HistorikerstreitHellas statt Holocaust

Vergangenheit, die nicht vergehen will: Egon Flaigs wundersame Wiederbelebung des westdeutschen Geschichtsbilds der fünfziger Jahre

Was mag im Kopf eines Zeitgenossen vorgehen, der zum ersten Mal im Leben am 13. Juli 2011 durch einen Beitrag des Rostocker Althistorikers Egon Flaig auf den Wissenschaftsseiten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung etwas über den »Historikerstreit« des Jahres 1986 erfahren hat? Nur auf diesen Artikel angewiesen, wird er vermuten müssen, dass der berühmte Philosoph Jürgen Habermas – Flaig zufolge ein ziemlich ungebildeter Patron – am 11. Juli 1986 in der ZEIT über den Berliner Historiker Ernst Nolte und drei seiner Kollegen hergefallen ist, um sie mithilfe von Zitatverkrümmungen und »Tricks«, wie sie im »Lumpenjournalismus« (Flaig) üblich sind, an den Pranger zu stellen. Dabei hätten, meint Flaig, die Beschuldigten nur eine »Mahnung« ausgesprochen, »nämlich, dass die Vergangenheit der Deutschen nicht zwölf Jahre beträgt, sondern ein gutes Jahrtausend und [...] dass die Vergangenheit der Deutschen als Teil der europäischen Kultur mindestens bis zur griechischen Klassik zurückreicht«.

Dankenswerterweise nennt Flaig das Buch, in dem man die Debatte von 1986 nachlesen kann: den im Jahr darauf erschienenen Band »Historikerstreit«. Die Dokumentation der Kontroverse um die Einzigartigkeit der nationalsozialistischen Judenvernichtung. Wer sich dort kundig macht, wird freilich feststellen, dass der Disput anders verlief, als Flaig es darstellt. Den »Historikerstreit« löste Ernst Nolte am 6. Juni 1986 mit seinem in der FAZ veröffentlichten Aufsatz Vergangenheit, die nicht vergehen will aus. Darin versuchte er, die Vernichtung der europäischen Juden aus Stalins Verbrechen abzuleiten und Hitlers Vorgehen als einen Akt der Putativnotwehr verstehbar zu machen. Nolte stellte Fragen, die sich von selbst zu beantworten schienen. »Vollbrachten die Nationalsozialisten, vollbrachte Hitler eine ›asiatische‹ Tat vielleicht nur deshalb, weil sie sich und ihresgleichen als potentielle oder wirkliche Opfer einer ›asiatischen‹ Tat betrachteten? War nicht der ›Archipel GULag‹ ursprünglicher als Auschwitz? War nicht der ›Klassenmord‹ der Bolschewiki das logische und faktische Prius des ›Rassenmords‹ der Nationalsozialisten?« Das war der Text, der Habermas den Anstoß zu seiner scharfen (und, was Noltes angebliche Mitstreiter anging, nicht eben differenzierten) Replik gab – der Text, ohne den der »Historikerstreit« nicht stattgefunden hätte.

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Historikerstreit

Am 17. Juli 2011 erschien in der Frankfurter Allgemeinen Zeitungein Artikel des Rostocker Althistorikers Egon Flaig. Darin griff er mit schrillen Tönen den Philosophen Jürgen Habermas an – wegen dessen Beitrag zum Historikerstreit vor 25 Jahren in der ZEIT.

Damals ging es um die Frage, ob der deutsche Völkermord an den europäischen Juden ein historisch einzigartiges Ereignis ist oder "nur" eine Reaktion auf die Massenmorde Stalins.

Auf Flaigs sogenannte "Polemik" antwortet der Berliner Historiker Heinrich August Winkler, der sich im zweiten, der Zeit der Weltkriege gewidmeten Band seiner Geschichte des Westens auch mit dem historischen Ort des Holocaust beschäftigt. Das Buch erscheint Ende September bei C. H. Beck.

Flaig lockt seine Leser kaum absichtslos auf eine falsche Fährte. Würde er, wie es einem Historiker geziemt, Noltes Text als Quelle ernst nehmen und kritisch interpretieren, könnte er ihn nicht als unvoreingenommenen Versuch deuten, die zwölf Jahre der nationalsozialistischen Herrschaft in die großen Zusammenhänge der deutschen und europäischen Geschichte einzuordnen. Er müsste vielmehr zu dem Schluss gelangen, dass es Nolte um eine Apologie jenes Deutschland ging, das sich 1933 oder schon vorher Hitler zugewandt hatte. Diese Absicht aufzudecken konnte aber nicht im Sinn des Autors Flaig sein. Denn ihn leitet dasselbe Motiv wie Nolte: Es ist der Wunsch nach einer Apologie des bürgerlichen Deutschland.

