Krankenkasse Ansteckend und tödlich

Nach der CityBKK dürften weitere Kassen pleitegehen. Das wäre in Ordnung, doch der Wettbewerb funktioniert nicht.

Der Mann, den sie »schlechtes Risiko« nennen, sieht ein bisschen aus wie Puck, die Stubenfliege. Seine Augen sind hinter einer schwarz umrandeten Brille mit großen orangefarbenen Gläsern verborgen. Sie hilft, die Sehkraft auszugleichen, nach der Operation am grauen Star. Der Mann mit der seltsamen Brille heißt Jürgen Witte, er lebt in Berlin-Zehlendorf, ist pensionierter Lehrer und 76 Jahre alt. Im Krankenkassenjargon heißen ältere Menschen wie Jürgen Witte »schlechte Risiken«. Das klingt wenig schmeichelhaft, aber damit kommt Herr Witte klar. Zu schaffen macht ihm allerdings das Durcheinander, das diese beiden Wörter in sein Leben gebracht haben.

Begonnen hat es Anfang Mai, mit einem Brief: »Es tut uns sehr leid, Ihnen diese schlechte Nachricht mitzuteilen. Trotz aller Anstrengungen ist es nicht gelungen, die CityBKK zu retten. Das Bundesversicherungsamt schließt die CityBKK deshalb zum 01.07.2011.«

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Zum ersten Mal ist eine gesetzliche Kasse pleitegegangen. Was vor 15 Jahren mit der freien Kassenwahl begann, nämlich der Versuch, das Gesundheitswesen effizienter zu gestalten, hat zu einem Überlebenskampf der Kassen geführt. Die Pleite der CityBKK bedeutet eine Zäsur. Diesmal hat es nur einen kleinen Anbieter mit 170.000 Versicherten getroffen. Doch auch große Kassen wie die DAK mit rund sechs Millionen Versicherten hat der Wettbewerb ins Wanken gebracht – trotz guter Konjunktur.

Die Zahl der gesetzlichen Kassen sinkt schon seit Jahren, von 1200 gesetzlichen Anbietern nach der Wiedervereinigung existieren heute noch 155. Allerdings ging die Kassenschmelze bisher durch Fusionen vonstatten – solidaritätskompatibel und ohne Komplikationen für die Versicherten.

Am Ende des Jahres landen alle politischen Vorgaben im Müll

In Rentner Wittes Brief stand, er solle sich keine Sorgen machen, die gesetzliche Regelung sehe vor, dass er in eine andere Krankenkasse seiner Wahl wechseln könne. Zunächst war er nicht besorgt, sondern traurig. Die CityBKK hatte ihn und seine Frau mehr als vierzig Jahre lang begleitet und »immer gut für uns gesorgt«, wie die Wittes sagen. Deshalb sind sie ihrer Kasse treu geblieben, als sie 2010 einen Zusatzbeitrag von acht Euro einführte, und sie blieben auch, als dieser auf 15 Euro erhöht wurde.

Sorgen machte Jürgen Witte sich erst, als er ein paar Tage später in der Zeitung las, dass andere Krankenkassen die älteren CityBKK-Versicherten abwimmelten. Da dämmerte Herrn Witte, dass Solidarität im Krankenkassensystem für Menschen mit dem Beinamen »schlechte Risiken« nicht gilt.

Viele Kunden der CityBKK waren wie die Wittes treue Leute. So kam es, dass die CityBKK am Ende überdurchschnittlich viele ältere und damit teure Versicherte hatte. Zudem lebten ihre Kunden in Großstädten, in Hamburg, Berlin und Stuttgart. Dort ist die medizinische Versorgung teurer als in ländlichen Regionen, weil es an jeder Ecke für jedes Fachgebiet eine Arztpraxis gibt.

Leser-Kommentare
    • luckey
    • 09.07.2011 um 17:39 Uhr

    alte menschen sind nunmal nur noch ein kostenfaktor für die krankenkassen. bei einer einheitskasse ,wo alle menschen versichert würden,kann keiner abgewimmelt werden.diese einheitskasse müßte eine grundversorgung sicherstellen,und zusätzliche leistungen durch höhere prämien ermöglichen. wozu brauchen wir große werbetafeln,wir toll doch die z.b. die aok hessen ist.für diese kosten,könnten schon viele menschen unproblematischer ihr insulin bekommen.

    • luckey
    • 09.07.2011 um 17:50 Uhr

    wenn sie wissen wollen,warum es der dak so schlecht geht,brauchen sie nur die letzte broschüre über die rabattverträge für arzneimittel zu lesen.herr rebscher beweist darin,wie ahnungslos die dak ist. ps: muß natürlich wie heißen statt wir.

    • joG
    • 09.07.2011 um 17:50 Uhr

    ....nicht."

    Das soll er doch auch nicht. Der Sektor ist bürokratisch und im öffentlichen Sektor eingebettet. Wie soll da ein -zumindest wirtschaftlicher- Wettbewerb stattfinden? Das war nur verbal intendiert. Sonst hätte man die Branche privatisiert.

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    Was soll das für eine Branche sein? Es geht um die medizinische Versorgung von Menschen. Das ist keine Branche, sondern ein aus den Menschenrechten ableitbares Grundrecht der Menschen.

    Auf diesem Sektor mit wirtschaftlichem Denken zu agieren ist zynisch. Es gibt weder einen Markt noch eine Möglichkeit für die Patienten (also Kunden) sich einen Lieferanten (also Arzt) in freier Wahl auszusuchen. Man kann als Patient nur hoffen, dass der Arzt was taugt, man kann es weder messen noch in Erfahrung bringen.

    Häufig hat man auch gar nicht die Möglichkeit dazu. Wenn Sie von der Leiter fallen und sich dabei lebensgefährlich verletzen, dann werden Sie von einem Arzt der nächstbesten Notaufnahme behandelt. Das ist auch gut so, weil Sie sicher keine Zeit mehr haben, umfangreiche Vertragsverhandlungen zu führen.

    Ich verstehe dieses marktorientierte Denken nicht, wenn es um Vorgänge geht, bei denen ein Schulkind verstehen müsste, dass ein Markt gar nicht erst möglich ist. Bei der Medizin ist die Unsinnigkeit des Marktdenkens gerade am offensichtlichsten.

    Was soll das für eine Branche sein? Es geht um die medizinische Versorgung von Menschen. Das ist keine Branche, sondern ein aus den Menschenrechten ableitbares Grundrecht der Menschen.

    Auf diesem Sektor mit wirtschaftlichem Denken zu agieren ist zynisch. Es gibt weder einen Markt noch eine Möglichkeit für die Patienten (also Kunden) sich einen Lieferanten (also Arzt) in freier Wahl auszusuchen. Man kann als Patient nur hoffen, dass der Arzt was taugt, man kann es weder messen noch in Erfahrung bringen.

    Häufig hat man auch gar nicht die Möglichkeit dazu. Wenn Sie von der Leiter fallen und sich dabei lebensgefährlich verletzen, dann werden Sie von einem Arzt der nächstbesten Notaufnahme behandelt. Das ist auch gut so, weil Sie sicher keine Zeit mehr haben, umfangreiche Vertragsverhandlungen zu führen.

    Ich verstehe dieses marktorientierte Denken nicht, wenn es um Vorgänge geht, bei denen ein Schulkind verstehen müsste, dass ein Markt gar nicht erst möglich ist. Bei der Medizin ist die Unsinnigkeit des Marktdenkens gerade am offensichtlichsten.

  1. Krankenkassen bedienen einen "Markt" der keiner ist. Leute werden krank und müssen behandelt werden, damit sie wieder gesund werden. Dafür gibt es Vereinbarungen, was für welche Behandlungsarten abgerechnet werden darf. Also: Kein Wettbewerb bei den Kosten.

    Die Krankenkassen zahlen ergo für Behandlungen alle das gleiche. Also gibt es nur einen Weg, die Bilanz schöner zu machen: Man braucht möglichst wenige Mitglieder, die krank werden, weil die Einnahmeseite ja auch gesetzlich geregelt ist. Also sind "schlechte Risiken" (Alte und chronisch Kranke), die die Leistungen der Krankenkassen am nötigsten brauchen, aus der einseitigen Sicht der betriebswirtschaftlichen Kalkulation gleichzeitig die schlechteste Klientel.

    Da sieht man wieder, was dabei herauskommt, wenn auf Teufel komm raus in Bereichen, bei denen es gar keinen "Markt" gibt, von den Ideologen der sogenannten "Wirtschaftswissenschaftlern" ein künstlicher Wettbewerb angeordnet wird, der zu nichts führt. als zur Produktion von Unsinn.

    Bei den Krankenkassen wäre es z. B. der größte Unsinn, wenn diese Gewinne erzielen müssten, denn diese gingen ja von dem Geld ab, das als Beitragszahlungen hereinkommt und eigentlich zu einem möglichst hohen Anteil für die medizinische Versorgung der Mitglieder zur Verfügung stehen sollte.

    Aber das ist heute kaum noch jemandem vermittelbar, nachdem Gott und die Welt von der Heilsamkeit von Wettbewerb überzeugt zu sein scheint.

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    es kommt ja noch dazu, daß damit der Gedanke der Solidarität und Gemeinschaft, nicht nur bei den Krankenkassen, ausgehebelt wird.
    Diese Sachlage ist natürlich politisch gewollt - vor allem von den Befürwortern einer neoliberalen Gesellschaft, in der nur noch der Marktwert zählt und sonst garnichts.
    Es ist eine Schande, daß alte Menschen, die Zeit ihres Lebens gearbeitet haben, dann im Alter feststellen müssen, daß die Krankenkassen sie nicht haben wollen. Die heute 80jährigen haben Deutschland nach dem Krieg wieder aufgebaut und das soll nun der Dank sein?
    Weit ist es mit Deutschland gekommen, wenn ich in anderen Foren schon lesen durfte, daß jüngere Menschen fordern, daß ältere Arbeitnehmer schneller entlassen werden können, damit auch die jungen Menschen (eine prekäre Generation) für ihre Rente arbeiten dürfen. Da werden Gegensätze aufgebaut, nämlich alt gegen jung, die keine sein sollten; aber scheinbar setzt sich das neoliberale Gedankengut in den Köpfen der Menschen fest.
    Wäre ich heute 30 Jahre jünger, würde ich ernsthaft in Erwägung ziehen, das Land zu verlassen - eine Alternative, die mir früher nie in den Sinn gekommen wäre.

    es kommt ja noch dazu, daß damit der Gedanke der Solidarität und Gemeinschaft, nicht nur bei den Krankenkassen, ausgehebelt wird.
    Diese Sachlage ist natürlich politisch gewollt - vor allem von den Befürwortern einer neoliberalen Gesellschaft, in der nur noch der Marktwert zählt und sonst garnichts.
    Es ist eine Schande, daß alte Menschen, die Zeit ihres Lebens gearbeitet haben, dann im Alter feststellen müssen, daß die Krankenkassen sie nicht haben wollen. Die heute 80jährigen haben Deutschland nach dem Krieg wieder aufgebaut und das soll nun der Dank sein?
    Weit ist es mit Deutschland gekommen, wenn ich in anderen Foren schon lesen durfte, daß jüngere Menschen fordern, daß ältere Arbeitnehmer schneller entlassen werden können, damit auch die jungen Menschen (eine prekäre Generation) für ihre Rente arbeiten dürfen. Da werden Gegensätze aufgebaut, nämlich alt gegen jung, die keine sein sollten; aber scheinbar setzt sich das neoliberale Gedankengut in den Köpfen der Menschen fest.
    Wäre ich heute 30 Jahre jünger, würde ich ernsthaft in Erwägung ziehen, das Land zu verlassen - eine Alternative, die mir früher nie in den Sinn gekommen wäre.

    • Buria
    • 09.07.2011 um 18:41 Uhr

    Seitdem dei Politik den Kassen einen Einheitssatz verordnet hat, ist der Wettbewerb faktisch per Gesetz abgeschaft worden.D.h. wie brauchen in der Tat dann auch nur eine Einheitskasse, alles andere ist Geldverschwendung. Dort müsste es eine Grundversorgung geben, wer mehr will soll auch mehr zahlen und zwar privat. Die Privatversicherten müssten dann auch Mitglieder der Einheitskasse werden, damit diese Priviligierung einmal aufhört. Oder warum soll ein Beamter eine bessere medizinische Versorgung erhalten? Kein Politiker traut sich hier deutliche Reformen anzustoßen, leider!

  2. Was soll das für eine Branche sein? Es geht um die medizinische Versorgung von Menschen. Das ist keine Branche, sondern ein aus den Menschenrechten ableitbares Grundrecht der Menschen.

    Auf diesem Sektor mit wirtschaftlichem Denken zu agieren ist zynisch. Es gibt weder einen Markt noch eine Möglichkeit für die Patienten (also Kunden) sich einen Lieferanten (also Arzt) in freier Wahl auszusuchen. Man kann als Patient nur hoffen, dass der Arzt was taugt, man kann es weder messen noch in Erfahrung bringen.

    Häufig hat man auch gar nicht die Möglichkeit dazu. Wenn Sie von der Leiter fallen und sich dabei lebensgefährlich verletzen, dann werden Sie von einem Arzt der nächstbesten Notaufnahme behandelt. Das ist auch gut so, weil Sie sicher keine Zeit mehr haben, umfangreiche Vertragsverhandlungen zu führen.

    Ich verstehe dieses marktorientierte Denken nicht, wenn es um Vorgänge geht, bei denen ein Schulkind verstehen müsste, dass ein Markt gar nicht erst möglich ist. Bei der Medizin ist die Unsinnigkeit des Marktdenkens gerade am offensichtlichsten.

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    • joG
    • 10.07.2011 um 12:24 Uhr

    ... ableitbares Grundrecht der Menschen."

    Mag sein oder auch nicht. Was hat das aber mit der Lösung zu tun? Es gibt gewisse wissenschaftlich grundlegende Gesetze. eine davon ist, dass im Charakter Private Güter vom Staat ineffizient nur hergestellt werden können und man knappe Ressourcen (bzw Geld) verschwendet, wenn man zulässt, dass der Staat sie herstellt.

    Das führt dazu, dass weniger Geld da ist, für die Menschen. Da bedeutet, dass man ihnen weniger helfen kann. Wer also so ob aus schlechter Bildung, Eigeninteresse oder aus Ideologie argumentiert, schädigt diesen Menschen, oder will das zumindest.

    Mich interessiert bei solchen Leuten eigentlich, welche der Gründe sie treibt. Wie also ist das bei Ihnen?

    • joG
    • 10.07.2011 um 12:24 Uhr

    ... ableitbares Grundrecht der Menschen."

    Mag sein oder auch nicht. Was hat das aber mit der Lösung zu tun? Es gibt gewisse wissenschaftlich grundlegende Gesetze. eine davon ist, dass im Charakter Private Güter vom Staat ineffizient nur hergestellt werden können und man knappe Ressourcen (bzw Geld) verschwendet, wenn man zulässt, dass der Staat sie herstellt.

    Das führt dazu, dass weniger Geld da ist, für die Menschen. Da bedeutet, dass man ihnen weniger helfen kann. Wer also so ob aus schlechter Bildung, Eigeninteresse oder aus Ideologie argumentiert, schädigt diesen Menschen, oder will das zumindest.

    Mich interessiert bei solchen Leuten eigentlich, welche der Gründe sie treibt. Wie also ist das bei Ihnen?

  3. Einen Markt kann es nur da geben, wo der Konsument auch entscheiden kann ob er eine Ware oder Dienstleitung auch kauft oder in Anspruch nimmt.

    In der öffentlichen Daseinsfürsorge gilt das nicht und deswegen kann es auch mit noch so viel Mühe nie einen Markt geben.

  4. Gesundheit ist eine Ware wie jede andere auch. Die "Reparatur" des Schadens X kostet die Summe Y. Was ist daran so problematisch?
    Beim Bäcker A habe ich auch andere Preise als beim Bäcker B. Aber bei beiden zahlt Herr Ackermann für sein Brötchen genau so viel oder wenig wie der Chauffeur seines Dienstwagens.
    Wir brauchen nicht mehr Markt bei den Krankenkassen, sondern mehr Markt im Gesundheitswesen. Der Patient muss der direkte Vertragspartner des Arztes oder des Krankenhauses sein. Dazwischen geschaltete Institutionen entmündigen nur den Marktteilnehmer.
    Kurzum: Krankenkassen sind überflüssig. Und zwar alle!

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    • ehem
    • 10.07.2011 um 11:08 Uhr

    Möchten Sie, wenn sie vermutlich verletzt/krank im Krankenhaus ankommen, erstmal die Preise für die Behandlung aushandeln, bevor Sie behandelt werden?? Ihr Ernst?
    Ausserdem werden Sie sich sicher vorher nicht überlegen zu welchen KH Sie möchten. Selbst wenn Sie vorher ein KH kontraktiert haben, im Notfall sind Sie dankbar, wenn Sie im am nähesten gelegenen lebend ankommen.
    Nix da mit Markt, Krankenhaus mit Bäcker vergleichen ist ein Unding.

    Krankenkassen haben schon ihren Sinn, nur sollten es in der Anzahl doch weniger als aktuell sein. Der Verwaltungsapperat sollte auch nicht so aufgebläht und träge sein, wie z.b. bei Stadtverwaltungen (auch so ein Unding).

    • joG
    • 10.07.2011 um 12:27 Uhr

    ....dass Sie da ein Tabu berühren? Das wollen die Leute nicht nicht hören. Daher ist der Sektor so schlecht organisiert.

