Rechenschwäche Fehlkalkulation
Vier Millionen Deutsche leiden an einer Rechenschwäche. Die Schulen nehmen darauf kaum Rücksicht.
Es ist nur eine kleine Zahl. Aber da steht es schwarz auf weiß. Eine Vier in Mathematik. Die Leistung ist ausreichend, heißt das. Für Lea Breitenbach und ihre Eltern ist sie weit mehr. Sie ist ein lange erkämpfter Sieg. Lea besucht die fünfte Klasse der Glauber-Realschule im unterfränkischen Karlstadt, und die Vier im Zwischenzeugnis ist die erste Mathe-Note ihres Lebens. Seit der ersten Klasse war die Notengebung in Mathe bei ihr ausgesetzt worden. Noch vor zwei Jahren waren eine Vier in Mathe und die Realschule weit entfernt. Wäre es nach den zuständigen Politikern und Beamten gegangen, wäre Lea heute auf der Förderschule.
Dabei ist das zierliche Mädchen mit den langen braunen Haaren eine passable Schülerin. Eine Eins in Religion, eine Zwei in Erdkunde, Dreier in Deutsch und Englisch. Doch Zahlen sind für sie eine fremde Welt. »Rechnen ist was für die anderen«, sagte sie schon in der dritten Klasse. Die Elfjährige kann bis heute nicht sicher bis zwanzig rechnen, Größen und Mengen nicht schätzen, hat Probleme in der räumlichen Vorstellung. Lea fehlt die Fähigkeit, Mathematik zu verstehen.
Dyskalkulie ist das Fachwort für diese Rechenschwäche. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet sie als Teilleistungsstörung. Das heißt: Wer Dyskalkulie hat, bringt auf anderen Gebieten ausreichende Leistungen, ist mindestens normal intelligent. Die Rechenstörung zeichnet sich aus durch das vollkommene Missverstehen der Mathematik. Dyskalkuliker haben vor allem mit den Grundrechenarten Schwierigkeiten. »Sie haben keine Vorstellung, dass sich hinter Zahlen Mengen verbergen. Für sie ist Mathematik wie eine Fremdsprache, die sie nicht verstehen«, erklärt Inge Palme, Beraterin beim Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie (BVL).
Schlechte Mathe-Noten können Schülern die Zukunft verbauen
Zwischen vier und sechs Prozent der Bevölkerung haben eine solche Rechenschwäche, schätzen Wissenschaftler. Das entspricht rund vier Millionen Deutschen. Im Schnitt sitzt damit in jeder Schulklasse mindestens ein Dyskalkuliker. Wenn es Zeugnisse gibt, bangen vor allem oft solche Kinder und ihre Eltern um die Mathe-Note. Denn gerade beim Übergang in die weiterführenden Schulen kann diese Note entscheidend sein.
Obwohl die Rechenstörung weit verbreitet ist, ist es das Wissen darüber nicht. Anders als bei ihrem Pendant in der Buchstabenwelt, der Legasthenie, sind mit der Rechenschwäche konfrontierte Politiker, Lehrer und Eltern vor allem eines: ratlos.
Dass Lea anders ist als die anderen, bemerkt ihre Mutter Elke schon in den ersten Schulwochen. Die Erstklässler sollen Mengen einkreisen. Während ihre Klassenkameraden längst fertig sind, ist Lea noch am Zählen. Selbst Zahlen zu schreiben fällt ihr schwer. 53 oder 48 – was ist größer? Lea grübelt. »Wieso weiß das immer jeder außer mir?« Eine Diagnose beim Kinder- und Jugendpsychiater am Ende der ersten Klasse bestätigt den Verdacht: Lea hat Dyskalkulie. Auf Vorschlag der Schule wird die Notengebung in Mathe ausgesetzt. Zum damaligen Zeitpunkt ist das in Bayern noch auf unbestimmte Zeit möglich, mittlerweile nur noch für maximal sechs Monate. Der mobile sonderpädagogische Dienst übt fortan einmal in der Woche mit dem Mädchen. Wenn ihre Klassenkameraden rechnen, beschäftigt sie sich selbstständig mit Lernmaterial aus einer Rechenkiste.
Als Lea in die dritte Klasse kommt, beginnen sich ihre Eltern zu fragen, was nach der Grundschulzeit aus ihrer Tochter werden soll. Elke und Uwe Breitenbach wissen: Wenn es keine Note in Mathematik gibt, kann diese auch nicht in den Notenschnitt im Übertrittszeugnis einfließen. Die Schulbehörden sehen das ähnlich: Ohne Mathe-Note keine weiterführende Schule. Ob man nicht mal über die Förderschule nachgedacht hätte?
Die Breitenbachs kämpfen sich durch die Behörden, werden von einer Zuständigkeit zur nächsten verwiesen. »Ein Spießrutenlauf«, sagt die Mutter. Im Ministerium sitzt Elke Breitenbach sechs Beamten gegenüber: Ohne Mathe-Note keine Realschule. Dyskalkulie hin oder her. Lea dürfe aber zum Nachholtermin der Prüfung für eine nachträgliche Realschulzulassung antreten, lautet der Vorschlag. »Na ja, dann schaff ich das jetzt halt«, sagt Lea tapfer, als sie davon erfährt. Eifrig bereitet sie sich mit alten Prüfungsfragen vor. Schriftlich läuft es durchwachsen, doch im mündlichen Teil überzeugt Lea die Prüfer. Sie sei neugierig und weit über Hauptschulniveau. Sie bekommt eine Vier. Ausreichend für die Realschule.
