Wissenschaftler im Porträt Warum fühlt sich der Mensch fremd in der Welt?
fragt Rahel Jaeggi
Jener Sommertag, an dem Hegel knallroten Lippenstift trug und rosenumkränzt von seinem Sockel am Berliner Hegelplatz blickte, war der Tag ihrer Antrittsvorlesung. Ein paar Mitarbeiter hatten den steinernen Ahnen derart festlich gestaltet, um seiner Nachfahrin die Ehre zu geben: der Philosophin Rahel Jaeggi, Professorin an der Humboldt-Universität zu Berlin, Schwerpunkt Sozial- und Rechtsphilosophie. Ein Megafon bekam sie an jenem Tag geschenkt, auf dem steht: »Auch starke Stimmen brauchen Verstärkung«.
Ein Jahr später, wieder ein leuchtender Junitag, Rahel Jaeggi, 44, trifft auf die Minute pünktlich morgens um neun am Café unter den S-Bahn-Bögen ein, schließt ihr Fahrrad an, setzt den schwarzen Rucksack ab, zieht die Lederjacke aus, gleich wird sie ihr Seminar halten, schnell noch einen Kaffee. Sie hat heute schon mit Studenten deren Essays zu Habermas durchgesprochen, denn der wird hier in ein paar Tagen zu Gast sein, um mit einer Handvoll ausgewählter Philosophiestudenten ein Kolleg abzuhalten, auf Einladung von Jaeggi, die jetzt noch schnell Essen und Tischordnung im Café Einstein organisiert.
Das erledigt sie nebenbei, als hätte sie nicht eben erst für 1000 Leute den Kongress »Re-Thinking Marx« auf die Beine gestellt, für den zugleich ihr Hauptvortrag zu verfassen war, so wie sie ab jetzt für die internationale Hegel-Konferenz, Thema »Freiheit«, einen der tragenden Vorträge verfasst. Zugleich überarbeitet sie ihre Habilitationsschrift zur Kritik der Lebensformen – »Lässt sich von Lebensformen sagen, ob sie gut, geglückt oder rational sind?«. All das im laufenden Semester. Plus Kind. An diesem Donnerstag wird sie abends erst nach zehn aufs Rad steigen und heim nach Kreuzberg fahren.
44, zog mit 14 Jahren von zu Hause aus und brach die Schule ab, um in die Berliner Hausbesetzerszene zu gehen. Dann holte sie alles nach: Vom Abitur bis zur Habilitation. Heute ist sie Professorin für Philosophie in Berlin.
»Von Professoren wird heute erwartet, dass sie auch Veranstaltungsmanager sind, Weltfremde sind leider kaum noch berufbar«, sagt Jaeggi nüchtern. »So wie für Studenten sich bei allem, was sie tun, die Frage nach der Lebenslaufverwertbarkeit stellt.« Jaeggi wirkt in solchen Blitzanalysen der Wissenskonsumgesellschaft nicht wie deren Dienstleisterin. Im Gegenteil: Sie will in ihren Büchern wie mit ihren Studenten ergründen, woran es liegt, dass die Welt für moderne Menschen so aussieht, dass man sich in ihr nicht heimisch fühlt: weil man erfährt, das eigene Leben nicht autonom steuern zu können, obwohl ein moderner Mensch das doch angeblich kann.
Sie will ergründen, was Freiheit dann heißt, die vielleicht ja ein Prozess der Begegnungen mit Entfremdung ist; und ob es gelingen kann, das Fremde sozusagen wegzuarbeiten, indem man sich die Welt Schritt für Schritt zu eigen macht. Das sind Grundfragen ihrer Doktorarbeit gewesen, die unter dem Titel Entfremdung erschien und Jaeggi weit über ihr Fach hinaus Anerkennung eintrug.
Die Geringschätzung akademischer Arbeit, der Antiintellektualismus, die im Gewese um Guttenbergs Doktorarbeit zum Ausdruck kamen, haben sie geärgert – mehr nicht. Als die Sache aufkam, war sie in New York. Die Amerikaner haben es leichter, meint sie, weil sie früher akademisches Selbstbewusstsein lernen als deutsche Studenten in den Wirrungen der Massenuniversität. Aber die Kollegen drüben waren auch neidisch, wie selbstbewusst schließlich die deutschen Akademiker für den Rücktritt des Ministers gesorgt haben.
