Stimmt's / Stimmt's? : Stirbt man, wenn Luft in die Adern gespritzt wird?

Eine Kolumne von
…fragt Jürgen Sander aus Braunschweig.

Wenn im Fernsehen ein Arzt eine Spritze verabreicht, dann geht die Kamera gern nahe ran und zeigt, wie der Mediziner die Spritze "entlüftet" und eine kleine Fontäne herausspritzt. In Krimis wird das Spritzen von Luft gern als Tötungsmethode verwendet. Schon die kleinste Menge Luft im Blutkreislauf, das suggerieren diese Szenen, ist für den Patienten beziehungsweise das Opfer tödlich.

Luft hat in den Adern tatsächlich nichts zu suchen. Es besteht die Gefahr einer Embolie: Enthält eine Vene Luft, dann wandern die Bläschen in Richtung Herz und Lunge.

Und ähnlich wie Luftbläschen in der Kraftstoffanlage eines Autos den Benzinfluss zum Erliegen bringen können, so kann die aufgestaute Luft auch hier den Kreislauf stoppen. Luft in einer Arterie kann Organe von der Sauerstoffversorgung abschneiden und beispielsweise zu einem Schlaganfall führen.

Für weitere Artikel zur Serie "Stimmt's?" klicken Sie auf dieses Bild © Jeff J. Mitchell/Getty Images

Die Frage ist nur: Wie viel Luft braucht man dafür? Das lässt sich nicht allgemein beantworten, es kommt darauf an, wie die Bläschen durch die Adern wandern. Kleine Luftbläschen kann der Körper aber resorbieren. Generell geht man davon aus, dass mindestens zehn Kubikzentimeter für eine tödliche Wirkung nötig sind. Wikipedia gibt (ohne Quelle) 0,4 Milliliter pro Kilo Körpergewicht pro Minute an – das wären bei einem 75-Kilo-Mann 30 Milliliter.

Das kleine Bläschen in der Spritze ist also nicht lebensgefährlich, und um einen Menschen mit einer Luftinjektion zu töten, müsste man eine ziemlich große Spritze benutzen.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg, oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

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Kommentare

20 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Sie können ja keine "Normale Spritze" definieren

Aber im Text steht ja "das wären bei einem 75-Kilo-Mann 30 Milliliter."
1 Milliliter ist 1cm³. Also wäre eine 30cm³-Spritze tödlich.
Ist somit die Spritze ca. 10cm lang, bräuchte sie 3cm² Grundfläche, was nach G=pi*r² einem Radius von ca. 1cm entspricht.

Zusammengefasst: Eine 2cm (Durchmesser) breite, 10cm lange Spritze voller Luft wäre tödlich.

Wissen das die Welt nicht braucht.

[Ironie]

Dank dieser Information weiß ich endlich warum die vielen Leute denen ich schon Luft in dei Venen gespritzt habe immernoch rumlaufen. Das Nächste mal werde ich es richtig machen.

[/Ironie]

@Calavara: Es gibt Spritzen in verschiedenen Größen. Demnach wäre eine 'volle' 30ml Spritze tödlich, eine 5ml hingegen nicht.

Quelle Wikipedia???

Ach Leute, wenn als Quelle Wikipedia genannt ist und dort auch keine Quellen für die 0,4 ml/kg angegeben werden können, dann sind diese Überlegungen doch müßig.

Jeder weiß, weshalb in wissenschaftlichen Arbeiten nicht aus Wikipedia zitiert werden darf: Jeder kann dort Angaben zu einem Thema machen, wie es ihr/ihm beliebt.

Schade, dass immer noch so viele auf die Aussagen bei Wikipedia vertrauen......

Daher...

nennt sich die Wikipedia ja auch "Enzyklopädie" und nicht "Fachbuch".

Aber das scheinen wohl einige noch nicht verstanden zu haben. Wie bereits weiter oben beschrieben: Im Rahmen eines solchen Artikels wie dem obigen ist die Wikipedia als Quelle meiner Ansicht nach vollkommen in Ordnung. Eine Enzyklopädie ist ohnehin in Wissenschaftlichen Arbeiten nicht zitierfähig, das gilt auch für Brockhaus & co.

Ich verstehe nicht, warum so viele Leute auf der Wikipedia herumhacken. Als Einstieg in ein Thema ist die doch wunderbar, und gerade die naturwissenschaftlichen Artikel sind von erstaunlich hoher Qualität und Tiefe (für eine Enzyklopädie).

Und wie auch bereits weiter oben geschrieben: Die Zeit ist keine wissenschaftliche Fachpublikation, sondern eine Wochenzeitung. In diesem Kontext sind auch populärwissenschaftliche Artikel wie dieser zu betrachten.