Wissenschaftler Die Gelehrten-Republik
Jeder kennt die Namen von Sportlern, Politikern, Managern. Unsere Wissenschaftler kennt kaum einer. Warum eigentlich?
Wissenschaft sei »die aufregendste Sache, die man mit angezogenen Hosen tun« könne, befand die Zeitschrift Science einmal und beschrieb damit die Stimmung vieler Forscher. Außerhalb des Labors hat man als Wissenschaftler jedoch einen schweren Stand. Mit Atomphysik oder Gentechnik kann man auf einer Party jedes Gespräch abwürgen. »Das hab ich schon in der Schule nie kapiert«, ist meist das Netteste, was man zu hören bekommt.
Schon merkwürdig: In jeder Sonntagsrede wird die »Bildungsrepublik« beschworen, alle Parteien sind sich einig, wie zukunftsweisend Wissenschaft ist. Doch was Forscher tatsächlich tun und was sie umtreibt, ist den meisten herzlich unbekannt. Unsere klügsten Köpfe gelten – anders als Schauspieler, Musiker oder Sportler – hierzulande nicht als Stars. Stattdessen leben sie in einer Art Parallelwelt. Sie sind unter Fachkollegen berühmt, werden vielfach geehrt, eilen von Kongress zu Kongress – doch in der Öffentlichkeit findet ihre Arbeit kaum Widerhall. Und daran ändert sich in Deutschland meist nicht einmal etwas, wenn sie den Nobelpreis bekommen.
Schade eigentlich. Schließlich hat wissenschaftliches Denken viel mit Lust zu tun (was der Schulunterricht leider erfolgreich verdrängt). Und es gibt wenig Aufregenderes – da hat Science recht – als das Glücksgefühl, das sich beim gemeinsamen Lösen eines lange bearbeiteten Rätsels einstellt.
Von dem Hirnforscher Valentin Braitenberg stammt die – halb ernst, halb scherzhaft gemeinte – Theorie, Menschen verfügten über einen »Kapiertrieb«, der dem Sexualtrieb ganz ähnlich sei. Denn nichts charakterisiert unsere Spezies so sehr wie der Drang, immer Neues zu entdecken und sich einen Reim auf die Welt zu machen. Und den entscheidenden Kick dazu, meint Braitenberg, gebe uns die »Hirnlust«, die wir mit einem Aha-Erlebnis verknüpfen.
Irgendwann in grauer Vorzeit müsse dazu in den Köpfen unserer Ahnen eine Verbindung entstanden sein zwischen den Arealen des logischen Denkens und einem Hirnzentrum, das Lust vermittelt. »Die Vermutung liegt nahe«, sagt Braitenberg, »dass es sich dabei um das Sexualzentrum handelt.« Darum empfinde Homo sapiens eine unstillbare Lust daran, das Puzzle der Einzelheiten zu einem Ganzen zu fügen und neue Verknüpfungen zu erkennen – sei es beim Lösen eines Sudoku-Rätsels oder beim Aufdecken eines mathematischen Theorems.
Allerdings ist damit nur der romantische Impuls des Forschens beschrieben. Unabhängig davon wird der moderne Wissenschaftsbetrieb natürlich auch von wirtschaftlichen und politischen Interessen angetrieben. Denn bei vielen Zukunftsthemen – von der Vorhersage des Klimawandels über die Entwicklung »sanfter« Energien bis zum Aufspüren eines Ehec-Keimes – verlangt die Gesellschaft nach wissenschaftlichen Antworten.
Anders gesagt: Kreativität und kritisches Denken sind die einzigen Rohstoffe, über die Deutschland unbegrenzt verfügt. Auf ihrer klugen Verwendung basiert nicht nur unsere Ökonomie, sondern letztlich ein Großteil unserer Kultur. Doch im umgekehrt proportionalen Verhältnis zur Bedeutung der Wissenschaft steht die Achtung, die sie hierzulande genießt. Wie groß diese Kluft ist, erhellte blitzlichtartig die Guttenberg-Affäre: Schockiert nahmen viele Forscher zur Kenntnis, dass weite Teile von Politik und Öffentlichkeit die Tragweite des Guttenbergschen Betrugs gar nicht zu erfassen schienen.
- Datum 15.07.2011 - 14:02 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin, 14.7.2011 Nr. 29
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leider ist man davon zur Zeit weiter entfernt, als man glaubt.
Der Monetarismus überlagert alles.
Es ist natürlich erstaunlich, welche Bildungsschichten das Niveau in den Medien bestimmen.Vom Frisörmeister bis in zum Spitzensportler sind alles VIP.
