Sofitel in WienBarock siehe unten

Das Sofitel Stephansdom überragt Wien mit formklarer Eleganz

Blick aus dem Restaurant im Dachgeschoss des Wiener Sofitel-Hotels

Blick aus dem Restaurant im Dachgeschoss des Wiener Sofitel-Hotels

Ach, so beginnt der Tag wunderbar. Man rekelt sich in feinster weißer Bettwäsche, ägyptische Baumwolle wahrscheinlich, und schaut aus dem 13. Stock des Sofitel Stephansdom hinunter auf die Stadt. Auf den Dom und auf die Donau. Wie Ameisen kriechen die Autos am Ufer entlang. Golden leuchtet Wien in der frühen Morgensonne. Man ist glücklich. Steht auf, läuft schlaftrunken ins Bad, das vom Zimmer durch nichts getrennt wird, nimmt eine Dusche, läuft zurück ins Zimmer – und traut seinen Augen nicht. Stehen da etwa zwei junge Männer unmittelbar vor einem? Ja! Besser gesagt steht man nackt vor zwei jungen Männern und ist erschrocken. Die beiden hängen in einer Gondel vor der Fassade und reinigen die Fenster, wohl um noch besser reinsehen zu können. Leider hat das Hotel es versäumt, am Vorabend auf den ungewöhnlichen Besuch hinzuweisen.

Dabei gab es am Service bisher gar nichts zu mäkeln. Das Ankommen zum Beispiel wäre gestern nur halb so angenehm gewesen, wenn der Angestellte einen nicht im richtigen Moment abgefangen hätte. Es war der Moment, als man verloren und auch ein wenig verdutzt in der Lobby stand, weil man dachte, sich in die Empfangshalle eines Versicherungskonzerns verlaufen zu haben. Anthrazit glänzen die Oberflächen, kein Teppich, kein Sessel, nichts. Nur ein großer dunkler Marmorblock, hinten links: die Rezeption, eher ein Sarkophag. Aber das gehört wohl zum Konzept des französischen Architekten Jean Nouvel. Er hat den 18-stöckigen Glasturm im zweiten Bezirk von Wien entworfen. Und den Hotelbetreibern untersagt, frische Blumen in der Empfangshalle aufzustellen – sie könnten ja sein Werk profanieren.

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Mit jedem Stockwerk, das man sich gen Himmel bewegt, gewinnt das Haus jedoch an Stil. Wer nach einem langen Tag im barocken Wien in eines der 182 Gästezimmer zurückkommt, weiß die schlichte Eleganz mit klaren Linien und ohne Schnickschnack zu schätzen. Es gibt Zimmer komplett in Schwarz, sie sind nach Westen ausgerichtet; klar und einladend erscheinen die weißen Gästeräume, sie zeigen in Richtung Norden. Das eigene Zimmer ist eines der grauen, die zur Südseite liegen. Decke, Boden, Wände und Möbel – alles grau. Im eigenen Loungebereich macht man es sich gemütlich und entdeckt auf dem Tisch eine Broschüre mit den Angeboten des Spa. Gute Idee: jetzt eine Massage!

Nie wieder falsch liegen: Um weitere Hoteltests zu lesen, klicken Sie bitte auf dieses Bild.

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Könnte ich für 17.30 Uhr noch einen Termin bekommen? Geht klar, sagt die Dame am anderen Ende der Leitung, und man fährt runter in den fünften Stock. Es ist ein futuristisches Spa. Im Atrium stehen weiße Liegen, sie lassen die darauf ruhenden Gäste wie Teile eines Kunstwerkes erscheinen. 15 Minuten sind es bis zum Termin, jetzt noch mal schnell ins Hamam. Man geistert durch leere, dunkel geflieste Flure, läuft um ein paar Ecken und entdeckt, eher zufällig, die gläserne Eingangstür gegenüber einem Whirlpool. O weia, die Fliesen sind so heiß, dass man ohne Unterlage für immer gebrandmarkt wäre.

Da sitzt man also und versucht, den Gedanken zu verdrängen, dass diesen winzigen Schwitzkasten jemand von außen absperren könnte. Stattdessen aber öffnet sich die Tür. Eine Frau tritt ein, reißt die Augen panisch auf und beginnt zu schreien. Es stellt sich heraus, dass man im Frauen-Hamam gelandet ist. Bloß: Wo steht das? Herr Nouvel legt offensichtlich nicht viel Wert auf Beschilderung. »Sie sind nicht der Erste, der sich verirrt hat«, beruhigt später Ramin Gholami. Herr Gholami, ein kräftiger Mann und ausgebildeter Physiotherapeut, beherrscht die Entspannungsmassage so perfekt, dass man unter seinen Händen für Momente einschlummert.

