EuropapolitikNie mehr allein!

Wir brauchen die Vereinigten Staaten von Europa. Nur eine neue Politikergeneration kann dieses Ziel erreichen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sitzt in Berlin vor einer Flagge der Europäischen Union.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sitzt in Berlin vor einer Flagge der Europäischen Union.

Natürlich wird es den Euro am Ende des Monats noch geben. Und wahrscheinlich gibt es ihn auch noch am Ende des Jahres. Eine Währungsunion zerfällt nicht binnen Tagen , es ist ein schleichender Prozess, der sich nicht am Wechselkurs der Währung festmachen lässt, ihrem äußeren Wert. Hat der Zerfall aber einen bestimmten Punkt überschritten, ist er nicht mehr zu stoppen. Dann nämlich, wenn weder die Bürger noch die Regierenden innerhalb der Währungsunion einander vertrauen. Die Währung wird dann von innen ausgehöhlt. An diesem Punkt steht der Euro jetzt.

Man kann sich in dieser Situation im Kleinen verlieren, in Verhandlungsdetails, wie schon seit einem Jahr. So schürte man Misstrauen und fachte die Krise an. Oder man strebt die ganz große Lösung an: die Vereinigten Staaten von Europa.

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Denn tatsächlich steckt der Euro weniger in einer ökonomischen als vielmehr in einer tiefen politischen Krise. Von einer »systemischen Krise« spricht EU-Währungskommissar Olli Rehn, und das bedeutet im Umkehrschluss, dass man mit den bisherigen Lösungen, dem bisherigen Denken nicht weiterkommt. Das alte Denken, das waren die Lebenslügen der EU: Eine Währungsunion werde auch ohne politische Union funktionieren; die Euro-Zone lasse sich quasi »im Nebenjob« lenken; der Euro werde uns nur wirtschaftliche Vorteile bringen, ohne auch etwas zu kosten. Jetzt aber ist Zahltag.

Auch der Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs am Donnerstag konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass da gerade ein ganzer Kontinent seine Zukunft verspielt . Und das liegt nicht allein daran, dass es so viele unterschiedliche Vorschläge zur Rettung des Euro gibt. Der entscheidende Grund ist vielmehr, dass sich alle hinter Fachbegriffen verschanzen – Haircut, Eurobonds, Anleiherückkäufe –, die die meisten Bürger nicht verstehen und deren Folgen, man muss das so sagen, auch die meisten Politiker nicht verstehen. Klar ist bei aller Unklarheit, dass die vermeintlichen Lösungsvorschläge immer einen Haken haben: Die Verfechter dieser Lösung nennen ihn nicht, die Gegner dafür umso lauter. Und am Ende weiß niemand mehr so recht, was nun richtig ist und was falsch.

Solidarität ist keine ökonomische Rechengröße. Niemand in Deutschland käme heute auf die Idee, Bremen oder Brandenburg oder das Saarland aus der Gemeinschaft zu werfen, nur weil diese Länder finanzielle Hilfe brauchen. Bayern wurde noch bis 1986 durchgefüttert. Und was wäre eigentlich geschehen, hätte Helmut Kohl die deutsche Vereinigung so zögerlich angepackt, wie Angela Merkel bei der Euro-Rettung agiert? Es ist schon seltsam, dass ausgerechnet die Kanzlerin, die so sehr von der Wiedervereinigung und dem Zusammenwachsen Europas profitiert hat, keine Worte dafür findet, was diesen Kontinent und seine Bürger – jenseits wirtschaftlicher Interessen – verbindet.

Dabei sind die Vereinigten Staaten von Europa mehr als nur eine Utopie. Denn den Staatenbund nun enger zu schmieden und gemeinsam Staatsausgaben, Steuern, Sozialstandards oder Löhne festzulegen würde ja nicht bedeuten, auf nationale Traditionen, kulturelle Unterschiede, verschiedene Lebensniveaus zu verzichten. Auch in Deutschland lebt man in Frankfurt anders als in Berlin, ist Sachsen wettbewerbsfähiger als Sachsen-Anhalt. Es würde aber bedeuten, dass man zusammen die Zukunft des Kontinents gestaltet, statt – wie vor allem die Deutschen – zu lamentieren, dass uns dieses »Durchschnittseuropa« wirtschaftlich nach unten ziehe. Die Wahrheit ist: Ganz allein ginge es uns viel schlechter.

Leserkommentare
    • jojocw
    • 23.07.2011 um 19:31 Uhr

    Der Autor schreibt, dass die Menschen Begriffe wie
    Haircut, Eurobonds, Anleiherückkäufe nicht verstehen.
    Ich glaube dass die Menschen das alles sehr wohl verstehen, deshalb ist auch die Mehrheit der Deutschen gegen weitere Hilfszahlungen etc. Aber die Medien und Politkern wollen ihnen diesen Unsinn einreden.
    Seien wir doch ehrlich, die Mehrheit wünscht sich eher weniger EU als mehr.
    Aber das leugnen die meisten Journalisten und Politiker.

    Auch das "Verfassungsgericht" fällt ja Urteile, die opportun erscheinen, nach dem Maul der Politiker.
    Man wünscht sich da eine wortgerechte Auslegung der Texte.
    Im Übrigen wurde die Präambel ja so relativ unbemerkt europafreundlich gestaltet.
    Eigentlich hätte es dafür eine Volksabstimmung gebraucht.
    Etwas das die EU-Politiker hassen wie der Teufel das Weihwasser, was aber letzlich die Grundlage für die EU überhaupt wäre.
    Und bevor diese Abstimmung in allen Ländern nicht erfolgt, ist die EU sowieso ohne echte Grundlage.

    13 Leserempfehlungen
  1. aber sonst gehts gut?? wahnsinn

    also unglaublich mit was für methoden es manche probieren - ganz sicher nicht

    ich möchte raus aus der eu - so ein undemokratischer haufen von wenigen, die auf kosten der allgemeinheit leben wollen

    auch das rettungspaket ist eine großangelegte umverteilung von unten nach oben - die eu bringt armut nach europa, dort wo es grün war wird es unfruchtbar, die wollen uns in zeiten vor der industriellen revolution treiben, es werden nicht unsere errungenschaften nach asien, afrika exportiert, nein deren "system" wird in europa als standard eingeführt - der elite bringt es milliarden, dem volk den tot und die armut

    8 Leserempfehlungen
  2. bis auf das schengenabkommen hat europa nur korruption und feudalismus gebracht. von wegen ewg/handel und deutschland sei ja so der profiteur von der eu: die produkte hätten so oder so impportiert bzw. exportiert werden müssen, wo also soll der mehrwert liegen? vor allem bei dem was deutschland exportiert (maschinen/autos) ist der preis scheißegal und die wege bzw. agglomerationsvorteile sprechen ohnehin gegen lange importwege.

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  3. Wir brauchen keine utopischen Gebilde. Souveräne Nationalstaaten mit mündigen Bürgern das ist notwendig. Eine Sprachkultur schenkt Identiät und damit auch Sinn. Europa ist ein Konstrukt das keine Substanz hat. Das Problem ist das manche Menschen den Sinn verloren habe und nach Utopien suchen. Was getan werden muss ist klar...Alle fiktiven Schulden auf der ganzen Welt müssen gestrichen werden auch wenn es manchen Oligarchen nicht gefallen wird. Dann müssen wir einen Wiederaufbau der Industrie starten in allen Ländern, denn nur durch Industrie und Produktion haben Menschen einen Sinn und kommen nicht auf Dumme Gedanken. Ein Europa der Vaterländer ist die beste Lösung.

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  4. und die rettungspakete sind die religion

    erschreckend wie bei den scientologen klingt der beitrag

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    Antwort auf "Europa"
  5. also die vereinigten staaten von amerika

    kalifornien ist hochverschuldetz, da springt aber kein andere staat ein, um deren schulden zu tilgen

    in europa gibt es keine vereinigten staaten, aber bei uns zahlen gegen die gesetzeslage andere staaten die schulden der verursacherstaaten

    in zukunft wird es noch schwieriger, dass schuldenstaaten mit dem sparen und einem nachhaltigen haushalt beginnen, warum auch - die anderen zahlen ja sowieso - es geht um europa, es geht um den euro - so beginnt der untergang

    4 Leserempfehlungen
  6. am meisten Spass macht ? Richtig mit ein wenig Geld in der Tasche - mit der DM hatten wir da noch reichlich mehr davon !

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    Antwort auf "Reiseempfehlung"
  7. Da es wirklich vergebens ist, den Redakteuren der Zeit in ihrer europadiktatorischen Verblendung die aller simpelsten Grundprinzipien einer funktionierenden Demokratie zu erläutern, überlasse ich es dem linksliberalen britischen Guardian...
    http://www.guardian.co.uk...

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