Begabtenförderung Hilfe für Schlaue
Wie engagierte Lehrer versuchen, die Begabtenförderung an ihren Grundschulen zu verankern.
Im Idealfall«, sagt der Schulleiter Herbert Pföhler, »erkennen Sie die Hochbegabten gar nicht.« Weil sie sich nicht gelangweilt auf dem Tisch fläzen, weil sie nicht in der Ecke hocken und ein Buch lesen, während die Mitschüler die zwanzigste Rechenaufgabe lösen. Weil sie keine Klasse übersprungen haben und damit deutlich jünger sind als die Banknachbarn. Im Idealfall sind die Hochbegabten also genauso gefordert wie der Rest der Klasse. Der Idealfall kommt an vielen Schulen selten vor.
An der Erich-Kästner-Grundschule in Graben-Neudorf nahe Karlsruhe versucht man ihm so nahe wie möglich kommen. Sie ist eine von bundesweit 15 Impulsschulen, die am Projekt »Inklusive Begabtenförderung in der Grundschule« teilgenommen haben, gefördert von der Karg-Stiftung und der Stiftung Mercator.
Als Herbert Pföhler vor 18 Jahren Rektor der Erich-Kästner-Schule wurde, guckte er zuerst auf die Kinder mit Lese-, Rechtschreib- und Rechenschwächen. Informierte sich, lud Professoren und Psychologen ein, organisierte Fortbildungen. Vor neun Jahren saß er dann an seinem Schreibtisch und dachte: »Um die Schwächeren haste dich bemüht, aber für die Guten haben wir nix.« Schließlich hat jedes Kind andere Bedürfnisse. Vielleicht ist Pföhler deshalb so sensibel dafür, weil er zwölf Geschwister hat und weiß, dass man nie alle Kinder über einen Kamm scheren kann.
Im Internet stieß der Rektor auf Bücher, teure Bücher, und er stieß auf die Karg-Stiftung. Und weil Pföhler es gewohnt war, für seine Referenten bei Sponsoren um Geld zu bitten, rief er einfach bei der Stiftung an. Zufällig genau in der Zeit, als sie dabei war, förderungswürdige Grundschulen für ihr Projekt auszusuchen. Und so fügte sich eins zum anderen – aus dem nicht gerade jungen Kollegium wurde ein Team ausgewählt, das drei Jahre lang an den Fortbildungen teilnahm und das Wissen an die Kollegen daheim weitergab. Die Lehrer lernten, über die eigene Schule nachzudenken, wie man begabte Kinder erkennt, sie im Unterricht fördert, wie man Eltern einbezieht, kurz: Sie lernten, im Unterricht jedem die richtigen Aufgaben zu geben.
In der Mathestunde bei Lehrer Thilo Kemm geht es an diesem Tag um die Zeit. Es gibt verschiedene Arbeitsblätter – in welcher Reihenfolge sie diese bearbeiten, entscheiden die Kinder. Jedes Blatt ist unterteilt in drei Aufgaben: leicht, mittelschwer, schwierig. Jedes Kind kann wählen, welche Aufgabe es macht. Zeitangaben sollen in Stunden, Minuten, Sekunden umgerechnet werden. Florian, dunkle Haare, gelbes T-Shirt, klappt sein Federmäppchen auf, stellt es als Sichtschutz um sein Blatt und sagt: »Diesmal schreibt ihr erst ab, wenn ich fertig bin!« Am Ende hat er das ganze Blatt ausgefüllt – nicht nur eine einzige Aufgabe. Trotzdem ist er als Erster fertig und holt sich schon das nächste Blatt.
Verschieden schwere Aufgaben stellen – das klingt simpel und ist für Lehrer an Gesamtschulen die Regel, für Grundschullehrer aber eine Ausnahme. Gängigstes Modell an den meisten Grundschulen: Fällt jemand als besonders schlau und unterfordert auf, wird ihm geraten, in die nächsthöhere Klasse zu gehen. Und die Eltern sollen bitte nachmittags zusätzliche Angebote machen. Ins Museum gehen, mit den Kindern experimentieren, sie ein Instrument lernen lassen. Programm am Nachmittag, Langeweile am Vormittag.