Der Fall Lea zeigt, wie überfordert die Politik mit der Problematik Dyskalkulie ist. Vier Millionen Leidtragende – das ist mehr als Berlin Einwohner hat –, aber im Schulrecht ist die Rechenschwäche bis heute ausgespart. 2007 rang sich die Kultusministerkonferenz (KMK) zu einer gemeinsamen Empfehlung zur Förderung von Schülern mit »besonderen Schwierigkeiten« durch. Während für Legastheniker Zeitzuschläge und sogar das zeitweise Aussetzen von Noten angeraten werden, gibt es für Schüler mit einer Rechenschwäche keinerlei Fördervorschläge. Eine Berücksichtigung der Rechenstörung bei der Notengebung würde gar den Grundsatz der gleichen Leistungsbewertung verletzen. Bei Rechenschwachen ist häufig schon der Rechenweg falsch, das Ergebnis folglich unbrauchbar. Wie soll ein Lehrer so eine Leistung bewerten?
Der Würzburger Jurist Johannes Mierau beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Legasthenie und Dyskalkulie. Er kann die Unentschlossenheit der Politik teilweise nachvollziehen: »Wenn ein Legastheniker ein Wort falsch schreibt, kann der Lehrer trotzdem erkennen, was der Schüler inhaltlich ausdrücken wollte. Das ist bei einem Dyskalkuliker in Mathematik weit schwieriger.« Während die Legasthenie nur einen Teilbereich der sprachlichen Fähigkeiten betrifft, wirkt die Dyskalkulie auf das Fundament der Mathematik.
Lea hat, wie mindestens 17 Prozent aller Dyskalkuliker, auch eine Lese-Rechtschreib-Schwäche. Beide Teilleistungsstörungen sind von Kinder- und Jugendpsychologen bestätigt. »Uns bringt aber nur die eine Bescheinigung wirklich etwas, die andere könnten wir auch als Klopapier verwenden«, sagt Elke Breitenbach energisch. Während Lea aufgrund ihrer Legasthenie in jedem Fach bei Tests und Prüfungen einen Zeitzuschlag von 50 Prozent bekommt, hat der Dyskalkulie-Bescheid nur symbolische Bedeutung, im Grunde bundesweit. »Ich würde kein Bundesland hinsichtlich der Dyskalkulie als fortschrittlich bezeichnen«, sagt Johannes Mierau, dessen Spezialgebiet das Schulrecht ist. Im Grundschulbereich sei es oft zumindest über Umwege möglich, einen Nachteilsausgleich zu erwirken. So geht die bayerische Volksschulordnung zwar nicht speziell auf Dyskalkuliker ein, sieht aber vor, dass Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf von der Schule einen Nachteilsausgleich bekommen können. Andere Bundesländer wie Niedersachsen, Baden-Württemberg und Berlin haben inzwischen eigene Verordnungen zur Rechenstörung. Gängiger Nachteilsausgleich ist eine Zeitzugabe. In Berlin, Bremen oder Rheinland-Pfalz zum Beispiel können rechenschwachen Schülern sogar andere oder weniger Aufgaben gestellt werden. Ein Rechtsanspruch besteht jedoch nicht. Es liegt im Ermessen des jeweiligen Schulleiters, ob und in welcher Form Nachteilsausgleiche gewährt werden.
Verglichen mit dem Bereich der weiterführenden Schulen ist die Situation in der Primarstufe noch geordnet. An Gymnasien und Realschulen sind weder Nachteilsausgleich noch Notenschutz vorgesehen. Hauptargument der Kultusministerien ist, dass Dyskalkulie nicht ausreichend erforscht sei. Die Grenze zwischen Schülern, die sich einfach mit Mathe schwertun, und solchen, die tatsächlich eine Rechenschwäche haben, sei schwer zu ziehen. Verantwortlich für die politische Zurückhaltung könnte jedoch auch die zentrale Bedeutung von Mathematik als Kernfach und Basis vieler Naturwissenschaften sein. Ohne »ausreichende mathematische und rechnerische Kompetenzen« sei das Erreichen von Abitur oder mittlerer Reife gefährdet, heißt es etwa in einer Stellungnahme der bayerischen Landesregierung.
Eine Abiturprüfung in Mathematik hätte Andreas Kern* wohl seinen Traum vom Jurastudium gekostet. Der 19-Jährige hat gerade in Niedersachsen das Abitur bestanden – mit einem Durchschnitt von 2,9 –, obwohl auch Andreas die Welt der Zahlen nie verstanden hat. Um das Fach Mathematik als Pflichtfach in den Abi-Prüfungen zu umgehen, hat Kern die letzten beiden Schuljahre in einem Internat fern seiner sächsischen Heimat verbracht. In Niedersachsen, wo er Mathe zwar belegen, nicht aber Abitur darin schreiben musste. Ein Schachzug, der Andreas den Weg in die Zukunft geebnet hat. Doch der wird nicht mehr lange möglich sein – die Kultusministerkonferenz strebt einheitliche Bildungsstandards in Mathematik an. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Stiftung Rechnen aus dem Jahr 2009 glauben 95 Prozent der Deutschen, dass mathematische Fähigkeiten für eine erfolgreiche Lebensführung wichtig sind. Gut also, wenn die Bildungspolitik Mathematik in den Mittelpunkt stellt. Weniger gut, wenn die Schwächsten dabei zurückgelassen werden.
Wenn es um die deutsche Bildungspolitik geht, verhärten sich die Gesichtszüge von Christine Sczygiel. »Keiner fühlt sich verantwortlich, sich um die Kinder zu kümmern, die bereits in unserem Schulsystem stecken. Begabte Schüler werden bewusst zurückgelassen, da verkümmern viele Potenziale«, sagt die Vorsitzende des Bundesverbands Legasthenie und Dyskalkulie (BVL). Schüler mit Dyskalkulie müssten dabei unterstützt werden, einen ihrer Begabung entsprechenden Bildungsabschluss zu erreichen. »Wir wünschen uns, dass die Lehrer von Anfang an aufmerksamer sind, auf Symptome achten und den Eltern zuhören, statt sie zu vertrösten«, sagt Inge Palme, die beim BVL für Beratung und Fortbildung zuständig ist. Oft werden Kinder in der Schule über Jahre hinweg mit durchgeschleppt oder schaffen mit gewaltigen Gedächtnisleistungen trotz Rechenschwäche passable Noten. Doch früher oder später stürzt ihr mathematisches Kartenhaus ein, ist sein Fundament doch ein sehr wackeliger Zahlenbegriff. Unbehandelt bleibt die Dyskalkulie bestehen. Sie wächst sich nicht von allein irgendwann aus. Aber sie ist behandelbar.
Menschen, die keine adäquate Therapie bekommen, tragen die Konsequenzen ein Leben lang. Denn Mathematik endet nicht am Schultor. Unser Alltag ist durchzogen von Zahlen: Preisschilder, Fahrpläne, Uhren, Kilometeranzeigen, Buchhaltung, Börsenkurse. Bei Erwachsenen, die rechenschwach sind, ist die Dyskalkulie durchaus mit einer Art Analphabetismus vergleichbar. Viele Betroffene kommen nur noch mit Tricks durch den Alltag, manche von ihnen können nicht mal einen Fahrplan lesen.
Wird die Rechenschwäche früh genug erkannt, kann ihr Verlauf deutlich positiv beeinflusst werden. Beginnt ein rechenschwaches Kind bis etwa Mitte der dritten Klasse eine Therapie, stehen die Chancen gut, dass es danach aus eigener Kraft dem Unterricht folgen kann.
Ob einem Kind trotz Dyskalkulie die Zukunft offensteht, ist im Bildungsland Deutschland eine Frage des Einkommens. Eine Dyskalkulietherapie dauert in der Regel zwei bis zweieinhalb Jahre, für wöchentliche Einzelsitzungen können da pro Monat schnell 240 Euro anfallen. Die Krankenkassen kommen für die Therapiekosten nicht auf. Und die Hürden für eine finanzielle Förderung durch das Jugendamt werden immer höher. »Es geht ja nicht darum, aus dem Kind einen Einser-Kandidaten zu machen, sondern um die Teilhabe am Leben und in der Gesellschaft. Jemand, der nicht rechnen kann, gerät schneller sozial ins Abseits«, sagt Inge Palme vom BVL.
Das Niveau der Schulabschlüsse ist unter Dyskalkulikern deutlich geringer als unter mathematisch normal Begabten. Häufig haben Rechenschwache ein vermindertes Selbstwertgefühl, sind zurückgezogen oder aggressiv. Durch Kopf- und Bauchschmerzen zeigt sich körperlich die enorme seelische Belastung. Kinder mit Rechenstörungen entwickeln deutlich häufiger psychische Störungen als nicht betroffene Kinder, darunter auch Depressionen.
Wer eine Therapie besucht, hat prinzipiell die gleichen Zukunftschancen wie normal Begabte. Deshalb müsse man die außerschulischen Therapien fördern und die Jugendämter mit den nötigen finanziellen Mitteln ausstatten, fordert Inge Palme. Lehrer und Therapeuten könnten im Idealfall in Lernnetzwerken zum Wohl der Kinder kooperieren. »Aber davon sind wir Lichtjahre entfernt.«
Lichtjahre entfernt scheint auch eine gesicherte Zukunft für Lea. Die Breitenbachs kämpfen momentan beim Jugendamt um eine Eingliederungshilfe, denn eine Dyskalkulietherapie für die Elfjährige kann sich die sechsköpfige Familie ohne Unterstützung des Staates nicht leisten. Seit Wochen telefoniert Mutter Elke dem Gutachten zum Seelenzustand ihrer Tochter nun schon hinterher. In diversen Gesprächen hat man ihr bereits klargemacht, dass man Lea nicht für gefährdet halte – schließlich sei sie ja auf der Regelschule, folglich gut eingegliedert. Dass sie sich den Weg dorthin erkämpft hat, gegen den Widerstand von Politik und Behörden – kein Wort darüber. Die Breitenbachs kämpfen nun weiter – damit Lea nicht den Preis dafür zahlt, dass sich die deutsche Politik im Umgang mit der Dyskalkulie verkalkuliert.
*Name von der Redaktion geändert
- Datum 15.07.2011 - 09:31 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf mehreren Seiten lesen
- Quelle DIE ZEIT, 14.7.2011 Nr. 29
- Kommentare 98
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Man sollte da doch auf Verständnis rechnen!
Dyskalkulie habe ich verortet in den Ministerien für Wirtschaft- und Finanzen !
Ihnen ist ein Minus zuviel passiert.
Frau Niemand wird das sofort entdecken.
Ihnen ist ein Minus zuviel passiert.
Frau Niemand wird das sofort entdecken.
Ihnen ist ein Minus zuviel passiert.
Frau Niemand wird das sofort entdecken.
Mich würde einmal interessieren wie Menschen im Erwachsenenalter mit der Dyskalkulie umgehen.
Natürlich ist es bedauerlich, wenn jemand aufgrund einer solchen Schwäche in seinem Lebensweg behindert wird. Die Frage ist jedoch, ob es für diese Menschen überhaupt sinnvoll ist das Abitur o.ä. anzustreben. Denn was nützt mir das Abitur, wenn ich später dann einen handwerklichen Beruf, wie z.B. Bäcker, einschlage?
Dass jemand mit Dyskalkulie dennoch ein guter Jurist werden kann, wage ich leider zu bezweifeln. Auch als Jurist benötigt man ein Grundverständnis z.B. welche Strafhöhe angemessen ist, mal von den zusätzlichen bürokratischen Hindernissen abgesehen.
Leider wird heutzutage viel zu viel das Bild vermittelt, dass man ohne Abitur nichts wert ist oder keine Chancen im Leben hat...
... aber man könnte ja an Ausnahmen denken - Theologen, oder für Volks- und Betriebswirte.
...als "richtiger" Bäcker müssen Sie rechnen können da man mit sehr genauen Rezepten arbeitet und ein Fehler dem Meister viel Geld kosten kann und die Warenlieferung verzögtert.
Bildung begleitet einem das ganze Leben und je besser desto mehr Möglichkeiten hat man später. Ich habe eine Lehre gemacht, ein paar Jahre gearbeitet und dann studiert. Nur weil sie mit 18 nicht studieren wollen heisst nicht das sie sich das mit 28 vielleicht anders überlegen.
Schadet nicht, glauben Sie mir :-)
keine Chance, selbst für viele Lehrstellen ist das Abitur schon Grundvoraussetzung, dies hat imho mit der Verwässerung der Leistung zu tun.
@Thema
Dieser Artikel und auch Andere über diese Thematik und die in der Praxis daraus resultierenden Maßnahmen benachteiligen zunehmend die s.g. Normalos; sei es Gender, Migrationshintergrund, Legasthenie oder wie jetzt Dyskalkulie. Diese müssen dann sehen, wie sie mit "den Füßen auf den Boden kommen".
Als Betroffene mußte ich doch gerade sehr über einige der Kommentare schmunzeln.
Ich kann Ihnen sagen, wie man als Erwachsener mit Dyskalkulie umgeht, denn mit 25 sehe ich mich als Erwachsener. Daß ich die Dyskalkulie immer noch habe, liegt daran, daß keiner meiner Lehrer sich für mein echtes Problem interessiert hat. Das war nur ich alleine - und meine Eltern.
Ich bin vor etwa zehn Jahren selbst zum Schulpsychologen gegangen, um rauszufinden, was bei mir in Mathe nicht stimmt. Der Schulpsychologe hat bei mir einen Standard-IQ-Test gemacht, wo rauskam, daß ich ich in allen anderen Bereichen überdurchschnittlich begabt, im sprachlichen Bereich sogar weit überdurchschnittlich talentiert bin - und in Mathe: Durchschnitt.
Allerdings habe ich in diesem Test Zahlenreihen vervollständigt. Das konnte ich gut, denn das wiederum hat auch irgendwas mit Logik zu tun und deshalb hat kein Mensch gemerkt, daß mein wahres Problem viel früher anfängt: Bei der Zahlenzerlegung, die man in der 1. Klasse lernt.
Ich hab mich mit den im Artikel beschriebenen Gedächtnisleistungen bis ins Abitur gezwungen und mit einer 5 in Mathe abgeschlossen - und mit Einsen in meinen drei ersten Abiturfächern. Ich sehe also nicht, wo ich nicht tauglich wäre fürs Abitur. Mir hätte damals nur mal einer die Grundlagen beibringen müssen, anstatt mich für zu faul zu halten (pauschale Beschuldigungen meiner Lehrer haben schon für viel Freude bei mir gesorgt).
Erst nach dem Abitur habe ich überhaupt erst erfahren, daß es Dyskalkulie gibt. Da ich inzwischen einen Studiengang durchlaufe, in dem auch mathematische Kenntnisse gefordert sind, mache ich heute die im Artikel angesprochene Lerntherapie mit 250 Euro im Monat, die bei mir auch kein Jugendamt der Welt mehr übernimmt. In den sauren Apfel muß ich beißen.
Denn Alternative wäre für mich nur ein Studium, mit dem ich hinterher keinen Blumentopf gewinne, und das sehe ich nicht ein.
An meiner Uni war es kein Problem, mit meinem diagnostischen Gutachten Prüfungserleichterungen in relevanten Kursen zu erwirken. Mir wurde ein Zeitausgleich oder eine mündliche Prüfung angeboten, und da - auch wie im Artikel beschrieben - ich mündlich rüberbringen kann, was ich schriftlich auch trotz Therapie noch nicht schaffen würde, werde ich die Prüfung mündlich ablegen.
Anscheinend muß man wirklich erst an die Uni, damit Verantwortliche mit dem Problem sinnvoll umgehen.
Und man kann auch als Erwachsener noch eine Therapie machen. Kann ich jedem Betroffenen nur empfehlen - das Geld ist es wert.
Logik hatte ich im Studium übrigens auch schon und die Prüfung mit 1,0 abgeschlossen. Dyskalkuliker sind alles andere als doof!
Insofern finde ich den Artikel ganz hervorragend. Er stellt alle Fakten korrekt dar und liefert auch recht viele detaillierte Infos. Durch einen solchen Artikel wurde ich ja auch erst aufmerksam. Deshalb: Weiter so. Nur Aufklärung hilft.
Vor allem aber ist das Abitur ein allgemeine Hochschulreife. Es wird eigentlich erwartet, das man mit Abitur einen ausreichenden Wissenstand hat, um grundsätzlich ein beliebiges Fach studieren zu können. Das ist einfach nicht gegeben bei Dyskalkulie.
Manche Fächer mögen mit Dyskalkulie problemlos studierbar sein, ein Naturwissenschaftliches, Ingenieursstudium oder gar Mathematik ist kaum denkbar. Damit fallen so viele Studienbereiche flach, das man einfach nicht von einer allgemeinen Hochschulreife sprechen kann.
... aber man könnte ja an Ausnahmen denken - Theologen, oder für Volks- und Betriebswirte.
...als "richtiger" Bäcker müssen Sie rechnen können da man mit sehr genauen Rezepten arbeitet und ein Fehler dem Meister viel Geld kosten kann und die Warenlieferung verzögtert.
Bildung begleitet einem das ganze Leben und je besser desto mehr Möglichkeiten hat man später. Ich habe eine Lehre gemacht, ein paar Jahre gearbeitet und dann studiert. Nur weil sie mit 18 nicht studieren wollen heisst nicht das sie sich das mit 28 vielleicht anders überlegen.
Schadet nicht, glauben Sie mir :-)
keine Chance, selbst für viele Lehrstellen ist das Abitur schon Grundvoraussetzung, dies hat imho mit der Verwässerung der Leistung zu tun.
@Thema
Dieser Artikel und auch Andere über diese Thematik und die in der Praxis daraus resultierenden Maßnahmen benachteiligen zunehmend die s.g. Normalos; sei es Gender, Migrationshintergrund, Legasthenie oder wie jetzt Dyskalkulie. Diese müssen dann sehen, wie sie mit "den Füßen auf den Boden kommen".
Als Betroffene mußte ich doch gerade sehr über einige der Kommentare schmunzeln.
Ich kann Ihnen sagen, wie man als Erwachsener mit Dyskalkulie umgeht, denn mit 25 sehe ich mich als Erwachsener. Daß ich die Dyskalkulie immer noch habe, liegt daran, daß keiner meiner Lehrer sich für mein echtes Problem interessiert hat. Das war nur ich alleine - und meine Eltern.
Ich bin vor etwa zehn Jahren selbst zum Schulpsychologen gegangen, um rauszufinden, was bei mir in Mathe nicht stimmt. Der Schulpsychologe hat bei mir einen Standard-IQ-Test gemacht, wo rauskam, daß ich ich in allen anderen Bereichen überdurchschnittlich begabt, im sprachlichen Bereich sogar weit überdurchschnittlich talentiert bin - und in Mathe: Durchschnitt.
Allerdings habe ich in diesem Test Zahlenreihen vervollständigt. Das konnte ich gut, denn das wiederum hat auch irgendwas mit Logik zu tun und deshalb hat kein Mensch gemerkt, daß mein wahres Problem viel früher anfängt: Bei der Zahlenzerlegung, die man in der 1. Klasse lernt.
Ich hab mich mit den im Artikel beschriebenen Gedächtnisleistungen bis ins Abitur gezwungen und mit einer 5 in Mathe abgeschlossen - und mit Einsen in meinen drei ersten Abiturfächern. Ich sehe also nicht, wo ich nicht tauglich wäre fürs Abitur. Mir hätte damals nur mal einer die Grundlagen beibringen müssen, anstatt mich für zu faul zu halten (pauschale Beschuldigungen meiner Lehrer haben schon für viel Freude bei mir gesorgt).
Erst nach dem Abitur habe ich überhaupt erst erfahren, daß es Dyskalkulie gibt. Da ich inzwischen einen Studiengang durchlaufe, in dem auch mathematische Kenntnisse gefordert sind, mache ich heute die im Artikel angesprochene Lerntherapie mit 250 Euro im Monat, die bei mir auch kein Jugendamt der Welt mehr übernimmt. In den sauren Apfel muß ich beißen.
Denn Alternative wäre für mich nur ein Studium, mit dem ich hinterher keinen Blumentopf gewinne, und das sehe ich nicht ein.
