Das Google-Logo am Hauptquartier in Mountain View, Californien. ©Kimihiro Hoshino/AFP/Getty Images

Der Suchmaschinenkonzern Google rüstet sich für die Debatten um die Regulierung des Internets. Er tut das subtil und elegant und finanziert nun ein wissenschaftliches Institut zur Erforschung von »Internet und Gesellschaft« in Berlin . Damit hier kein Missverständnis aufkommt: Das Institut ist unabhängig, füllt in Deutschland eine klaffende Lücke und kann der deutschen Internetpolitik sehr nützlich werden. Es ist eine Schande, dass keine Universität solch eine Einrichtung aus öffentlichen Mitteln finanziert. An dieser Stelle kann man Google nur danken.

Zugleich aber hofft der Konzern natürlich, dass dadurch das Verständnis für seine unternehmerischen Belange wächst. Dass Gesprächspartner in Politik und Gesellschaft künftig auf höherem Niveau diskutieren können – und Google dabei gut wegkommt.

Aus dem gleichen Grund finanziert Google einen Thinktank namens Col:laboratory und bindet hier führende Köpfe der deutschen Internet- und Wissenschaftsszene ein. Zu wesentlichen Themen (Urheberrecht, der Staat im Netz) geben sie Bücher heraus und verteilen sie an alle, die sich in der Hauptstadt dafür interessieren. Google vergibt inzwischen auch einen Förderpreis für innovativen Journalismus in Höhe von 2,7 Millionen Dollar und richtet eine Konferenz für bekehrte Gewalttäter aus. Das alles ist ehrenhaft – aber zugleich interessengeleitet.

Man darf nicht naiv sein. Google ergänzt sein gesellschaftliches Engagement durch hartes Lobbyhandwerk. In Washington sucht der Konzern zwölf (!) neue Lobbyagenturen. In Brüssel und Berlin hat er die Mannschaft verstärkt, weil in den kommenden Monaten Entscheidungen über die Regulierung des Internets anstehen. Brüssel legt vor. Washington legt nach. Google wehrt sich mit allen lauteren Mitteln.

Daran sollten sich deutsche Ministerien ein Beispiel nehmen. Sie sollten aufstocken, aufrüsten, sprachfähig werden. Sonst entstehen globale Regeln, ohne dass die Deutschen etwas Substanzielles beitragen.