Egon Flaig glaubt oder gibt zu glauben vor, dass alle Hinweise auf die Einzigartigkeit der nationalsozialistischen Judenvernichtung einem einzigen großen Zweck dienen: der moralischen Erpressung der Deutschen »durch die anderen Völker« und durch deutsche Autoren, die diesen nach dem Munde reden. Einem der Autoren, die auf der Einzigartigkeit der Shoah insistieren, dem in Leipzig und Tel Aviv lehrenden Historiker Dan Diner, wirft Flaig »Einschüchterung« durch »moralischen Terror« vor, und das deshalb, weil Diner es 1987 als eine »narzisstische Kränkung« bezeichnet hat, »einem Ereignis ausgesetzt zu sein, das sich menschlicher Vorstellungs- und Fassungskraft entzieht«. Gemeint ist die Ermordung der europäischen Juden.

Der Vorstellungs- und Fassungskraft von Egon Flaig entzieht sich das Geschehen von Belzec, Sobibór, Treblinka, Majdanek und Auschwitz offenbar nicht. Er bekennt sich nicht das erste Mal zu dem, was Diner als Gefahr benennt: der vergleichenden »Banalisierung« der Shoah. Erkennen, schreibt Flaig, sei nur möglich, »wenn man so sehr als möglich kontextualisiert, relationiert, relativiert und revidiert«. Da das für alle historischen Erscheinungen gelte, muss es nach Flaig auch für das Vernichtungswerk der SS gelten.

Auf welche Weise Flaig die Relativierung des Judenmordes und der anderen gar nicht eigens erwähnten Massenmorde der Nationalsozialisten zuwege bringen will, lässt er in dem von der FAZ publizierten Text offen. Hofft er, historische Entlastung durch den Vergleich mit den Verbrechen Lenins und Stalins, Maos und Pol Pots zu finden? Sonderlich originell wäre das nicht. Wie auch immer, am Ziel allen Kontextualisierens, Relationierens, Relativierens und Revidierens lässt er keinen Zweifel aufkommen – es geht ihm darum, den Deutschen das »Grundrecht jeder Generation auf Erden« zu sichern: die »Normalität«. Dieses Grundrecht wird ihnen nämlich von »Habermas und seinesgleichen« (im Einklang mit den schon erwähnten »anderen Völkern«) verweigert: »Abnormalität als Dauerzustand, verhängt von moralisierenden Fanatikern? Kann das gut gehen?« – »Natürlich nicht«, pflegte Stalin solche selbst gestellten rhetorischen Fragen zu beantworten. Flaig variiert: »Gewiss nicht.«

Leserkommentare
  1. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Äußerungen, die als geschichtsrevisionistisch verstanden werden können. Danke. Die Redaktion/sh

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    Wer offen zugibt, dass er nicht weiß, was das soll, der sollte vielleicht erst mal keine Kommentare schreiben, sondern sich ein bisschen bilden. Wenn er dann aber einen Satz mit "Fakt ist" beginnt, dann liegt die Vermutung nahe, dass es sich hier um einen Ideologen handelt.

    Deshalb nur ganz kurz: Die große Mehrheit der Historiker ist der Meinung, dass sich der Holocaust signifikant von anderen Massakern unterscheidet und insofern historisch einzigartig ist.

    Dazu ein Zitat aus Wikipedia:

    "NS- und Holocaustforscher wie Yehuda Bauer, Steven T. Katz, Lucy Dawidowicz, Saul Friedländer, Eberhard Jäckel, Christopher Browning, Deborah Lipstadt, Guenter Lewy und andere betonten diese Ausnahmestellung mit folgenden Hauptargumenten: Erstmals habe ein moderner Industriestaat die totale physische Vernichtung einer bestimmten ethnischen oder religiösen Gruppe angestrebt, dies mit einer rassistischen Ideologie begründet, systematisch auf allen Ebenen organisiert und mit auch industriellen Methoden als vorrangiges Politikziel europaweit während eines Weltkriegs umgesetzt."

    "Erstmals habe ein moderner Industriestaat die totale physische Vernichtung einer bestimmten ethnischen oder religiösen Gruppe angestrebt, dies mit einer rassistischen Ideologie begründet, systematisch auf allen Ebenen organisiert und mit auch industriellen Methoden als vorrangiges Politikziel europaweit während eines Weltkriegs umgesetzt."

