Fall Hrant Dink Tief im türkischen Keller
Der Mörder von Hrant Dink wurde verurteilt, die Hintermänner bleiben frei.
© Mustafa Ozer/AFP/Getty Images

Der türkische Journalist Hrant Dink im Jahr 2005. Zwei Jahre später wurde er ermordet.
Endlich Gerechtigkeit für Hrant Dink? Der Mörder des renommierten türkisch-armenischen Publizisten ist von einem Istanbuler Jugendgericht verurteilt worden. 22 Jahre Haft für Ogün Samast, 22 Jahre für einen lange vorbereiteten Mord auf einer Haupteinkaufsstraße mitten in Istanbul. Der Chefredakteur der türkisch-armenischen Zeitung Agos starb im Januar 2007 nur wenige Schritte vor seiner Redaktion entfernt. Hrant Dink hatte für Meinungsfreiheit und die Aufarbeitung der Geschichte gekämpft, er wurde dafür von Staatsanwälten gejagt und von Radikalen ermordet. Samast war bei den Schüssen auf Dink noch minderjährig. Nun wird er die besten Jahre seines Lebens hinter Gittern verbringen. Endlich Gerechtigkeit? Von wegen.
Die Akte Hrant Dink lässt tief blicken. In den Keller der Türkei, eines Staates, der vor bald neunzig Jahren im Kampf gegen Armenier und Griechen gegründet wurde. Die Legende von den »Feinden der Türkei« wird seither in Schulbüchern, in nationalen Zirkeln und in der Armee gepflegt. Dink starb durch die Hände gewaltbereiter Nationalisten, deren Ideologie einen erheblichen Teil von Staat und Gesellschaft zerfressen hat. Gerechtigkeit hieße, diesen muffigen Keller auszulüften. Im Sinne von Hrant Dink. Und für alle anderen in der Türkei – Kurden, Griechen, Armenier –, die bis heute von nationalistischen Rächern gehasst werden.
Samast war nur der Pistolenlauf. Abgedrückt haben andere. Hinter dem minderjährigen Mörder aus der Schwarzmeerstadt Trabzon standen glühende Nationalisten, assistiert von hohen Gendarmen und Staatsanwälten. Dem Mord war eine Kampagne radikalsäkularer Journalisten und Juristen gegen Dink vorausgegangen, die ihm »Beleidigung des Türkentums« vorwarfen und ihn zum Abschuss frei gaben. Die Anwälte von Hrant Dink fordern, die Strippenzieher des Anschlags zu verfolgen und dabei vor Juristen, Polizisten und Politikern nicht Halt zu machen. Denn die sind Teil des sogenannten »tiefen Staates«, der Netzwerke nationalistischer, säkularer Offiziere, Richter und Zivilisten. Sie haben die Ängste, die in türkischen Schulbüchern und Militärakademien verbreitet werden, ideologisch zugespitzt: Das Land sei tief bedroht, man müsse sich wehren.
Das Dink-Attentat war kein Einzelfall. Auch die Morde an einem katholischen Priester in Trabzon 2006 und an christlichen Missionaren in Malatya 2007 gehören zu dieser Serie.
Malatya ist Dinks Geburtsort. Eine Vielvölkerstadt, für Nationalisten ein schier unerträgliches Pflaster. Sie richteten hier auf bestialische Weise drei Christen hin, folterten, erwürgten, erstachen sie. Wie im Fall Hrant Dink schleppt sich der Prozess hin. Wie in diesem führen die Spuren bis in die Spitzen der Sicherheitsbehörden (laut dem Bericht Mord in Anatolien der Europäischen Stabilitätsinitiative vom Januar 2011). Die Netzwerke der Nationalisten sind noch nicht zerstört. Ein berüchtigter Warner vor »christlicher Unterwanderung« sitzt als Abgeordneter für die säkulare republikanische Volkspartei CHP im Parlament.
Wie aufräumen? Unabhängige Juristen fordern, die Spuren in Armee und Politik ohne Rücksicht auf das Ansehen der Verdächtigten zu verfolgen. Doch Prozesse werden nicht reichen, um dem »Dink-Syndrom« der Türkei beizukommen. Es braucht neue Schulbücher, frei von hurrapatriotischem Gedöns, den Willen, die eigene Geschichte kritisch zu hinterfragen, eine Regierung, die allen immer wieder erklärt, warum nicht nur Kurden, sondern auch christliche Griechen und Armenier zur Türkei gehören. Und Politiker, die aufhören, nationalistische Sinnsprüche wie Glaubensbekenntnisse herunterzurattern.
