"Wenn ich bei meiner Tochter bin, dann bin ich weg vom Theater"
ZEITmagazin: Was haben Sie dort noch entdeckt außer Schafen?
Beier: Sonst war ich immer die Macherin. In Schottland ist man einfach nur der, der man ist. Die Leute dort sind in ihrem Leben noch nicht im Theater gewesen, die wissen gar nicht, was das ist. Ich habe in Schottland so etwas wie Glück empfunden.
ZEITmagazin: Fernab vom Theaterleben?
Beier: Ja, in der Natur. Sie erzeugt bei mir extrem starke Gefühle, als würde ich zu etwas Göttlichem Kontakt haben. Sie regt mich dazu an, die Dinge einfach mal sein zu lassen. Ich bin immer wieder nach Schottland gefahren, bis ich schwanger wurde.
ZEITmagazin: Wie hat die Geburt Ihrer Tochter vor fünf Jahren Ihr Leben verändert?
Beier: Sie hat alle Prioritäten verschoben. Sie ist das Beste, was mir passiert ist. Wenn ich bei meiner Tochter bin, dann bin ich weg vom Theater. Dieser Abstand ist sehr produktiv, denn mein Leben ist sonst immer so extrem auf eine Zielgerade fixiert.
ZEITmagazin: Wie meinen Sie das?
Beier: Das Theater ist wie ein kleiner Kosmos, man arbeitet kurze Zeit sehr intim und emotional zusammen. Das ist ein Geschenk, und es macht süchtig, weil es ein bisschen so ist, als dürfte man ganz viele Leben führen. Aber natürlich läuft jeder Probenprozess letztlich auf eine Premiere zu. Und immer hat man zu wenig Zeit – das ist der größte Stressfaktor.
- Louis Lewitan
gehört neben der Fotografin Herlinde Koelbl und dem ZEIT-Redakteur Ijoma Mangold zu den Interviewern unserer Gesprächsreihe Das war meine Rettung. Er ist Coach und eine renommierter Stressexperte. 2009 erschien sein Buch Die Kunst, gelassen zu bleiben.
ZEITmagazin: Ihre Tochter hat Sie also vor dem Theater gerettet?
Beier: Sie hat mich insofern gerettet, als sie das Theater an Stelle zwei oder drei gerückt hat. Sie bringt mich zum Innehalten, zum Heraustreten aus dieser Maschinerie. Ein Perspektivenwechsel auf die Welt ist immer gut.
ZEITmagazin: Sie haben dank Ihrer Tochter entdeckt, dass es eine Welt neben dem Theater gibt?
Beier: So ungefähr. Der Regisseur Frank Castorf hatte mich einmal beobachtet, wie ich als junge Regisseurin die Applausordnung 30 Mal übte, und sagte danach zu mir: Spinnst du, das ist doch nur Theater. Das war für mich damals nicht nachvollziehbar. Mittlerweile sage ich das auch oft Schauspielern, wenn sie eine Krise haben: Komm jetzt, es ist nur Theater.







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