Politik und Lyrik Nr. 20 The embedded poet
Jede Woche veröffentlicht die ZEIT Gedichte über Politik. Diese Woche huldigt Daniela Danz drei mächtigen Männern: Silvio Berlusconi, Mahmud Ahmadineschad und Wladimir Putin.
Seit dem 10. März versuchen wir im Politikteil der ZEIT, Politik von einer anderen Seite und auf andere Art wahrzunehmen. Elf Lyrikerinnen und Lyriker verfassen eigens für die ZEIT Gedichte, sie zeigen uns ihre Sicht auf die Politik. Mal schreiben sie unabhängig von den Ereignissen, mal gehen sie direkt auf politische Erlebnisse ein. Womit wir anfangs nicht gerechnet hatten, das ist die Fülle und Dichte der Ereignisse, wie wir sie seit Anfang dieses Jahres erleben. Die Gedichte wurden häufig sehr aktuell verfasst. Diese Woche huldigt Daniela Danz drei mächtigen Männern: Silvio Berlusconi, Mahmud Ahmadineschad und Wladimir Putin.
Daniela Danz: The embedded Poet
für B.M.
1
Nicht schwer möglich ist es Vermögenden Zuneigung
zu gewinnen unter dem fernsehenden Volke
So auch du Silvio tatest dich hervor unter den Männern
zu versorgen die harrenden Menschen
mit zeitvertreibenden Sendern und nicht ein Geringes
sind alle die Mittel welche du darbrachtest
der staunenden Menge als in brausenden Wagen
unantastbar du die Gesetze anderslautend erließest
2
Du aber Mahmud bist den der Unsterblichen Höchster
nahe zu sich rief wiewohl deine kluge Herrschaft
den Gleichdenkenden schmeichelt denn fernhintreffende
Reden entzücken nicht höchste Gerechte nur
deren Wiederkehr wir wie du erwarten
Nicht ist es strengeres Maß das die Sterblichen richtet
sondern Güte die längstens dem Unverstand hinter
den Flanken der westabfallenden Berge verborgen
3
Wenn mit den flinken Wasserbewohnern Wladimir
du an einsamen Flüssen kämpfst und deine brünierte
Brust uns im Äther flimmernd erscheint ist es an Dichtern
daß die Zunge sich löse in wohlgefügten Worten
der nie vergessenen Sprache zu preisen dein Glück
Denn nicht nur die Fische bewegen sich flink
in ihrem angestammten Gebiet auch dir ist unstrittig
währende Herrschaft über das breitlagernde Land
- Daniela Danz
Daniela Danz, 1976 in Eisenach geboren, lebt nach Stationen in Tübingen, Prag, Berlin und Leipzig in Halle (Saale). Die Autorin und Kunsthistorikerin unterrichtet als Lehrbeauftragte der Universität Hildesheim Methodik des kreativen Schreibens. Ihr letzter Gedichtband Pontus erschien 2009 im Wallstein Verlag. Sie beschäftigt sich insbesondere mit der Umstrukturierung der Bundeswehr seit dem Kosovo-Einsatz und der Neuorientierung der Nato nach dem Ende des Kalten Krieges
- Datum 21.07.2011 - 15:12 Uhr
- Serie Politik & Lyrik
- Quelle DIE ZEIT, 21.7.2011 Nr. 30
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