Ansätze dazu gibt es. Bemerkenswerte Ausstellungen und Konferenzen, ergreifende Bücher, Restaurierungen von Kirchen – für jene wenigen, die hinhören und hinsehen wollen. Es gibt auch halbherzige Versuche der AKP-Regierung, Griechen und Armeniern zu mehr Rechten zu verhelfen. Doch in Wahlkämpfen krebsen Erdoğan und seine Gefährten stets zurück – aus Angst, die nationalistischen Wähler an die Opposition zu verlieren. Schon die Beerdigung von Hrant Dink mied Erdoğan wohlweislich. Wozu der Kleinmut führt, durfte der Premier sich jüngst in Trabzon anhören, in der Stadt des Mörders Ogün Samast. Bei der Eröffnung der Europäischen Jugendolympiade wurden die Athleten aus Armenien und Israel mit Pfiffen und Buhrufen begrüßt. Weil sie Armenier und Juden sind. Ähnliches erlebte eine kurdische Sängerin bei einem Jazzfestival in Istanbul, als sie auf Kurdisch zu singen begann. Anderssein macht angreifbar. Deshalb musste der armenische Türke Hrant Dink sterben – und erfährt bis heute keine Gerechtigkeit.
- Datum 02.08.2011 - 15:14 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 28.7.2011 Nr. 31
- Kommentare 127
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Geht Erdoğan gegen die Macht des Militärs vor (mehr als 200 Offiziere sind z. Z. in Untersuchungshaft), werfen ihm Teile der westlichen Medien eine Art Staatstreich und eine geplante Islamisierung der Türkei vor.
Tut er nichts, wird ihm hingegen Angst und ein vor sich hin "krebsen" vorgeworfen.
Egal was er tut, die "Europäer" sind unzufrieden mit ihm.
Entfernt. Bitte stellen Sie in Ihrem Beitrag einen klaren Bezug zum konkreten Artikelthema her. Danke. Die Redaktion/lv
das wird auch in den nächsten fünfzig jahren nichts.
der nationalismus ist teil des selbstverständnisses in der türkei.
aus dieser position ist armenien schuld, die türkische hat nur reagiert.
das denkmuster zu kippen würde heißen, den natinalen stolz abzulegen.
welche politische kraft soll damit wähler gewinnen?
keine.
also gibt es in der frage auch nur eine mehrheitsmeinung und die bleibt so.
Ich als Geschichtsstudent und Interessierter an der orientalischen Geschichte kann dazu nur sagen, dass dieser Artikel ein gutes Diskussionsthema für Europa im Umgang mit der Türkei ist. Außerdem beleuchtet dieser Artikel die Türkei aus einem anderen Blickwinkel. Wie lange ist doch der armenische Genozid, welcher durch die Türkei begangen wurde, oder damals noch das Osmanische Reich, totgeschwiegen worden. Vor allem muss die Aufarbeitung dieses Verbrechens gegen die Menschlichkeit aus dem Inneren der türkischen Bevölkerung diesseits und jenseits des Bosporus kommen. Wenn die Türkei und damit der ganze Orient sich weiterentwickeln will, muss es reflektieren. Über sich und seine Geschichte.
Ich sag ganz offen, das mir diese Geschichte vom "Genozid an den Armeniern" nicht geheuer ist.
http://de.wikipedia.org/w...
"Ein Völkermord oder Genozid ist seit der Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes von 1948 ein Straftatbestand im Völkerstrafrecht, der definiert ist durch die Absicht, „eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe ganz oder teilweise zu zerstören“. "
Ich bin mir nicht sicher ob das motiv wirklich existierte die "armenische ethnie oder rasse" zu zerstören.
Abgesehn davon könnte man auch noch drauf schauen was die Osmanische Regierung davon hätte. Worin hat sie einen gewinn, wenn sie die armenier vernichtet? Und wenn sie einen Gewinn hätte, wäre dieser aufwand dafür wert?
Ich erkenne weder motiv noch erkenne ich einen Gewinn.
Ich plädiere dafür, dass die Wissenschaft sich mal an einen Tisch setzt und genau abwägt, die fakten sich anschaut und alle dokumente analysiert um ein wissenschaftliches ergebnis daraus zu schließen. Bis jetzt war dieses Thema all zu emotional geladen.
Ich sag ganz offen, das mir diese Geschichte vom "Genozid an den Armeniern" nicht geheuer ist.
http://de.wikipedia.org/w...
"Ein Völkermord oder Genozid ist seit der Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes von 1948 ein Straftatbestand im Völkerstrafrecht, der definiert ist durch die Absicht, „eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe ganz oder teilweise zu zerstören“. "
Ich bin mir nicht sicher ob das motiv wirklich existierte die "armenische ethnie oder rasse" zu zerstören.
Abgesehn davon könnte man auch noch drauf schauen was die Osmanische Regierung davon hätte. Worin hat sie einen gewinn, wenn sie die armenier vernichtet? Und wenn sie einen Gewinn hätte, wäre dieser aufwand dafür wert?
Ich erkenne weder motiv noch erkenne ich einen Gewinn.
Ich plädiere dafür, dass die Wissenschaft sich mal an einen Tisch setzt und genau abwägt, die fakten sich anschaut und alle dokumente analysiert um ein wissenschaftliches ergebnis daraus zu schließen. Bis jetzt war dieses Thema all zu emotional geladen.
zum Angriff
der 21 jähriger Täter wurde zu 22 Jahre Haft verurteilt
mich wundert es nicht wenn er als nächstes auf die Türkische Justiz losgeht ,weil die Strafe zu hoch war
[...]
Gekürzt. Bitte formulieren Sie inhaltliche Kritik am Artikel anhand sachlicher Argumente. Danke. Die Redaktion/lv
aber der Dink fall ist mit sicherheit kein Werk der Sakulären!! Alle Mörder und Hintermänner kommen wie erwähnt aus der Schwarzmeerregion haha das ist mit sicherheit eine region wo die SAKULÄREN NICHTS zu sagen haben!!! Man sehe ganz einfach wer in Trabzon usw. regiert und seine Anhänger hat!! Die AKP und ein bissl die MHP die inzwischen mehr ismlamisch als nationalistisch ist!!!
Irgendwann werden die Europäer und alle Kritiker des kemalismus merken was sie da angerichtet haben!!!
Bitte achten Sie auf einen sachlichen Diskussionston. Danke. Die Redaktion/lv
Ich sag ganz offen, das mir diese Geschichte vom "Genozid an den Armeniern" nicht geheuer ist.
http://de.wikipedia.org/w...
"Ein Völkermord oder Genozid ist seit der Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes von 1948 ein Straftatbestand im Völkerstrafrecht, der definiert ist durch die Absicht, „eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe ganz oder teilweise zu zerstören“. "
Ich bin mir nicht sicher ob das motiv wirklich existierte die "armenische ethnie oder rasse" zu zerstören.
Abgesehn davon könnte man auch noch drauf schauen was die Osmanische Regierung davon hätte. Worin hat sie einen gewinn, wenn sie die armenier vernichtet? Und wenn sie einen Gewinn hätte, wäre dieser aufwand dafür wert?
Ich erkenne weder motiv noch erkenne ich einen Gewinn.
Ich plädiere dafür, dass die Wissenschaft sich mal an einen Tisch setzt und genau abwägt, die fakten sich anschaut und alle dokumente analysiert um ein wissenschaftliches ergebnis daraus zu schließen. Bis jetzt war dieses Thema all zu emotional geladen.
Buch zu diesem Thema:
Guenter Lewy, Der armenische Fall. Die Politisierung von Geschichte - Was geschah, wie es geschah und warum es geschah. Edition Diwan im Wieser Vlg.
Dieses Buch ist wahrscheinlich nur antiquarisch zu bekommen aber alle, die diesen Konflikt besser verstehen wollen, sollten sich die Mühe machen.
... wenn man nicht in der Lage bei Themen mitzusprechen.
Bevor sie irgendwelche wissenschaftliche Belege bemühen o.ä. sollten Sie sich um bereits vorhandene aussagekräftige und nachweisbare Quellen berufen, anstatt Ihre Spekutlationen in den Raum zu werfen.
Gründe die Armenier loszuwerden hatte sowohl der Sultan im Omanischen Reich als auch das Triumvirat der Jungtürken. Genau genommen gab es den Völkermord zweimal und galt im Übrigen vorwiegend den Christen im Land, d.h. neben den Armeniern auch die Griechen und Aramäer und ein paar weiteren Randgruppen, die man bei der Gelegenheit auch gleich verschwinden lassen wollte.
