Jazzgitarrist Pat MethenyUnendliche Musik

Schon mit 14 Jahren übte Pat Metheny zehn Stunden täglich auf der Gitarre und verbrachte die Nächte in Clubs. Kein besonders sozialverträgliches Lebensmodell, wie er in der Serie "Das ist mit heilig" erklärt. von Ralph Geisenhanslüke

Der Jazzgitarrist Pat Metheny

Der Jazzgitarrist Pat Metheny  |  © Jimmy Katz

Meinen ersten Song schrieb ich mit elf Jahren. Er klang schon ziemlich so wie das meiste, das ich seitdem geschrieben habe. Damals habe ich die Überleitung noch komplett von Henry Mancini geklaut, aber immerhin: kein schlechter Anfang.

Pat Metheny

Pat Metheny, 56, geboren im US-Bundesstaat Missouri, begann mit acht Jahren, Trompete zu spielen, wie sein Bruder und sein Vater. Mit elf wechselte er, gegen den Wunsch seiner Eltern, zur Gitarre und galt bald als Wunderkind des Jazz. Bereits mit 19 lehrte er am Berklee College of Music in Boston. Sein weicher, singender Ton erinnert heute noch an ein Blasinstrument. Zuletzt erschien sein Solo-Album What It's All About.

Man sagt, jeder Mensch trage eine Melodie in sich. Diese innere Melodie kann sich auf unendlich viele Arten ausdrücken. Wenn ich an meine liebsten Musiker und Komponisten denke, glaube ich, sie haben die Fähigkeit, grenzenlose Variationen davon zu produzieren. Das beste Beispiel, das wir bislang kennen, ist Bach. Seine Musik gibt einem das Gefühl von unendlichem kreativen Potenzial. Man kann beliebige vier Takte nehmen und damit Jahre seines Lebens verbringen. Dennoch wird man diese Musik niemals vollständig begreifen. Die besten Musiker sind für mich jene, die die Fähigkeit haben, mit ihrer Musik in die Ewigkeit zu leuchten.

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Wenn ich Menschen darüber reden höre, was ihnen heilig ist, geht es meist um Religion. Ich bin kein religiöser Mensch. Ich verweigere mich einer frommen Bewertung der Welt, besonders bei jenen Dingen, bei denen uns schlicht die Fähigkeit fehlt, sie zu verstehen. Es gibt ja schon so viele Dinge, die wir verstehen können. Warum sollten wir uns Sorgen machen über die Dinge, die wir nicht verstehen können? Ich komme gut damit klar, zu sagen: Ich weiß es nicht. Für mich ist alles, was in der Gegenwart geschieht, schon interessant genug. Dem muss ich nichts hinzufügen.


Mit 14 Jahren begann ich, professionell Musik zu machen. Ich übte zehn Stunden am Tag, ging kaum noch zur Schule und spielte fast jede Nacht in Clubs. Ich war kein funktionierendes Mitglied der Gesellschaft. Ich lernte lesen und schreiben, Mathematik, Wissenschaft, Philosophie, einfach alles durch Musik. Musik ist mein Lehrer. Eine in jeder Hinsicht wunderbare Ausbildung. Ich habe mir so viel über das Leben und die Dinge, die mir heilig sind, durch Musik angeeignet, dass es schwierig geworden ist, zwischen Musik und Leben zu unterscheiden.

Das Leben ist ein einziges großes Konzert für mich. Ich genieße jede Mikrosekunde, die ich als Musiker auf der Welt bin. Aber wenn ich morgen nicht mehr in der Lage wäre, auch nur eine einzige Note zu spielen, dann wäre auch das in Ordnung. Ich könnte den Rest meiner Tage als Musiker leben, ohne zu spielen. Allein durch die Dinge, die ich durch Musik gelernt habe. Weil ich Musik ebenso sehr liebe, wie ich es liebe, auf diesem Planeten zu sein.

Aufgezeichnet von Ralph Geisenhanslüke

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Leserkommentare
    • kluk
    • 06. August 2011 18:30 Uhr

    i get goosebumps while watching
    dou you like andy mckee or antoine dafour?

    thank you for the music lalalala

  1. Auch wenn ich ihn noch nicht persoenlich kenne.
    So wie ich ihn in seinen Interview und durch seine Musik kennen gelernt habe, scheint er ein unheimlich weltoffener, undogmatischer und im besten Sinne sich seiner Selbst bewusster Mensch zu sein.
    Dass er ist, was er ist, aufgrund seiner Hingabe zu den hoechsten Kuensten kann ich gut nachvollziehen.

    Vielen Dank fuer deine Inspiration Pat.
    Bis bald!

    And I Love Her - Beatles, auf Pats neustem Album:
    http://www.youtube.com/wa...

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  • Schlagworte Musik | Philosophie | Wissenschaft | Ausbildung | Komponist | Konzert
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