"Die Position zur Kernenergie hätte nicht ohne Rücksicht auf die europäischen Nachbarn verändert werden dürfen"
ZEITmagazin: Hätten Sie sich jemals vorstellen können, dass ein Grüner Ministerpräsident von Baden-Württemberg wird?
Schmidt: Das habe ich mir vorstellen können, und ich finde das Experiment, das dort veranstaltet wird, außerordentlich interessant. Vermutlich wird es auch sehr lehrreich für die Grünen sein, denn jetzt müssen sie sich, zum Beispiel im Fall Stuttgart21, mit ökonomischen und zivilrechtlichen Tatsachen auseinandersetzen.
ZEITmagazin: Sie konnten sich im Ernst auch vorstellen, dass die SPD einmal Juniorpartner in einer grün-roten Koalition werden würde?
Schmidt: Für Baden-Württemberg hätte ich mir das vorstellen können, ja. Für Hamburg nicht. Das Vertrauen in die Kontinuität der politischen Vorstellungen der Menschen in Baden-Württemberg ist bei mir schon zu Zeiten des Ministerpräsidenten Filbinger schwer beeinträchtigt worden.
ZEITmagazin: Aber der Erfolg von Winfried Kretschmann hatte nicht nur mit regionalen Gegebenheiten zu tun...
Schmidt: Das stimmt. Politische Prozesse brauchen auch Auslöser, Zufallsauslöser, wie zum Beispiel Fukushima. Und sie brauchen Führungspersonen. Beides war in Baden-Württemberg gegeben.
ZEITmagazin: Was soll die altehrwürdige Sozialdemokratie tun, damit sie nicht zwischen Linkspartei und Grünen aufgerieben wird?
Schmidt: Das ist eine Frage, die ich nicht aus dem Handgelenk beantworten möchte. Darüber müsste man ein ganzes Buch schreiben.
ZEITmagazin: Vielleicht fällt es Ihnen leichter, zu sagen, was die SPD in der aktuellen Situation auf keinen Fall tun darf.
Schmidt: Sie darf sich auf keinen Fall dem tagespolitischen Opportunismus hingeben.
ZEITmagazin: Hätte die CDU den eingeschlagenen atompolitischen Kurs nach Fukushima einfach fortsetzen können?
Schmidt: Die deutsche Position zur Kernenergie hätte nicht ohne Rücksicht auf die europäischen Nachbarn verändert werden dürfen. Das war in meinen Augen ein schwerer Fehler, der das Vertrauen unserer Nachbarn in die deutschen Politiker ganz erheblich beeinträchtigt hat.
ZEITmagazin: Aber es kann doch durchaus Fälle geben, in denen Politiker schnell eine Entscheidung treffen müssen.
Schmidt: Ja, dann sind sie auf ihren Instinkt und ihre Erfahrung angewiesen. Aber für deutsche Politiker war Fukushima kein solcher Fall. Es war absolut nicht notwendig, von heute auf morgen das Gegenteil von dem zu beschließen, was noch 14 Tage zuvor gegolten hatte.
- Datum 27.07.2011 - 15:14 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin, 28.7.2011 Nr. 31
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Was für ein gemütlich plappernd schmauchender Prophet!
Während wahre Propheten in die Zukunft schauen, blickt hier ein Politschmarotzer nach hintern (gut, ich korrigiere mich: nach hinten...; sorry) und defiliert an den Versagensorten seiner Partei (mhm: d.h. der guten alten, im Erinnerungsrauch auffrisierten Dampflok SPD) vorbei - und erklärt sich zum Jahrhundert-Grünen.
Solcher Patronage wird sich ein Finanz-Held wie Röschenrot Peer schlingernd bedienen, um Wähler zu mobilisieren, die sich mit der Merkelbahn auf der abschüssigen Strecke des nächsten Jahrzehnt eingleisen lassen.
Ferngesichtig aus einem Sessel-Tender heraus in die Vergangenheit, eingleisig in die Zukunft!
Herr Schmidt ist - im Gegensatz zu den meisten Politikern - fähig, auch politischen Gegnern Respekt zu zollen und sehr unaufgeregt verschiedene Sichtweisen zu analysieren.Das mag einer gewissen Altersweisheit zuzuschreiben sein - ich lese seine Gedanken immer mit großem Vergnügen, auch wenn ich ziemlich oft nicht derselben Meinung bin. Danke dafür!
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