Altkanzler Helmut Schmidt ©  Wolfgang Kumm/dpa

Wochenlang hat es in der Führung der Deutschen Bank Spannungen wegen der Nachfolge Josef Ackermanns gegeben. Jetzt sieht es so aus , als sollte eine Doppelspitze die Führung der Bank übernehmen. Derartige Konflikte gibt es in großen Unternehmen von Zeit zu Zeit immer mal wieder – so zum Beispiel im Volkswagen-Konzern oder im Siemens-Konzern. Die Deutsche Bank und ihr Ansehen müssen also durch diese Geschichte nicht sonderlich beschädigt sein, wenn der Aufsichtsrat nun schnell entscheidet .

Trotz ihres angestammten Namens ist allerdings die Deutsche Bank im Laufe der letzten zwanzig Jahre eine internationale Bank geworden. Einerseits sitzt die Mehrheit ihrer Aktionäre im Ausland, andererseits werden mindestens achtzig Prozent ihrer Gewinne im globalen Investmentbanking gemacht. Und zwar nicht in Frankfurt, sondern in London – und an der Spitze dieses Investmentbanking steht mit Anshu Jain kein Deutscher, sondern ein Inder. An der Spitze der Deutschen Bank steht mit Josef Ackermann auch kein Deutscher, sondern ein Schweizer.

Die Landesbanken sind fast alle größenwahnsinnig geworden

Die Deutsche Bank ist also keine deutsche Bank mehr. Als Bundesregierung kann man nicht wiederholen, was Kanzler Adenauer anlässlich der Londoner Schuldenkonferenz gemacht hat und was zwanzig Jahre später anlässlich des G-6-Gipfels (später G7) ich gemacht habe: nämlich zu großen internationalen Konferenzen einen Sprecher der Deutschen Bank zu schicken und nicht den eigenen Minister.

Die Deutsche Bank ist aber gar nicht das eigentliche Problem. Wohl aber ist die Entwicklung der deutschen Bankenlandschaft insgesamt höchst problematisch. Wir waren über eine Reihe von Jahrzehnten gewohnt, es mit drei großen deutschen Banken zu tun zu haben: Dresdner, Deutsche und Commerzbank. Außerdem aber gab es – und gibt es noch – den genossenschaftlichen Bankensektor und drittens den Sparkassensektor mit seinen Girozentralen. Aus den Girozentralen haben sich im Laufe der Jahrzehnte die Landesbanken entwickelt. Die Landesbanken sind mit ihren »Kreditersatzgeschäften« fast alle größenwahnsinnig geworden. Einige von ihnen mussten gerettet werden, die WestLB wird gerade aufgelöst .

Vernünftigerweise würden höchstens zwei Landesbanken übrig bleiben, noch besser wäre ein einziges Spitzeninstitut mit einem eindeutigen Geschäftsmodell. Für den Genossenschaftssektor gilt ein Gleiches. Wenn es wegen des Eigensinns einiger Landes-Ministerpräsidenten und einiger Verbandsfürsten bei der zerklüfteten deutschen Bankenstruktur bleibt, so wird die Deutsche Bank zwangsläufig herausragen.

Dass es Aufgabe der Deutschen Bank sei, die Interessen der Bundesrepublik Deutschland zu vertreten, darüber war man sich früher einig, ohne es auszusprechen. Zu meiner Zeit hätte dies mit der Commerzbank und mit der Dresdner genauso gut funktioniert. Wenn jedoch heute die Bundesregierung in internationalen Verhandlungen über Bankenaufsicht, über gemeinsame Prinzipien, zum Beispiel der Bilanzierung von Wertpapieren, Derivaten, Optionen et cetera, oder über die Regulierung von rating agencies zu gemeinsamen Lösungen kommen will, dann kann sie sich kaum auf den Ratschlag der Deutschen Bank verlassen.