An meiner Uni war es kein Problem, mit meinem diagnostischen Gutachten Prüfungserleichterungen in relevanten Kursen zu erwirken. Mir wurde ein Zeitausgleich oder eine mündliche Prüfung angeboten, und da - auch wie im Artikel beschrieben - ich mündlich rüberbringen kann, was ich schriftlich auch trotz Therapie noch nicht schaffen würde, werde ich die Prüfung mündlich ablegen.
Anscheinend muß man wirklich erst an die Uni, damit Verantwortliche mit dem Problem sinnvoll umgehen.
Und man kann auch als Erwachsener noch eine Therapie machen. Kann ich jedem Betroffenen nur empfehlen - das Geld ist es wert.
Logik hatte ich im Studium übrigens auch schon und die Prüfung mit 1,0 abgeschlossen. Dyskalkuliker sind alles andere als doof!
Insofern finde ich den Artikel ganz hervorragend. Er stellt alle Fakten korrekt dar und liefert auch recht viele detaillierte Infos. Durch einen solchen Artikel wurde ich ja auch erst aufmerksam. Deshalb: Weiter so. Nur Aufklärung hilft.
Vor allem aber ist das Abitur ein allgemeine Hochschulreife. Es wird eigentlich erwartet, das man mit Abitur einen ausreichenden Wissenstand hat, um grundsätzlich ein beliebiges Fach studieren zu können. Das ist einfach nicht gegeben bei Dyskalkulie.
Manche Fächer mögen mit Dyskalkulie problemlos studierbar sein, ein Naturwissenschaftliches, Ingenieursstudium oder gar Mathematik ist kaum denkbar. Damit fallen so viele Studienbereiche flach, das man einfach nicht von einer allgemeinen Hochschulreife sprechen kann.
... aber man könnte ja an Ausnahmen denken - Theologen, oder für Volks- und Betriebswirte.
aber das VWL und BWL nicht mathelastig wären kann ich nicht grad behaupten. Sie haben sicher nicht den mathematischen Anspruch eines Mathematik- oder Physikstudiums, aber man kommt pausenlos mit Rechnungen und Formeln in Berührung. Wäre mit Dyskalkulie wohl kaum zu vewerkstelligen.
Eine Bäckerausbildung übrigens vermutlich genausowenig. Wenn man keine Vorstellung von Mengen hat, ist das Zubereiten von Teigen oder die Kalkulation der Preise sicher auch nicht wirklich simpel.
aber das VWL und BWL nicht mathelastig wären kann ich nicht grad behaupten. Sie haben sicher nicht den mathematischen Anspruch eines Mathematik- oder Physikstudiums, aber man kommt pausenlos mit Rechnungen und Formeln in Berührung. Wäre mit Dyskalkulie wohl kaum zu vewerkstelligen.
Eine Bäckerausbildung übrigens vermutlich genausowenig. Wenn man keine Vorstellung von Mengen hat, ist das Zubereiten von Teigen oder die Kalkulation der Preise sicher auch nicht wirklich simpel.
[ironie ON] Während Legastheniker und demnächst Dyskalkuliker auf Verständnis, Unterstützung, Rücksichtnahme und Therapieangebote setzten können wird Kinder mit Herkunftsbelastung und Schwach-Eltern weiterhin ein Nachteilsausgleich verweigert.
ICh fordere Anerkennung der Eltern- und Herkunftsschwäche als Lernbehinderung mit Einführung einer eigenen ICD-10-Klassifikation!
Diese Kinder brauchen auch eine intensive Föderung und Inklusion in normale Klassen. Sie benötigen Therapien, die die Belastung und Schädigung durch das Elternhaus kompensieren und ihnen eine gleichwertige Zukunft wie Kindern ohne Eltern- und Herkunftsbehinderung.
Auch Eltern- und Herkunftsschwäche ist gut behandelbar, wenn sie früh genug erkannt wird! [Ironie OFF]
Dank Mathe C-Kurs in der inzwischen abgeschafften Orientierungsstufe in Niedersachsen, musste meine Mutter all ihre Überzeugungskünste aufbringen, um mich ins Gymnasium zu schmuggeln. Dort habe ich trotz 2x die Woche 1,5h professioneller Nachhilfe bis hin zum Abi nur 5en und ganz selten Mal eine 4 in Mathe geschafft. Zum Glück war ich einer der letzten Jahrgänge, der Mathe nur als Grundkurs ins Abi einbringen musste. Der eine Punkt, den ich letztlich durch Wohlwollen es Lehrers bekam, hat zwar meinen Schnitt runtergezogen (Abi von 3,2), aber immerhin hatte ich Abi.
Inzwischen bin ich dabei, mein Afrikanistik-Studium abzuschließen, bei einem Schnitt von 1,1 wohlgemerkt, spreche neben Englisch, Französisch und Spanisch noch drei afrikanische Sprachen und bereite meine anschließende Promotion vor.
Wäre nicht meine Mutter gewesen, dir mir den Weg ins Gymnasium freigeboxt hat, die Nachhilfelehrer des Studienkreises, die sich Woche für Woche mit meinem mathematischen Unverständnis herumgeplagt haben und der Mathe-Lehrer in der 13. Klasse, der mir trotz drei Null-Punkte-Klausuren den nötigen einen Punkt auf dem Zeugnis gab - ich hätte es nie so weit gebracht.
