Wolfgang Rainer Heck ist ein gefragter Mann. Der Gründer und Geschäftsführer des Tofuherstellers Taifun aus Freiburg kann sich vor Anfragen aus der Wirtschaft kaum retten. Heck berichtet von Unternehmern aus der Region, die in Begeisterung gerieten, wenn er ihnen über alternative Pflanzenkost berichte. Selbst die Nahrungsmittelriesen, die an Tofu bisher kaum Interesse zeigten, würden nun um Termine bitten, erzählt Heck.

Die Tofubranche hat sich offensichtlich von ihrem Nischendasein emanzipiert. Sie ist im Massenmarkt angekommen. Und Taifun steht Pars pro Toto für die Tofuwirtschaft. Derzeit produzieren die Freiburger 70 Tonnen in der Woche, anfangs waren es vier Kilo, die frisch auf dem Markt verkauft wurden. 170 Mitarbeiter sind bei Taifun beschäftigt, die Umsätze steigen jährlich um zehn Prozent.

Noch immer sind es mittelständische Unternehmen, die die Branche dominieren. Sie besteht hierzulande aus einer Handvoll spezialisierter Unternehmen aus der Bioszene: Auch Tofutown, Soto oder Topas Tofu gehören dazu.

Die Großkonzerne um Nestlé, Unilever und Danone buhlen um die kleinen Tofuhersteller und würden manche Firma gerne aufkaufen. Doch die meisten Unternehmen wehren sich, sie wollen es selber schaffen und langsam expandieren. Die Skepsis gegenüber der konventionellen Konkurrenz ist groß, schließlich steht man für Fleischverzicht und ökologische Produktion. Eine Tofulinie traute man Nestlé vielleicht noch zu, eine glaubwürdige Biolinie dagegen nicht.

Tofu aber bedeutet hierzulande automatisch Bio. Nur als Bioprodukt verkauft es sich in Deutschland. In Asien ist das anders. Dort gibt es traditionelles Tofu aus konventioneller Herstellung. Das Sojaprodukt ist ein Massenlebensmittel. In hiesigen Läden ist es ein Luxusprodukt für ökologisch bewusste Konsumenten.

Kaum einer bringt die Vorbehalte der Branche so gut auf den Punkt wie Bernd Drosihn, Gründer von Tofutown und ein Pionier der Pflanzenkost. In seinem 2010 erschienenen Buch Tofu. Vom skurrilen Kampf um ein unscheinbares Weltnahrungsmittel beschreibt er die Besuche von »tollen Managern richtiger Karrierefirmen«, die regelmäßig am Produktionsort in der Eifel vorbeikämen, um die Mini-Tofufirma zu kaufen.

Drosihn stelle den Interessenten dann eine Bedingung: »Sie müssen ihren lieben Konzern auf rein pflanzliche Kost umstellen.« Und im zweiten Schritt dann auf Bio. Der Abgang der »Anzugmänner« sei dann meist fluchtartig, berichtet Drosihn. Die »ausgemergelten Hippies« von einst, die Tofu zu einem ernsthaften Produkt gemacht haben, wollten ihre ökologische Gesinnung nicht purem Geschäftssinn opfern. Schon gar nicht jetzt, da man sich plötzlich mit dem Zeitgeist im Einklang findet.

Richtig ist, dass Fleischverzicht angesagt ist und vegetarische Produkte immer stärker nachgefragt werden. Laut einer aktuellen Umfrage im Auftrag des Vegetarierbunds Deutschland (VEBU) und der Firma Tofutown verzichtet die Mehrheit der Deutschen an drei oder mehr Tagen in der Woche auf Fleisch. Der VEBU schätzt, dass 2010 im Vergleich zum Vorjahr rund zehn bis zwölf Prozent mehr Tofu auf den Tisch kam.