-Länder sind nicht bereit, Griechenland dauerhaft zu alimentieren. Sie wollen aber auch keinen Präzedenzfall für einen Schuldenschnitt schaffen. Denn ginge Griechenland pleite, dann kämen auch Irland, Portugal und Spanien mit ihren Staatsschulden in die Bredouille, vielleicht sogar Italien. Ich glaube daher nicht, dass Griechenland seine Schulden schuldig bleibt. Aus Eigeninteresse werden die übrigen Euro-Länder das Land so lange finanziell stabilisieren, bis es am Kapitalmarkt wieder kreditwürdig ist. Sicher, die Sache kann auch fürchterlich schiefgehen. Bürgerproteste, Regierungskrisen und die Rezession können in Kombination mit ausbleibenden Finanzhilfen in eine Staatspleite münden.
Was dann aus den Anleihen in meinem Depot wird? Im günstigsten Fall mache ich einen schönen Gewinn mit den Griechen. Ich habe zweierlei Sorten von Anleihen: solche mit einer kurzen Restlaufzeit von elf Monaten und solche, die erst im Jahr 2020 getilgt werden. Die Kurzläufer werden im Mai 2012 fällig, dann bekomme ich hoffentlich 10.000 Euro für Papiere, die ich an der Börse für 8625 Euro gekauft habe. Hinzu kommen 5,25 Prozent Zinsen, also 525 Euro, von denen ich einen Anteil von 70 Euro an den Vorbesitzer der Anleihe bezahlt habe. Wenn man das alles zusammen- und aufs Jahr hochrechnet, ergibt sich eine Rendite von rund 25 Prozent.
Der zweite Posten sind Anleihen, die Griechenland im März 2010 ausgegeben hat. Sie laufen bis 2020 und werfen im Jahr 6,25 Prozent ab. Das ist kein schlechter Zinssatz, aber hoch ist auch er nicht. Zum Vergleich: Die Hamburger Sparkasse berechnet ihren Dispo-Kunden mit 12,81 Prozent derzeit doppelt so viel, und bei Überziehungen sind es sogar 17 Prozent. Das ist der Teil des Finanzmarkts, auf dem es wirklich brutal zugeht.
- Datum 10.07.2011 - 16:42 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 7.7.2011 Nr. 28
- Kommentare 21
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Das ist ein systemerhaltender Schrieb der besseren Sorte!
Fakt ist, die Weltwährungen verlieren rapide an Kaufkraft. Unser Geld wird immer weniger wert, die logische Konsequenz wenn man Geld erschafft, welchem keine Wirtschaftsleistung (Waren, Dienstleistungen) zu Grunde liegt.
Das Ende der Fahnenstange ist erreicht, die Frage ist nicht ob sich das Finanzsystem selbst korrigiert, sondern wann.
Es ist grob fahrlässig und wider besseren Wissen, Anleger in diesen Zeiten zu langfristigen Anlagen zu lotzen.
Der Autor ist sich durchaus der Tatsachen bewußt, ebenso die Mitarbeiter aus der Wirtschaftsredaktion. Was drängt die Damen und Herren zu solchen Handlungen wider der Vernunft am Mitmenschen?
"Kaufe wenn die Kanonen donnern und verkaufe wenn die Geigen spielen" (Baron de Rothschild).Bei einem Zins von 25% oder mehr auf griechische Anleihen ist das eine riskante Wette,aber angesichts der Zinsen eine ziemlich verlockende.
Wenn man davon ausgeht,dass die EU-Politiker auf biegen und brechen keinen griechischen Bankrott zulassen würden,wäre auch mit einem Schuldenschnitt ein schöner Batzen zu gewinnen.
Und falls die richtigen Kanonen donnern sind andere Anlageformen durchaus attraktiv:Eisen,Kupfer,Öl und Zink,sowie Kautschuk...wer weiss.
wenn man geld und zeit verkraften kann,sind 25% zins ok.
nur wär in der heutigen zeit zu viel will wird sein geld zu 99% in sand
setzen.dies ist nichts andere als zock und keine normale geldanlage, auch wenn es"richtig" ist kaufen wenn die kanonen donnern.
Wenn nun auch Italien den Griechen folgt ist das unausweichlich.
http://www.n-tv.de/wirtsc...
und verkaufe wenn die Geigen spielen" (Baron de Rothschild)
daran erkennt man doch, wes geistes kind der autor ist und ererklärt zumindest indirekt, dass der globale finanzkrieg realität geworden ist.
zur weiteren erhellung würde noch die nennung der namen der brandstifter, rädelsführer, propanandisten und profiteure beitragen.
aber diese stufe der erkenntnis erreicht er möglicherweise seinem wahlspruch gemäss > http://community.zeit.de/... nicht.
wenn man aus dem Elend anderer Kapital schlagen kann, nicht wahr?
Denn der Profit kommt schließlich auch nicht aus dem Nichts.
Sie schreiben:"Fair ist, wenn ein demokratischer Staat das Geld, das er sich für eine bestimmte Zeit geliehen hat, anschließend wieder zurückgibt."
Und ist es auch fair, daß wenn ein Journalist mit mehr Geld, als er sinnvoll ausgeben kann, einem Anonymen Konglomerat von Menschen Geldmittel (u.a. für deutsche Waffensysteme) leiht, und nun Millionen von Menschen, die mit diesem Ablauf nichts zu tun hatten, ihre Ersparnisse, Renten, Gesundheitsvorsorge und Bildungssystem aufgeben müssen?
Nicht zu fassen ist diese begrenzte Moral auf den eigenen Nutzen.
Seien Sie ehrlich und schreiben Sie, daß Ihnen Fairness und Moral piepegal sind, damit kann ich leben. Aber dieser Absatz hat mich ehrlich wütend gemacht.
P.S.: liebe Moderatoren, sollte dieser Kommentar zensiert werden, bitte ich Sie doch, ihn dem Autoren sichtbar zu erhalten, denn die Möglichkeit einer Stellungnahme möchte ich ihm schon gerne bieten.
Ich denke Sie haben da etwas falsch verstanden. Der Journalist hat keinen einzigen Cent nach Griechenland überwiesen! Er hat die Anleihen auf dem Sekundärmakrt gekauft.
Es ist einfach nur ein Spiel. Der eine gewinnt, der andere verliert. Es gibt Systeme, Lehrmeinungen, Verlierer. Die Einzigen, die immer gewinnen, sind die Banken, wegen der Gebühren. Mit den griechischen Rentnern hat das kaum etwas zu tun.
Den Punkt, den man monieren kann, ist das Spiel mit dem Geld. Wenn man das aber ernst täte, müsste man jede Form der Zinszahlung ablehnen. So abwegig wäre das nicht, machen es doch viele islamischen Länder vor. Ich empfehle Ihnen daher sich um Finanzdienstleistungen zu kümmern, die Halal sind. (Ist in Deutschland kein Problem.) Diesen Tipp konnte man nach 2008 auch in vielen Finanzzeitungen lesen. Damit wären sie wenigstens vor diesen ekelhaften Zinsgewinnlern geschützt!
Ich denke Sie haben da etwas falsch verstanden. Der Journalist hat keinen einzigen Cent nach Griechenland überwiesen! Er hat die Anleihen auf dem Sekundärmakrt gekauft.
Es ist einfach nur ein Spiel. Der eine gewinnt, der andere verliert. Es gibt Systeme, Lehrmeinungen, Verlierer. Die Einzigen, die immer gewinnen, sind die Banken, wegen der Gebühren. Mit den griechischen Rentnern hat das kaum etwas zu tun.
Den Punkt, den man monieren kann, ist das Spiel mit dem Geld. Wenn man das aber ernst täte, müsste man jede Form der Zinszahlung ablehnen. So abwegig wäre das nicht, machen es doch viele islamischen Länder vor. Ich empfehle Ihnen daher sich um Finanzdienstleistungen zu kümmern, die Halal sind. (Ist in Deutschland kein Problem.) Diesen Tipp konnte man nach 2008 auch in vielen Finanzzeitungen lesen. Damit wären sie wenigstens vor diesen ekelhaften Zinsgewinnlern geschützt!
Antwort: gar nicht
Hier der Grund:
Italien muss unter den "Rettungsschirm" kriechen. Es wurde eine Krisensitzung zur Verdoppelung des Rettungsschirms auf 1,5 Billionen Euro abgehalten.
Das Geldsystem ist am kollabieren.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren