Schul-Sponsoring Mit freundlicher Unterstützung der Keksfirma
Die Grenzen zwischen Sponsoring und Werbung an der Schule sind unscharf. Vieles ist Ermessenssache der Lehrer.
Vor sieben Jahren beschloss Schulleiter Gerhard Müller-Frerich, dass die Aula seiner Schule, des Märkischen Gymnasiums Iserlohn, eine neue Bühne braucht. Das ist ein Luxus, der im Haushalt der Schule nicht vorgesehen war, Geld gab es keines dafür. Der Bürgermeister von Iserlohn schlug dem Schulleiter damals vor, sich die Renovierung sponsern zu lassen. Sponsoring war für das Märkische Gymnasium ein neues Konzept. Spenden, das ist klar, aber eine Partnerschaft mit einem Unternehmen?
Der Bürgermeister brachte den Schulleiter mit dem Unternehmen Lobbe zusammen, einem im Ort ansässigen mittelständischen Entsorgungsbetrieb. Der Geschäftsführer Michael Wieczorek war selbst Schüler in Iserlohn, vor vielen Jahren. Als die Anfrage kam, war für ihn klar, dass er mitmacht. »Wir wollten uns starkmachen für die Region«, erinnert er sich heute. Seitdem sind Wirtschaft und Bildung im beschaulichen Iserlohn offiziell verzahnt.
Solche Partnerschaften sind nichts Neues. In 86 Prozent aller nordrhein-westfälischen Schulen mischt jemand mit, der nicht zur Schule gehört. Darunter fällt auch das Schulsponsoring, bei dem Geld oder Sachmittel fließen. Neben diesen offiziellen Partnerschaften gibt es aber auch immer wieder Projekte, bei denen ein Unternehmen versucht, die Schüler als Konsumenten zu werben. Das ist Produktwerbung.
Und hier liegt das Problem, denn Sponsoring ist erlaubt, Werbung nicht. Nur sehen sich die beiden manchmal äußerst ähnlich. Wo hört das eine auf, wo fängt das andere an? Das regelt eigentlich das jeweilige Schulgesetz der Länder. Einig sind sich alle darin, dass für Alkohol, Zigaretten und Süßigkeiten an Schulen nicht geworben werden darf. Die meisten Bundesländer verbieten Werbung auch für andere Produkte. Nur in Bremen, Berlin und Sachsen-Anhalt wurde das Verbot etwas gelockert. Dort ist Werbung in Klassenzimmern erlaubt, solange es mit der Bildung vereinbar ist.
In 13 Ländern sollten die Schulen also werbefreie Zone sein. Wie genau die aber auszusehen hat, da sind sich alle Beteiligten uneinig. Klar ist, was überhaupt nicht geht: Vor einigen Jahren bot die Keksfirma Bahlsen Schülern an, eine Klassenreise zu bezuschussen, sofern sie nur genug Punkte von den Bahlsen-Kekspackungen ausgeschnitten und eingereicht hätten. Das wurde dem Unternehmen gerichtlich untersagt.
Unklar ist aber, was noch geht. Viele Unternehmen bieten kostenloses Unterrichtsmaterial an, das aber didaktisch nicht ausreichend aufgearbeitet ist – und zum Teil Werbung enthält.
Das sei schwierig, sagt Helmut Schorlemmer. Er ist Sponsoring-Experte der Stiftung »Partner für Schule NRW« und selbst Schulleiter. Seit einigen Jahren betreut die Stiftung Schulen bei Projekten mit der Wirtschaft. Sie berät bei Einzelfragen und hat einen Leitfaden für das Schulsponsoring herausgebracht.
- Datum 18.07.2011 - 18:05 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 14.7.2011 Nr. 29
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beispiele mit firmen aus der region sind vollkommen ok. allerdings sollten wir uns in puncto werbung einen völligen rigorismus leisten. das geht gar nicht. es ist schon traurig das die öffentliche finanzverteilung derartig verdreht ist dass das abschöpfen externer geldquellen überhaupt nötig ist. schule soll mündige konsumenten erst erziehen ( sehr idealistisch- ich weiss ) nicht früheste markenbindung erzeugen. dass es sowas überhaupt gibt erschüttert mich.
Wenn sich mittelständische Unternehmen vor Ort die Tugend aufbringen, sich für die Jugend zu angarieren, dann wird die Pflicht zur Tugend.
Wir nennen das Kind jetzt unverblühmt beim Namen, die Ausflüge der Konzerenen, welche sich schon früh eine lebenslange Zielgruppe erwerben möchten, gehört sofort Sanktioniert. Und zwar nicht mit milden Worten und ruhiger Hand, wo gehobelt wird da müssen Späne fliegen. Es ist eine Sauerei, anders ist dieser Zustand nicht zu benennen.