Der Anspruchslevel ist schon ganz tief gesunken, nur scheint es die elitäre Herrschaftsgesellschaft einfach nicht zu merken.
und ich bin (bald) einer davon :=)
Die Frage "Unsere Wissenschaftler kennt kaum einer. Warum eigentlich?" ist recht einfach zu beantworten. Wir sind im Jahre 30ig nach der geistig moralische Wende des Herrn Kohl und seiner Auftraggeber. Genau seit 30ig Jahren wird die deutsche Hochschullandschaft von diesen Leuten ruiniert. Zuletzt mit der verlängerten Gymnasialzeit, Bachelor-Studium genannt.
Die von diesen Leuten durchgesetzte Privatisierung der Öffentlichkeit und die systematische Verblödung der Menschen durch die privatne Fernsehsender zeigt eben jetzt seine tiefgreifende Wirkung.
Dazu kommt, dass man uns einreden will, dass die Ökonomie eine Wissenschaft sei. Sie produziert noch nicht einmal wie die philosophische und juristische Fakultät Gelehrte.
Auffälligerweise werden eben keine Mathematiker, Physiker und Chemiker vorgestellt.
Ich bin zu jung um das beurteilen zu können, aber war es denn vor Kohl bzw. vor Bachelor/Master wirklich besser? Mag ich zu bezweifeln.
Ökonomie ist in dem Sinne eine Wissenschaft, dass sie sich wissenschaftlicher Methode bedient. Experimente, Statistik etc..
Also würde ich hier doch eher die Philosophie in die Kritik ziehen, als die Ökonomie. Und inwiefern produzieren die Wirtschaftswissenschaften keine Gelehrten? Reinhard Selten oder Joseph Stiglitz kann man ja als solche bezeichnen, oder nicht?
Ich gebe Ihnen allerdings recht, dass es schon merkwürdig ist, dass zwei Biologen vorkommen, aber kein Mathematiker, Physiker oder Chemiker.
Ich übrigens Physiker und KEIN Ökonom.
Ich bin zu jung um das beurteilen zu können, aber war es denn vor Kohl bzw. vor Bachelor/Master wirklich besser? Mag ich zu bezweifeln.
Ökonomie ist in dem Sinne eine Wissenschaft, dass sie sich wissenschaftlicher Methode bedient. Experimente, Statistik etc..
Also würde ich hier doch eher die Philosophie in die Kritik ziehen, als die Ökonomie. Und inwiefern produzieren die Wirtschaftswissenschaften keine Gelehrten? Reinhard Selten oder Joseph Stiglitz kann man ja als solche bezeichnen, oder nicht?
Ich gebe Ihnen allerdings recht, dass es schon merkwürdig ist, dass zwei Biologen vorkommen, aber kein Mathematiker, Physiker oder Chemiker.
Ich übrigens Physiker und KEIN Ökonom.
Ich bin zu jung um das beurteilen zu können, aber war es denn vor Kohl bzw. vor Bachelor/Master wirklich besser? Mag ich zu bezweifeln.
Ökonomie ist in dem Sinne eine Wissenschaft, dass sie sich wissenschaftlicher Methode bedient. Experimente, Statistik etc..
Also würde ich hier doch eher die Philosophie in die Kritik ziehen, als die Ökonomie. Und inwiefern produzieren die Wirtschaftswissenschaften keine Gelehrten? Reinhard Selten oder Joseph Stiglitz kann man ja als solche bezeichnen, oder nicht?
Ich gebe Ihnen allerdings recht, dass es schon merkwürdig ist, dass zwei Biologen vorkommen, aber kein Mathematiker, Physiker oder Chemiker.
Ich übrigens Physiker und KEIN Ökonom.
Ich bin zu jung um das beurteilen zu können, aber war es denn vor Kohl bzw. vor Bachelor/Master wirklich besser? Mag ich zu bezweifeln.
Nicht von den Inhalten doch vom System. Heute sind die Möglichkeiten mit Computer und Internet hervorragend. Doch als ich in den 70zigern an der FH Studierte hatte ich schon eine 3 jährige Lehre und zwei Jahre Praxis hinter mir. Das geht heute auch noch, doch die Wenigsten machen es. Die Vorteile spüre ich auch nach 30 Jahren noch, einer meiner Freunde hatte ohne die praktische Ausbildung mit mit zusammen studiert. Bestimmte Dinge kann er bis heute nicht.
Das ist doch normal. Sportler, Schauspieler oder Musiker sind doch dazu da, um die Gesellschaft zu unterhalten und werden bei guter Leistung automatisch berühmt. Als Wissenschaftler kann man sein Forschungsgebiet der breiten Masse nicht vermitteln, da bei der Mehrheit die Grundlagen fehlen.
"Als Wissenschaftler kann man sein Forschungsgebiet der breiten Masse nicht vermitteln, da bei der Mehrheit die Grundlagen fehlen."
