Finanzkrise Ewige Retter

Berlin zankt um Kleinigkeiten, statt Europas Problem zu lösen.

Peinlich ist das, selbst für Europapolitiker, die doch schon so viele Versprechen gebrochen haben. Die Banken würden sich erheblich an der Rettung Griechenlands beteiligen, versprach Berlin. Jetzt steht sogar der Kleckerbetrag wieder infrage, den deutsche Institute in Athen weiter investieren wollten. Zu Recht will es zumindest eine führende Rating-Agentur als Umschuldung auffassen, wenn die Geldinstitute in einem europaweiten Deal den Griechen Kredite stunden.

Bloß nicht, ruft das offizielle Europa, dann bricht das Athener Kreditkartenhaus zusammen. Also lässt sich der Staat samt Europäischer Zentralbank auf ein würdeloses Geschacher mit den Rating-Agenturen ein. Alles nur, um sagen zu können, die Banken seien mit von der Rettungspartie.

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Rating-Agenturen

Rating-Agenturen bewerten die Bonität von Firmen und Staaten. Die Ergebnisse veröffentlichen sie in Form von Buchstaben-Zahlen-Kombinationen in 21 Abstufungen von AAA (zuverlässige Schuldner, beste Qualität) bis D (default, zahlungsunfähig).

Den Gläubigern und Investoren geben diese Ratings an, wie wahrscheinlich es ist, pünktlich die Zinsen sowie das verliehene Geld zurückzubekommen. Nach dem Rating richtet sich der Zinssatz, den Länder für ihre Staatsanleihen auf dem Kapitalmarkt entrichten müssen.

Für eine Bewertung zieht eine Rating-Agentur sowohl veröffentlichte Informationen als auch Interna wie Informationen über die zehn größten Kunden, Finanzpläne, die wichtigsten Wettbewerber und genaue Kosten- und Ertragsstrukturen heran. Mindestens einmal im Jahr wird das Rating aktualisiert.

Die drei Großen

Bevor Unternehmen am amerikanischen Aktienmarkt gezeichnet werden dürfen, müssen sie sich von zwei Rating-Agenturen bewerten lassen. Die einzigen drei Agenturen, die dafür von der Börsenaufsicht SEC zugelassen sind, sind Standard & Poor's (1941 aus der Fusion von Standard Statistics und Poor's Publishing entstanden); Moody's, die 1909 erstmals Analysen über US-Eisenbahnanleihen an Investoren verkauften, woraus sich der Markt für Rating-Agenturen entwickelte; und Fitch Ratings, eine Tochtergesellschaft der französischen Fimalac-Gruppe.

Die EZB hat angekündigt, künftig neben dem Urteil der drei großen auch das der kanadischen Rating-Agentur DBRS (Dominion Bond Rating Service) einzubeziehen. DBRS hat bislang keine Andeutungen gemacht, die Bonität Griechenlands herabzustufen.

Kritik

Kritiker bemängeln an Rating-Agenturen generell, ihr Urteil sei nicht transparent. Nach der Hypothekenkrise wurden die Agenturen besonders dafür kritisiert, die "Ramschpapiere" amerikanischer Hypotheken zu lange positiv bewertet zu haben. In der Euro-Krise beanstanden Politiker, dass die Bonität Griechenlands, Spaniens und Portugals unberechtigt herabgestuft worden sei – jetzt gelten die Agenturen als zu streng.

Die Urteile der Rating-Agenturen werden schnell zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung, da große Anleger unter Umständen nur Papiere mit gutem Rating halten dürfen. Das dient auch dem Anlegerschutz. Werden Anleihen aber herabgestuft, können Versicherungen und Banken zum Verkauf gezwungen sein, was die Krise verschärft. Die Verteidiger der Agenturen halten dagegen, dass diese nicht für die Ursachen der negativen Ratings verantwortlich seien.

Dazu passt die Begründung, mit der Europa eine eigene Rating-Organisation aufbauen will: damit man nicht mehr den bösen Märkten und ihren Agenten, den privaten amerikanischen Agenturen, ausgeliefert ist. Was nur stellt man sich vor – soll die neue Organisation die europäischen Länder freundlicher bewerten, wenn der politische Druck nur hoch genug wird? Dann gute Nacht. Tatsächlich haben die Rating-Agenturen vor der Krise so manchen Schrott zu Gold erklärt und dadurch die Finanzblase aufgebläht, doch heute geht es etwa den Griechen wirklich so schlecht, wie die Profis behaupten. Und schuld daran sind nicht die Amerikaner, sondern die lange Zeit schludrigen Europäer selbst.

