Weiß ist die Farbe des Sommers. Der vorige Sommer gehörte weißen Maxikleidern, dieser bringt weiße Minikleider. Bei Dolce&Gabbana sind sie mit Spitze verziert, das Schweizer Label Akris präsentiert sie mit stringenten Silhouetten. Selten sah man so oft den Kontrast »kleines weißes Kleid – großer roter Teppich«: Salma Hayek kombinierte es mit einem roten Gürtel und roten Pumps, Reese Witherspoon trug dazu eine beige, sehr große Handtasche. Audrina Patridge, Jennifer Aniston, Amber Heard – die unterschiedlichsten Frauen zeigen sich dieser Tage in weißen kurzen Kleidern, und alle sehen unglaublich gut darin aus.

Eigentlich braucht man gar kein anderes Kleidungsstück mehr als das kleine Weiße – denn es lässt sich mit den richtigen Accessoires in alles Mögliche verwandeln. Besonders gut passen breite, farbige Armreifen dazu, auch Schleifen oder Gladiatorsandalen – je klobiger man sich schmückt, um so zierlicher wirkt man in Weiß. Mit einem klassischen Blazer oder Pilotenbrille kombiniert, erhält man einen coolen urbanen Look. Eine leicht angeschrammte Jeansjacke und große Ketten hingegen erwecken den Eindruck, die weiße Frau mache sich gleich in einem bunt angemalten VW-Bus auf und davon.

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Weiße Kleider sind vor allem darum schön, weil sie zurückhaltend sind. So sehr, dass sie alles andere zum Leuchten bringen: Braune Haut wirkt brauner, blondes Haar blonder, rote Lippen wirken röter. Solange die eigene Haut nicht den gleichen Farbton wie das Kleid hat, ist Weiß immer ein Gewinn. Dass weiße Kleidung den Frauen so schmeichelt, sollte aber Männer nicht zu dem Schluss verleiten, bei ihnen verhalte es sich genauso. So lieblich Weiß die Frauen behandelt, so gnadenlos verhält es sich beim Mann. Der von Männern immer wieder gewagte weiße Anzug geht meistens schief. Gut möglich, dass man sich darin wie John Travolta fühlt – man sieht jedoch kein bisschen danach aus. Weiß definiert die männliche Silhouette nicht, es löst sie auf.

Der Mann möge mit dem Tragen weißer Anzüge warten, bis er vom Auflösungs-Effekt profitiert: Erst wenn man körperlich derart auseinandergefallen ist, dass die Umgebung sich für die konkrete Form gar nicht mehr interessiert, empfiehlt sich für den Herrn die Farbe Weiß. Von da an allerdings konsequent.