Auf seiner Reise durch die Neue Welt wurde der späterhin berühmte französische Staatsphilosoph Alexis de Tocqueville Ende Dezember 1831 Zeuge eines Exodus, der ein düsteres Kapitel in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika einleitete. Nahe Memphis, am Ufer des Mississippi, stieß er auf einen Treck von Native Americans , die gerade dabei waren, sich und ihre kümmerliche Habe auf einen Flussdampfer einzuschiffen. Auf Anordnung der Bundesbehörden hatten die Choctaws ihr Stammesgebiet im Bundesstaat Mississippi aufgeben müssen, um Platz für die herandrängenden Siedlermassen zu schaffen. Was zahlreichen indianischen Nationen erst noch bevorstand, erlitten die Choctaws als eine der ersten. Mehr als 15.000 Menschen mussten das Land ihrer Ahnen räumen, wo sie über Hunderte von Jahren gelebt hatten. Mitten im Winter brachen sie nun auf, um in ein Reservat weit jenseits des Mississippi zu ziehen.

Kein Klagelaut war zu vernehmen und kein Weinen, obwohl sich unter den Choctaws auch Kleinkinder, Greise und Schwerkranke befanden. Einzig die Hunde heulten markerschütternd, als sie bemerkten, dass ihre Besitzer sie zurücklassen würden. Rasch entschlossen stürzten sich die Tiere in die eisigen Fluten und schwammen dem Dampfer hinterher. »Über der ganzen Szene lag eine Stimmung des Ruins und der Zerstörung, etwas, das einen endgültigen und unwiderruflichen Abschied bezeugte; man konnte das Geschehen nicht beobachten, ohne dass sich einem das Herz zusammenschnürte«, berichtete Tocqueville nach Frankreich. Im ersten Band seines Buches Über die Demokratie in Amerika trug er vier Jahre später die ebenso entscheidende wie verstörende Tatsache nach, dass die Vertreibung der red men aus dem Gebiet östlich des Mississippi durch einen parlamentarischen Mehrheitsbeschluss zustande gekommen war.

Tatsächlich hatte der Kongress im Frühjahr 1830 den berüchtigten Indian Removal Act verabschiedet, ein Landabtretungs- und Umsiedlungsgesetz, welches, ohne dass es freilich so genannt worden wäre, auf eine ethnische Säuberung hinauslief. Die ganze Härte dieses Gesetzes bekamen nacheinander die sogenannten »fünf zivilisierten Stämme« – neben den Choctaws auch die Chicasaws, Creeks, Cherokees und Seminolen – zu spüren. Der Indian Removal Act markierte einen Wendepunkt in der Indianerpolitik der Vereinigten Staaten, deren Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776 davon sprach, »dass alle Menschen gleich geboren, dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt worden sind, worunter sind Leben, Freiheit und das Streben nach Glückseligkeit«.

Schon 1827 geben sich die Cherokees eine geschriebene Verfassung

Ganz in der Tradition der Aufklärung hatten der erste Präsident George Washington und sein Kriegsminister Henry Knox gegenüber den Ureinwohnern in den 1790er Jahren eine Politik betrieben, die von der Idee inspiriert war, dass diese dereinst einen gleichberechtigten Platz in der amerikanischen Gesellschaft finden könnten. Dafür mussten die unmündigen »Wilden« jedoch zunächst ein »Programm der Zivilisierung« durchlaufen und Sprosse um Sprosse der Fortschrittsleiter erklimmen. Aus Kriegern und Jägern sollten friedliche Bauern, aber auch Christen und schließlich des Lesens und Schreibens kundige Bürger werden. Erst einmal »zivilisiert«, würden diese von selbst einsehen, dass sie ihre Jagdgründe nicht mehr brauchten.

Dass die »Indianer« an die Zivilisation herangeführt werden konnten, glaubte auch Thomas Jefferson noch, der das Land von 1801 bis 1809 als dritter Präsident regierte. Allerdings spielte bereits Jefferson mit dem Gedanken, die diesseits des Mississippi siedelnden Indianerstämme in das 1803 von Frankreich erworbene Louisiana-Territorium umzusiedeln, das die Fläche der USA mit einem Schlag nach Westen hin verdoppelt hatte.