Warum es in Grundschulen bisher wenig offizielle Angebote für besonders begabte Schüler gibt, weiß niemand so genau. Elke Völmicke, Geschäftsführerin der Initiative Bildung und Begabung, sagt: »Neue Erkenntnisse brauchen Zeit, um in konkrete Förderinitiativen umgesetzt zu werden. Mit der Förderung von Hochbegabten haben wir uns in Deutschland insgesamt erst sehr spät, seit den 1970er Jahren, und anfangs auch nur zögerlich beschäftigt. Auch die Frühförderung steht erst seit relativ kurzer Zeit im Zentrum der bildungspolitischen Debatte.«
Mit anderen Worten: Für begabte Kinder von der fünften Klasse an existieren an Gymnasien und außerhalb der Schule entsprechende Angebote – an Grundschulen sind sie immer noch die Ausnahme.
- Datum 22.07.2011 - 18:56 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 21.7.2011 Nr. 30
- Kommentare 98
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Hochbegabte Kinder sind doch auch Individuen, die man nicht, nur weil sie die kleinere Gruppe im Verhältnis zu den "Normalbegabten" oder Kindern mit Lernschwächen darstellen, vernachlässigen darf.
Man kann sich vorstellen, dass ein Kind, das bei der Einschulung lesen und schreiben kann, ein Kind, das vor der Einschulung ein Instrument erlernt und von daher Kenntnisse der Bruchrechnung hat, sich furchtbar langweilt, wenn es einzelne Buchstaben oder Wörter "lernen" und sich im ersten Grundschuljahr den "Zahlenbereich bis 20 erschließen" muss.
Dieses Kind weiß mit 6 Jahren innerhalb einer Sekunde, was die Hälfte oder das Doppelte von Einzweiunddreizigstel ist.
Das ist schrecklich !
Häufig mutieren diese Kinder zu eloquenten Klassenclowns, um sich entsprechend ihres Begabungspotenzials betätigen zu können und über diesen Weg ein wenig Anerkennung zu bekommen.
Manchmal klinken sie sich aber auch völlig aus dem für sie unerträglich langweiligen Unterricht aus, in dem der Lehrer zum dritten Mal die Kasi Dativ und Akkusativ erklärt für die Präpositionen, den sie längst kennen.
Und über die Förderung des Individuums hinaus könnten die geförderten Hochbegabten mit möglichen außergewöhnlichen Begabungen in dem einen oder anderen Bereich innovativ für die Gesellschaft tätig werden.
Ich bin nur skeptisch, ob alle Grundschullehrer oder ErzieherInnen im Vorschulbereich in der Lage sind, Hochbegabung zu erkennen.
Da müsste es systematisch Schulungen geben.
nicht nur ob Grundschullehrer und Erzieherinnen Hochbegabung "erkennen", sondern ob es auch Verständnis für die Bedürfnisse und Nöte (!) dieser Kinder gibt. Da Hochbegabte selbst selten Grundschullehrer oder Erzieherin werden, mangelt es hier meistens an Empathie.
Ehrlich gesagt kann ich es nicht mehr hören: die schrecklich vernachlässigten Hochbegabten, deren (überaus freiwillig?) erworbene Kenntnisse über Bruchrechnen in der ersten Klasse nicht ausreichend gewürdigt werden...
Ich sage ja nichts bei Inselbegabten, die stark (!) unter Unterforderung leiden und daraufhin z.B. in ihren sozialen Beziehungen geradezu eingehen. Für sie ist ihre Hochbegabung ihr "Tor zur Welt", auf das sie einfach angewiesen sind. Dem Rest aber wird es schon nicht wehtun, den Mitschülern um einiges voraus zu sein; und so viel Differenzierung, dass z.B. das bereits lesende Kind ein Buch bekommt, wärend andere erst buchstabieren lernen, werden ja wohl die meisten Grundschullehrer noch hinbekommen.
Eine Verbesserung noch, die ich mir deswegen nicht verkneifen kann, weil Sie offenbar auf einen hohen Bildungsstand so viel Wert legen: der Plural von "Kasus" ist nicht "Kasi", sondern "Kasus" (mit gedehntem u).