Also bitte, lesen und bilden Sie sich, bevor Sie sich in Themen mischen, von denen Sie keinen blassen Schimmer haben. Hier ein Tipp, sogar von einem Deutschen Redakteur in akribischer Forschungsarbeit zusammen getragen und das Buch ist sicher auch online und nicht nur im Antiquariat erhältlich: Wolfgang Gust, Der Völkermord an den Armeniern.
Geschrieben von einer Aramäerin!
und man sollte sich auch zusammensetzen, um die vorliegenden wissenschaftlichen Fakten, die darauf hinweisen, dass die Erde eine Scheibe ist und vom Spaghetti-Monster geschaffen wurde, endlich ernsthaft Diskutieren
Buch zu diesem Thema:
Guenter Lewy, Der armenische Fall. Die Politisierung von Geschichte - Was geschah, wie es geschah und warum es geschah. Edition Diwan im Wieser Vlg.
Dieses Buch ist wahrscheinlich nur antiquarisch zu bekommen aber alle, die diesen Konflikt besser verstehen wollen, sollten sich die Mühe machen.
... wenn man nicht in der Lage bei Themen mitzusprechen.
Bevor sie irgendwelche wissenschaftliche Belege bemühen o.ä. sollten Sie sich um bereits vorhandene aussagekräftige und nachweisbare Quellen berufen, anstatt Ihre Spekutlationen in den Raum zu werfen.
Gründe die Armenier loszuwerden hatte sowohl der Sultan im Omanischen Reich als auch das Triumvirat der Jungtürken. Genau genommen gab es den Völkermord zweimal und galt im Übrigen vorwiegend den Christen im Land, d.h. neben den Armeniern auch die Griechen und Aramäer und ein paar weiteren Randgruppen, die man bei der Gelegenheit auch gleich verschwinden lassen wollte.
Also bitte, lesen und bilden Sie sich, bevor Sie sich in Themen mischen, von denen Sie keinen blassen Schimmer haben. Hier ein Tipp, sogar von einem Deutschen Redakteur in akribischer Forschungsarbeit zusammen getragen und das Buch ist sicher auch online und nicht nur im Antiquariat erhältlich: Wolfgang Gust, Der Völkermord an den Armeniern.
Geschrieben von einer Aramäerin!
und man sollte sich auch zusammensetzen, um die vorliegenden wissenschaftlichen Fakten, die darauf hinweisen, dass die Erde eine Scheibe ist und vom Spaghetti-Monster geschaffen wurde, endlich ernsthaft Diskutieren
im Artikel von Michael Thumann - sichtbar z.B. bei der Beerdigung von Hrant Dink, zu der 50-100.000 Menschen Hrant-Dink-Masken trugen oder Schilder 'Ich bin Hrant Dink' oder 'Wir alle sind Armenier'.
http://www.spiegel.de/fot... http://www.zeit.de/online... http://www.zeit.de/online...
... ist ja alles in Ordnung im Lande des Halbmondes. Worauf warten wir? Ab in die EU und mit Preisen für Meinungsfreiheit überhäufen.
Es waren 200.000 Trauernde um Hrant Dink. http://aghet-1915.tumblr.... Hier der Film Aghet zum Anschauen http://www.youtube.com/wa...
Wie von Seiten der türkischen Regierungspolitik die Frage einer Versöhnung mit den Armeniern behandelt wird, zeigt der Abriß des 'Denkmal der Menschlichkeit' http://de.wikipedia.org/w... in Kars, eine Arbeit von Mehmet Aksoy http://www.mehmetaksoy.co...
Die Regierungspolitik bildet aber mitnichten die Haltung der gesamten türkischen Öffentlichkeit ab http://www.faz.net/artike... http://www.deutsch-tuerki... http://www.taz.de/!69639/
... ist ja alles in Ordnung im Lande des Halbmondes. Worauf warten wir? Ab in die EU und mit Preisen für Meinungsfreiheit überhäufen.
Es waren 200.000 Trauernde um Hrant Dink. http://aghet-1915.tumblr.... Hier der Film Aghet zum Anschauen http://www.youtube.com/wa...
Wie von Seiten der türkischen Regierungspolitik die Frage einer Versöhnung mit den Armeniern behandelt wird, zeigt der Abriß des 'Denkmal der Menschlichkeit' http://de.wikipedia.org/w... in Kars, eine Arbeit von Mehmet Aksoy http://www.mehmetaksoy.co...
Die Regierungspolitik bildet aber mitnichten die Haltung der gesamten türkischen Öffentlichkeit ab http://www.faz.net/artike... http://www.deutsch-tuerki... http://www.taz.de/!69639/
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