Euro-Krise Trichet und ich ...
... kommen um einen Haircut herum – Ackermann und Merkel sei Dank.
Ich bin froh, dass ich nicht Mitglied im Institute of International Finance (IIF) bin. Daher kann ich mich gemeinsam mit den Griechen und der Europäischen Zentralbank retten lassen. Meine big fat Griechen-Spekulation (ZEIT 28/2011) scheint so aufzugehen, wie ich mir das vorgestellt habe.
Das IIF ist so etwas wie ein Weltbankenverband. An seiner Spitze steht Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Er hat den Griechen ein Angebot gemacht, das ihnen helfen soll, die Pleite zu vermeiden. Die Banken und Versicherungen wollen auf rund ein Fünftel des Geldes, das Griechenland ihnen schuldet, verzichten. Das tun sie wegen des politischen Drucks und damit nicht der Eindruck entsteht, sie lüden ein weiteres Mal ihre Risiken bei den Steuerzahlern ab. Außerdem haben die Finanzhäuser ein Interesse, dass Griechenland nicht kollabiert.
- Zweites Rettungspaket
Niedrigere Zinsen, Anleihenrückkauf und die Beteiligung privater Gläubiger. Mit diesen Maßnahmen soll Griechenland aus der Krise kommen. Der Wortlaut der Erklärung, mit dem die Staats- und Regierungschefs das Paket verabschiedeten, ist als .pdf-Datei hier abrufbar.
- Kredite
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Neue Kredite aus dem Euro-Rettungsfonds EFSF soll Griechenland leichter zurückzahlen können. Die Zinssätze werden von 4,5 Prozent auf 3,5 Prozent gesenkt. Anstatt wie bisher siebeneinhalb Jahre soll Athen mindestens 15 Jahre Zeit bekommen, um das Geld zurückzuzahlen.
Die noch nicht ausgezahlten Gelder aus dem ersten Hilfspaket werden in das neue Programm übertragen. Auch der Internationale Währungsfonds wird aufgefordert, sich wieder zu beteiligen.
- Gläubiger
Banken, Versicherungen und anderen privaten Gläubigern sollen mehrere Modelle angeboten werden, unter denen sie eins für einen Umtausch ihrer griechischen Staatsanleihen in neue Anleihen wählen können. Aber keiner soll dazu gezwungen werden. Die Hoffnung ist, dass Investoren die neuen Laufzeiten als sicherer ansehen und ihre Anleihen deswegen umtauschen. So soll Griechenland mehr Zeit bekommen, um seine Schulden zu verringern. Die internationalen Bankenlobby IIF hat vorgeschlagen, dass die privaten Gläubiger über einen Schuldentausch 17 Milliarden Euro beitragen würden.
- Rückkauf
Über den Euro-Rettungsfonds sollen künftig Schulden von Euro-Ländern bei privaten Gläubigern aufgekauft werden können, wenn diese Länder Hilfen aus dem Fonds beantragt haben. Der Rückkauf von griechischen Staatsanleihen zeichnet sich als ein Modell der Rettung ab. Derzeit werden Anleihen mit einer Laufzeit ab fünf Jahren an der Börse nur noch zur Hälfte ihres ursprünglichen Wertes gehandelt. Nimmt man diese Kurse zum Maßstab, reichen Griechenland 50 Milliarden Euro aus, um 100 Milliarden seiner 340 Milliarden Euro Schulden zurückzukaufen.
- Sicherheiten
Die Rating-Agenturen könnten auch bei einem freiwilligen Beitrag privater Gläubiger eine Verschlechterung für die Investoren feststellen. Dann würden sie Athen einen teilweisen Zahlungsausfall bescheinigen. Dadurch könnten die griechischen Banken in Schwierigkeiten geraten, weil sie die Staatsanleihen Athens nicht mehr als Sicherheiten bei der Europäischen Zentralbank hinterlegen können. Die Hoffnung ist, dass durch einen raschen Tausch der Anleihen diese Bewertung nur wenige Tage gilt. In diesem Zeitraum wollen die Euro-Länder demnach mit rund 20 Milliarden Euro aus dem Rettungsfonds entstehende Sicherheitslücken etwa bei der EZB abdecken.
- Wiederaufbau
Griechenlands Wirtschaft ist marode und kaum wettbewerbsfähig. Die Euro-Länder wollen einen Wiederaufbauplan für das Land initiieren, um Wachstum und Investitionen zu fördern. Auch die EU-Kommission soll das Land bei seinen Wirtschaftsreformen unterstützen. Diese hatte bereits vor dem Gipfel eine Expertengruppe beauftragt, den griechischen Behörden dabei zu helfen, etwa bereitstehende Gelder aus EU-Töpfen zur Förderung unterentwickelter Regionen zu beantragen.
Es gibt also einen Haircut, eine Streichung eines Teils der griechischen Schulden. Das geschieht, ohne dass es zuvor zu einem Zahlungsausfall Griechenlands gekommen wäre. Die Banken begnügen sich mit weniger, als ihnen zusteht. Die Institute wählen dazu aus vier verschiedenen Modellen, bei denen in ihrem Besitz befindliche Griechenland-Anleihen gegen neue mit bis zu 30 Jahren Laufzeit und niedrigeren Zinsen getauscht werden. Das IIF strebt an, dass 90 Prozent seiner Mitglieder mitmachen. Viele Banken haben zugesagt.
Der Plan hat Charme – für Frau Merkel, Monsieur Trichet und mich. Die Kanzlerin kann jetzt sagen, dass sie die Banken an der Griechenland-Rettung beteiligt hat, obwohl die Steuerzahler noch stärker ins Griechen-Risiko gehen. Der Präsident der Europäischen Zentralbank ist erleichtert, dass die Griechen-Anleihen, die die EZB in ihren Büchern hat, nun wohl ganz normal verzinst und getilgt werden. Die Notenbank beteiligt sich nämlich nicht an der Rettungsaktion.
Ich denke, ich werde dann wohl auch nicht mitmachen. Im Mai 2012 ist für mich der erste Zahltag, ich rechne mit einer Rendite von 25 Prozent.
- Datum 29.07.2011 - 06:45 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 28.7.2011 Nr. 31
- Kommentare 16
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Zinsen und Kredite drauf. Das zweite Paket geht ebenfalls überwiegend an die Spekulanten und die Banken.
Also hat die vom Merkel - Sarkozy angezettelte "Rettungsaktion" bislang keinem Griechen etwas Gutes gebracht. Außer Rentenkürzungen, Lohnabbau, jede Menge Insolvenzen im Mittelstand und Steuererhöhungen.
Das dritte "Rettungspaket" ist schon geplant. Die "Privaten Gläubiger" spekulieren schon auf satte Gewinne aus Steuermitteln.
denn der laufende Staatshaushalt Griechenlands wird auch aus Mitteln des Fördertopfes bestritten, auch wenn das verglichen mit dem Anteil den die Banken erhalten recht wenig ist.
denn der laufende Staatshaushalt Griechenlands wird auch aus Mitteln des Fördertopfes bestritten, auch wenn das verglichen mit dem Anteil den die Banken erhalten recht wenig ist.
denn der laufende Staatshaushalt Griechenlands wird auch aus Mitteln des Fördertopfes bestritten, auch wenn das verglichen mit dem Anteil den die Banken erhalten recht wenig ist.
Was hier im Kleinen abgebildet wird, funktioniert auch im Großen: Institutionelle kaufen ganz gezielt Risikoanleihen, kassieren horrende Zinsen, die vom Steuerzahler aufgebracht werden und lassen sich dann vom Rettungsschirm absichern. Wenn die Rechnung vollständig aufgeht, kassiert man mit einer 10-jährigen Anleihe 10 * 25 Prozent = 250 Prozent plus Rückgabe des eingesetzten Kapitals. Der Steuerzahler wendet damit für jeden Euro griechischer Schulden 3,5 Euro auf. So wedren aus 300 Mrd. Euro Gesamtschulden im schlimmsten Fall über 1 Billion Verpflichtungen für den europäischen Rettungsschirm - was jedoch eine eher theoretische Rechnung ist, das die EZB bereits Teile der Schulden aufgekauft hat. So funktioniert Wirtschaft, wenn sich überforderte und ideologisch verstrahlte Politiker über den Tisch ziehen lassen.
In seinem Büro hängt ein Satz von Evelyn Waugh: "Ich bin ein ziemlich schlechter Journalist. Zugegeben, nur ein Schwachkopf könnte diesen speziellen Job gut machen."
Ihren Artikel sollten Sie einem Olivenbauern in Gre mal unter die Nase halten. Die Antwort kenne ich schon!
Wann kaufen Sie denn aus der ZV Häuser in den USA?
Bei solchen Ergüssen verliere ich doch noch meinen Rest an Glauben hinsichtlich Journalismus.
Und zu dem Vorschlag eines geehrten Mitforisten SPENDE.
Ha, da wird lieber reinvestiert, vielleicht in portug. Anleihen.
Die Minute EU-Zeit ist derzeit für 420.524,- Euro zu haben.
Das macht für jede Stunde 25 Millionen Euro. Ein Drittel davon, also 8 Millionen/Stunde erreichen Griechenland tatsächlich. Die restlichen 17 Millionen/Stunde wandern als Zinsen zu Banken und Investoren. Herrn Jungbluth, zum Beispiel :-) 109 Milliarden pro Halbjahr - soviel kostet uns nicht "Der Euro", sondern der idiotische Luxus, auch noch die letzte Bananenrepublik damit versorgen zu wollen.
Soviel Steuergeld ist es Trichet, Barroso und sämtlichen Euro-Finanzministern also wert, unbeschwert den Sommerurlaub zu verbringen und bis Weihnachten 2011 Ruhe zu haben.
Spätestens dann aber werden sie das absehbar erneut aufkeimende Geschrei der Griechen nach noch mehr Euros erneut ersticken müssen. Und auch diesmal werden sie es wieder nicht schaffen, eine sinnvolle Lösung zu finden.
Hatte ich schon erwähnt dass Spanien, wegen seines milliardenschweren Engagements bei der vermeintlichen "Eurorettung" von den Rating-Agenturen demnächst herabgestuft wird?
Was glauben Sie wohl wie lange es dauern wird bis das, von deutschen Steuerzahlern hart erarbeitete, "AAA"-Rating beim Teufel ist und unsere extrem rettungsfreudige schwarz-gelbe Regierung plötzlich feststellen muss, dass auch sie nur noch Schrottanleihen begeben kann?
Zweitverwertung eines schlechten Artikels. Im Ursprungsartikel steht, Sie hätten Anleihen mit einer Laufzeit bis 2012 und 2020 gekauft. Die Berechnung Ihres Ausfallrisikos für die 2012er-Anleihen ist schwammig. Die Gegenrechung für 2020 fehlt völlig. Denn die 2020-Anleihen können Sie schon heute als Serviette beim nächsten Gyros-Essen benutzen. Für diese Anleihen wird mindestens ein zweiter Haircut fällig.
Bei den 2012er Anleihen werden Sie wohl noch eine kleine Überraschung erleben, wenn das Kaufdatum bei den Vereinbarungen gebührend berücksichtigt wird.
Nicht zuletzt haben auch die Finanzminister ein Auge auf die Erträge aus Griechenland-Anleihen geworfen.
Herr Jungbluth. Wenn der Rückkauf auch Teile Ihrer Anleihen mit wohl 20% Abschlag erfasst, in der Tat ein gutes Geschäft - auch ein ehrliches, da Sie wohl kaum wissen konnten, wie man letzte Woche entscheiden würde. Meinen Steuerbeitrag an ihrem Gewinn gönne ich Ihnen, da sie ja auch ein Risiko getragen haben.
Ich fürchte nur, dass es einige gibt (z.B. das Firmenimperium der Papandreous?) die vielleicht schon ein paar Tage vorher wussten, wie entschieden wird, und die ein analoges Geschäft kurzzeitig und hoch geleveraged aber ohne jedes Risiko ausführen konnten. All die sollen ersticken an dem Geld, das sie unserer Hände Arbeit in Raubrittermanier entrissen haben!
Sehr gut, arbeiten Sie weiter an der Bekämpfung des Kapitalismus!
Friedrich Engels, Mitbegründer des Kommunismus, finanzierte Karl Marx und seine eigene Frühpensionierung im Alter von 50 Jahren mit, genau, Warentermingeschäften. Seine Position als leitender Angestellter im elterlichen Unternehmen in Manchester wurde schlecht bezahlt, schließlich wollte der Herr Papa, nicht den Kommunismus unterstützen...
Da er etwas vom Kapitalismus verstand, verdiente er mit den Warentermingeschäften ordentlich Geld.
Angesprochen auf diesen Umstand, antwortete Friedrich Engels, dass man den Kapitalismus mit seinen eigenen Waffen schlagen müsse.
Der Autor hier, hat windigen Kapitalisten für viel zu niedrige Preise Anleihen abgekauft und lacht sich ins Fäustchen. Er hat genau erkannt, dass der kapitalistische Staat das Finazkapital nur im aller äußersten Notfall im Stich lassen würde, während einige Kapitalisten bereits den linken Propagandasprüchen von der Beteiligung der Gläubiger erlegen waren.
Weiter so und nicht von diesen halbburgeoisen Träumern hier im Forum an ihrer zersetzenden Tätigkeit hindern lassen!
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