Das sehe ich (als Wissenschaftler) anders. Natürlich kann man das Forschungsgebiet nicht detailliert der Öffentlichkeit vermitteln, doch sollte jeder Wissenschaftler in der Lage sein, einem Laien auf verständliche Weise sein ungefähres Forschungsprojekt und dessen Bedeutung für Forschung und Gesellschaft zu vermitteln. Nur so kann man eine Brücke zwischen diesen Parallelwelten bauen.
Ich finde es außerdem gut, dass viele Zeitungen/Zeitschriften zumindest online eine Wissenschaftsrubrik haben, in der neue, herausragende Erkenntnisse allgemein verständlich dargestellt werden. Das zieht die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit immer wieder auf die Forschung.
... kann ich nicht erkennen. Die Berühmtheit von Sportlern etc. beruht auf deren Medienpräsenz. Dafür sind u.U. noch nicht einmal besondere Leistungen nötig, siehe z.B. Kournikova.
Wissenschaft ist in den Massenmedien tatsächlich zu wenig präsent. Das wäre doch mal ein schönes Betätigungsfeld für den ÖRR - statt überbezahlten Gottschalks ein neues Promi-Format zu stricken, zum Beispiel.
Übrigens staune ich immer wieder, wie gut es gerade Naturwissenschaftlern häufig gelingt, Laien ihr Forschungsgebiet näher zu bringen. Das liegt u.a. daran, dass sie es selten nötig haben, sich mit Fach(idioten)vokabular zu schmücken. Das findet man dann eher bei den Ökonomen.
"Als Wissenschaftler kann man sein Forschungsgebiet der breiten Masse nicht vermitteln, da bei der Mehrheit die Grundlagen fehlen."
Das sehe ich (als Wissenschaftler) anders. Natürlich kann man das Forschungsgebiet nicht detailliert der Öffentlichkeit vermitteln, doch sollte jeder Wissenschaftler in der Lage sein, einem Laien auf verständliche Weise sein ungefähres Forschungsprojekt und dessen Bedeutung für Forschung und Gesellschaft zu vermitteln. Nur so kann man eine Brücke zwischen diesen Parallelwelten bauen.
Ich finde es außerdem gut, dass viele Zeitungen/Zeitschriften zumindest online eine Wissenschaftsrubrik haben, in der neue, herausragende Erkenntnisse allgemein verständlich dargestellt werden. Das zieht die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit immer wieder auf die Forschung.
... kann ich nicht erkennen. Die Berühmtheit von Sportlern etc. beruht auf deren Medienpräsenz. Dafür sind u.U. noch nicht einmal besondere Leistungen nötig, siehe z.B. Kournikova.
Wissenschaft ist in den Massenmedien tatsächlich zu wenig präsent. Das wäre doch mal ein schönes Betätigungsfeld für den ÖRR - statt überbezahlten Gottschalks ein neues Promi-Format zu stricken, zum Beispiel.
Übrigens staune ich immer wieder, wie gut es gerade Naturwissenschaftlern häufig gelingt, Laien ihr Forschungsgebiet näher zu bringen. Das liegt u.a. daran, dass sie es selten nötig haben, sich mit Fach(idioten)vokabular zu schmücken. Das findet man dann eher bei den Ökonomen.
"Als Wissenschaftler kann man sein Forschungsgebiet der breiten Masse nicht vermitteln, da bei der Mehrheit die Grundlagen fehlen."
Das sehe ich (als Wissenschaftler) anders. Natürlich kann man das Forschungsgebiet nicht detailliert der Öffentlichkeit vermitteln, doch sollte jeder Wissenschaftler in der Lage sein, einem Laien auf verständliche Weise sein ungefähres Forschungsprojekt und dessen Bedeutung für Forschung und Gesellschaft zu vermitteln. Nur so kann man eine Brücke zwischen diesen Parallelwelten bauen.
Ich finde es außerdem gut, dass viele Zeitungen/Zeitschriften zumindest online eine Wissenschaftsrubrik haben, in der neue, herausragende Erkenntnisse allgemein verständlich dargestellt werden. Das zieht die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit immer wieder auf die Forschung.
... kann ich nicht erkennen. Die Berühmtheit von Sportlern etc. beruht auf deren Medienpräsenz. Dafür sind u.U. noch nicht einmal besondere Leistungen nötig, siehe z.B. Kournikova.
Wissenschaft ist in den Massenmedien tatsächlich zu wenig präsent. Das wäre doch mal ein schönes Betätigungsfeld für den ÖRR - statt überbezahlten Gottschalks ein neues Promi-Format zu stricken, zum Beispiel.
Übrigens staune ich immer wieder, wie gut es gerade Naturwissenschaftlern häufig gelingt, Laien ihr Forschungsgebiet näher zu bringen. Das liegt u.a. daran, dass sie es selten nötig haben, sich mit Fach(idioten)vokabular zu schmücken. Das findet man dann eher bei den Ökonomen.
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