Wieder ein völliges Versagen der etablierten Kräfte, darüber reden und schreiben hilft wenig, ist eigentlich an und für sich ein Witz. Hier gilt es von den Eltern massiv Druck auf die Schulverwaltung die verantwortlichen Politiker zu machen, auf daß manchem wieder sein Platz und seine Veratwortung klar gemacht wird.
Solange Firmenzentralen besser aussehen als Schulen, werden sich Firmen an die echten "notleidenen" Schulen heranwagen.
Wir sind eine Konsumgesellschaft. Ohne Konsum gäbe es keine Wirtschaft. Und je größer der Konsum desto besser für die Wirtschaft. Und Werbung fördert ja den Konsum. Und Schulen und Unis durch Sponsoren finanzieren zu lassen passt doch in unserer Konsumgesellschaft.
Außerdem kommen so Schulen wieder ans Geld. Und das entlastet den Staat. Und die Schüler und auch wir werden nicht nur von der "bösen" Werbung beeinflusst, sondern auch durch Familie, Freunde, Umfeld und die Erfahrung die wir machen. Wir werden ständig beeinflusst. Und diese Einflussnahme seitens der Firmen, ist sicher nicht das schlechteste.
Außerhalb der Schulen trifft man ja auch nicht grad wenig auf Werbung.
aber damals war die Aufgabe eines Gymnasiums auch die humanistische Bildung (<-- bitte googeln!) und nicht der Bühnenbau.
Heute geht es wohl wirklich nicht um mehr als das Arbeitsvieh heranzuziehen, das sich beim Vorstellungsgespräch gut darstellt und dann breitgrinsend und schweigend die Aufgaben erledigt, die ihm vom Herren aufgetragen werden, damit es sich anschließend am Konsum erfeuen kann.
aber damals war die Aufgabe eines Gymnasiums auch die humanistische Bildung (<-- bitte googeln!) und nicht der Bühnenbau.
Heute geht es wohl wirklich nicht um mehr als das Arbeitsvieh heranzuziehen, das sich beim Vorstellungsgespräch gut darstellt und dann breitgrinsend und schweigend die Aufgaben erledigt, die ihm vom Herren aufgetragen werden, damit es sich anschließend am Konsum erfeuen kann.
Was spricht gegen Sponsoring in Bildungseinrichtngen? Nichts.
Was spricht dafür? Ziemlich alles.
In einer freiheitlichen Marktwirtschaft werden nicht nur die Einrichtungen finanziell deutlich entlastet (oder Projekte überhaupt erst realisierbar, die es ohne Drittmittelfinanzierung nicht wären), sondern es erfolgt gleich auch noch eine Einführung in die moderne Ökonomie am praktischen Beispiel der eigenen Schule.
Zwei Fliegen mit einer Klappe. So what?
Das ist genau das gleiche wie mit dem Lobbyisten, die Abgeortneten Kassieren in ihrem Nebenjob von Firmen geld obwohl sie das nicht dürften.
Zeigen wir unseren Kindern,
welche Welt wir für sie geschaffen haben.
welchen Unsinn hier manche von sich geben. Denken Sie doch einmal in etwas größeren Zusammenhängen: Firmen, Stiftungen und Lobbygruppen erschleichen sich Macht, Einfluß und Vorteile vorbei an einer demokratischen Legitimierung und Kontrolle - und das soll allen Ernstes gut sein?
Wo bleiben die grundlegenden Prinzipien in unserem Staat wenn man so etwas toleriert. Nachdem der reguläre Politikbetrieb von Lobbygruppen, Stiftungen und Interessensvertretungen durchsetzt ist wie der Waldboden vom Mycel - jetzt lässt man dies auch noch an Schulen zu? Haben denn alle die Fähigkeit zum Denken verloren?
Firmen sollen Steuern zahlen. Dann entscheidet die Allgemeinheit in unserem demokratischen System was damit geschieht - etwa Bildung und die Ausstattung der Schulen. Hier treten zwei Phänomene zu Tage. Einerseits Unternehmen, die knallhart ihre ökonomischen Interessen vertreten und neue, junge Konsumenten nachzüchten wollen (siehe auch: Kaugummikauen fördert die Denkleistung...).
Andererseits versuchen älternde Milliardäre bzw. deren Witwen mit "gemeinnützigen" Stiftungen ihre teils weltfremden Wertvorstellungen und Interessen zu perpetuieren, indem Sie - steuergünstig - Stiftungen gründen, die in ihrem Sinne auch noch nach deren Tod weiter wirken. Somit wird der demoakratischen Mehrheit die Entscheidungsfreiheit genommen und durch eine gönnerhafte Beglückung ersetzt.
(Fortsetzung ....)
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