Geschichte Frankreichs Die ganze Welt wird Republik
Militärische Interventionen im Namen der Menschen- und Bürgerrechte? Kriege für die Freiheit? Schon lange vor der Libyen-Resolution der UN wurde über diese Frage gestritten: Ende des 18. Jahrhunderts, im Paris der Revolution.

Das Marseillaise-Relief des Pariser Arc de Triomphe erinnert an die Kriege während der Revolution in Frankreich
Die Nato greift ein. Mit Luftschlägen kommt sie den Rebellen in Libyen zu Hilfe, die sich gegen den Militärdiktator Gadhafi erhoben haben. Es geht um den Schutz von Zivilisten. Ebenso aber geht es um die Menschenrechte und die »legitimen Forderungen des libyschen Volkes« – um Demokratie. Gedeckt von einem UN-Mandat, wollen Länder wie Frankreich und Großbritannien sie mit militärischen Mitteln in einem fremden Staat durchsetzen.
Der Libyen-Einsatz stellt nur das jüngste Beispiel einer neuen Rechtsentwicklung dar. Staatliche Souveränität gilt nicht mehr als sakrosanktes Prinzip zur Abwehr jeglicher Einmischung in innere Angelegenheiten. Bei schweren Verletzungen der Menschenrechte kann der Weltsicherheitsrat einen oder mehrere Staaten ermächtigen, militärisch zu intervenieren. So geschah es auch in diesem Falle mit der UN-Resolution 1973.
Herbeigeführt wurde sie durch die Initiative Frankreichs. Der Wunsch von Präsident Nicolas Sarkozy, die Schmach der französischen Diplomatie nach ihrem Desaster in Tunesien zu tilgen, mag unterstützend hinzugetreten sein. Auch kam es ihm sicherlich nicht ungelegen, in Zeiten desaströser Umfragewerte in der eigenen Bevölkerung als erfolgreicher Feldherr wiederaufzuerstehen, zumal im nächsten Jahr Präsidentschaftswahlen sind.
Diese Erklärung allein greift jedoch zu kurz. Sie unterschätzt die symbolische Macht, die sich in der politischen Kultur der Französischen Republik mit der Vorstellung von Demokratie und Menschenrechten verbindet. Es war die Revolution von 1789, in der sich die Sprengkraft der politischen Aufklärung mit allen Konsequenzen entfaltete. Damals wurde in Europa erstmals die Frage gestellt, ob und wie ein Staat Demokratie und Menschenrechte mit militärischer Macht in einem anderen Staat durchsetzen kann.
Robespierre verspottet alle »Nation-Building«-Visionen
Die Aufklärung hatte den Menschen als Bürger und den Bürger als Menschen deklariert. Seine Freiheitsrechte waren jetzt nicht mehr, wie noch in den Republiken früherer Zeiten, an einen Ort oder Stand oder eine bestimmte Ordnung gebunden, sondern angeboren, unveräußerlich und universal. Damit aber nahmen auch die traditionellen patriotischen Tugenden – allen voran die Verpflichtung, für die Freiheit zu streiten – einen ganz neuen Charakter an. Denn der kosmopolitisch entgrenzte Republikanismus verpflichtete die Bürger nun gleichermaßen auf zwei Gemeinschaften: die Nation und die Menschheit.
Die Frage einer Intervention stellte sich bereits im August 1790. Die konstituierende Nationalversammlung in Paris war noch mit der Arbeit an der ersten Verfassung beschäftigt, als die Abgeordneten ein Hilferuf der Revolutionäre aus der wallonischen Bischofsstadt Lüttich ereilte, die wie das ganze Fürstbistum bislang zum alten deutschen Reich gehörte. Fast zeitgleich mit dem Bastillesturm hatten die Bürger dort 1789 den Bischof verjagt und eine Republik gegründet. Nachdem das Reichskammergericht in Wetzlar jedoch die – notfalls auch gewaltsame – Wiederherstellung der Ordnung bestimmt hatte, sah sich die Lütticher Republik in ihrer Existenz bedroht. Reichstruppen waren bereits in Bewegung gesetzt.
Am 18. September 1790 appellierte die Lütticher Gesandtschaft in der Pariser Nationalversammlung an die universalen Prinzipien der Französischen Revolution: »Franzosen, duldet ihr, wenn ein befreundetes Volk geopfert wird? Das Volk von Lüttich wird verfolgt: Man will es versklaven.« Für Frankreich stellte sich jetzt ganz konkret die Frage: Kann, darf, ja muss sogar eine Intervention im Namen der Freiheit, der Menschenrechte und der Demokratie geführt werden?
- Datum 15.07.2011 - 10:06 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 14.7.2011 Nr. 29
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Was wurde aus den Prinzipien der Franz. Revolution? Geopfert für die Interessen der Bankster und der Konzerne. Quelle honte.
Die franz. Revolution war die Chance für den Rassisten Napoleon!
Er hat die Sklaverei wiedereingeführt u. 100.000 Schwarze in Schiffsräumen vergasen lassen.
http://www.cicero.de/weltbühne/napoleons-dunkles-geheimnis/37256
Er war ihr Feldherr. Er war ihr Kaiser. Er ist bis heute die Ikone französischer Weltmacht. Dass Napoleon Bonaparte ein überzeugter Rassist war, der schwarze Franzosen vergasen ließ, rüttelt an den Grundfesten der Grande Nation.
Napoleon als Hitlers Wegbereiter
http://www.dradio.de/dlf/...
Manchmal muss man Ungerechtigkeit begehen, um langfristige Gerechtigkeit zu erhalten.
Ich sehe das wie eine Investition.
Man muss erst etwas opfern, um eine größere Ausbeute zu erhalten.
Die franz. Revolution war grausam aber vergleichsweise kurz.
Von den Errungenschaften profitieren wir aber noch heute.
"profitieren" ist genau das richtige wort. mit der aufklaerung siegte im westlichen denken das individuum ueber das kollektiv. die steigerungsform von individualismus ist egoismus, und das ist genau der krebs, an dem die welt derzeit zugrunde geht. die errungenschaften der aufklaerung sind zugleich hoehepunkt der menschheitsentwicklung wie auch ihr wendepunkt zum niedergang.
"profitieren" ist genau das richtige wort. mit der aufklaerung siegte im westlichen denken das individuum ueber das kollektiv. die steigerungsform von individualismus ist egoismus, und das ist genau der krebs, an dem die welt derzeit zugrunde geht. die errungenschaften der aufklaerung sind zugleich hoehepunkt der menschheitsentwicklung wie auch ihr wendepunkt zum niedergang.
Wenn man das blutsäuferische, enthemmte Pathos der Girondisten liest, fühlt man sich an die Weltrevolutionsfantasien der Kommunistischen Internationale unter Lenin(Uljanow)/Trotzki(Bronstein)/Stalin(Dschugaschwili) erinnert. Generell erscheint der traditionsfeindliche Zerstörungsdrang und die terrorentfaltung der russischen Oktoberrevolutionäre maßgeblich vom Vorbild der massenmörderischen Französischen Revolution inspiriert zu sein.
Aber auch die "Freiheitsexporteure" der Neocons wie Bush, Cheney, Perle, Wolfowitz - nicht zu vergessen der umtriebige Herr Levy in Frankreich - haben mehr mit den Gewalt- und Chaosfantasien der alten Franzosen gemein, als ihnen lieb sein kann.
Jedenfalls führte der gewaltsame Revolutionsexport damals zu 20 Jahren Dauerkrieg, der Europa von Lissabon bis Moskau in Brand steckte und gemessen an der damaligen Bevölkerung genau so viele Opfer forderte wie der Erste Weltkrieg.
Gut gemeint ist bekanntlich das Gegenteil von gut.
Frankreich hatte, als es endlich geschlagen war, nur riesiges Glück mit seinen Besiegern. Die Diplomaten der geschmähten feudalen ancien regimes haben in Wien einen sehr klugen Kompromissfrieden geschlossen, welcher den Aggressor Frankreich fair reintegrierte und dem Kontinent im Kern 40 Jahre Frieden sicherte.
Zu so einer Leistung waren die demokratischen Sieger 100 Jahre später in Versailles nicht mehr fähig, weil Ideologie, Rache und Freiheitsgedöns den Realitätssinn vernebelten.
Fazit:
Pathos schadet dem Denkvermögen.
Wir werfen (einigen!) Islamisten vor, die Welt mit Feuer
und Schwert missionieren zu wollen, aber genau das ist
Teil der Politik einiger Laender, genau wie in der Vergangenheit die "Befreiung der Arbeiterklasse von der
Knechtschaft der Kapitalisten".
Sehr geehrter Herr "colca",
Ich denke Sie müssten bei diesem Thema eine etwas historischere Position einnehmen. Es grenzt an starker Ungenauigkeit die Akteure der Französischen und Russischen Revolution gar mit der Regierung Bush in einem solchen Sinne zu vergleichen.
Dazu:
1. Entsprang der französische Terror nicht der Gironde, sondern den Jakobinern.
2. Sollte man geschichtliche Figuren und Handlungen immer im so oft beschworenen "Zeitgeist" bewerten, um neben bodenloser Subjektivität ein wenig objektive Kriterien zu verwenden.
3. Ist es schlicht falsch, Lenin mit Stalin gleichzusetzen. In Lenins politischem Testament wurde Stalin 1924 für die Parteiführung als "zu grob" charakterisiert, und damit ausgeschlossen. Daraus ergibt sich also definitiv keine Interessengleichheit dieser Personen.
