Ups! Er bleibt ruckartig stehen. Einfach so, mein Fuß hat die Bremse nicht berührt. Was war das? Gerade wollte ich meine Lieblingsübung in der ZEIT-Tiefgarage vollführen. Ich bin auf die steil ansteigende Ausfahrt gerollt, die zu einer Schranke führt. Die Schranke öffnet sich automatisch: Selbst wenn man zügig darauf zuhält, hebt sie sich, ohne dass man bremsen muss. Normalerweise erschrecke ich meine Beifahrer, die fürchten, wir würden die Schranke durchbrechen, aber jetzt verweigert sich der Wagen. Diesmal habe ich das Auto erschreckt.

Die Autotests aus dem ZEITmagazin © Zeit Online

Im Volvo V60 fahren mehr Assistenzsysteme mit als Insassen. Darunter eine Bremsautomatik, die Hindernisse erkennt. Zuerst warnt sie, dann bremst sie. Und zwar voll. Das tut sie unter anderem, um Fußgängern das Leben zu retten und Auffahrunfälle zu verhindern. Im Internet zeigt Volvo Fotos von schönen Menschen bei Sonnenschein auf einem Zebrastreifen. Daneben der V60 mit seiner rundlichen Front, friedlich lächelnd wie ein Belugawal. Man ist mental in Prenzlauer Berg, für den Liedersänger Rainald Grebe das natürliche Biotop der Volvos. Der Hersteller selbst ist aber bemüht, den sauren Geruch von Ökospießigkeit nicht zu sehr zu verbreiten. In Werbespots sitzen auch mal Lara-Croft-Babes am Steuer. Auf dem Handy kommt eine SMS an, gut aussehende Bauarbeiter stehen am Straßenrand. Die ganz normale Reizüberflutung. Dann verhindert das Auto selbsttätig, dass ein ebenfalls telefonierender, noch besser aussehender Fußgänger unter die Räder kommt.

Der V60 wird als »Sportkombi« angepriesen. Im Grunde aber konzentriert sich Volvo, mittlerweile in chinesischer Hand , weiter auf die klassischen schwedischen Kompetenzen: Sicherheit und Gelassenheit. Der Wagen gleitet stressfrei durch urbanes Gewühl und über lange Strecken. Raumklima, Rundumsicht, Ergonomie – alles selbstverständlich. Man hat ja beim Autofahren oft noch tausend andere Dinge im Kopf und ist dankbar, wenn der Wagen nicht auch noch Aufmerksamkeit verlangt. Seine Soft Skills machen den V60 zu einem angenehmen Begleiter, aber keineswegs zu einem Weichei. Unterm Gaspedal ist genug Luft für Temperamentsausbrüche. Für die allerdings braucht es volle Konzentration. Der Bremsassistent ist nur bis 30 km/h zuständig, bei höheren Geschwindigkeiten greift er nicht ein. Sicherheitshalber.

Technische Daten   

Motorbauart: 5-Zylinder-Dieselmotor
Leistung: 158 kW (215 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 7,8 s
Höchstgeschwindigkeit: 230 km/h
CO2-Emission: 129 g/km
Durchschnittsverbrauch: 4,9 Liter
Basispreis: 39.000 Euro

Margit Stoffels ist Mitarbeiterin beim ZEITmagazin