Ich verstehe einfach nicht, warum so ein unfassbarer Wert auf Mathematik gelegt wird. Die, die es mögen, brauchen und können, können gerne Leistungskurs Mathe belegen, aber warum muss man auch die, deren Talente erwiesenermaßen woanders liegen, mit mathematischen Dingen quälen, die niemals im Alltag angewandt werden?
der meinem schulischen Werdegang und meinem Studium sehr ähnelt. Als eines der letzten "Opfer" der Orientierungsstufe wurde ich ebenfalls im Mathematik C-Kurs verwahrt. Es ist auch meiner Mutter und ihrer Durchsetzungskraft zu verdanken, dass ich nicht auf die Hauptschule geschickt wurde, wie vorgesehen - und alles nur wegen dem Fach Mathe. Alle anderen Leistungen waren auf Gymnasialniveau. Es ist interessant zu sehen, wie bereitwillig ein ganzes Schulsystem das Potential von Schülern an die Wand fahren würde bzw. es häufig auch tut.
"Die, die es mögen, brauchen und können, können gerne Leistungskurs Mathe belegen, aber warum muss man auch die, deren Talente erwiesenermaßen woanders liegen, mit mathematischen Dingen quälen, die niemals im Alltag angewandt werden?"
Mit dem Argument kann man aber genauso auch für die Abschaffung bzw. die Optionalmachung eines Großteils des Deutschunterrichts ca. ab Klasse 8, des Englischunterrichts der Oberstufe, fast des gesammten naturwissenschaftlichen Unterrichts, sowie des Geschichts- Kunst- und Musikunterrichts argumentieren.
Wie Sie doch selbst geschildert haben, reicht 1 Punkt (5-) im Mathematik-Grundkurs zum Bestehen des Abiturs. Von einem "unfassbaren Wert", der auf die Mathematik gelegt werden soll, kann doch keine Rede sein.
Dass "mathematische Dinge im Alltag niemals angewandt" werden, ist auch nur Ihr persönlicher Standpunkt. Als Ingenieur könnte ich das auch über Sprachen oder Geisteswissenschaften auch sagen. Auch der Sportunterricht hat mich persönlich nicht weitergebracht und Deutsch fand ich langweilig.
Dennoch ist das Abitur der höchste Schulabschluss hierzulande und man sollte gewisse Grundfertigkeiten in verschiedenen Bereichen voraussetzen können, schließlich geht es um Allgemeinbildung. Und zwar auch vor dem Hintergrund, dass wir als Erwachsene beruflich wie privat miteinander auskommen wollen, also über Fachgrenzen hinweg. Oder wäre es Ihnen lieber, wenn wir bereits in der Schule zu Spezialisten herangezüchtet würden? Spätestens an der Uni wird sowieso jeder gewissermaßen zum "Fachidioten". Da ist es umso wertvoller, wenn man vorher auch eine Portion Allgemeinbildung genossen hat.
Im übrigen sind "mathematische" Kenntnisse bzw. Rechnen im Alltag durchaus sinnvoll. Wie wollen Sie denn sonst beurteilen, ob Ihre Versicherung sie mit "dynamischen Beiträgen" über den Tisch ziehen will, ob sich ein Bausparvertrag für sie lohnt oder ob Ihnen ein Politiker das Blaue vom Himmel verspricht, obwohl es unbezahlbar ist?
Warum wird soviel Wert auf Deutsch gelegt?
Ich hatte immer 1er und 2er in der Schule, in Deutsch ab und zu auch mal einen 3er.
Im Abitur hat dann die Pflicht Deutsche als Prüfungsfach zu nehmen dazu geführt, dass ich um einen Punkt - ich bekam nur 10 Punkte in der mündlichen Prüfung, anstatt 11 - einen besseren Abiturschnitt verpasst habe.
Na ja, Physik war Gott sei Dank nicht mit Numerus Clausus versehen an der Uni.
Ich hab die Erfahrung gemacht, dass in der Schule, aber auch in der Gesellschaft überhaupt keinen großen Stellenwert besitzt.
So ist es volkommen normal zu sagen, man hätte keine Ahnung von Mathematik (Ich meine keine Dyskalkuliker), dass man keinen Dreisatz, Prozentrechnung etc. beherrscht, was nichtmal richtige Mathematik ist.
Ganz zu schweigen davon, dass man in der Schule überhaubt keine richtige Mathematik gelehrt wird.
So musste ich im Deutsch-Grungkurs "Schlaf in den Uhren" von Uwe Tellkamp lesen, was wahrlich nicht so einfach ist und wo ich mir nicht vorstellen kann, dass in einem Germanistik-Studium die Literatur viel anspruchsvoller wird.
Auf der anderen Seite muss man in Mathematik-Leistungskursen nichtmal einfachste Beweise führen können.
der meinem schulischen Werdegang und meinem Studium sehr ähnelt. Als eines der letzten "Opfer" der Orientierungsstufe wurde ich ebenfalls im Mathematik C-Kurs verwahrt. Es ist auch meiner Mutter und ihrer Durchsetzungskraft zu verdanken, dass ich nicht auf die Hauptschule geschickt wurde, wie vorgesehen - und alles nur wegen dem Fach Mathe. Alle anderen Leistungen waren auf Gymnasialniveau. Es ist interessant zu sehen, wie bereitwillig ein ganzes Schulsystem das Potential von Schülern an die Wand fahren würde bzw. es häufig auch tut.
"Die, die es mögen, brauchen und können, können gerne Leistungskurs Mathe belegen, aber warum muss man auch die, deren Talente erwiesenermaßen woanders liegen, mit mathematischen Dingen quälen, die niemals im Alltag angewandt werden?"
Mit dem Argument kann man aber genauso auch für die Abschaffung bzw. die Optionalmachung eines Großteils des Deutschunterrichts ca. ab Klasse 8, des Englischunterrichts der Oberstufe, fast des gesammten naturwissenschaftlichen Unterrichts, sowie des Geschichts- Kunst- und Musikunterrichts argumentieren.
Wie Sie doch selbst geschildert haben, reicht 1 Punkt (5-) im Mathematik-Grundkurs zum Bestehen des Abiturs. Von einem "unfassbaren Wert", der auf die Mathematik gelegt werden soll, kann doch keine Rede sein.
Dass "mathematische Dinge im Alltag niemals angewandt" werden, ist auch nur Ihr persönlicher Standpunkt. Als Ingenieur könnte ich das auch über Sprachen oder Geisteswissenschaften auch sagen. Auch der Sportunterricht hat mich persönlich nicht weitergebracht und Deutsch fand ich langweilig.
Dennoch ist das Abitur der höchste Schulabschluss hierzulande und man sollte gewisse Grundfertigkeiten in verschiedenen Bereichen voraussetzen können, schließlich geht es um Allgemeinbildung. Und zwar auch vor dem Hintergrund, dass wir als Erwachsene beruflich wie privat miteinander auskommen wollen, also über Fachgrenzen hinweg. Oder wäre es Ihnen lieber, wenn wir bereits in der Schule zu Spezialisten herangezüchtet würden? Spätestens an der Uni wird sowieso jeder gewissermaßen zum "Fachidioten". Da ist es umso wertvoller, wenn man vorher auch eine Portion Allgemeinbildung genossen hat.
Im übrigen sind "mathematische" Kenntnisse bzw. Rechnen im Alltag durchaus sinnvoll. Wie wollen Sie denn sonst beurteilen, ob Ihre Versicherung sie mit "dynamischen Beiträgen" über den Tisch ziehen will, ob sich ein Bausparvertrag für sie lohnt oder ob Ihnen ein Politiker das Blaue vom Himmel verspricht, obwohl es unbezahlbar ist?
Warum wird soviel Wert auf Deutsch gelegt?
Ich hatte immer 1er und 2er in der Schule, in Deutsch ab und zu auch mal einen 3er.
Im Abitur hat dann die Pflicht Deutsche als Prüfungsfach zu nehmen dazu geführt, dass ich um einen Punkt - ich bekam nur 10 Punkte in der mündlichen Prüfung, anstatt 11 - einen besseren Abiturschnitt verpasst habe.
Na ja, Physik war Gott sei Dank nicht mit Numerus Clausus versehen an der Uni.
Ich hab die Erfahrung gemacht, dass in der Schule, aber auch in der Gesellschaft überhaupt keinen großen Stellenwert besitzt.
So ist es volkommen normal zu sagen, man hätte keine Ahnung von Mathematik (Ich meine keine Dyskalkuliker), dass man keinen Dreisatz, Prozentrechnung etc. beherrscht, was nichtmal richtige Mathematik ist.
Ganz zu schweigen davon, dass man in der Schule überhaubt keine richtige Mathematik gelehrt wird.
So musste ich im Deutsch-Grungkurs "Schlaf in den Uhren" von Uwe Tellkamp lesen, was wahrlich nicht so einfach ist und wo ich mir nicht vorstellen kann, dass in einem Germanistik-Studium die Literatur viel anspruchsvoller wird.
Auf der anderen Seite muss man in Mathematik-Leistungskursen nichtmal einfachste Beweise führen können.
aber das VWL und BWL nicht mathelastig wären kann ich nicht grad behaupten. Sie haben sicher nicht den mathematischen Anspruch eines Mathematik- oder Physikstudiums, aber man kommt pausenlos mit Rechnungen und Formeln in Berührung. Wäre mit Dyskalkulie wohl kaum zu vewerkstelligen.
Eine Bäckerausbildung übrigens vermutlich genausowenig. Wenn man keine Vorstellung von Mengen hat, ist das Zubereiten von Teigen oder die Kalkulation der Preise sicher auch nicht wirklich simpel.
Der Kommentar vorher war voll von boshafter Ironie, also fast Sarkasmus.
Völlig zu Unrecht, wer nicht weiß, was Theologen, Volks- und Betriebswirte im Alltag machen, sollte sich solch pauschalisierende und verhöhnende Aussagen sparen.
Klar darf man noch Witze machen, aber vorher nachdenken ist nach wie vor erwünscht!
Der Kommentar vorher war voll von boshafter Ironie, also fast Sarkasmus.
Völlig zu Unrecht, wer nicht weiß, was Theologen, Volks- und Betriebswirte im Alltag machen, sollte sich solch pauschalisierende und verhöhnende Aussagen sparen.
Klar darf man noch Witze machen, aber vorher nachdenken ist nach wie vor erwünscht!
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren