Musikerin Heather Nova "Das Gefühl, nur von Wasser umgeben zu sein, ist unbeschreiblich"

Die eigene Insel war ihr Traum. Nun lebt die Popmusikerin mit ihrer Familie auf einem kleinen Eiland in den Bermudas und genießt die Abgeschiedenheit.

Meine Eltern haben mir vorgelebt, dass man seine Träume wahr werden lassen kann, wenn einen alle anderen für verrückt halten. Eines Tages beschlossen sie, dass sie zusammen mit ihren Kindern die Welt sehen wollten. Mein Vater, der auf den Bermudas aufgewachsen war, gab seinen Beruf als Architekt auf, verkaufte unser Haus und baute mit meiner Mutter ein Boot. Mit dem segelten wir dann jahrelang über die Meere. Auf diesem Boot verbrachte ich einen großen Teil meiner Kindheit und Jugend. Danach bin ich zum Studieren in die USA gegangen, später zog ich nach London, um an der Filmhochschule zu studieren. Und ich begann Songs zu schreiben.

Ich wohnte anfangs in einem besetzten Haus, spielte viel Gitarre – und hatte immer große Sehnsucht nach dem Ozean. Auch als ich schon als Musikerin Erfolg hatte, blieb ich in einer winzigen Wohnung, weil ich all mein Geld sparen wollte: für eine eigene Insel. Die war mein Traum.

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Nach fünfzehn Jahren hielt ich es in London kaum noch aus. Und als ich dann hörte, dass eine schöne kleine Bermuda-Insel zu verkaufen war, schlug ich zu. Mein Mann wollte erst nicht so recht mitziehen, aber als ich ihm klarmachte, dass ich unbedingt auf dieser Insel leben muss, gab er nach.

Heather Nova

43, ist auf einer Bermuda-Insel geboren. Mit ihren Popsongs ist sie seit Mitte der neunziger Jahre besonders in Deutschland erfolgreich. Zuletzt erschien ihr Album 300 Days at Sea.

Meine Insel ist nicht riesig, ungefähr einen Hektar groß. Da wohnen nur ich, mein Mann, unser siebenjähriger Sohn, ein Hund und einige Hühner. Wir bauen unser eigenes Gemüse an, den Strom liefert eine Solaranlage. Vier Stunden am Tag habe ich für mich allein, da male ich und schreibe Gedichte und Songs. Unseren Sohn unterrichten wir selbst, mein Mann ist für Geschichte verantwortlich, alles andere bringe ich ihm bei. Meine Eltern haben mich und meine Geschwister damals ja auch selbst unterrichtet, auf dem Boot. Ich finde die Vorstellung schrecklich, dass mein Sohn seine Tage in einem Klassenzimmer auf dem Festland verbringen könnte. Dafür hat er auf der Insel einfach viel zu viel Spaß.

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Das Gefühl, nur von Wasser umgeben zu sein, ist unbeschreiblich. Ich liebe die Abgeschiedenheit, denn ich bin ein schüchterner Mensch. Das passt vielleicht nicht zu meinem Beruf als Popmusikerin, aber für mich ist gerade dieser Gegensatz zwischen der Isolation auf der Insel und der Begegnung mit einem großen Publikum auf meinen Tourneen sehr anregend.

Vieles ist auch anstrengend auf so einer Insel. Zum Einkaufen muss man das Boot nehmen, auch um den Müll wegzubringen. Abends mal essen gehen oder ins Kino – geht auch nicht.

Außerdem scheint auch auf den Bermudas nicht immer die Sonne. Im Winter wird es kühl und vor allem stürmisch. Vor dem Hurrikan habe ich Angst, auch wenn wir dank der modernen Wetterdienste vorgewarnt werden. Auf jeden Sturm bereiten wir uns tagelang vor, sichern die Fenster und die Boote, besorgen mehr Kerzen und Lebensmittel. Alles, was wegfliegen könnte, wird ins Haus gebracht. Manchmal denke ich, es wäre vernünftiger, in einem sicheren Haus auf dem Festland zu wohnen. Aber ich möchte meine Insel nie verlassen. Und die Sonnenaufgänge nach einem Sturm sind sensationell.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
  1. Titel: I need an Island / Album: Oyster

  2. Kanada mit nur 3 Einwohnern pro Quadratkilometer hat über eine Million Inseln. Jeder, der eine wünscht, kann also eine eigene Insel haben. Ich liebe besonders die Thousand Islands (eigentlich sind es 3000) im Ontariosee und die Thirty Thousand Islands im Huronsee (eigentlich sind es 60.000), alle in Ontario. Man hat seine Einsamkeit, ist aber nicht gar zu weit entfernt von der Zivilisation mit Supermärkten, Bibliothek und Ärzten.

    Im offenen Meer bei Bermuda hingegen fand ich es viel zu gefährlich bei Stürmen und zu weit entfernt von der Zivilisation im Fall von Krankheiten oder Notfällen.

    • SusaS
    • 17.07.2011 um 18:31 Uhr

    Ich habe viel Verständnis für diesen Traum. Jeder, der jemals auf einer tropischen Insel war, kann das nur zu gut vestehen, was sie empfindet und warum das ein Traum von ihr war. Sich als sehr schüchternen Menschen zu beschreiben, mag mit ihrer eigenen Geschichte zusammenhängen: Als Kind und Jugendliche auf dem Boot, ohne fremde Kinder, ohne sich in einer komplexen sozialen Umgebung zurecht finden zu müssen. Das prägt und komplexe soziale Situationen können einem mit so einer geschichte durchaus Angst machen. Da Menschen aber nicht ohne andere Menschen können, passt auch diese "anonyme" Kontaktaufnahme aus der Distanz als Musikerin auf der Bühne sehr gut dazu. Der Junge wird auf die gleiche Art und Weise geprägt. Ich bezweifle, dass er sich jemals in sozialen Verbunden wohlfühlen wird: In Büros, in Freundeskreisen, auf Feten, größeren Familienfesten, im Kreise von "Kumpels", wird er sich immer irgendwie deplaziert vorkommen, wenn er derlei Dinge während seiner gesamenten Kindheit und Jugend nicht kennen gelernt hat. Das ist eine ziemlich heftige Prägung, die sie ihrem Jungen da zumutet. Nur, weil sie es in sozialen Umgebungen aus "Schüchternheit" (= soziale Ängstlichkeit) nicht lange aushält und das Bedürfnis nach Rückzug auf eine Insel hatte, muss das der Junge jetzt auch ein Leben lang ertragen, diese Ängstlichkeit im sozialen Kontext. Sehr unreflektiert, ihr Verhalten. Aber gut, der Junge wirds überleben...

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    Im Ernst: Woher beziehen Sie die genauen Kenntnisse der psychischen Struktur dieser Frau und ihres Sohnes - der auf ähnliche Sozialisation zudem noch ganz unterschiedlich reagieren könnte? Ich weiß nicht, ob Sie diagnostisch einschlägig gebildet sind, vermute aber, Sie sind es nicht - denn dann würden Sie sich wohl kaum per Ferndiagnose und auf Basis von Zeitungsartikeln an der Erstellung psychologischer Profile von Ihnen - höchstwahrscheinlich - wildfremden Menschen versuchen.

    • SusaS
    • 17.01.2012 um 10:21 Uhr

    Ich verstehe Ihren Einwand. Sicher sind meine Zeilen auch recht direkt und wenig ausweichend, bzw. ein wenig zu "alternativlos" (Unwort des Jahres 2010 ;) formuliert. Mit der Expertise in diesen Bereichen über die ich da schreibe haben Sie aber nicht ganz unrecht, auch wenn sie das ironisch meinten ;). Im Ernst: Es ist gefährlich, ein Einzelkind wie inen "Hund" als persönlichen Besitz auf einer einsamen Insel zu halten. Dieses Kind BRAUCHT eine soziale Umgebung um zu wachsen. Es muss die Schwächen, Spielchen, und dahinter doch oft nur die Harmlosigkeit der ach so "fremden" und "anderen" Menschen verstehen und kennen lernen... dazu braucht es viel Erfahrung und Zeit im direkten Umgang mit Menschen und in seinem Fall: anderen Kindern. Expertise: Selbst ähnlich aufgewachsen plus Psychologiestudium (letzteres teils genau aus dem Grund: Menschen verstehen zu lernen und zwar aus NEUGIER und INTERESSE, aber auch aus Notwendigkeit aufgrund fehlender Erfahrungen...) dennoch gebe ich zu, dass es auch eine bestehende (wenn auch meiner Einschätzung eher geringe Wahrscheinlichkeit) gibt, dass dieser Junge ein sozial wenig ängstlicher und gewandter junger Mann wird, der sich später frei (und nicht aus Angst, also Schüchternheit, etc.) entscheiden kann, wie und wo er sein Leben lebt. Die Möglichkeit besteht rein theoretisch durchaus. Da muss ich Ihnen uneingeschränkt Recht geben.

    Im Ernst: Woher beziehen Sie die genauen Kenntnisse der psychischen Struktur dieser Frau und ihres Sohnes - der auf ähnliche Sozialisation zudem noch ganz unterschiedlich reagieren könnte? Ich weiß nicht, ob Sie diagnostisch einschlägig gebildet sind, vermute aber, Sie sind es nicht - denn dann würden Sie sich wohl kaum per Ferndiagnose und auf Basis von Zeitungsartikeln an der Erstellung psychologischer Profile von Ihnen - höchstwahrscheinlich - wildfremden Menschen versuchen.

    • SusaS
    • 17.01.2012 um 10:21 Uhr

    Ich verstehe Ihren Einwand. Sicher sind meine Zeilen auch recht direkt und wenig ausweichend, bzw. ein wenig zu "alternativlos" (Unwort des Jahres 2010 ;) formuliert. Mit der Expertise in diesen Bereichen über die ich da schreibe haben Sie aber nicht ganz unrecht, auch wenn sie das ironisch meinten ;). Im Ernst: Es ist gefährlich, ein Einzelkind wie inen "Hund" als persönlichen Besitz auf einer einsamen Insel zu halten. Dieses Kind BRAUCHT eine soziale Umgebung um zu wachsen. Es muss die Schwächen, Spielchen, und dahinter doch oft nur die Harmlosigkeit der ach so "fremden" und "anderen" Menschen verstehen und kennen lernen... dazu braucht es viel Erfahrung und Zeit im direkten Umgang mit Menschen und in seinem Fall: anderen Kindern. Expertise: Selbst ähnlich aufgewachsen plus Psychologiestudium (letzteres teils genau aus dem Grund: Menschen verstehen zu lernen und zwar aus NEUGIER und INTERESSE, aber auch aus Notwendigkeit aufgrund fehlender Erfahrungen...) dennoch gebe ich zu, dass es auch eine bestehende (wenn auch meiner Einschätzung eher geringe Wahrscheinlichkeit) gibt, dass dieser Junge ein sozial wenig ängstlicher und gewandter junger Mann wird, der sich später frei (und nicht aus Angst, also Schüchternheit, etc.) entscheiden kann, wie und wo er sein Leben lebt. Die Möglichkeit besteht rein theoretisch durchaus. Da muss ich Ihnen uneingeschränkt Recht geben.

  3. Im Ernst: Woher beziehen Sie die genauen Kenntnisse der psychischen Struktur dieser Frau und ihres Sohnes - der auf ähnliche Sozialisation zudem noch ganz unterschiedlich reagieren könnte? Ich weiß nicht, ob Sie diagnostisch einschlägig gebildet sind, vermute aber, Sie sind es nicht - denn dann würden Sie sich wohl kaum per Ferndiagnose und auf Basis von Zeitungsartikeln an der Erstellung psychologischer Profile von Ihnen - höchstwahrscheinlich - wildfremden Menschen versuchen.

    • SusaS
    • 17.01.2012 um 10:21 Uhr

    Ich verstehe Ihren Einwand. Sicher sind meine Zeilen auch recht direkt und wenig ausweichend, bzw. ein wenig zu "alternativlos" (Unwort des Jahres 2010 ;) formuliert. Mit der Expertise in diesen Bereichen über die ich da schreibe haben Sie aber nicht ganz unrecht, auch wenn sie das ironisch meinten ;). Im Ernst: Es ist gefährlich, ein Einzelkind wie inen "Hund" als persönlichen Besitz auf einer einsamen Insel zu halten. Dieses Kind BRAUCHT eine soziale Umgebung um zu wachsen. Es muss die Schwächen, Spielchen, und dahinter doch oft nur die Harmlosigkeit der ach so "fremden" und "anderen" Menschen verstehen und kennen lernen... dazu braucht es viel Erfahrung und Zeit im direkten Umgang mit Menschen und in seinem Fall: anderen Kindern. Expertise: Selbst ähnlich aufgewachsen plus Psychologiestudium (letzteres teils genau aus dem Grund: Menschen verstehen zu lernen und zwar aus NEUGIER und INTERESSE, aber auch aus Notwendigkeit aufgrund fehlender Erfahrungen...) dennoch gebe ich zu, dass es auch eine bestehende (wenn auch meiner Einschätzung eher geringe Wahrscheinlichkeit) gibt, dass dieser Junge ein sozial wenig ängstlicher und gewandter junger Mann wird, der sich später frei (und nicht aus Angst, also Schüchternheit, etc.) entscheiden kann, wie und wo er sein Leben lebt. Die Möglichkeit besteht rein theoretisch durchaus. Da muss ich Ihnen uneingeschränkt Recht geben.

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