4. Ergeht aus den Aufzeichnungen der von Ihnen angesprochenen Persönlichkeiten der Franz./ Russ. Rev. (außer Stalin), dass sich diese wirklich für die Menschen einsetzen wollten. Somit war selbst für Robespierre das gemeinsame und friedliche Miteinander der Menschen nach Rousseaus Gesellschaftsvertrag stehts das Ziel seiner Taten. Anders jedoch Bush, welcher ja allgemein bekannt als eher politisch rechts eingestuft werden kann, religiöse Motive verinnerlicht und die Sicherheit der USA (vielleicht auch Ressourcensicherung?-> jedoch nur Vermutung) voranstellt.
(Z. B. schnell nachschlagbar bei wiki: http://de.wikipedia.org/w..., Absatz: Begründung des Terrors)
Wir werfen (einigen!) Islamisten vor, die Welt mit Feuer
und Schwert missionieren zu wollen, aber genau das ist
Teil der Politik einiger Laender, genau wie in der Vergangenheit die "Befreiung der Arbeiterklasse von der
Knechtschaft der Kapitalisten".
Sehr geehrter Herr "colca",
Ich denke Sie müssten bei diesem Thema eine etwas historischere Position einnehmen. Es grenzt an starker Ungenauigkeit die Akteure der Französischen und Russischen Revolution gar mit der Regierung Bush in einem solchen Sinne zu vergleichen.
Dazu:
1. Entsprang der französische Terror nicht der Gironde, sondern den Jakobinern.
2. Sollte man geschichtliche Figuren und Handlungen immer im so oft beschworenen "Zeitgeist" bewerten, um neben bodenloser Subjektivität ein wenig objektive Kriterien zu verwenden.
3. Ist es schlicht falsch, Lenin mit Stalin gleichzusetzen. In Lenins politischem Testament wurde Stalin 1924 für die Parteiführung als "zu grob" charakterisiert, und damit ausgeschlossen. Daraus ergibt sich also definitiv keine Interessengleichheit dieser Personen.
4. Ergeht aus den Aufzeichnungen der von Ihnen angesprochenen Persönlichkeiten der Franz./ Russ. Rev. (außer Stalin), dass sich diese wirklich für die Menschen einsetzen wollten. Somit war selbst für Robespierre das gemeinsame und friedliche Miteinander der Menschen nach Rousseaus Gesellschaftsvertrag stehts das Ziel seiner Taten. Anders jedoch Bush, welcher ja allgemein bekannt als eher politisch rechts eingestuft werden kann, religiöse Motive verinnerlicht und die Sicherheit der USA (vielleicht auch Ressourcensicherung?-> jedoch nur Vermutung) voranstellt.
(Z. B. schnell nachschlagbar bei wiki: http://de.wikipedia.org/w..., Absatz: Begründung des Terrors)
Es gibt auch friedliche Methoden die Demokratisierung zu befördern. Z.B. muss man keine Waffen an undemokratische Staaten exportieren, kann Solidarität mit Demonstranten zeigen, kann ein besseres Vorbild sein, kann die westliche Dominanz beenden und die Global Governance Demokratisieren bevor man dies von den despotisch regierten Nationalstaaten verlangt, kann die Mittelschichten stärken indem man nicht bloß Rohstoffe sondern auch Halbwaren importiert, etc.
Den größten Widerstand gegen eine Weltrepublik stellen sowieso nicht die Despoten in den undemokratischen Staaten dar, sondern die Diplomaten und (heimlichen) Nationalisten in den reichen Demokratien. Solange internationale Institutionen undemokratisch sind, solange wird es die Demokratisierung auch auf nationaler Ebene schwer haben.
Sollte Gewalt angewendet werden, so ist zu beachten: jede Intervention ist anders und muss entsprechend differenziert bewertet werden - handelt es sich tatsächlich um die R2P, ein Urteil des IStGH, etc.
Was für ein kluger und schöner Text wieder mal in Der Zeit! Danke an den Autoren und die Redaktion!
Und: Ach ja, die Große Revolution und ihre Lehren!
Die heutigen Girondisten sind bei den Grünen, der ehemaligen Friedenspartei. Alles wiederholt sich eben - irgendwie.
"profitieren" ist genau das richtige wort. mit der aufklaerung siegte im westlichen denken das individuum ueber das kollektiv. die steigerungsform von individualismus ist egoismus, und das ist genau der krebs, an dem die welt derzeit zugrunde geht. die errungenschaften der aufklaerung sind zugleich hoehepunkt der menschheitsentwicklung wie auch ihr wendepunkt zum niedergang.
"Mit Luftschlägen kommt sie den Rebellen in Libyen zu Hilfe, die sich gegen den Militärdiktator Gadhafi erhoben haben. Es geht um den Schutz von Zivilisten."
La Resistance hat sich damals sicherlich auch nicht mehr als Zivilisten gesehen.
Sobald man eine Waffe aufnimmt, um gegen seine wahrgenommenen Unterdrücker zu kämpfen, ist man nicht länger Zivilist.
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