Jaeggi scheint der Wirkungsmacht geistiger Arbeit aus Erfahrung zu vertrauen. Sie hat sogar die Kita-Gruppe ihres Sohns in ihre Vorlesung eingeladen, um den Fünfjährigen die Geschichte von Odysseus neu zu erzählen, der zugleich der Protagonist der Dialektik der Aufklärung von Adorno und Horkheimer ist. Da saßen sie dann, haben den einäugigen Riesen Polyphem gemalt und dabei gebannt zugehört, wie der Held sich selbst klugerweise fesselt, um nicht in Gefahr zu kommen.
- Datum 17.07.2011 - 08:15 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin, 14.7.2011 Nr. 29
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worum geht es gleich wieder in dem Artikel? Dass jemand einen Job hat? Dass eine Frau Professor für Philosophie ist? Ein Artikel ohne Inhalt.
Bitte bemühen Sie sich Kritik am Artikel in einer respektvollen Art und Weise zu üben. Danke, die Redaktion/jz
Mit Verlaub, verehrte/r redaktion/jz, hier wird unter dem Rubrum „Philosophie“ die durchaus interessante Frage „Warum fühlt sich der Mensch fremd in der Welt?“ als Titel gebracht. Da darf man wohl erwarten, dass darauf Bezug genommen wird. Statt dessen werden ohne jede Pointe irgendwelche Ereignisse im Leben irgendeiner Frau zum Besten gegeben, die derzeit Philosophie doziert. Du liebe Güte: „Where ist the beef?“
Oder ist es für die ZEIT schon einen ganzen Artikel wert, dass eine FRAU an der Uni Berlin einen Job bekommen hat.
Bitte schön. Aber dann titeln Sie doch künftig entsprechend. Zum Beispiel: „Männerbastion Hegel-Lehrstuhl erstmals von Frau gestürmt.“ Oder dergleichen.
Mit Verlaub, verehrte/r redaktion/jz, hier wird unter dem Rubrum „Philosophie“ die durchaus interessante Frage „Warum fühlt sich der Mensch fremd in der Welt?“ als Titel gebracht. Da darf man wohl erwarten, dass darauf Bezug genommen wird. Statt dessen werden ohne jede Pointe irgendwelche Ereignisse im Leben irgendeiner Frau zum Besten gegeben, die derzeit Philosophie doziert. Du liebe Güte: „Where ist the beef?“
Oder ist es für die ZEIT schon einen ganzen Artikel wert, dass eine FRAU an der Uni Berlin einen Job bekommen hat.
Bitte schön. Aber dann titeln Sie doch künftig entsprechend. Zum Beispiel: „Männerbastion Hegel-Lehrstuhl erstmals von Frau gestürmt.“ Oder dergleichen.
Mit Verlaub, verehrte/r redaktion/jz, hier wird unter dem Rubrum „Philosophie“ die durchaus interessante Frage „Warum fühlt sich der Mensch fremd in der Welt?“ als Titel gebracht. Da darf man wohl erwarten, dass darauf Bezug genommen wird. Statt dessen werden ohne jede Pointe irgendwelche Ereignisse im Leben irgendeiner Frau zum Besten gegeben, die derzeit Philosophie doziert. Du liebe Güte: „Where ist the beef?“
Oder ist es für die ZEIT schon einen ganzen Artikel wert, dass eine FRAU an der Uni Berlin einen Job bekommen hat.
Bitte schön. Aber dann titeln Sie doch künftig entsprechend. Zum Beispiel: „Männerbastion Hegel-Lehrstuhl erstmals von Frau gestürmt.“ Oder dergleichen.
Es gab aber noch etwas anderes, was "mich gegen den Strich bürstete":
"Warum fühlt sich der Mensch fremd in der Welt?"
Tut er das denn überhaupt?
Ich habe zu viele junge Menschen kennengelernt, die sich in dieser Welt heimisch fühlen und sich auf die Zukunft freuen.
Es scheint ein Problem vieler Philosophen zu sein (ein systemisches?), "nicht mitzukommen".
Eine letzte Randnotiz: diese schöne Frau mit den kurzen dunklen Haaren zeigt, dass Schönheit v.a. im Auge des Betrachters (hier: der Betrachterin) liegt. (Charmant ist anders.)
Herzlichst Crest
Es gab aber noch etwas anderes, was "mich gegen den Strich bürstete":
"Warum fühlt sich der Mensch fremd in der Welt?"
Tut er das denn überhaupt?
Ich habe zu viele junge Menschen kennengelernt, die sich in dieser Welt heimisch fühlen und sich auf die Zukunft freuen.
Es scheint ein Problem vieler Philosophen zu sein (ein systemisches?), "nicht mitzukommen".
Eine letzte Randnotiz: diese schöne Frau mit den kurzen dunklen Haaren zeigt, dass Schönheit v.a. im Auge des Betrachters (hier: der Betrachterin) liegt. (Charmant ist anders.)
Herzlichst Crest
Es gab aber noch etwas anderes, was "mich gegen den Strich bürstete":
"Warum fühlt sich der Mensch fremd in der Welt?"
Tut er das denn überhaupt?
Ich habe zu viele junge Menschen kennengelernt, die sich in dieser Welt heimisch fühlen und sich auf die Zukunft freuen.
Es scheint ein Problem vieler Philosophen zu sein (ein systemisches?), "nicht mitzukommen".
Eine letzte Randnotiz: diese schöne Frau mit den kurzen dunklen Haaren zeigt, dass Schönheit v.a. im Auge des Betrachters (hier: der Betrachterin) liegt. (Charmant ist anders.)
Herzlichst Crest
Unfassbar! Die Humboldt-Uni hatte Frau Jaeggi "nur die Standardausstattung" bei der Berufung angeboten. Schlimm!
Jedoch, so schlimm kann es wohl nicht gewesen sein, sonstt hätte sie sich wohl was besseres gesucht. Wenn es denn bessere Angebote gegeben hätte.
Insgesamt sechsmal Hofberichterstattung über deutsche Forscher. Beleuchtung WAS sie tun und WARUM das wichtig ist - Fehlanzeige. Aber Wissenschaftler sollten defiitiv auch Promistatus haben. Schliesslich gehen den Talkshows langsam die Gäste aus
Ich erhalte mal wieder - obwohl ich DIE ZEIT seit jahren nicht mehr kaufe - ein Printexemplar eingeschwei0t in Kunststoff. Blättere durch und lande schließlich im Magazin - bei Frau Jaeggi.
Erster Gedanke - da gab/gibt es doch Urs Jaeggi, ein Zusammenhang? Ja, Rahel Jaeggi ist die Tochter!!
Weiter im Netz finde ich ein wunderbares Gespräch in "Text und Kunst":
http://www.textezurkunst....
Und was Frau Jaeggi dort beiträgt ist einfach traumhaft:
Ich schaue weiter im Netz und finde was über Entfremdung, Lebensformen etc.!!
Ich kann nicht anders, liebe ZEIT, ich muss Euch einfach danken!!
und suche und suche, den Sinn, die Sinnhaftigkeit, eine Verbindung zwischen Titel und Inhalt. Nach dem Lesen fühle auch ich mich fremd. Fremd zu dir, entfremdet von dir liebe Zeit.
Insofern, wirft die Sinnlosigkeit einen langen schatten der zum Sinn wird, da Titel gleichzeitig Auslöser der in ihm umschriebenen Fremde ist.
Wahrlich große philosophische Arbeit!
Frau Prof.Dr. Jaeggi möchte philosophisch ergründen, was Freiheit heißt. Universitäre Theorie und soziale Praxis sind oft zweierlei. Bei dem von ihr organisierten Kongreß "Re-Thinking Marx" kam die Polizei. Flugblattverteiler wurden angezeigt wegen "Hausfriedensbruch".
Mehr zu diesem Vorfall habe ich hier gefunden:
http://spkpfh.de/Marx_im_...
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