Elektronischer Entgeltnachweis In memoriam Elena
Besser jetzt als nie: Das staatliche Datensammelprogramm endet.
Auf politisch Verantwortliche zu schimpfen ist immer einfach. Vor allem im Nachhinein, wenn sich ihre Pläne als zu optimistisch herausgestellt haben oder ihre Annahmen von der Realität überholt worden sind. Dann haben Ex-Post-Prognostiker leichtes Spiel, die hinterher alles früher gewusst haben wollen. Das Beispiel Elena beweist das erneut.
Elena steht für Elektronischer Entgeltnachweis, und damit wurden Arbeitnehmerdaten elektronisch an Behörden übermittelt. Genauer muss man das nicht wissen, denn nach etwas mehr als eineinhalb Jahren stellten die Ministerien für Wirtschaft und Arbeit das Projekt nun ein. Die technischen Voraussetzungen seien nicht im erforderlichen Umfang gegeben gewesen. Gut so, denn statt zur Geldersparnis trug Elena zu höheren Ausgaben bei und führte statt zur Entbürokratisierung zu mehr Verwaltungsaufwand. Ein klassischer staatlicher Rohrkrepierer also, der Datenschützern ohnehin aus vielen guten Gründen suspekt war. Da ist es nur konsequent, dass die Politik jetzt Schluss macht damit.
Prompt beklagen Wirtschaftsverbände, die Politik hätte zu viele Fehler gemacht. Deutsche Unternehmen hätten Millionen investiert und müssten das Geld nun abschreiben. Das wird wohl so sein. Aber wäre es besser gewesen, schlechtem Geld noch gutes hinterherzuwerfen? Den Spruch vom Ende mit Schrecken gibt es auch in der Wirtschaft, und dort steht er für entschlossenes Handeln in Krisenzeiten. Respekt verdient, wer trotz Kosten ein zum Scheitern verurteiltes Vorhaben beendet, anstatt es bis in alle Ewigkeit durchzufinanzieren. So hat es der Staat bei Elena nun getan.
Zugegeben: Es ist nicht überraschend, dass sich staatsnahe Großprojekte als zu teuer und ökonomisch fragwürdig entpuppen. Eine Gelinggarantie gibt es vielleicht bei Dr. Oetkers Puddingpulver, aber keineswegs bei öffentlichen Multimillionenprogrammen. Auch hinter Vorhaben wie dem Tiefbahnhof in Stuttgart oder der Elbphilharmonie in Hamburg steht oft mehr politisches als wirtschaftliches Kalkül. Das freilich ist keine Neuigkeit, und dem Staat jetzt vorzuwerfen, seine Prognosen seien nicht eingetreten, zeugt von einem ordentlichen Maß an Überheblichkeit.
Unternehmen sind ja selbst keinen Deut besser. Die pünktliche Einführung der elektronischen Autobahnmaut beispielsweise haben private Konzerne verhindert. Dem Bund entgingen Milliarden Euro an Gebühreneinnahmen, weil das Konsortium um Daimler und Telekom – immerhin zwei deutsche Vorzeigeunternehmen – mit der Software nicht zurande kam. So startete die Maut erst 2005, 16 Monate später als geplant, ein Schadensersatzverfahren läuft immer noch.
Sich mit Großprojekten zu blamieren ist also kein Exklusivrecht des Staates. Elena war ein Experiment, das gescheitert ist und jetzt endlich beerdigt wird. Lassen wir den Toten ihre Ruhe.
- Datum 20.07.2011 - 12:42 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 21.7.2011 Nr. 30
- Kommentare 10
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Sollen wir jetzt Beifall dafür klatschen, daß dieser Wahnsinn endlich auch von den Verantwortlichen als solcher erkannt wurde ?
[...]
Lasst uns endlich eine neue Bürgervertretung schaffen, bei der es nicht mehr um Umverteilung von unten nach oben, Beherrschungs-Spielchen und Machtausübung geht.
Hinweg mit dem ganzen Parteien und Lobbykrempel, das braucht alles kein Mensch. ELENA, wir danken Dir, daß Du uns nochmal den ganzen Wahnsinn so schön vor Augen geführt hast. Jetzt bitte auch noch den ganzen anderen Kontrollwahnsinn abschaffen, insbesondere die Projekte des "eGovernments" und ähnlicher Dinge, mit denen eine Clique alle Bürger in den Griff bekommen will.
Gekürzt. Bitte diskutieren Sie auf einem sachlichen Niveau. Danke. Die Redaktion/er
...wenn ich halb so unsachlich schreiben würde wie Politiker im Sinne des Volkes regieren, wären alle Internetseiten weltweit voller Flüche und Fäkalsprache !
...wenn ich halb so unsachlich schreiben würde wie Politiker im Sinne des Volkes regieren, wären alle Internetseiten weltweit voller Flüche und Fäkalsprache !
...aber so zu sein, dass nicht jedes zweifelhafte Grossprojekt den Weg der Saurier geht : Harz IV, Bundeswehrreform, Bildungspacket,Freiwilliger sozialer Dienst u.ä. gelagerte "Rohrkrepierer", die nichts bringen ausser Kosten, werden bis zur letzten Patrone verteidigt.
Ich denke, es liegt daran, dass kein Name drunter stand !
Deswegen: Kein Grund unseren Politikern ein Lob auszusprechen !
Nanu? Man hat mir erzählt, dass die Elbphilharmonie rein privatwirtschaftlich ... effizient ... blablabla ...
Die EGK soll eingeführt werden. Hehres Ziel: Vernetzung von leistungserbringern zum Zecke der vermeidung von Doppeluntersuchungen und Verordnungen die kontraindiziert sind. Netter Paralleleffekt: Ziemlich viel Kontrollmöglichkeiten für den Staat und Versicherer.
Die grausamen Nachteile:
Es handelt sich um das weltweit größte Telematikprojekt.
Selbst die Freischaltung der signaturfähigen Arztausweise ist so kompliziert, dass sie Monate dauert. Der Pat. muss einen 6-stelligen PinCode bei jedem Arztbesuch eingeben...Und was passiert im Notfall, wenn der Pat. nicht ansprechbar ist? Geht Behandlung ohne Karte und PinCode überhaupt noch?... Und was passiert, wenn ein Leistungserbringer nicht online ist, sagen wir bei einem Hausbesuch im Funkloch?
Kosten von ca. 60.-€ pro Patient und Jahr nur für die Karte sind angepeilt. Macht schlappe 4,8 Mrd €/anno. Der Anschub soll zwischen 7 und 11 Mrd € kosten.
Das sind übrigens untere Abschätzungen.
Wer hält diesen Unsinn auf?
...aber als Steuerzahler könnte man von den Entscheidern zumindest verlangen, das sie die Bewerbungen auf IT Großprojekte wenigstens mal lesen und darüber nachdenken, ob das darin genannte realistisch ist. Im Zweifel mal einen Gutachter einschalten.
Nahezu alle IT Großprojekte werden nicht zum genannten Termin in verabredeter Qualität oder mit dem gewünschten Mehrnutzen fertig.
So geschehen bei der elektronsichen Gesundheitskarte, der Maut, ELENA, Behördenfunk...
Als Softwareentwickler würden mich die Kunden steinigen, wenn ich ähnlich nachlässig in der Projektplanung verfahren würde.
der Nachruf auf die EU-Kommission lauten.
Ich würde gerne mal eine Liste sehen der Ausschreibungen der letzten 10 Jahre sehen mit den beiden folgenden Werten > Annahme der Ausschreibung zu n-Euro - Tatsächliche Abrechnung nach Fertigstellung in n-Euro <
Solange es keine Festpreis-Ausschreibung gibt mit einem verbindlichen Verbot inhaltlicher Änderungen werden die tatsächlichen Kosten von den geplanten (Ausschreibung) immer wesentlich höher sein. Und genau das ist das was man auch unter "Verschwendung" buchen kann. Ein Industrie-Unternehmen verlangt eine Realisierung zu den vertraglich vereinbarten Kosten. Ich habe eine längere Zeit ein Gewerbe gehabt und durfte auch nicht mehr abrechnen als vertraglich vereinbart war.
Denn immerhin gerade im öffentlichen Ausschreibungs(un)wesen leben die Auftragnehmer nicht vom Basisprojekt, sondern von den generell zu erwartenden geänderten Parametern, die sich im Laufe der Zeit ergeben, um überhaupt ein irgendiwe geartetes sinnhaftes Ziel zu erreichen.
Zum anderen wäre das Fertigstellen nach fixen Parametern lt. ursprünglicher Ausschreibung in 95% der Fälle auch Geldverbrennung.
Das Hauptproblem aber ist und bleibt die Beschreibung der Projektidee, deren Ausführungsplanung und eindeutiger Definition der endültigen Rahmenbedingungen (auch behördlicher und politischer - wie z.B. dem Datenschutz) und Ziele - bevor auch nur eine Zeile Software geschrieben oder ein Stück Hardware angefaßt wurde.
Die Software an sich bzgl. Elena kriegt wohl jeder geübte Coder innerhalb weniger Wochen auf die Reihe inkl. Eingabemasken und Datenbankauswertung.
Aber dann fangen üblicherweise die Probleme eigentlich erst an mit den nachträglichen "Verzierungen", "Weglassungen" und Sicherheitsregeln.
Da man politisch den Datenschutz ausgeblendet hatte, der sich aber wohl gewehrt hat, ist das Projekt dann glücklicherweise zu den Akten gelegt worden.
Sollte bei der sogenannten eGesundheitskarte hoffentlich bald auch der Fall sein. Der neue eAusweis war ja bislang auch ein Riesenflop.
Denn immerhin gerade im öffentlichen Ausschreibungs(un)wesen leben die Auftragnehmer nicht vom Basisprojekt, sondern von den generell zu erwartenden geänderten Parametern, die sich im Laufe der Zeit ergeben, um überhaupt ein irgendiwe geartetes sinnhaftes Ziel zu erreichen.
Zum anderen wäre das Fertigstellen nach fixen Parametern lt. ursprünglicher Ausschreibung in 95% der Fälle auch Geldverbrennung.
Das Hauptproblem aber ist und bleibt die Beschreibung der Projektidee, deren Ausführungsplanung und eindeutiger Definition der endültigen Rahmenbedingungen (auch behördlicher und politischer - wie z.B. dem Datenschutz) und Ziele - bevor auch nur eine Zeile Software geschrieben oder ein Stück Hardware angefaßt wurde.
Die Software an sich bzgl. Elena kriegt wohl jeder geübte Coder innerhalb weniger Wochen auf die Reihe inkl. Eingabemasken und Datenbankauswertung.
Aber dann fangen üblicherweise die Probleme eigentlich erst an mit den nachträglichen "Verzierungen", "Weglassungen" und Sicherheitsregeln.
Da man politisch den Datenschutz ausgeblendet hatte, der sich aber wohl gewehrt hat, ist das Projekt dann glücklicherweise zu den Akten gelegt worden.
Sollte bei der sogenannten eGesundheitskarte hoffentlich bald auch der Fall sein. Der neue eAusweis war ja bislang auch ein Riesenflop.
Denn immerhin gerade im öffentlichen Ausschreibungs(un)wesen leben die Auftragnehmer nicht vom Basisprojekt, sondern von den generell zu erwartenden geänderten Parametern, die sich im Laufe der Zeit ergeben, um überhaupt ein irgendiwe geartetes sinnhaftes Ziel zu erreichen.
Zum anderen wäre das Fertigstellen nach fixen Parametern lt. ursprünglicher Ausschreibung in 95% der Fälle auch Geldverbrennung.
Das Hauptproblem aber ist und bleibt die Beschreibung der Projektidee, deren Ausführungsplanung und eindeutiger Definition der endültigen Rahmenbedingungen (auch behördlicher und politischer - wie z.B. dem Datenschutz) und Ziele - bevor auch nur eine Zeile Software geschrieben oder ein Stück Hardware angefaßt wurde.
Die Software an sich bzgl. Elena kriegt wohl jeder geübte Coder innerhalb weniger Wochen auf die Reihe inkl. Eingabemasken und Datenbankauswertung.
Aber dann fangen üblicherweise die Probleme eigentlich erst an mit den nachträglichen "Verzierungen", "Weglassungen" und Sicherheitsregeln.
Da man politisch den Datenschutz ausgeblendet hatte, der sich aber wohl gewehrt hat, ist das Projekt dann glücklicherweise zu den Akten gelegt worden.
Sollte bei der sogenannten eGesundheitskarte hoffentlich bald auch der Fall sein. Der neue eAusweis war ja bislang auch ein Riesenflop.
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