Gesetzliche Frauenquote oder doch lieber unternehmerische Selbstverpflichtung? Wie unterscheidet sich die weibliche Führungskultur von der männlichen? Und was bedeutet das für deutsche Konzerne ? Zahlreiche Fragen bewegen derzeit Politik und Wirtschaft, wenn es um die Förderung von Frauen in Führungspositionen geht.

Innerhalb weniger Tage sorgen gleich drei von ihnen für viel Wirbel – zwei bei der Telekom, eine beim Softwarekonzern SAP: Claudia Nemat ist der Beweis dafür, dass Unternehmen eine Selbstverpflichtung durchaus ernst meinen können. Marion Schick zeigt, dass man sich schon lange vor Amtsantritt ziemlich unbeliebt machen kann. Und Angelika Dammann demonstriert, wie man nach gerade mal einem Jahr in der Chefetage entnervt die Brocken hinwirft.

Die Vorkommnisse an sich sind kaum der Rede wert, so etwas gehört zum Alltag von Alphatieren der Business Class. Doch nur weil derzeit politisch auf europäischer Ebene ausgelotet wird, inwieweit sich Gesetzgeber in die Besetzung der Führungsgremien einmischen sollen, werden die drei Managerinnen zu Prototypen in einer Debatte.

Dammann stolperte über fehlendes politisches Taktgefühl gegenüber den Mitarbeitern und bestärkt damit jene, die glauben, weiblicher und männlicher Führungsstil seien gar nicht so unterschiedlich. Im vergangenen Sommer kam Dammann als Personalvorstand zu SAP. Die Angestellten hatten da schon etliche Sparrunden hinter sich. Doch vor Kurzem wurde bekannt, dass die Managerin den Firmenjet für Heimflüge vom badischen Walldorf nach Hamburg genutzt hat. Das mag genehmigt und völlig korrekt gewesen sein – ungeschickt war es trotzdem gegenüber einer tief verunsicherten Belegschaft. Denn nichts symbolisiert Luxus und Abgehobenheit stärker als ein privat genutzter Firmenjet.

Schon Marion Schicks Berufung stand unter einem schlechten Stern. In der vergangenen Woche wurde sie als künftiger Personalvorstand der Telekom der Öffentlichkeit präsentiert. Doch die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat des Konzerns fühlten sich übergangen und kritisierten, eine echte Aussprache über die Personalie habe es nicht gegeben. Das hat mit dem Geschlecht zwar nichts zu tun, wohl aber mit der Tatsache, dass die Besetzung des Personalressorts bei der Telekom grundsätzlich heikel ist – die Jahre nach der Privatisierung waren von zahlreichen Stellenstreichungen und Lohnkürzungen gekennzeichnet. Außerdem steht mit Schick, die zuvor Kultusministerin in Baden-Württemberg war, die Staatsferne des einstigen Staatskonzerns infrage. Noch immer gehört ein knappes Drittel der Telekom-Aktien dem Bund und der öffentlich-rechtlichen Bankengruppe KfW.

EU-Kommission für die Quote

Reibungslos lief es demgegenüber bei Nemat, die im Herbst das Europaressort im Vorstand der Telekom übernehmen soll. Der Aufsichtsrat bestellte die Unternehmensberaterin – und alle sind zufrieden.

So hatte man sich das bei der Telekom vorgestellt: Als erster deutscher Großkonzern hatte er sich vor mehr als einem Jahr verpflichtet, bis 2015 weltweit 30 Prozent aller Spitzenjobs mit Frauen zu besetzen. In diesem Frühjahr zogen dann die anderen großen bösennotierten Konzerne nach und versprachen gegenüber der Bundesregierung, sich bis Ende 2011 eigene Zielquoten zu geben. 

Damit wurde die Telekom zum Modellfall für Frauenförderung in Deutschland – und zugleich wichtigstes Argument der Politik gegen eine gesetzliche Frauenquote. Erst in der vergangenen Woche hatte sich der Bundestag in einer Stellungnahme an die EU-Kommission gegen eine gesetzliche Quotenregelung ausgesprochen.

Doch genau diese Idee wird auf europäischer Ebene zurzeit populär. Am vergangenen Mittwoch verabschiedete das Europäische Parlament mit großer Mehrheit einen entsprechenden Entschluss. Weil der Anteil von Frauen in Führungsgremien der Wirtschaft bloß um einen halben Prozentpunkt jährlich wachse, könne man nicht allein auf die Selbstverpflichtung von Unternehmen und Mitgliedsstaaten hoffen. Die Parlamentarier forderten die EU-Kommission auf, »bis 2012 legislative Maßnahmen einschließlich Quoten« vorzuschlagen, um den Anteil weiblicher Führungskräfte in europäischen Unternehmen bis 2020 auf 40 Prozent zu erhöhen.

Die Telekom ist diesem Ziel etwas näher gekommen. Aber SAP ist weiter entfernt denn je.