    Voellig richtig. Kein anderer Voelkermord erfuellt all diese Kriterien. Nur leider ist kein Voelkermord der gleiche. Jeder ist anders und damit einzigartig. Insbesondere waren viele andere Voelkermorde erfolgreicher in dem Sinne, als dass das komplette Volk ausgerottet wurde. Zimperlich in der Wahl der Mittel waren ohnehin keine Volkermoerder, viele haben eben benutzt, was sie benutzen konnten.
    Fuer mich ist das besondere dieses Voelkermordes, dass es von einem "zivilisierten" Volk durchgefuehrt wurde, wahrlich wie ein Sprung in archaische Verhaltensformen. Aber das ist nur meine Meinung.

    Ich halte die Einzigartigkeit der Shoah fuer eine akademische Diskussion. Sie ist es oder sie ist es nicht, je nachdem, welche Kriterien man anlegt.

    Es ist falsch, sie als einzig relevanten Voelkermord hinzustellen. Sie hat es nicht verdient, sie auf immer als Moralkeule und moralisches Druckmittel zu missbrauchen, ebensowenig wie die ewige Betonung ihrer Einzigartigkeit.

    Letzteres fuehrt eher zu dem schalen Beigeschmack, dass nicht der Shoah gedacht wird, sondern die Shoah benutzt wird.

    welcher Opfermythos in der deutschen Bevölkerung bei diesem Thema vorherrscht. Ich lebe nun auch ein paar Jahrzehnte in diesem Land, habe viele Länder bereist und Menschen aus allen Erdteilen kennengelernt und mir ist meine deutsche Staatsbürgerschaft nie negativ ausgelegt worden. Im Gegenteil.

    Insofern weiß ich wirklich nicht, was manche Kommentatoren hier mut einer Instrumentalisierung der Shoa oder einer ständigen Schuldzuweisung gegenüber Deutschland meinen.

    Die Einzigartigkeit der Shoa sehe ich als Historiker ebenfalls als schlüssig bewiesen an. Ein zivilisierter Staat fällt zurück in die Barbarei und benutzt industrielle Mittel, um eine ganze Volksgruppe auszurotten. Gelenkt wird diese Kulturnation durch antiintellektuelle und pseudowissenschaftliche Verschwörungstheorien.

    Grundlage für den Historikerstreit war in meinen Augen, dass die bürgerlich-konservative Ideologie sich desavouiert sah. Wenn ich aus er deutschen Kulturgeschichte eine chauvinistische Überlegenheit dieser Kultur ableiten möchte, dann hat Hitler diese Ansicht sehr anschaulich widerlegt. Man versuchte die Ideologie vor der Frankfurter Schule zu retten, indem man Hitler dann zur Wirkung einer Ursache umgestaltete. Allein die Tatsache, dass Lenin durch die OHL zur Macht verholfen wurde (Stalin also eine Ursache des deutschen Militarismus war) widerlegt diese These in meinen Augen deutlich.
    So viel im sehr beschränkten zulässigen Zeilenrahmen.

    Wer offen zugibt, dass er nicht weiß, was das soll, der sollte vielleicht erst mal keine Kommentare schreiben, sondern sich ein bisschen bilden. Wenn er dann aber einen Satz mit "Fakt ist" beginnt, dann liegt die Vermutung nahe, dass es sich hier um einen Ideologen handelt.

    Deshalb nur ganz kurz: Die große Mehrheit der Historiker ist der Meinung, dass sich der Holocaust signifikant von anderen Massakern unterscheidet und insofern historisch einzigartig ist.

    Dazu ein Zitat aus Wikipedia:

    "NS- und Holocaustforscher wie Yehuda Bauer, Steven T. Katz, Lucy Dawidowicz, Saul Friedländer, Eberhard Jäckel, Christopher Browning, Deborah Lipstadt, Guenter Lewy und andere betonten diese Ausnahmestellung mit folgenden Hauptargumenten: Erstmals habe ein moderner Industriestaat die totale physische Vernichtung einer bestimmten ethnischen oder religiösen Gruppe angestrebt, dies mit einer rassistischen Ideologie begründet, systematisch auf allen Ebenen organisiert und mit auch industriellen Methoden als vorrangiges Politikziel europaweit während eines Weltkriegs umgesetzt."

    "Erstmals habe ein moderner Industriestaat die totale physische Vernichtung einer bestimmten ethnischen oder religiösen Gruppe angestrebt, dies mit einer rassistischen Ideologie begründet, systematisch auf allen Ebenen organisiert und mit auch industriellen Methoden als vorrangiges Politikziel europaweit während eines Weltkriegs umgesetzt."

    Voellig richtig. Kein anderer Voelkermord erfuellt all diese Kriterien. Nur leider ist kein Voelkermord der gleiche. Jeder ist anders und damit einzigartig. Insbesondere waren viele andere Voelkermorde erfolgreicher in dem Sinne, als dass das komplette Volk ausgerottet wurde. Zimperlich in der Wahl der Mittel waren ohnehin keine Volkermoerder, viele haben eben benutzt, was sie benutzen konnten.
    Fuer mich ist das besondere dieses Voelkermordes, dass es von einem "zivilisierten" Volk durchgefuehrt wurde, wahrlich wie ein Sprung in archaische Verhaltensformen. Aber das ist nur meine Meinung.

    Ich halte die Einzigartigkeit der Shoah fuer eine akademische Diskussion. Sie ist es oder sie ist es nicht, je nachdem, welche Kriterien man anlegt.

    Es ist falsch, sie als einzig relevanten Voelkermord hinzustellen. Sie hat es nicht verdient, sie auf immer als Moralkeule und moralisches Druckmittel zu missbrauchen, ebensowenig wie die ewige Betonung ihrer Einzigartigkeit.

    Letzteres fuehrt eher zu dem schalen Beigeschmack, dass nicht der Shoah gedacht wird, sondern die Shoah benutzt wird.

    welcher Opfermythos in der deutschen Bevölkerung bei diesem Thema vorherrscht. Ich lebe nun auch ein paar Jahrzehnte in diesem Land, habe viele Länder bereist und Menschen aus allen Erdteilen kennengelernt und mir ist meine deutsche Staatsbürgerschaft nie negativ ausgelegt worden. Im Gegenteil.

    Insofern weiß ich wirklich nicht, was manche Kommentatoren hier mut einer Instrumentalisierung der Shoa oder einer ständigen Schuldzuweisung gegenüber Deutschland meinen.

    Die Einzigartigkeit der Shoa sehe ich als Historiker ebenfalls als schlüssig bewiesen an. Ein zivilisierter Staat fällt zurück in die Barbarei und benutzt industrielle Mittel, um eine ganze Volksgruppe auszurotten. Gelenkt wird diese Kulturnation durch antiintellektuelle und pseudowissenschaftliche Verschwörungstheorien.

    Grundlage für den Historikerstreit war in meinen Augen, dass die bürgerlich-konservative Ideologie sich desavouiert sah. Wenn ich aus er deutschen Kulturgeschichte eine chauvinistische Überlegenheit dieser Kultur ableiten möchte, dann hat Hitler diese Ansicht sehr anschaulich widerlegt. Man versuchte die Ideologie vor der Frankfurter Schule zu retten, indem man Hitler dann zur Wirkung einer Ursache umgestaltete. Allein die Tatsache, dass Lenin durch die OHL zur Macht verholfen wurde (Stalin also eine Ursache des deutschen Militarismus war) widerlegt diese These in meinen Augen deutlich.
    So viel im sehr beschränkten zulässigen Zeilenrahmen.

  2. "Falls Flaig weiß, wie der Holocaust zu erklären ist, hat er die Leserinnen und Leser der FAZ an diesem Wissen leider nicht teilhaben lassen."

    Es gibt genug Werke, die in den 60er und 70er Jahren entstanden, wie etwa das Buch "Hitler" von Joachim C. Fest oder "Hitler und Stalin" von Allan Bullock, die eine hinreichende Erklärung und Darstellung von Entwicklung und historisch-politisch-mentalem Kontext des Holocausts darstellen. Damals hatte sich aber die Apologetik der 68er, als deren Gallionsfigur sich der politische Aktivist Habermas gerierte, noch nicht etabliert. Es konnte sozusagen noch frei von solchem ideologischen Konformitätsdruck in der öffentlichen Debatte gedacht, argumentiert und geschrieben werden.

    "Erklären lässt sich aber durchaus, was die Ermordung der europäischen Juden bis heute so vielen, vielleicht den meisten, die sich damit befassen, als »einzigartig« erscheinen lässt: Es ist die systematische, industrielle Menschenvernichtung durch ein Land, von dem man dies auch zu Beginn des Zweiten Weltkrieges noch nicht erwartet hätte."

    Aus welchem Grunde soll man die systematische Menschenvernichtung von ganzen Bevölkerungsschichten unter dem Stalin-Regime nicht nach rassischen, sondern nach klassenmäßigen Kriterien nicht mit dem Holocaust vergleichen? Waren diese ca. 100 Mio Menschen, welche im Namen der kommunistischen Ideologie im 20. Jhdt. ermordet wurden, und das gezielt und planmäßig, eine Art unbeabsichtigter Kollateralschaden einer an sich guten Sache?

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    • snm81
    • 23.07.2011 um 18:48 Uhr

    "der 68er, als deren Gallionsfigur sich der politische Aktivist Habermas gerierte"

    in welcher realität? ihrer eigenen?

    • snm81
    • 23.07.2011 um 18:48 Uhr

    "der 68er, als deren Gallionsfigur sich der politische Aktivist Habermas gerierte"

    in welcher realität? ihrer eigenen?

  3. Wer offen zugibt, dass er nicht weiß, was das soll, der sollte vielleicht erst mal keine Kommentare schreiben, sondern sich ein bisschen bilden. Wenn er dann aber einen Satz mit "Fakt ist" beginnt, dann liegt die Vermutung nahe, dass es sich hier um einen Ideologen handelt.

    Deshalb nur ganz kurz: Die große Mehrheit der Historiker ist der Meinung, dass sich der Holocaust signifikant von anderen Massakern unterscheidet und insofern historisch einzigartig ist.

    Dazu ein Zitat aus Wikipedia:

    "NS- und Holocaustforscher wie Yehuda Bauer, Steven T. Katz, Lucy Dawidowicz, Saul Friedländer, Eberhard Jäckel, Christopher Browning, Deborah Lipstadt, Guenter Lewy und andere betonten diese Ausnahmestellung mit folgenden Hauptargumenten: Erstmals habe ein moderner Industriestaat die totale physische Vernichtung einer bestimmten ethnischen oder religiösen Gruppe angestrebt, dies mit einer rassistischen Ideologie begründet, systematisch auf allen Ebenen organisiert und mit auch industriellen Methoden als vorrangiges Politikziel europaweit während eines Weltkriegs umgesetzt."

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    Antwort auf "Hä...?"
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    "NS- und Holocaustforscher wie Yehuda Bauer, Steven T. Katz, Lucy Dawidowicz, Saul Friedländer, Eberhard Jäckel, Christopher Browning, Deborah Lipstadt, Guenter Lewy und andere betonten diese Ausnahmestellung mit folgenden Hauptargumenten: Erstmals habe ein moderner Industriestaat die totale physische Vernichtung einer bestimmten ethnischen oder religiösen Gruppe angestrebt, dies mit einer rassistischen Ideologie begründet, systematisch auf allen Ebenen organisiert und mit auch industriellen Methoden als vorrangiges Politikziel europaweit während eines Weltkriegs umgesetzt."

    Aha. Und was hat das Stalin-Regime anderes getan, nur daß das eben nicht mit einer rassischen, sondern mit einer politischen Ideologie begründet war und die zu vernichtende Gruppe nicht nach ethnischen, sondern nach klassenmäßigen Kriterien ausgesucht wurde?

    Das erste Wort, was hier einen Unterschied schafft ist das Wort "erstmalig".

    Das kann man mit gesundem Menschenverstand auch anders beschreiben. Erstmalig waren die technischen und organisatorischen Mittel da, einen Völkermord in dieser Weise durchzuführen.
    Dazu kam eine Irrationalität, die für sich genommen ebenfalls nicht einzigartig ist. Man kann den Zufall des Zusammentreffens dieser verschiedenen Risikofaktoren als einzigartig betrachten, besser wohl nur als erstmalig.

    Doch das bleibt wertlos, wenn man die Übereinstimmungen als Komponenten eines Risikoprofils bei vergleichbaren Vorkommnissen mit Betonung auf die Einzigartigkeit unterbindet.

    Die Einzigartigkeit ist deshalb im Prinzip ohne Belang!

    H.

    Schon bei diesem Wikipediazitat (wobei das zitieren von Wikipedia nicht wirklich guter wissenschaftlicher Stil ist), erkennt man an der Menge der Bedingungen die erfüllt sein müssen, um die einzigartige Stellung zu erreichen, dass die Einzigartigkeit eher hineindefiniert ist, denn als Ergebnis eines vorab festgelegten Katalogs zu sehen ist. Durch sehr spezielle Kriterien werden Szenarien in denen die Ziele einer Ideologie zwar die gleichen wie die der NS-Diktatur waren, die betroffene Bevölkerungsgruppe, das Zeitalter, die Entwicklungsstufe des Staates oder die technischen Möglichkeiten jedoch anders waren (Rote Khmer, Stalin, Ruanda) ausgeschlossen, ohne dass dies zu rechtfertigen wäre.

    "NS- und Holocaustforscher wie Yehuda Bauer, Steven T. Katz, Lucy Dawidowicz, Saul Friedländer, Eberhard Jäckel, Christopher Browning, Deborah Lipstadt, Guenter Lewy und andere betonten diese Ausnahmestellung mit folgenden Hauptargumenten: Erstmals habe ein moderner Industriestaat die totale physische Vernichtung einer bestimmten ethnischen oder religiösen Gruppe angestrebt, dies mit einer rassistischen Ideologie begründet, systematisch auf allen Ebenen organisiert und mit auch industriellen Methoden als vorrangiges Politikziel europaweit während eines Weltkriegs umgesetzt."

    Aha. Und was hat das Stalin-Regime anderes getan, nur daß das eben nicht mit einer rassischen, sondern mit einer politischen Ideologie begründet war und die zu vernichtende Gruppe nicht nach ethnischen, sondern nach klassenmäßigen Kriterien ausgesucht wurde?

    Das erste Wort, was hier einen Unterschied schafft ist das Wort "erstmalig".

    Das kann man mit gesundem Menschenverstand auch anders beschreiben. Erstmalig waren die technischen und organisatorischen Mittel da, einen Völkermord in dieser Weise durchzuführen.
    Dazu kam eine Irrationalität, die für sich genommen ebenfalls nicht einzigartig ist. Man kann den Zufall des Zusammentreffens dieser verschiedenen Risikofaktoren als einzigartig betrachten, besser wohl nur als erstmalig.

    Doch das bleibt wertlos, wenn man die Übereinstimmungen als Komponenten eines Risikoprofils bei vergleichbaren Vorkommnissen mit Betonung auf die Einzigartigkeit unterbindet.

    Die Einzigartigkeit ist deshalb im Prinzip ohne Belang!

    H.

    Schon bei diesem Wikipediazitat (wobei das zitieren von Wikipedia nicht wirklich guter wissenschaftlicher Stil ist), erkennt man an der Menge der Bedingungen die erfüllt sein müssen, um die einzigartige Stellung zu erreichen, dass die Einzigartigkeit eher hineindefiniert ist, denn als Ergebnis eines vorab festgelegten Katalogs zu sehen ist. Durch sehr spezielle Kriterien werden Szenarien in denen die Ziele einer Ideologie zwar die gleichen wie die der NS-Diktatur waren, die betroffene Bevölkerungsgruppe, das Zeitalter, die Entwicklungsstufe des Staates oder die technischen Möglichkeiten jedoch anders waren (Rote Khmer, Stalin, Ruanda) ausgeschlossen, ohne dass dies zu rechtfertigen wäre.

  4. "Deutschland hatte sich das normative Projekt des Westens, die Ideen der Amerikanischen Revolution von 1776 und der Französischen Revolution von 1789, bis 1918 allenfalls teilweise zu eigen gemacht. Die unveräußerlichen Menschenrechte, die Prinzipien der Volkssouveränität und der repräsentativen Demokratie bildeten keinen Teil der politischen Kultur des Kaiserreiches."

    Auch die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich oder die Niederlande hatten sich die Idee der unveräußerlichen Menschrechte und der Volkssourveränität nur teilweise zu eigen gemacht. Fragen Sie mal Menschen aus den ehemaligen Kolonialvölkern (z.B. aus dem Kongo, Algerien, Tunesien oder Indonesien), was die über ihre einstigen westlichen Kolonialherren denken. In Belgien wird der äußerst brutale Kolonialismus im Kongo bis heute nicht kritisch aufgearbeitet, in den Schulbüchern findet sich kein kritisches Wort dazu. Und in den USA wurde die Apartheid gegenüber den Schwarzen sogar vom Supreme Court gebilligt. Der Freiheitspathos der amerikanischen Verfassung ging an den Schwarzen ziemlich vorbei.

    1914 konnten im UK nur knapp 50 Prozent der Männer wählen, sicherlich auch keine lupenreine repräsentative Demokratie. Die Grenze zwischen Humanität und Barbarei, zwischen Freiheit und Unfreiheit verläuft recht verschlungen, jedenfalls nicht entlang der Grenze zwischen Deutschland und seinen westlichen Nachbarn.

    Davon abgesehen: was tut seriöse Geschichtswissenschaft anderes als kontextualisieren ?

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    • pb_fla
    • 24.07.2011 um 15:47 Uhr

    dass die amerikanische und franzoesischen Revolutionen sich aehnlich sind.

    Ich glaube manche Kommentar-Schreiber hier sind viel mehr Dichter wie Denker.

    Man muss es/sie nur bedauern. Weil es von Dummheit strotzt, die groesste Suende auf der Welt.

    Nö, die Gleichsetzung zwischen französischer Revolution und amerikanischer Verfassung insinuierte der Text, der vom "Westen" spricht. Es gab übrigens keine "amerikanische Revolution", nur damit Sie nicht zu sehr ins Dichten kommen. Eine gewisse Verbundenheit gibt es aber schon, siehe das Geschenk des französischen an das amerikanische Volk, das sie auf einer kleinen Insel vor Manhattan betrachten können.

    • pb_fla
    • 24.07.2011 um 15:47 Uhr

    dass die amerikanische und franzoesischen Revolutionen sich aehnlich sind.

    Ich glaube manche Kommentar-Schreiber hier sind viel mehr Dichter wie Denker.

    Man muss es/sie nur bedauern. Weil es von Dummheit strotzt, die groesste Suende auf der Welt.

    Nö, die Gleichsetzung zwischen französischer Revolution und amerikanischer Verfassung insinuierte der Text, der vom "Westen" spricht. Es gab übrigens keine "amerikanische Revolution", nur damit Sie nicht zu sehr ins Dichten kommen. Eine gewisse Verbundenheit gibt es aber schon, siehe das Geschenk des französischen an das amerikanische Volk, das sie auf einer kleinen Insel vor Manhattan betrachten können.

  5. War der Beitrag von Egon Flaig als Feier des Jubiläums des Historikerstreites gedacht? Aus welchem anderen Grund könnte er dieses Fass wieder aufgemacht haben? Wie schon damals bei dem Historikerstreit selbst (den ich nicht selbst miterlebt habe, zugegebenermaßen) ist nicht nur die Debatte an sich interessant, sondern auch die Motivation der beteiligten Personen. "Geschichtspolitik" trifft es sehr gut. Es geht nicht nur um die Sache, es geht auch um Profilierung, um Geltungssucht vielleicht, um tiefenpsychologische Beweggründe, die das Blut in Wallung bringen.

    Letztlich ist es doch recht einfach: Die Einzigartigkeit der Shoa steht außer Frage - genauso wie die Einzigartigkeit jeden geschichtlichen Ereignisses außer Frage steht, denn es geschieht nur ein einziges Mal auf eben jene Art und Weise, selbst wenn man meint, anthropologische Konstanten und Handlungsmuster erkennen zu können. Was also zur Debatte steht, ist die Art der Einzigartigkeit und ihre "Wertigkeit". Subjektiv als verschieden wichtig empfundene, völlig aus dem Kontext losgelöste und in keiner Weise vergleichbare historische Ereignisse wie die athenische Demokratie unter den Perikles und den Holocaust gegeneinander gewichten zu wollen, ist schlicht und ergreifend Blödsinn. Die Daseinsberechtigung der Themen ist nicht exklusiv, d.h. sich gegenseitig ausschließend.

    Was bleibt, ist das Mysterium des deutschen Selbstverständnisses.

    8 Leserempfehlungen
  6. Es drängt sich der Eindruck auf, dass die zeitliche Nähe zu den Geschehnissen des 20. Jahrhunderts die Urteilskraft von einigen Historikern vernebelt, da sie selbst noch zu involviert sind. Die Entdramatisierung des Holocausts ist nur ein Versuch, dem Gefühl eines oktroyierten kollektiven schlechten Gewissens zu entfliehen, das bereits unter der alliierten Besatzung nach dem Krieg seinen Anfang nahm (man möge dazu das letzte Kapitel aus Eugen Kogons „Der SS-Staat“ lesen, in dem es um die Schuld der deutschen Bevölkerung geht). Eine gewisse Saturation und Überpräsenz der Thematik in den Medien kommt hinzu – die Faszination der selbstgeißelnden Deutschen allerdings durch die Nivellierung der Grundlage eben jener Faszination durchbrechen zu wollen, ist ein logisch nicht nachvollziehbarer Schritt. Man mag den heutigen Umgang mit dem Holocaust und die Omnipräsenz Hitlers (die schon Martin Broszat strukturanalytisch relativieren wollte) kritisieren, aber wenn das eigene Empfinden im Vordergrund steht („>ich< möchte nicht ständig mit dem Morden der Nationalsozialisten belästigt werden“), dann ist das allenfalls Jammern auf hohem Niveau, keine Kritik.

    Wenn überhaupt, dann drückt sich darin doch ein Wunsch aus, dass andere Themen deutscher Geschichte mehr Beachtung in der Öffentlichkeit finden – sich aber weniger Beachtung für ein Thema zu wünschen, heißt doch nur, dass man das Pferd von hinten aufzäumt.

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  7. Ich könnte mich noch ewig hierzu äußern, aber diese Thematik ist im Grunde so müßig und auch noch Asbach Uralt, dass ich mich ernsthaft frage, ob es neben dieser Berufsneurose deutscher Historiker nichts Neues im Westen gibt.

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    • cvnde
    • 24.07.2011 um 0:51 Uhr

    Sie grundsätzliche Kritk von Herrn Flaig ist ja zutreffend, dass sich Habermas damals in ein Thema eingesmischt hat, ohne davon wirklich Ahnung zu haben.
    Fast jeder Prof. würde heute schon innerhalb eines Faches zugeben, dass er sich nicht en detail in einem anderen Teilbereich des Fachs mehr auskennt.
    Einfach, weil der Stand der Forchung schnell fortschreitet und die "Episdemic Community" sehr breit Fächert.
    Mail ein Beispiel aus der Politiwissenschaft.

    Münkler hat zum Beispiel von Harald Müller eins auf den "Deckel" gekriegt, weil er auch einige sehr steile Thesen, die für einen Prof. für Politische Theorie okay sind, aber in der Wirklickeit der IB ncht taugen.

    Müller, Harald: Amerika schlägt zurück oder Supermacht in der Sackgasse Kaapitel IV, Anmerkung 47 Fischer 2002 / BPB 2003.

    Auch wenn Herr Habermas gerne so ddargestellt wird, er ist nicht die Reinkarnation Max Webers.

    • LaoLu
    • 24.07.2011 um 1:51 Uhr

    'tschuldigung, wenn ich, der ich ja relativ neu bin hier, mich so vorlaut einmische.

    Aber die Fortsetzungsromane unter den Kommentaren (xxxx-1, xxxx-2...) ermüden meine alten Augen.

    Was meint Ihr, liebe Kommentatoren, hatten die Damen und Herren Entscheider im Sinn, als sie die Länge des Kommentarfeldes auf 1500 Zeichen begrenzten?

    Na?

    • cvnde
    • 24.07.2011 um 0:51 Uhr

    Sie grundsätzliche Kritk von Herrn Flaig ist ja zutreffend, dass sich Habermas damals in ein Thema eingesmischt hat, ohne davon wirklich Ahnung zu haben.
    Fast jeder Prof. würde heute schon innerhalb eines Faches zugeben, dass er sich nicht en detail in einem anderen Teilbereich des Fachs mehr auskennt.
    Einfach, weil der Stand der Forchung schnell fortschreitet und die "Episdemic Community" sehr breit Fächert.
    Mail ein Beispiel aus der Politiwissenschaft.

    Münkler hat zum Beispiel von Harald Müller eins auf den "Deckel" gekriegt, weil er auch einige sehr steile Thesen, die für einen Prof. für Politische Theorie okay sind, aber in der Wirklickeit der IB ncht taugen.

    Müller, Harald: Amerika schlägt zurück oder Supermacht in der Sackgasse Kaapitel IV, Anmerkung 47 Fischer 2002 / BPB 2003.

    Auch wenn Herr Habermas gerne so ddargestellt wird, er ist nicht die Reinkarnation Max Webers.

    • LaoLu
    • 24.07.2011 um 1:51 Uhr

    'tschuldigung, wenn ich, der ich ja relativ neu bin hier, mich so vorlaut einmische.

    Aber die Fortsetzungsromane unter den Kommentaren (xxxx-1, xxxx-2...) ermüden meine alten Augen.

    Was meint Ihr, liebe Kommentatoren, hatten die Damen und Herren Entscheider im Sinn, als sie die Länge des Kommentarfeldes auf 1500 Zeichen begrenzten?

    Na?

    • snm81
    • 23.07.2011 um 18:48 Uhr

    "der 68er, als deren Gallionsfigur sich der politische Aktivist Habermas gerierte"

    in welcher realität? ihrer eigenen?

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    "in welcher realität? ihrer eigenen?"

    Haben Sie außer dieser polemisch gemeinten Frage noch irgendetwas Substantielles zum Thema vorzubringen?

    "in welcher realität? ihrer eigenen?"

    Haben Sie außer dieser polemisch gemeinten Frage noch irgendetwas Substantielles zum Thema vorzubringen?

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