    Die Behauptung von der Gesundheit als Ware ist blanker Unsinn. Wo der Vergleich für die "Reparatur" eines gebrochenen Beines noch gerade angehen mag, versagt er bei den häufigen und kostenintensiven chronischen Erkrankungen. Um Gesundheit als Ware zu definieren--ein dummer Euphemismus übrigens; denn Krankenhäuser und Ärzte bieten nicht Gesundheit an, sondern die Behandlung von Krankheit--muss man festlegen, wann der Mensch "gesund" ist. Bei Erkrankungen wie Diabetes oder Schizophrenie ist das schon mal sehr schwierig; da geht es eher um Behandlungsqualität. Doch auch diese ist extrem schwer zu messen. Maßgeblich wäre die Meinung des Patienten, wieviel Lebensqualität er unter der Behandlung genießt--das wesentliche Kriterium bei solchen Erkrankungen. Genau das ist subjektiv nicht erfassbar, wie überhaupt wesentliche Kriterien für "Qualität" schwer messbar sind. Objektive, quantifizierbare Kriterien sind aber notwendig, um Maßstäbe für die Gesundheitsleistung festzulegen; sonst könnte ein Anbieter den anderen einfach dadurch unterbieten, dass seine Behandlungsqualität schlechter ist. Und genau da unterscheidet sich Gesundheit von anderer "Ware": Wenn ich mir einen schlechten Fernseher kaufe, bin ich enttäuscht und kaufe beim nächsten Mal was anderes. Wenn ich wegen einer ungenügenden Behandlung an Krebs sterbe, kann ich meine "Kaufentscheidung" nicht einfach revidieren. Ein Markt kann hier prinzipiell nicht funktionieren; Profitinteresse und Gesundheit passen nicht zusammen.

    • ehem
    • 10.07.2011 um 11:08 Uhr

    Möchten Sie, wenn sie vermutlich verletzt/krank im Krankenhaus ankommen, erstmal die Preise für die Behandlung aushandeln, bevor Sie behandelt werden?? Ihr Ernst?
    Ausserdem werden Sie sich sicher vorher nicht überlegen zu welchen KH Sie möchten. Selbst wenn Sie vorher ein KH kontraktiert haben, im Notfall sind Sie dankbar, wenn Sie im am nähesten gelegenen lebend ankommen.
    Nix da mit Markt, Krankenhaus mit Bäcker vergleichen ist ein Unding.

    Krankenkassen haben schon ihren Sinn, nur sollten es in der Anzahl doch weniger als aktuell sein. Der Verwaltungsapperat sollte auch nicht so aufgebläht und träge sein, wie z.b. bei Stadtverwaltungen (auch so ein Unding).

    • joG
    • 10.07.2011 um 12:27 Uhr

    ....dass Sie da ein Tabu berühren? Das wollen die Leute nicht nicht hören. Daher ist der Sektor so schlecht organisiert.

    Die Behauptung von der Gesundheit als Ware ist blanker Unsinn. Wo der Vergleich für die "Reparatur" eines gebrochenen Beines noch gerade angehen mag, versagt er bei den häufigen und kostenintensiven chronischen Erkrankungen. Um Gesundheit als Ware zu definieren--ein dummer Euphemismus übrigens; denn Krankenhäuser und Ärzte bieten nicht Gesundheit an, sondern die Behandlung von Krankheit--muss man festlegen, wann der Mensch "gesund" ist. Bei Erkrankungen wie Diabetes oder Schizophrenie ist das schon mal sehr schwierig; da geht es eher um Behandlungsqualität. Doch auch diese ist extrem schwer zu messen. Maßgeblich wäre die Meinung des Patienten, wieviel Lebensqualität er unter der Behandlung genießt--das wesentliche Kriterium bei solchen Erkrankungen. Genau das ist subjektiv nicht erfassbar, wie überhaupt wesentliche Kriterien für "Qualität" schwer messbar sind. Objektive, quantifizierbare Kriterien sind aber notwendig, um Maßstäbe für die Gesundheitsleistung festzulegen; sonst könnte ein Anbieter den anderen einfach dadurch unterbieten, dass seine Behandlungsqualität schlechter ist. Und genau da unterscheidet sich Gesundheit von anderer "Ware": Wenn ich mir einen schlechten Fernseher kaufe, bin ich enttäuscht und kaufe beim nächsten Mal was anderes. Wenn ich wegen einer ungenügenden Behandlung an Krebs sterbe, kann ich meine "Kaufentscheidung" nicht einfach revidieren. Ein Markt kann hier prinzipiell nicht funktionieren; Profitinteresse und Gesundheit passen nicht zusammen.

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