Autotest Audi A6 quattroDer Fahrer ist König

Mark Spörrle fährt den Audi A6 quattro.

Audi A6

Audi A6

Herr König war etwas erstaunt, dass gerade er den neuen A6 als Dienstwagen bekam. 300 PS, die man kaum hörte. Eine Straßenlage wie auf Schienen. Ledersportsitze, in denen man gesünder saß als am Schreibtisch. Perfekte Technik. Ein Auto, in dem jede Menge Platz für Herrn Königs Familie gewesen wäre.

König hatte keine Familie.

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Er verbrachte Stunden damit, hinter dem Lenkrad des A6 zu sitzen, über die Eichen-Echtholzeinlagen im Armaturenbrett zu streichen und mit dem integrierten WLAN-Hotspot seine E-Mails zu erledigen.

König bekam fast keine Mails. Sein Chef hatte ihm gesagt, dass das, was er all die Jahre für die Firma geleistet hatte, vorbei sei und König nun Neues zu leisten habe. Was, das hatte er nicht gesagt.

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Also tat König, als habe er Kundentermine, allein die Lichtassistenten waren gleich mehrere Nachtfahrten wert: das Fernlicht mit vollautomatischer Leuchtweitenregulierung. Das Abbiegelicht, das Kreuzungen so ausleuchtete, dass alle Schilder zu erkennen waren, auch wenn man dank dem sprachsteuerbaren Navi mit der interessanten Frauenstimme keine Schilder mehr benötigte. Und dann der Nachtlichtassistent, der Menschen auf dem Display erst gelb markierte, und wenn man weiter auf sie zuhielt, wurden sie rot, und es gongte.

»Und?«, fragte der Chef, als König ihm auf dem Firmenparkplatz in die Arme lief.

»Gutes Auto«, stotterte König.

»Das Auto schon«, sagte der Chef und ließ ihn stehen.

König wunderte sich über sein jähes Triumphgefühl, als er feststellte, dass das Reifengeräusch des A6 auf geflickten Fahrbahnstellen zu laut war. Und als er Ina, die Navistimme, bei einem Fehler ertappte: Sie empfahl eine Umleitung – obwohl die Autobahn um diese Zeit immer frei war! König lachte höhnisch und fuhr weiter.

Der Stau kostete ihn vier Stunden.

König tobte und schrie Ina an. Die arrogante Zicke sagte immer nur: »Wie bitte?« Später weigerte sich die Parkautomatik, in die Riesenlücke vor Königs Haus einzuparken. Nicht mit König! Er parkte selber ein, so wie früher, schneller und besser als der Scheißautomat, all die verlogenen Warntöne ignorierend. Bis es kratzte und knirschte.

Als die Polizei weg war, bekam König Schüttelfrost. Am nächsten Tag kündigte er.

»Sehr gutes Auto«, lächelte sein Chef.

Technische Daten   

Motorbauart: 6-Zylinder-Motor
Leistung: 220 kW (300 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 5,5 s
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
CO2-Emission: 190 g/km
Durchschnittsverbrauch: 8,2 Liter
Basispreis: 51.600 Euro

Mark Spörrle ist stellvertr. Chef vom Dienst bei der ZEIT

 
Leser-Kommentare
    • pekir
    • 21.07.2011 um 8:55 Uhr
    1. Nanu?

    Jetzt hab ich aber noch nicht verstanden, warum Herr Spörrle bei der Zeit gekündigt hat. Wenn man ihn nicht ins Ressort AUTO abordnet macht er doch sonst eine gute Arbeit. Allerdings gehören autobiografische Anmerkungen ja eigentlich auch ins Feuilleton. :-)

  1. ... das Scheinwerferdesign, das seit einigen Jahren bei Audi Einzug gehalten hat, das sieht weder wertig noch elegant aus, sondern wie ein Requisit aus "Transformers 4". Verchromtes Plastik anstatt edles Design. Richtig misslungen, ein Kontrast zum restlichen Auto.

