Thomas Arslan Das Kino der schönen Wege
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Jede Szene steht für sich, und manch eine funktioniert wie ein Kurzfilm

Ganz ähnlich strukturiert Thomas Arslan auch seinen vier Jahren später entstandenen Film Der schöne Tag (2001). Wieder beobachtet er eine Gangart, wieder begibt er sich in den Rhythmus eines Kreuzberger Lebens. Diesmal steht die 21-jährige Deniz im Mittelpunkt, die gerade bei ihrer verwitweten Mutter ausgezogen ist und als Schauspielerin arbeiten möchte. In diesem Film wird die türkische Herkunft kaum Thema mehr sein. Nur noch in Details kommt sie zum Vorschein. Obwohl Deniz mit ihrem Freund eine heftige Auseinandersetzung hat, bringt sie ihm fürsorglich auf einen Tablett ein Glas schwarzen Tee. Eine Geste, die sie von ihrer Mutter übernommen hat.

Wenn Deniz vor die Tür geht, trägt sie Turnschuhe, denn sie hat weite Strecken zurückzulegen. Sie fährt vom Synchronstudio zum Casting-Termin, trifft ihre durchreisende Schwester zum Essen, spaziert mit einem Flirt durch den Berliner Tiergarten. Stets lässt sich Arslan die Zeit, sie auf den Wegen zwischen den einzelnen Terminen zu zeigen. Wie gerne schaut man ihr dabei zu! Deniz’ Gang wirkt nie gehetzt, vielmehr drückt er eine schöne Zielstrebigkeit aus, den Mut, die Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Manchmal halten Heldin und Kamera inne. Dann sieht man ihr Gesicht in Großaufnahme. Es ist ein Stillleben inmitten der sommerlichen Großstadt.

Thomas Arslans Verfahren der Konzentration auf äußere Abläufe lässt sich auch ganz wunderbar aufs Genrekino übertragen. Mit wenigen Einstellungen bringt er in seinem jüngsten Film Im Schatten (2010) die anonyme Welt eines Ganoven auf die Leinwand. Trojan lebt in kargen Hotelzimmern, trifft sich mit Komplizen auf großflächigen Parkplätzen am Rande von Shopping-Malls oder sucht Hehler in Baubaracken auf. Dieses graue Berlin der Hinteransichten ist für Trojan keine Heimat, sondern bloßes Jagd- und Beuterevier. Genauso ist das Verbrechen für ihn bloßes Handwerk. So effektiv und präzise seine Handgriffe sind, so nüchtern er seinen Plan vorantreibt, bleibt für den Zuschauer doch jede seiner Handbewegungen kriminell aufgeladen und damit faszinierend. Aus diesem Gegensatz zieht Thomas Arslans Film eine ganz eigentümliche Spannung. Im Schatten ist der Versuch, einen Gangsterfilm auf seine Essenz zu reduzieren – und das Wesen einer Figur in ihren Wegen und Verrichtungen zu suchen. Dass Trojan dabei jenen Glamour des Alltags entwickelt, den alle Arslan-Helden besitzen, versteht sich von selbst.

 
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