Maximal entspannt fährt man später mit dem Aufzug in den 18. Stock und damit direkt ins Restaurant Le Loft. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes der Höhepunkt des Hotels. Eine Art gläserner Adlerhorst. Hinter der riesigen Panoramascheibe liegt einem Wien zu Füßen. Der Raum ist schlicht gestaltet. Vor weiß gedeckten Tischen stehen drehbare Fauteuils, und über allem strahlt ein Deckengemälde der Schweizer Künstlerin Pipilotti Rist, mit LED-Strahlern von innen beleuchtet. Es zeigt Szenen aus der Natur: herbstliche Blätter, Zweige, Himmelblau – und erweckt durch die Spiegelung in der Glasscheibe den Eindruck, als setzte es sich über dem Wiener Nachthimmel fort. Die Mannschaft des elsässischen Drei-Sterne-Kochs Antoine Westermann sorgt dann noch für einen richtig schönen Abend. Gebratenen Milchlammrücken gibt es, er wird mit Gemüse und einem Kartoffel-Fenchel-Auflauf serviert. Und so viel guten Bordeaux, dass man am nächsten Morgen beim Frühstück für einen Moment zweifelt, ob das, was man da sieht, wirklich stimmt. Die jungen Männer von gestern hängen vor der Scheibe des Restaurants. Diesmal hebt man einfach die Zeitung.

 
Leserkommentare
    • chamsi
    • 31.07.2011 um 18:49 Uhr

    "Eine Frau tritt ein, reißt die Augen panisch auf und beginnt zu schreien."
    Der elsäsische Koch und der gute Bordeaux.....
    man ist halt in einem Haus der französischen Kette
    Accor....

    Eine Leserempfehlung
    • dojon
    • 01.08.2011 um 10:38 Uhr

    Ich frage mich immer, was von der Schönheit einer Stadt übrigbleibt, wenn nur mehr megalomane gesichtslose Glaskästen herumstehen. Der Besucher des Sofitel Stefansdom wäre sicher nicht bereit, einen ebenso überteuerten Preis zu zahlen, wenn sein Gegenüber nur ein ebensolcher geichtslose Glaskasten wäre.

    2 Leserempfehlungen
    • Edain
    • 01.08.2011 um 12:42 Uhr

    aber in dem konkreten Fall mE eher nicht angebracht. Kennen Sie Wien bzw die Gegend, in der das Hotel gebaut wurde?

    Der Donaukanal - zwar Bezirksgrenze zum wundervollen 1. Bezirk - war 1945 eine Hauptkampflinie bei der Rückeroberung Wiens durch die Russen und dadurch wurden dort bis auf eine Handvoll praktisch alle historischen Gebäude gänzlich zerstört. Heute erstrecken sich hier - vielleicht 500 m vom Stephansdom und den Prachtstraßen entfernt - hauptsächlich schnell aufgezogene Neubauten aus den 50ern bis 70ern, gesichtslose braune Blöcke (http://diepresse.com/imag...).

    Hier schöne, moderne Architektur zu setzen, als Kontrast (da ja wirklich auf der anderen Uferseite) zur Wiener Innenstadt ist mE die einzige Chance aus der gegebenen Situation hier etwas herauszuholen. Man kann über die Schlichtheit des Nouvel-Baus streiten - mir gefällt er an dieser Stelle: Und nachts ist er ein definitiver Blickfang:
    http://www.tui.com/pics/b...

  1. können wohl nur Leute die noch nie "richtig" gearbeitet haben. Das muss so eine Art romantischer Sehnsucht nach Fabrikhalle sein.

    Da wir ja hier alle fleißig Werbung mache, empfehle ich das Hotel Stefanie. Das ist ersten voll Wien und auch prima für Sissi Fans. Die Gutste pflegte da ab und zu abzusteigen. Der Mochito in der Bar kommt auch gut und man ist mit der Droschke in Null, Komma nix´s bei der Hofburg.

  2. ... so ein kritikloser "Ich will aber auf der Einladungsliste bleiben"-Reisejournalisten-Artikel, für den sich die Zeit – ob on- oder offline – eigentlich zu schade sein sollte. Was muß man in Wien Bordeaux trinken? Wo das Weinviertel, das Burgenland und die Wachau ums Eck liegen. Bitte, so a Schmäh ...

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    Redaktion

    in der Wachau.
    Sie bleiben doch bitte noch eine Weile dort?
    mfg

    wirklich unrecht, wenn Sie in ihm bloß einen besseren Werbetexter sehen. Lesen Sie z. B. mal das:
    http://www.zeit.de/2010/4...
    Und, ach ja, Boadeaux schmeckt nun mal einfach wesentlich besser. Liebe Grüße in die Wachau

    Redaktion

    in der Wachau.
    Sie bleiben doch bitte noch eine Weile dort?
    mfg

    wirklich unrecht, wenn Sie in ihm bloß einen besseren Werbetexter sehen. Lesen Sie z. B. mal das:
    http://www.zeit.de/2010/4...
    Und, ach ja, Boadeaux schmeckt nun mal einfach wesentlich besser. Liebe Grüße in die Wachau

  3. Redaktion

    in der Wachau.
    Sie bleiben doch bitte noch eine Weile dort?
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    ... der Dichter uns damit sagen?

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    Antwort auf "Viel Spaß...."
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    Entfernt. Bei Kritik und Anmerkungen zu Moderationsentscheidungen können Sie sich gerne an community@zeit.de wenden. Der Kommentarbereich ist der Diskussion des Artikelthemas vorbehalten. Danke, die Redaktion/jz

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  5. ... der Dichter uns damit sagen?

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