Man wird angesichts solcher Ablenkungsversuche den Verdacht nicht los, die Euro-Retter in Berlin, Paris oder Brüssel hätten etwas zu verbergen. Und das haben sie wohl auch: Ihre Rettung funktioniert nicht. Wie hieß es so schön in den Meldungen zu Beginn der Woche? Griechenland bis September gerettet! Schönen Sommer, allerseits. Danach geht die Retterei wieder los.

Der Staat hatte auf dem Höhepunkt der Bankenkrise einen großen Moment. Einige Wochen experimentierte er mit verschiedenen Methoden des Rettungsversuchs. Dann fand er eine, die für Beruhigung sorgte: Hunderte Milliarden Euro schwere Fonds aus Garantien, Zuschusskapital und Hilfen. Die Banken konnten sich wieder Geld leihen, das Kreditsystem, dieses Rückgrat des Kapitalismus, stabilisierte sich binnen kurzer Zeit. Die Angst der Bürger um ihren Wohlstand verflog, übrig blieb das wohlverdiente Misstrauen den Banken gegenüber.

Und heute, in der Staatsschuldenkrise? Sind die Bürger beruhigt? Wohl kaum, weder Südeuropäer noch Deutsche, und das wäre auch ein Wunder angesichts der traurigen Realität, dass die Politik alle paar Monate ihre alten Versprechen kassieren und erneut »retten« muss. Wenn schon nicht die Bürger, haben sich dann die Geldgeber beruhigt? Mitnichten, Griechenland kann sich auf absehbare Zeit keine Mittel an den Finanzmärkten leihen, Irland und Portugal gehören ebenfalls zu den Aussätzigen des Marktes, denen weitere Abwertungen drohen.

Der britische Wirtschaftskolumnist Martin Wolf schrieb neulich, es sei eine Definition von Torheit, zur Lösung eines Problems stets wieder dasselbe zu versuchen – und andere Resultate zu erwarten. So wie die »Rettung« Griechenlands. Man kann es auch sachlicher sagen: Eine Lösung ist, anders als in der Bankenkrise, noch nicht gefunden.

Diese Bürde nehmen die Politiker mit in den Sommer. Wenn sie wiederkommen, dann sollten sie der Welt mehr bieten als nur die nächste Tranche für die Griechen. Europa kann einen Schuldenschnitt organisieren und gleichzeitig mit einem Marshall-Programm Solidarität beweisen. Oder die Euro-Staaten brechen endgültig mit dem Prinzip, dass die einen Europäer nicht für die Schulden der anderen zahlen. Sie können dafür gemeinsame europäische Anleihen begeben; sie können auch auf andere Weise mit ihrem Geld und guten Namen dafür einstehen, dass griechische Schulden auf Dauer zurückgezahlt werden.

Entweder Europa schuldet um, oder es verschuldet sich gemeinsam. Eine schwierige Wahl, gewiss, aber besser als das ewige Zittern. Auf dass die »Torheit« einer Lösung, die keine ist, bald ein Ende habe.

 
Leser-Kommentare
    • WIHE
    • 06.07.2011 um 15:42 Uhr

    Frau Merkel wird nicht nur Europa retten sondern die ganze Welt, und wenn es unsren letzten Euro kostet,
    denn es ist alternativlos
    wie der Atomausstieg.

    Am deutschen Wesen wird die Welt genesen.

    • WIHE
    • 06.07.2011 um 15:53 Uhr

    mache schnell den zweiten Versuch.
    Wenn der auch daneben geht, dann mache den dritten.

    Bevor Du aber den dritten Versuch machst, denke gründlich darüber nach, warum die ersten beiden Versuche schief gingen und modifiziere entsprechend die Versuchsbedingungen.

    Rat eines Professors für Chemie an der Universiät Münster an seine Erstsemester-Studenten im Jahre 1971.

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    ... weil die Anlagegläubiger nicht warten wollen!

    Dafür war das Geld aus dem Rettungspaket: Die Gläubiger befriedigen, damit die Griechenland

    Wenn sie warten würden, wäre das die "sanfte" Umschuldung, die mal im Raum stand.

    M. E. wäre das der einzig gangbare Plan, der Griechenland und den Griechen wirklich hilft: Geld in die griechische Wirtschaft investieren, ein Teil des Geldes für Zinszahlungen, Zinsreduktion auf ein realistisches Mass (wozu gibt's denn Garantien) und Erlass eines Teils der Schulden.

    Aber die Finanzbranche rückt nicht von ihren (selbst geschriebenen) Spielregeln ab.

    Deshalb gewinnt - wie im Casino - immer die Bank.

    ... weil die Anlagegläubiger nicht warten wollen!

