Wenn im Fernsehen ein Arzt eine Spritze verabreicht, dann geht die Kamera gern nahe ran und zeigt, wie der Mediziner die Spritze "entlüftet" und eine kleine Fontäne herausspritzt. In Krimis wird das Spritzen von Luft gern als Tötungsmethode verwendet. Schon die kleinste Menge Luft im Blutkreislauf, das suggerieren diese Szenen, ist für den Patienten beziehungsweise das Opfer tödlich.

Luft hat in den Adern tatsächlich nichts zu suchen. Es besteht die Gefahr einer Embolie: Enthält eine Vene Luft, dann wandern die Bläschen in Richtung Herz und Lunge.

Und ähnlich wie Luftbläschen in der Kraftstoffanlage eines Autos den Benzinfluss zum Erliegen bringen können, so kann die aufgestaute Luft auch hier den Kreislauf stoppen. Luft in einer Arterie kann Organe von der Sauerstoffversorgung abschneiden und beispielsweise zu einem Schlaganfall führen.

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Die Frage ist nur: Wie viel Luft braucht man dafür? Das lässt sich nicht allgemein beantworten, es kommt darauf an, wie die Bläschen durch die Adern wandern. Kleine Luftbläschen kann der Körper aber resorbieren. Generell geht man davon aus, dass mindestens zehn Kubikzentimeter für eine tödliche Wirkung nötig sind. Wikipedia gibt (ohne Quelle) 0,4 Milliliter pro Kilo Körpergewicht pro Minute an – das wären bei einem 75-Kilo-Mann 30 Milliliter.

Das kleine Bläschen in der Spritze ist also nicht lebensgefährlich, und um einen Menschen mit einer Luftinjektion zu töten, müsste man eine ziemlich große Spritze benutzen.

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