Nichts für ungut.
ich halte auch nichts davon, dass für jeden ein eigenes bildungssüppchen gekocht wird. aber einheitskost ist auch zu wenig.
kurzes bsp.
unser sohn (geb 1.1.) sollte auf unseren wunsch vorzeitig eingeschult werden (mit 1 tag älteren -stichtag)-
prüfungen... feinmotorik zu schwach.
tenor der lehrerin/rektorin: 1 jahr noch feinmotorik, dann wird er einen super schulstart haben.
wir haben mit absicht seinen lese/schreib/rechenlernwunsch nicht! unterstützt, weil wir das szenario unterforderung -> langeweile -> desinteresse -> störenfried vorausgesehen haben.
leider ist es seit einiger zeit so weit.
die folgen von unterforderung sind die gleichen wie die der überforderung.
und es ist ein leichtes, unterforderte zu fördern: sie sind extrem neugierig und interessiert.
nicht nur ob Grundschullehrer und Erzieherinnen Hochbegabung "erkennen", sondern ob es auch Verständnis für die Bedürfnisse und Nöte (!) dieser Kinder gibt. Da Hochbegabte selbst selten Grundschullehrer oder Erzieherin werden, mangelt es hier meistens an Empathie.
Ehrlich gesagt kann ich es nicht mehr hören: die schrecklich vernachlässigten Hochbegabten, deren (überaus freiwillig?) erworbene Kenntnisse über Bruchrechnen in der ersten Klasse nicht ausreichend gewürdigt werden...
Ich sage ja nichts bei Inselbegabten, die stark (!) unter Unterforderung leiden und daraufhin z.B. in ihren sozialen Beziehungen geradezu eingehen. Für sie ist ihre Hochbegabung ihr "Tor zur Welt", auf das sie einfach angewiesen sind. Dem Rest aber wird es schon nicht wehtun, den Mitschülern um einiges voraus zu sein; und so viel Differenzierung, dass z.B. das bereits lesende Kind ein Buch bekommt, wärend andere erst buchstabieren lernen, werden ja wohl die meisten Grundschullehrer noch hinbekommen.
Eine Verbesserung noch, die ich mir deswegen nicht verkneifen kann, weil Sie offenbar auf einen hohen Bildungsstand so viel Wert legen: der Plural von "Kasus" ist nicht "Kasi", sondern "Kasus" (mit gedehntem u).
Nichts für ungut.
ich halte auch nichts davon, dass für jeden ein eigenes bildungssüppchen gekocht wird. aber einheitskost ist auch zu wenig.
kurzes bsp.
unser sohn (geb 1.1.) sollte auf unseren wunsch vorzeitig eingeschult werden (mit 1 tag älteren -stichtag)-
prüfungen... feinmotorik zu schwach.
tenor der lehrerin/rektorin: 1 jahr noch feinmotorik, dann wird er einen super schulstart haben.
wir haben mit absicht seinen lese/schreib/rechenlernwunsch nicht! unterstützt, weil wir das szenario unterforderung -> langeweile -> desinteresse -> störenfried vorausgesehen haben.
leider ist es seit einiger zeit so weit.
die folgen von unterforderung sind die gleichen wie die der überforderung.
und es ist ein leichtes, unterforderte zu fördern: sie sind extrem neugierig und interessiert.
Der Ansatz ist nett, soll aber wieder auf den offenen Unterricht hinaus laufen. Diese Lehrform gilt mittlerweile schon wieder als veraltet, da nicht effektiv. Der Lehrer hat kaum die Möglichkeit Wissen abzugleichen, Schüler sind auf sich allein gestellt und Fehler manifestieren sich so.
Seit Jahren lernen Grundschüler im offenen Unterricht zu schreiben, was sie hören. Fazit: Schüler kommen mit immer größerren Lücken auf die weiterführenden Schulen, mitunter würfeln sie in der 5. Klasse immer noch Groß- und Kleinbuchstaben durcheinander und schreiben immer noch so, wie sie hören. Sie haben es nicht anders gelernt, dank des offenen Unterrichts konnte der Lehrer nie wirklich eingreifen und intensiv verbessern.
