Vor drei Jahren, während des russisch-ukrainischen Gaskonflikts, machte man sich in Deutschland noch Sorgen um die Dominanz Russlands als Gasversorger Europas. Gasprom, der Konzern, an dem der russische Staat 51 Prozent der Anteile hält , galt damals in Teilen der deutschen Politik und Wirtschaft als Kreml-gelenkt, Putin-treu und darauf aus, den Kontinent mit Pipelines und Firmenbeteiligungen in die Zange zu nehmen.

An den Fakten hat sich seither nichts geändert, die Abhängigkeit der Europäer von russischem Gas ist eher noch gewachsen. Neu ist allerdings der Gleichmut, mit dem die Avancen Gasproms betrachtet werden, in Deutschland stärker Fuß zu fassen. Vergangene Woche traf Gasprom-Chef Alexej Miller die Spitzen von E.on und RWE nacheinander zum Tête-à-Tête. Vor allem im Gespräch mit RWE soll es dabei um eine enge Kooperation und eine substanzielle Beteiligung an dem deutschen Energiekonzern gegangen sein.

Grundsätzlich ist nichts gegen ein stärkeres Engagement eines russischen Unternehmens auf dem deutschen Markt zu sagen. Umgekehrt suchen E.on und RWE infolge der schwarz-gelben Energiewende nach neuen Geschäftsmodellen jenseits der Atomkraft und benötigen frisches Kapital. Vorausgesetzt, das Kartellamt würde zustimmen, könnte der weltgrößte Gasexporteur hier leicht helfen.

Aber: Die Deutschen würden im Falle von RWE einen möglicherweise hohen Preis zahlen: Gasprom würde sich wohl nur beteiligen, wenn die Deutschen ihr Engagement bei der Nabucco-Pipeline aufgeben. Die soll zukünftig Gas aus der kaspischen Region – und an Russland vorbei – nach Europa transportieren. Nabucco planen die Europäer eben deshalb, weil sie sich aus der Umklammerung durch Gasprom befreien wollen. Ohne RWE wäre das ohnehin schon sieche Nabucco-Projekt wohl tot.

Dass die Deutschen als Folge des Atomausstiegs in eine größere Abhängigkeit von russischem Gas geraten: Ob die schwarz-gelbe Regierung das bei ihrer Energiewende bedacht hat?