    Dafür war das Geld aus dem Rettungspaket: Die Gläubiger befriedigen, damit die Griechenland

    Wenn sie warten würden, wäre das die "sanfte" Umschuldung, die mal im Raum stand.

    M. E. wäre das der einzig gangbare Plan, der Griechenland und den Griechen wirklich hilft: Geld in die griechische Wirtschaft investieren, ein Teil des Geldes für Zinszahlungen, Zinsreduktion auf ein realistisches Mass (wozu gibt's denn Garantien) und Erlass eines Teils der Schulden.

    Aber die Finanzbranche rückt nicht von ihren (selbst geschriebenen) Spielregeln ab.

    Deshalb gewinnt - wie im Casino - immer die Bank.

  1. Die letzte Rate für Griechenland soll für Anleihen aus 2001 draufgegangen sein. Die öffentliche Meinung war aber von Finanzhilfen für griechische Arbeitnehmer bzw. für griechische Projekte ausgegangen, also für eine echte soziale Hilfe. Die Zeit war hier investigativ tätig, traute der Überweisung wohl auch nicht so recht. Die Anleihegläubiger hätten doch durchaus noch ein paar Monate warten können. Das Geld kam also gar nicht an.

  2. Wen JiaBao kauft deren Schuldverschreibungen... und wenn sie dann in Verzug geraten zahlen WIR... an die Chinesen!

    noch Fragen?

    • Beebo
    • 06.07.2011 um 16:14 Uhr
    5. [...]

    [...]Über die Hintergründe und funktionsweise der Rettungschirme hat man keine Ahnung.

    Für die Rettungsschirme haften alle Euro Staaten gemeinsam (teilweise sogar GB). Das heist alle müssen ihr ok zu den neuen Schirm geben. Daher kann Schäuble nicht einfach alles eigenmächtig genehmigen oder ablehnen. Außer Schäuble macht die Zusage, Deutschland zahlt die GR Rettung alleine.

    Das Problem machen jetzt eher die Niederländer, Finnland oder die Slovakai.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/mk

    Eine Leser-Empfehlung
  3. Entweder Europa schuldet um, oder es verschuldet sich gemeinsam. Eine schwierige Wahl, gewiss, aber besser als das ewige Zittern. Auf dass die »Torheit« einer Lösung, die keine ist, bald ein Ende habe.
    Die Schweinerei ist nur das Die Herrschaften Politiker erst die Banken retten müssen in deren Aufsichtsraeten sie sitzen!
    Die Steuern der Bürger welche ihnen das Vertrauen ausgesprochen haben sind da zweit oder drittrangig!
    Das liegt so klar auf der Hand das ich nicht verstehe warum niemand suf die Strasse geht und/oder Parteien waehlt die Nationalistisch denken!

    Eine Leser-Empfehlung
  4. Bis auf den Quatsch mit den Euroanleihen ein guter Artikel.Eurobonds bedeuten eine gigantische Transferunion, bei der der deutsche Wähler und Steuerhzahler unbegrenzt für die Handlungen von Politikern haftet, auf die er keinen Einfluss hat. Griechenland müssen seine Schulden teilweise erlassen werden. Das wird den Steuerzahler zwar viel kosten, aber alles ist besser als das jetzige durchwurscheln. Anschließend brauchen wir eine neue NoBailOut Regel und einen Paragraphen im StGB, welcher einen Verstoß gegen diese Regel mit einer hohen Gefängnisstrafe sanktioniert.

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    ausser das Sie vergessen haben zu erwaehnen das Grişechenland die Drachme braucht und vor allem - Deutschland die DM . Und - Verbot für Politiker in Aufsichtsraeten von Banken herumzulümmeln !

    ausser das Sie vergessen haben zu erwaehnen das Grişechenland die Drachme braucht und vor allem - Deutschland die DM . Und - Verbot für Politiker in Aufsichtsraeten von Banken herumzulümmeln !

    • tokos
    • 06.07.2011 um 16:51 Uhr

    Das Zittern dürfte so lange weitergehen, bis das Übel endlich an der Wurzel gepackt wird. Aber dazu bedarf es couragierter Politiker. So lange Parteien und Parlamente derart von Volks- zu Interessenvertretungen degeneriert sind, dass sie sowohl fachlich als auch moralisch restlos überfordert sind, müssten sie aufgrund von Einsichten handeln, die sie nicht haben und Maßnahmen gegen die beschließen, von denen sie abhängig sind. In den USA hat offensichtlich jetzt wieder einer den nötigen Mut bewiesen und im Kongress eine Reform des gesamten Geldsystems beantragt.

    http://goo.gl/rm4SF

    Bleibt nur die Frage: Wo ist denn der deutsche Dennis Kucinich?

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