Kinder lernen nicht nur über das Bearbeiten von Arbeitsblättern. Das kann man mal machen, auf Dauer entbehrt es jeder Substanz. Das Ergebnis erleben wir in den Nachhilfeschulen, da sollen mit klassischen Frontalmethoden die Fehler des offenen Unterrichts ausgebessert werden.
nicht nur ob Grundschullehrer und Erzieherinnen Hochbegabung "erkennen", sondern ob es auch Verständnis für die Bedürfnisse und Nöte (!) dieser Kinder gibt. Da Hochbegabte selbst selten Grundschullehrer oder Erzieherin werden, mangelt es hier meistens an Empathie.
Bei unserem Sohn haben wir den IQ-test (den wir eigentlich ablehnten) doch Ende der 3. Klasse machen lassen, weil der Lehrer meinte er hätte ADHS und wir aber schon seit dem Kindergarten ahnten, dass seine (durchaus auch sozialen) Schwierigkeiten daher rührten, dass er sich schnell langweilt. Dementsprechend sah die Benotung des Arbeits-und Sozialverhalten aus. Wiedersprüchlich waren dazu die Kommentare im Zeugnis wie:"bringt den Unterricht entscheidend weiter". Die Lehrer haben die Hochbegabung weder erkannt, noch wurde er nach Bekanntwerden gefördert. Auch jetzt auf dem Gymnasium (er ist nicht auf einer Schule für Hochbegabte) ist es nicht einfach. Bei einer Klassenstärke von 30 Schülern ist individuelle Förderung nicht möglich. Dazu kommt, dass er nicht zu den "Selbstläufern" zählt, sondern eher zu denen, die schwierig sind, vor Langeweile gar nichts mehr tun und leicht zu Schulversagern werden. Am meisten ärgert mich aber, dass Stipendien immer nur an die Kinder vergeben werden, die ausgezeichnete Noten haben. Außerschulische Förderung bringt einen Normalverdiener schnell an finanzielle Grenzen. Vor allem, wenn man mehr als ein Kind hat.
Bei unserem Sohn haben wir den IQ-test (den wir eigentlich ablehnten) doch Ende der 3. Klasse machen lassen, weil der Lehrer meinte er hätte ADHS und wir aber schon seit dem Kindergarten ahnten, dass seine (durchaus auch sozialen) Schwierigkeiten daher rührten, dass er sich schnell langweilt. Dementsprechend sah die Benotung des Arbeits-und Sozialverhalten aus. Wiedersprüchlich waren dazu die Kommentare im Zeugnis wie:"bringt den Unterricht entscheidend weiter". Die Lehrer haben die Hochbegabung weder erkannt, noch wurde er nach Bekanntwerden gefördert. Auch jetzt auf dem Gymnasium (er ist nicht auf einer Schule für Hochbegabte) ist es nicht einfach. Bei einer Klassenstärke von 30 Schülern ist individuelle Förderung nicht möglich. Dazu kommt, dass er nicht zu den "Selbstläufern" zählt, sondern eher zu denen, die schwierig sind, vor Langeweile gar nichts mehr tun und leicht zu Schulversagern werden. Am meisten ärgert mich aber, dass Stipendien immer nur an die Kinder vergeben werden, die ausgezeichnete Noten haben. Außerschulische Förderung bringt einen Normalverdiener schnell an finanzielle Grenzen. Vor allem, wenn man mehr als ein Kind hat.
Ehrlich gesagt kann ich es nicht mehr hören: die schrecklich vernachlässigten Hochbegabten, deren (überaus freiwillig?) erworbene Kenntnisse über Bruchrechnen in der ersten Klasse nicht ausreichend gewürdigt werden...
Ich sage ja nichts bei Inselbegabten, die stark (!) unter Unterforderung leiden und daraufhin z.B. in ihren sozialen Beziehungen geradezu eingehen. Für sie ist ihre Hochbegabung ihr "Tor zur Welt", auf das sie einfach angewiesen sind. Dem Rest aber wird es schon nicht wehtun, den Mitschülern um einiges voraus zu sein; und so viel Differenzierung, dass z.B. das bereits lesende Kind ein Buch bekommt, wärend andere erst buchstabieren lernen, werden ja wohl die meisten Grundschullehrer noch hinbekommen.
