Deutsche Bank Ackermanns Erben

Ein Duo steht kurz vor der Machtübernahme in der Bank, die nur noch ein bisschen "die Deutsche" ist.

Josef Ackermann durchläuft derzeit eine seltsame Wandlung. Genauer gesagt: das Bild des Josef Ackermann. Bis vor Kurzem war es im politischen Berlin noch eher unschick, sich mit dem Chef der Deutschen Bank in der Öffentlichkeit zu zeigen. Politiker mieden die Empfänge des Geldhauses, bis heute wird Angela Merkel vorgehalten, anlässlich Ackermanns 60. Geburtstags 2009 ein Abendessen im Kanzleramt veranstaltet zu haben. Josef Ackermann – er galt als Agent des globalen Finanzkapitals, für den nur die Rendite zählt.

Wer sich nun in diesen Tagen, in denen die Nachfolge des Schweizers geregelt wird, in Berlin umhört, der gewinnt auf einmal den Eindruck, ohne Ackermann sei die Stabilität der Republik in Gefahr. Parlamentarier warnen, dass im Fall eines Rückzugs von Ackermann ein wichtiger Ansprechpartner verloren gehe. Wirtschaftsverbände fürchten um den deutschen Einfluss auf den internationalen Kapitalmärkten. Sogar für den Posten des Aufsichtsratschefs empfahlen ihn einige plötzlich, alle rechtlichen Hürden für solch einen fliegenden Wechsel außer Acht lassend. Ackermann – er gilt heute als Mann der sozialen Markwirtschaft, der den deutschen Interessen in New York, London oder Tokyo Gehör verschafft.

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Der Sinneswandel offenbart, dass es bei den Erbfolgekriegen in den Frankfurter Zwillingstürmen nicht nur um persönliche Rivalitäten und den Ruf der Bank bei Kunden und Investoren geht. Es geht auch um die alte Frage, wie deutsch die 141 Jahre alte Deutsche Bank ist. Oder anders formuliert: wie viel Patriotismus ein Land von seinem größten Geldhaus erwarten kann.

Es sind turbulente Tage bei der Deutschen Bank, voller Gerüchte, lancierter Berichte und Dementis. Möglich, dass Ackermann, dessen Vertrag erst 2013 endet, vorzeitig geht. Möglich auch, dass am Ende dieser Woche wieder alles anders aussieht als an ihrem Anfang. Es scheint aber gesichert, dass der Nominierungsausschuss des Aufsichtsrats sich vor wenigen Tagen für eine Doppelspitze entschieden hat, die nun noch vom gesamten Aufsichtsrat abgesegnet werden muss, was als wahrscheinlich gilt.

Deutschlandchef Jürgen Fitschen, 62 Jahre alt, und der oberste Investmentbanker Anshu Jain,48 Jahre alt, sollen die Deutsche Bank gemeinsam führen. So hat es sich Oberkontrolleur Clemens Börsig gewünscht. Für Ackermann ist die Entscheidung eine krachende Niederlage. Er wollte den früheren Bundesbankpräsidenten Axel Weber als Nachfolger installieren, doch dann entschied dieser sich für die Schweizer UBS. Als Weber aus dem Spiel war, wollte Ackermann offenbar Fitschen verhindern. Dem Vernehmen nach misslang auch das.

Mehr und mehr wird Jürgen Fitschen dieser Tage zu einer Projektionsfläche für allerlei Sehnsüchte, für den Wunsch der Deutschen nach einem bodenständigen, seriösen Herrn an der Spitze der Deutschen Bank. Da passt es, dass Fitschen aus Harsefeld nahe Hamburg stammt und heute in Hofheim am Taunus wohnt. Es ist ein beschauliches Städtchen, im Grünen und doch Frankfurt nahe, wohlhabend, aber weit weniger protzig als Kronberg, wo viele andere Einkommensmillionäre der Finanzmetropole residieren. Häuser, die kein Namensschild, dafür aber eine Einfahrt haben, breit genug für einen Mercedes, einen Porsche Cayenne und einen Mini nebeneinander, sucht man in Hofheim vergebens. Ein Ort, wie gemacht für den zurückhaltend auftretenden Fitschen, der das Vertrauen vieler deutscher Konzernchefs genießt und von Politikern geschätzt wird. Es ist kein Zufall, dass die Kanzlerin ihn auf ihre aktuelle Afrikareise mitgenommen hat.

Was selten im Vordergrund steht: Jürgen Fitschen kommt aus dem Investmentbanking, diesem lukrativen Geschäft mit Börsengängen, Fusionen und Kapitalmarktgeschäften. Er hat in den neunziger Jahren die Expansion in Asien vorangetrieben und später in London die Sparte geführt. Parallel zu seiner Rolle als Deutschlandchef, die derzeit so gern betont wird, sorgt er als Head of Regional Management seit Jahren weltweit für eine bessere Verzahnung der Banksparten vor Ort. Fitschen weiß, wie wichtig das Investmentbanking für die Bank ist und dass die Wachstumsmärkte der Zukunft nicht Frankfurt, Düsseldorf und München, sondern Peking, Delhi und São Paulo heißen.

Leser-Kommentare
  1. "......Investmentbanking, diesem lukrativen Geschäft mit Börsengängen, Fusionen und Kapitalmarktgeschäften...."

    Lukrativ vor allem deshalb, weil die Steuermilliarden sprudelten, wenn man sich verzockt hatte.

  2. In meinen Augen ein gewissenloser Zocker. Ich denke da an die IKB. Und zur juristischen Aufarbeitung diesen Falles fehlt leider der politische Wille!

  3. In den alten Zeiten, wo das Wünschen noch geholfen hat, unterschied man zwischen "raffendem" und "schaffendem" Kapital.

    • ajaj
    • 14.07.2011 um 11:37 Uhr

    Der CEO des Credit Suisse, der Amerikaner Brady Dougan, sagte in einer Interview im Magazin des zürcherischen Tagesanzeigers, dass er den Namen des CH- Bundespräsidenten und die Zahl der Bundesräte (Regierung) nicht genau kennt. Seine Welt ist der weltweite Credit Suisse. So hätten auch andere ausländische CEO's internationaler Unternehmen beantworten können. Das historische Heimatland der internationalen Unternehmen ist ein Hotelier, der den bestmöglichen Service bieten muss, ob hinsichtlich Infrastruktur, Steuern, Stabilität, Flugverbindungen, etc. Der Hotelier steht in Konkurrenz mit anderen Hoteliers in Europa oder in der Welt. Nicht wenige deutsche Unternehmen suchten beretis den besten Hotelier und andere deutsche, international ausgerichtete Unternehmen, werden es noch tun. Solange ausländische Managers nach Deutschland kommen ist es gut. Sie können dem Hotelier sagen, was ihre Unternehmen brauchen. Ihre Forderungen sichern, dass der Witschaftsplatz Deutschland attraktiv bleibt.

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    In der "Krise" wissen alle, wo sie zu Hause sind und die Steuermilliarden abholen können!

    In der "Krise" wissen alle, wo sie zu Hause sind und die Steuermilliarden abholen können!

  4. In der "Krise" wissen alle, wo sie zu Hause sind und die Steuermilliarden abholen können!

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    • ajaj
    • 14.07.2011 um 11:51 Uhr

    Die Bereitschaft und insbesondere die Finanzkraft der Regierung Deutschlands Steuermilliarden einzusezten ist ein Standortvorteil, den sie zu nützen kennen. Das galt auch für Opel. Die internationalen Unternehmen verhalten sich wie Sozialempfänger. Geld hat keine Herkunft, es ist da oder nicht da. Man nimmt was da ist und einem angeboten wird.

    • ajaj
    • 14.07.2011 um 11:51 Uhr

    Die Bereitschaft und insbesondere die Finanzkraft der Regierung Deutschlands Steuermilliarden einzusezten ist ein Standortvorteil, den sie zu nützen kennen. Das galt auch für Opel. Die internationalen Unternehmen verhalten sich wie Sozialempfänger. Geld hat keine Herkunft, es ist da oder nicht da. Man nimmt was da ist und einem angeboten wird.

    • ajaj
    • 14.07.2011 um 11:51 Uhr

    Die Bereitschaft und insbesondere die Finanzkraft der Regierung Deutschlands Steuermilliarden einzusezten ist ein Standortvorteil, den sie zu nützen kennen. Das galt auch für Opel. Die internationalen Unternehmen verhalten sich wie Sozialempfänger. Geld hat keine Herkunft, es ist da oder nicht da. Man nimmt was da ist und einem angeboten wird.

    Eine Leser-Empfehlung
    • helgam
    • 14.07.2011 um 12:19 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Spekulation. Die Redaktion/sc

    Eine Leser-Empfehlung
  5. Um mal eine Ehrenrettung von helgram vorzunehmen: die Deutsche bank, Goldman und Morgan Stanley haben in Italien einen Großteil der Kommunen zu fragwürdigen Interest-rate-Swaps bewegt und damit viele Kommunen in die Überschuldung getrieben. Noch viel schlimmer, als das mit so mancher Kommune nördlich der Alpen ( Leipzig, Riga ) getrieben wurde. Das ist keine Spekulation!

    Mailand, immerhin das Zentrum der italienischen Fianzbranche, hat sich auf diese Weise mit 1.2 Milliarden Euro verschuldet. Die gleichen Anwälte, die gegen Berlusconi arbeiten, wurden nun für den weltweit ersten strafrechtlichen Prozess gegen die Methoden der Investmentbanken angesetzt. Dieser Präzedenzfall wurde in Deutschland glattweg unterschlagen. Die Deutsche Bank ist ein krimineller Verein und Frau Merkel lässt sich regelmäßig von den Managern dieses Konzerns vorführen!

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