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    Eigentlich finde ich, hat sich Audi ganz gut gemacht in den letzten Jahren. Vorher war das immer so ein wenig Kinderwagenoptik mit den riesigen Überhängen. Die Scheinwerfer sind tatsächlich der Knackpunkt, vor allem das komische LED-Tagfahrlicht in Schlangenform. Warum nimmt man nicht normale Scheinwerfer, die einfach leuchten? Könnte doch trotzdem LED sein. BMW und Mercedes haben das sehr viel besser gelöst.
    Ansonsten finde ich den Wagen schick und wenn man drin sitzt, sieht man ja die Lichter nicht.

    Eigentlich finde ich, hat sich Audi ganz gut gemacht in den letzten Jahren. Vorher war das immer so ein wenig Kinderwagenoptik mit den riesigen Überhängen. Die Scheinwerfer sind tatsächlich der Knackpunkt, vor allem das komische LED-Tagfahrlicht in Schlangenform. Warum nimmt man nicht normale Scheinwerfer, die einfach leuchten? Könnte doch trotzdem LED sein. BMW und Mercedes haben das sehr viel besser gelöst.
    Ansonsten finde ich den Wagen schick und wenn man drin sitzt, sieht man ja die Lichter nicht.

    • 125ml
    • 21.07.2011 um 10:17 Uhr

    Was heute alles als Testbericht durch geht. Dass Audi für so einen Klamauk überhaupt einen Wagen stellt, war sicher das letzte mal.

    Grundregel des Journalismus: Langweile die Leser nicht!

  2. Ganz nett zu lesen, halt typisch ZEIT-Autotest, es muss halt immer zwingend anders sein. Aber gut, ist dann ja auch ein Alleinstellungsmerkmal ;-) Richtig gut gemacht sind/waren übrigens immer die Tests bei "DAS" vom NDR, sicher ist TV aber die Texte hätte man ähnlich blumig und frech machen können.. Na gut, hier wird wenigstens mal Bezug auf die Technik etc. genommen. Ich finde übrigens, es sollten wenigstens noch zwei Bilder mehr sein, z.B. vom Innenraum...
    Gut, ist ja keine Autozeitung und besser als einfache Pressetexte des Herstellers. Dafür gibt es ja dann im Forum auch meist unterhaltsame Verweise auf Bonzenkarren, die Ökologie und sonstige Dinge, die einige Leser immer besser machen..

    Zum Auto, das hier gezeigte Rot ist natürlich Geschmackssache, viel. wirken hier die Scheinwerfer deshalb recht ungünstig, oder sehr günstig, sprich billig. Was man AUDI in jedem Fall, gerade im Hinblick auf die Konkurrenz aus Bayern und Asien, zugute halten muss, ist die doch hochwertig anmutende Innenverarbeitung, da findet man gerade im BMW doch zu viel Plastik...

    Eine Alternative zum A6, 5er sollte DIE ZEIT unbedingt testen: Den neuen Jaguar XF, ein Autotraum, ganz entgegen dem Image, und auch mit dem neuen 4 Zylinder-Diesel sicher einen Bericht wert. Ich stelle mich hiermit als Tester zur Verfügung und verfasse dann einen netten Bericht über die Raubkatze und ihre Beute...

  3. Ein Hinweis fehlt allerdings, nämlich hinsichtlich der unglaublich langen Aufpreislisten, hier ist gerade AUDI ja sehr berüchtigt...
    Ich denke oft in der Klasse sollten einige Dinge, z.B. Lichtassistenzsysteme, Serie sein, ich möchte nicht wissen, was z.B. das Nachtsichtgerät kostet. Am frechsten sind natürlich bei allen Herstellern die Preise für die Nav-Systeme.. Aber wie sagte mit unlängst ein Mitarbeiter des VW Konzerns? Da wird dann richtig Geld verdient, bzw. das Produkt erst wirtschaftlich richtig lohnend gemacht...

    Daher erneut der Verweis auf die Serien-Ausstattung des Jaguar XF, da bekommt man für über 200 Diesel PS momentan, das Facelift mit Vierzylinder-Diesel kommt im Herbst, und 49.000 Euro schon eine Automatik mit Schaltwippen, Leder, Assistenten wie Einparkhilfe, Licht, beheizbare Spiegel etc. Dann noch eine Klimaautomatik und diverse andere Dinge, das einzige extra das "nötig" erscheint: Xenon (beim Facelift auch Serie) und die Navi mit Touchscreen für ca. 2000 Euro.
    Das kann man ja mal für einen 530d oder den passenden A4 rechnen....

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    ...wenn er vorwärts und rückwärts gleich schnell fahren kann, und die 6-Ton-Fanfare endlich in der Lage ist, die Mercedesse und BMW´s von der linken Spur zu blasen. Die Farbe müsste so irisierend wirken, daß Iris freiwillig einsteigt, um mir freiwillig den Weg zu weisen - ohne Navi und Wippen.

    ...wenn er vorwärts und rückwärts gleich schnell fahren kann, und die 6-Ton-Fanfare endlich in der Lage ist, die Mercedesse und BMW´s von der linken Spur zu blasen. Die Farbe müsste so irisierend wirken, daß Iris freiwillig einsteigt, um mir freiwillig den Weg zu weisen - ohne Navi und Wippen.

  4. Eigentlich finde ich, hat sich Audi ganz gut gemacht in den letzten Jahren. Vorher war das immer so ein wenig Kinderwagenoptik mit den riesigen Überhängen. Die Scheinwerfer sind tatsächlich der Knackpunkt, vor allem das komische LED-Tagfahrlicht in Schlangenform. Warum nimmt man nicht normale Scheinwerfer, die einfach leuchten? Könnte doch trotzdem LED sein. BMW und Mercedes haben das sehr viel besser gelöst.
    Ansonsten finde ich den Wagen schick und wenn man drin sitzt, sieht man ja die Lichter nicht.

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    • btmmuc
    • 03.08.2011 um 10:46 Uhr

    Lieber AfterEight, alles ist Geschmacksache. Ich finde grade die schlangenförmigen LCD Leuchten sind grade der clou. Schöner als die nachträglich angestückelten Leuchten bei Mercedes. Ich persönlich finde die neuen Audis sind innen wie außen reine Architekturmodelle / Bauhaus mit klaren Linien,
    im Gegensatz zum spätbarock wie Mercedes oder künstliche sportline wie BWM, aber wie gesagt es ist eben alles Geschmacksache und so bietet der Markt für jeden etwas......... Ich bin von einem bulligen 7 ner auf einen sportliche A 8 umgestiegen und habe das innen wie außen nie
    bereut und darüber hinaus, Quadro ist Quadro.....

    • btmmuc
    • 03.08.2011 um 10:46 Uhr

    Lieber AfterEight, alles ist Geschmacksache. Ich finde grade die schlangenförmigen LCD Leuchten sind grade der clou. Schöner als die nachträglich angestückelten Leuchten bei Mercedes. Ich persönlich finde die neuen Audis sind innen wie außen reine Architekturmodelle / Bauhaus mit klaren Linien,
    im Gegensatz zum spätbarock wie Mercedes oder künstliche sportline wie BWM, aber wie gesagt es ist eben alles Geschmacksache und so bietet der Markt für jeden etwas......... Ich bin von einem bulligen 7 ner auf einen sportliche A 8 umgestiegen und habe das innen wie außen nie
    bereut und darüber hinaus, Quadro ist Quadro.....

  5. ...wenn er vorwärts und rückwärts gleich schnell fahren kann, und die 6-Ton-Fanfare endlich in der Lage ist, die Mercedesse und BMW´s von der linken Spur zu blasen. Die Farbe müsste so irisierend wirken, daß Iris freiwillig einsteigt, um mir freiwillig den Weg zu weisen - ohne Navi und Wippen.

    Antwort auf "Nachtrag:"
  6. und dann einen schmucken, interessanten und den Leser
    begeisternden Bericht dazu, könnte mich als
    Automobil Fachübungsleiter und Inhaber des DSB Trainer A
    Lizenz KART, schon reizen.

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