Eine Verbesserung noch, die ich mir deswegen nicht verkneifen kann, weil Sie offenbar auf einen hohen Bildungsstand so viel Wert legen: der Plural von "Kasus" ist nicht "Kasi", sondern "Kasus" (mit gedehntem u).
Nichts für ungut.
Wer es nicht kennt, kann es nicht verstehen, und die, die es kennen, sind nicht an Grundschulen zu finden.
Entfernt wegen Doppekpostings. Die Redaktion/mk
Bis ich in der zehnten Klasse endlich springen durfte, war der Unterricht für mich die Hölle. Ich ging in einer kleineren Stadt zur Schule, bin mit 5 eingeschult worden, nachdem rausgefunden worden war, dass ich hochbegabt bin. Grundschule? Entsetzliche Langeweile und Klassenkeile, weil man sich statt für Mickey Mouse eher für Biologie interessiert. Die Lehrer haben, wenn es Ärger gab, nichts gemacht, denn die wollten keinen Ärger mit den schwierigeren kindern unserer Klasse, mich da zu opfern, war einfacher. Die Krönung war, dass ich mich entschuldigen musste, nachdem ich eine Woche lang verprügelt worden bin (täglich nach der Schule), weil ich vorher soundso + soundso an die Tafel geschrieben hatte. Als man mich einmal fördern wollte (eigentlich noch nichtmal fördern, ich sollte einer neuen, türkischen Mitschülerin deutsch beibringen), haben sich die anderen Eltern beschwert, es ginge ja nicht, für mich eine Extrawurst zu machen. Ende der Förderung.
Orientierungsstufe war dann Wiederholung des Stoffes der Klassen 1 bis 4. Da habe ich mich endgültig ausgeklinkt. Gähnende Langeweile, jeden Tag 6 Stunden. Von der gesamten Schule (Orientierungsstufen waren bei uns an der Hauptschule, und die mochten keine "Streber") geschnitten, von einem Großteil der Jungs regelmäßig gedemütigt und verprügelt. Die Mädchen haben nur gemobbt. Antwort meiner Klassenlehrerin auf meine Bitte um Hilfe "Hilf dir selbst, ich denk, du bist so klug".
Doch, es kann durchaus wehtun, "seinen Mitschülern um einiges voraus zu sein" - wenn das zum Dauerzustand wird.
Ob Sie es glauben oder nicht, ich trage als "Souvenir" eines Jobs, auf dem ich trotz aller Gespräche mit meinen Vorgesetzten dauerhaft unterfordert war, einen Tinnitus mit mir herum. Unterforderung ist Stress.
... einem (hoch-) begabten Kind ein Buch zu geben bzw. eine zusätzliche anregende Aufgabe, noch nicht einmal das schafft der Großteil der heutigen Grundschullehrer, geschweige denn sich vor dem Unterricht Gedanken zu machen, wie differenziert der Unterrichtsstoff für die SchülerInnen aufbereitet werden müsste. Sowas wird im Vorbereitungsdienst trainiert für benotete Unterrichtsbesuche und nach motiviertem Start in den Beruf schnell wieder aufgegeben. Man möchte doch nicht mehr tun als die Kollegen, die alle immer pünktlich gehen...
Als Grundschullehrerin, die selber als Schülerin Langeweile und Frust wegen der Warterei auf die Langsamen nur zu gut kannte, habe ich mir dies eine Weile angesehen und dann sorgfältig eine Schule ausgewählt, an der ich die Freiheit und die Unterstützung dabei habe, solchen Kindern zu bieten, was sie brauchen, übrigens auch in sehr guter Zusammenarbeit mit der Karg-Stiftung!
Wer es nicht kennt, kann es nicht verstehen, und die, die es kennen, sind nicht an Grundschulen zu finden.
Entfernt wegen Doppekpostings. Die Redaktion/mk
Bis ich in der zehnten Klasse endlich springen durfte, war der Unterricht für mich die Hölle. Ich ging in einer kleineren Stadt zur Schule, bin mit 5 eingeschult worden, nachdem rausgefunden worden war, dass ich hochbegabt bin. Grundschule? Entsetzliche Langeweile und Klassenkeile, weil man sich statt für Mickey Mouse eher für Biologie interessiert. Die Lehrer haben, wenn es Ärger gab, nichts gemacht, denn die wollten keinen Ärger mit den schwierigeren kindern unserer Klasse, mich da zu opfern, war einfacher. Die Krönung war, dass ich mich entschuldigen musste, nachdem ich eine Woche lang verprügelt worden bin (täglich nach der Schule), weil ich vorher soundso + soundso an die Tafel geschrieben hatte. Als man mich einmal fördern wollte (eigentlich noch nichtmal fördern, ich sollte einer neuen, türkischen Mitschülerin deutsch beibringen), haben sich die anderen Eltern beschwert, es ginge ja nicht, für mich eine Extrawurst zu machen. Ende der Förderung.
Orientierungsstufe war dann Wiederholung des Stoffes der Klassen 1 bis 4. Da habe ich mich endgültig ausgeklinkt. Gähnende Langeweile, jeden Tag 6 Stunden. Von der gesamten Schule (Orientierungsstufen waren bei uns an der Hauptschule, und die mochten keine "Streber") geschnitten, von einem Großteil der Jungs regelmäßig gedemütigt und verprügelt. Die Mädchen haben nur gemobbt. Antwort meiner Klassenlehrerin auf meine Bitte um Hilfe "Hilf dir selbst, ich denk, du bist so klug".
Doch, es kann durchaus wehtun, "seinen Mitschülern um einiges voraus zu sein" - wenn das zum Dauerzustand wird.
Ob Sie es glauben oder nicht, ich trage als "Souvenir" eines Jobs, auf dem ich trotz aller Gespräche mit meinen Vorgesetzten dauerhaft unterfordert war, einen Tinnitus mit mir herum. Unterforderung ist Stress.
... einem (hoch-) begabten Kind ein Buch zu geben bzw. eine zusätzliche anregende Aufgabe, noch nicht einmal das schafft der Großteil der heutigen Grundschullehrer, geschweige denn sich vor dem Unterricht Gedanken zu machen, wie differenziert der Unterrichtsstoff für die SchülerInnen aufbereitet werden müsste. Sowas wird im Vorbereitungsdienst trainiert für benotete Unterrichtsbesuche und nach motiviertem Start in den Beruf schnell wieder aufgegeben. Man möchte doch nicht mehr tun als die Kollegen, die alle immer pünktlich gehen...
Als Grundschullehrerin, die selber als Schülerin Langeweile und Frust wegen der Warterei auf die Langsamen nur zu gut kannte, habe ich mir dies eine Weile angesehen und dann sorgfältig eine Schule ausgewählt, an der ich die Freiheit und die Unterstützung dabei habe, solchen Kindern zu bieten, was sie brauchen, übrigens auch in sehr guter Zusammenarbeit mit der Karg-Stiftung!
Wer es nicht kennt, kann es nicht verstehen, und die, die es kennen, sind nicht an Grundschulen zu finden.
...wenn man immer wieder solche ignoranten Sätze lesen muss wie:
"Ehrlich gesagt kann ich es nicht mehr hören: die schrecklich vernachlässigten Hochbegabten, deren (überaus freiwillig?) erworbene Kenntnisse über Bruchrechnen in der ersten Klasse nicht ausreichend gewürdigt werden..."
Wer die Erfahrung nicht gemacht hat, sollte lieber nicht über die Gefühle der Betroffenen urteilen. Das gilt für Hochbegabte ebenso wie für Kinder mit Teilleistungsschwäche oder ADHS.
Natürlich ist es schwer, innerhalb einer Schulklasse allen Kindern mit ihren individuellen Defiziten oder Vorzügen gerecht zu werden. Das ist es ja gerade, was die Leistung einer wirklich guten Lehrkraft ausmacht, dass sie es versteht, alle mitzunehmen.
Ich freue mich jedenfalls, dass es Schulen und Lehrer gibt, die hier als Vorreiter tätig sind und Wege ebnen. Hoffentlich macht das Ganze dann Schule, so dass wir irgendwann dahin kommen, dass Grundschulkinder wirklich individuell gefördert werden. Das wäre dann sicher für alle Kinder nützlich, so dass sie dann auch als "normale" Schüler nicht später als Erwachsene so beleidigt auf die Würdigung des "Andersseins" der Hochbegabten oder der Teilleistungsgestörten reagieren müssten.
Und dann gibt es noch die Kinder, denen nicht nur eine Hochbegabung, sondern auch noch ein ADD attestiert wurde. Da wird Schule zur Qual, wenn die Lehrer nicht ein Minimum an Bereitschaft aufbringen, sich ein bisschen zu engagieren. Mein Sohn war ein solches Kind, unser Familienleben ging fast vor die Hunde und meine Gesundheit hat arg gelitten, ab der Pubertät war das Kind nur noch unglücklich in der Schule und hat darauf mit völliger Leistungsverweigerung reagiert. Die Lehrer waren beratungsresistent, der Kinderpsychologe, den ich beizog und selber bezahlte, damit er an den Schulsitzungen dabei ist und die Lehrer beraten kann, wurde kaum angehört. Schule wechseln ging nicht, in der Schweiz kann man die Schule nicht aussuchen, das Kind wird eingeteilt. Ich nahm ihn raus und schickte ihn auf eine private Reformschule, die ich vollständig selber bezahlen musste. Die Schulmisere in Deutschland mag gross sein, in der Schweiz ist sie noch viel grösser. Lehrer behandeln Eltern und Kinder wie Bittsteller, sind dauernd am Klagen, obwohl sie, weltweit gesehen, lohnmässig an der Spitze stehen, nur in Japan verdienen Lehrer gleich viel wie in der Schweiz. Ein Oberstufenlehrer Real verdient nach 20 Berufsjahren um Fr. 9'000.-- im Monat, je nach Kanton noch mehr, das mit einer Ausbildung, die bis vor kurzem keine universitäre Bildung voraussetzte. Man ging ins Lehrerseminar, anstelle des Gymnasiums, das Seminar dauerte 4 Jahre und war bedeutend weniger anspruchsvoll als das Gymnasium.
Und dann gibt es noch die Kinder, denen nicht nur eine Hochbegabung, sondern auch noch ein ADD attestiert wurde. Da wird Schule zur Qual, wenn die Lehrer nicht ein Minimum an Bereitschaft aufbringen, sich ein bisschen zu engagieren. Mein Sohn war ein solches Kind, unser Familienleben ging fast vor die Hunde und meine Gesundheit hat arg gelitten, ab der Pubertät war das Kind nur noch unglücklich in der Schule und hat darauf mit völliger Leistungsverweigerung reagiert. Die Lehrer waren beratungsresistent, der Kinderpsychologe, den ich beizog und selber bezahlte, damit er an den Schulsitzungen dabei ist und die Lehrer beraten kann, wurde kaum angehört. Schule wechseln ging nicht, in der Schweiz kann man die Schule nicht aussuchen, das Kind wird eingeteilt. Ich nahm ihn raus und schickte ihn auf eine private Reformschule, die ich vollständig selber bezahlen musste. Die Schulmisere in Deutschland mag gross sein, in der Schweiz ist sie noch viel grösser. Lehrer behandeln Eltern und Kinder wie Bittsteller, sind dauernd am Klagen, obwohl sie, weltweit gesehen, lohnmässig an der Spitze stehen, nur in Japan verdienen Lehrer gleich viel wie in der Schweiz. Ein Oberstufenlehrer Real verdient nach 20 Berufsjahren um Fr. 9'000.-- im Monat, je nach Kanton noch mehr, das mit einer Ausbildung, die bis vor kurzem keine universitäre Bildung voraussetzte. Man ging ins Lehrerseminar, anstelle des Gymnasiums, das Seminar dauerte 4 Jahre und war bedeutend weniger anspruchsvoll als das Gymnasium.
Vielen Kindern wäre schon geholfen, wenn man sie BEWAHREN würde vor
a) Lehrern, die dümmer sind als sie selbst und
b) einer sogenannten "Didaktik", die den Kindern anhand von Altersstufen Dummheitsniveaus unterstellt, denen entsprechend sie dann schulisch zu "behandelt" sind.
P.S.: Auch Kinder merken es, wenn man sie für dumm hält. Erfolg haben dann letztlich nur die, die wirklich so dumm sind, wie die Lehrer es sich wünschen.
wirklich der Alptraum für jeden Lehrer.
... und man sollte Kinder vor Eltern bewahren, die so gestrickt sind wie Sie, Herr Dr. Neumüller.
zu doof, um inhaltlich darauf einzugehen, lieber Herr "Doktor"
wirklich der Alptraum für jeden Lehrer.
... und man sollte Kinder vor Eltern bewahren, die so gestrickt sind wie Sie, Herr Dr. Neumüller.
zu doof, um inhaltlich darauf einzugehen, lieber Herr "Doktor"
Ich arbeite als Sonderschullehrer einer Integrativen Regelklasse in Hamburg Altona. Diese Klassen wurden Anfang der 90iger Jahre eingerichtet um Sonderbeschulung vorzubeugen und um Kindern mit Lernschwierigkeiten in den Klassenhalten halten zu können. Alle Fehler, Stichwort: offener Unterricht, wurden auch in diesen Klassen gemacht, aber nicht nur die Computer haben sich in den letzen 15 Jahren weiterentwickelt, sondern auch die Schulen. So bin ich sehr froh, neben Kindern mit Lernschwierigkeiten auch hochbegabte Kinder zu unterrichten. Es ist faszinierend zu erleben, wie sie lernen, wenn man sie nur lasst. Dieser Kinder sind unglaublich kompetente Lerner. Als Lehrer muss man eher aufpassen, ihnen nicht im Weg zu stehen, dann legen sie los.Meinem Selbstverständnis nach geht es darum, die Besonderheit jeder Schülerin und jeden Schülers zu entdecken. Dafür braucht es Zeit, Schulen, die sich entwickeln durften und dürfen und die Offenheit sich mit den Kindern auf das Abenteuer lernen einzulassen. Jeder ist verschieden, das ist normal. Und doch haben wir immer auch eine Menge gemeinsam. Ich hoffe, dass die Hamburger Schulpolitik die Erfahrungen der integrativen Regelschulen wird nutzen können. Ideen und Erfahrungen haben wir viele und es ist eine Freude sich mit den Kindern entwickeln zu dürfen.
via ZEIT ONLINE plus App
Die Inklusion vergrößert bestimmte Probleme für begabte Kinder. Ganz schlimm ist die Einsamkeit, das Gefühl, anders zu sein als alle anderen, seine Gedanken und Interessen mit ihnen nicht teilen zu können und von ihnen nicht verstanden zu werden. Da hochbegabte Kidner naturgemäß nur eine Minderheit bilden, ist die Gefahr der Vereinsamung umso größer, je breiter das Intelligenzspektrum an einer Schule ist. Damit hochbegabte ihresgleichen überhaupt finden können, ist es meiner Meinung nach notwendig, Räume zu schaffen, wo ihre Konzentration erhöht ist.
Es geht nie nur um reinen Wissenserwerb.
Die Inklusion vergrößert bestimmte Probleme für begabte Kinder. Ganz schlimm ist die Einsamkeit, das Gefühl, anders zu sein als alle anderen, seine Gedanken und Interessen mit ihnen nicht teilen zu können und von ihnen nicht verstanden zu werden. Da hochbegabte Kidner naturgemäß nur eine Minderheit bilden, ist die Gefahr der Vereinsamung umso größer, je breiter das Intelligenzspektrum an einer Schule ist. Damit hochbegabte ihresgleichen überhaupt finden können, ist es meiner Meinung nach notwendig, Räume zu schaffen, wo ihre Konzentration erhöht ist.
Es geht nie nur um reinen Wissenserwerb.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren