Stadtplanung Alle haben Vorfahrt!
Die Städte wagen etwas ganz Neues: Straßen ohne Regeln, ohne Bürgersteige und Radwege – das Ziel ist die Freiheit des geteilten Raums.
Wo immer es ein Problem gibt, stellt der Deutsche ein Schild auf. Und sollte sich das Problem dadurch nicht lösen, sollte weiter etwas unklar, gar potenziell gefährlich erscheinen, stellt er ein zweites Schild hinzu oder ein drittes. Mehr als 20 Millionen Verkehrsschilder gibt es bereits auf den deutschen Straßen und Plätzen, im Durchschnitt steht alle 28 Meter eines, die Autobahnen mitgerechnet. Es gibt 39 unterschiedliche Gefahrenzeichen, 74 unterschiedliche Vorschriftszeichen, 93 unterschiedliche Richtzeichen, 26 unterschiedliche Sinnbilder und 133 Zusatzzeichen, insgesamt sind es 365 verschiedene Verkehrsschilder. Alles scheint geregelt, alles bezeichnet, nur für eines gibt es noch kein Schild: für das Unausdenkbare, für eine Straße ohne Regeln, ohne Ampeln, ohne Bordsteinkanten. Shared Space heißen solche Straßen, in vielen Städten werden sie gerade gebaut.
Ein großer Zeichen-, ein Bildersturm von calvinistischen Ausmaßen tobt derzeit durch viele Kommunen und räumt alles ab, was den Stadtplanern so heilig war: die Radwege und Bürgersteige, sämtliche Schraffierungen, Markierungen, Schwellen, Planken und Drängelgitter, selbst die Ampeln sollen verschwinden. Was überreguliert war, wird entregelt: Im Shared Space, im geteilten Raum der Städte, soll nichts mehr vorherbestimmt sein. Niemand hat mehr Vorfahrt oder, genauer: Alle haben Vorfahrt!
Bislang verlangte es die Deutschen erstens nach Ordnung, zweitens nach Sicherheit. Als besonders ordentlich und sicher galt vor allem die Fußgängerzone, die vor gut 50 Jahren erfunden wurde. Sie war ein Reservat, hier bummelte der Bürger ungestört vor sich hin, unbehelligt vom Lärm des Autoverkehrs, vom Dreck der Fabriken, abgetrennt auch von den Wohnquartieren, den Spiel- und Sportplätzen, denn alles hatte seine Zone, und dort sollte es auch bleiben. Die Grenzen zwischen den Sphären des Arbeitens, Wohnens und Einkaufens waren deutlich gezogen, nichts in der modernen Stadt des 20. Jahrhunderts sollte dem Zufall überlassen bleiben. Nur der Mensch blieb seltsam unberechenbar, sehr zum Ärger der angstgetriebenen Städteplaner. Aber auch das, sie waren sich sicher, würden sie irgendwann in den Griff bekommen, Schilder hatten sie ja genug.
Am Ende aber gebar die autoritäre Regelwut nur nackte Ödnis. Da mochten in den Fußgängerzonen noch so viele Anden-Indianer ihre Panflöten malträtieren, um die falsche Ruhe zu vertreiben: Die Trostlosigkeit dieser pseudourbanen Douglas-Schlecker-Burger-King-Areale war nicht zu überbieten. Gepflastert mit kaugummiverklebten Granitplatten, zugestellt mit Blumenkübeln aus Waschbeton, aufgehübscht mit Bronzeschweinchen, Bronzekühen oder auch einem Künstlerbrunnen, waren die Fußgängerzonen spätestens nach Geschäftsschluss menschenleer. Alles Leben war erfolgreich vertrieben.
Jetzt aber holt man es zurück, und wenn nicht alles trügt, dann geht die kurze Geschichte der Fußgängerzonen bereits dem Ende zu. Ein neues Denken zieht in die deutschen Städte ein, eine neue Lust am Urbanen. Unter den Stadtplanern haben sich die Ideale des Shared Space längst herumgesprochen, und viele kleinere Kommunen, vor allem in den Niederlanden und in der Schweiz, haben bereits erste – und meist sehr gute – Erfahrungen mit der bislang so ungewohnten Offenheit machen können. Jetzt wagen sich auch die ersten Großstädte daran, ihre Schilderwälder zu roden und es dem freien Spiel der Verkehrskräfte zu überlassen, sich selbst zu regeln. Der VCD, der Verkehrsclub Deutschland, staunte, als er kürzlich in einer Erhebung feststellen konnte, in wie vielen deutschen Städten bereits über die Ideen des Shared Space nachgedacht wird und wie viele Bürgermeister bereit sind, in die Verwandlung ihrer Citys zu investieren. Ob die Lange Reihe in Hamburg oder die Wilmersdorfer Straße in Berlin-Charlottenburg – selbst für stark befahrene Straßen wird nun ernsthaft erwogen, die täglich zigtausend Autos, Busse, Fahrräder, Motorräder, Fußgänger in die totale Regelfreiheit zu entlassen. Es gilt lediglich das Rechts-vor-links-Gebot, alles andere muss sich weisen.
Wer sich regelwidrig verhielt, wurde gnadenlos niedergehupt
Eine erstaunliche Entwicklung: Die eben noch ängstlichen Stadtplaner fürchten sich nicht länger vor dem großen Durcheinander, sondern begreifen es als große Chance. Die Stadt ist nicht länger Zone, sie darf wieder Raum sein, undefiniert. Und damit verwandelt sich auch der Mensch, in dem die Planer bislang stets den Verkehrsteilnehmer sahen, der sich möglichst normiert, möglichst vorhersehbar zu verhalten hat. Er sollte gehorchen, die Regeln beachten, das war alles, was man von ihm erwartete. Und nicht wenigen gefiel das: Ampeln und Schilder erzeugen Sicherheit, bedeuten überall dasselbe, auf sie ist Verlass. Ebendadurch aber anonymisieren sie das öffentliche Leben, weil viele Entscheidungen und Begegnungen vorhersehbar werden, standardisiert und damit oft leblos. Mit dem Shared Space kehrt das Unvorhersehbare zurück in die Städte: Nicht Sicherheit, sondern Unsicherheit befördert dieser Raum. Er fordert Anteilnahme, Aufmerksamkeit, er verlangt, dass jeder den anderen sieht.
Wenn Fußgänger, Skateboardfahrer, Radfahrer, Autofahrer, wenn die Eiligen und die Langsamen, wenn die Raser, die Flaneure, die Kinder, die Alten, die Karrieristen und die In-den-Tag-hinein-Lebenden sich einen Raum teilen, dann kann das nur gelingen, wenn sie sich gegenseitig im Blick haben. Sie geben sich Zeichen, weil es die Zeichen der Verkehrsbehörde nicht mehr gibt. Sie sind gezwungen, von sich selbst abzusehen und sich bewusst zu sein, dass sie nicht allein sind, sondern vielmehr etwas teilen, auch wenn es nicht mehr ist als ein Raum.
Im bisherigen Verkehrssystem ging es darum, wer Recht hat, wer den Regeln gehorcht, und alle, die sich regelwidrig verhielten, wurden gnadenlos niedergehupt und im Zweifel über den Haufen gefahren. Das neue regellose, ungehorsame System des Shared Space führt jedem Ich vor, dass es nichts ist ohne das Wir. Ohne Vertrauen, ohne Gesten des Einvernehmens ist kein Vorankommen. Hier zeigt sich: Der öffentliche Raum kann eine zivilisierende Wirkung haben.
War bislang Entschleunigung etwas, das nur in der Privatsphäre des Einzelnen diskutiert wurde, wird sie jetzt gesellschaftsfähig – und zwar mit konkreten Folgen. Erste empirische Studien belegen, dass die Anwohner einer Shared-Space-Straße »deutlich häufigere und intensivere soziale Beziehungen« zu ihren Nachbarn pflegen. Und für viele Städter gewinnen gerade diese Nahräume in Zeiten der Globalisierung, in denen vieles austauschbar und beliebig zu werden droht, an Bedeutung. In Hamburg spricht man daher nicht zufällig von Gemeinschaftsstraßen, wenn der Shared Space gemeint ist.
Interessanterweise begegnen sich in diesem Bedürfnis nach ungelenkter Begegnung gleich zwei Entwicklungen, die eine im realen, die andere im digitalen Raum. Auch das Internet lässt sich ja als eine Art Shared Space begreifen, dort sind sogenannte Open Spaces ungemein populär, in denen beliebige Themen von beliebig vielen Menschen diskutiert werden können, selbst organisiert und selbst verantwortlich. Die dafür nötige Technik wurde um 1985 in den USA von Harrison Owen entwickelt, genau zur selben Zeit, in der ein gewisser Hans Monderman in dem Dorf Oudekaste im niederländischen Friesland seine ersten Experimente mit schilderlosen Straßen unternahm, die ihn später zum Urvater der Shared-Space-Bewegung machen sollten. Owen wie auch Monderman wurden früh mit ähnlichen Vorbehalten konfrontiert: Das liberalisierende Moment des Open und des Shared Space, die anarchische Kraft, die hier zutage tritt, scheint bis heute viele Menschen zu schrecken.
Die Umwälzungen sind ja auch gewaltig, geradezu epochal. Und gerade die Widerstände zeigen, dass der Shared Space weit mehr ist als nur ein Verkehrskonzept. Er verkörpert ein gewandeltes Weltverständnis und verlangt ein neues Bewusstsein: Das lineare weicht dem komplexen Denken, alles Getaktete wird fluid, die strengen Grenzen eines genormten Daseins lösen sich auf. Und anders noch als in den achtziger Jahren, als viele für Verkehrsberuhigung und Spielstraßen eintraten, ist nicht länger Ruhe das Ideal, sondern ein lebendiges Chaos. Planer planen das Ungeplante, einen Raum, der nicht determiniert ist – wann hat es das je gegeben?
Wachsende Unsicherheit macht das Fahren sicherer!
Für die meisten Autofahrer eine Schreckensvision: Wird man im Shared Space überhaupt noch vorankommen? Und was ist mit Kindern, Rentnern, Rollstuhlfahrern, wenn es keine Bürgersteige und Zebrastreifen mehr gibt? Braucht es nicht doch Regeln, um die Schwachen vor den Starken zu schützen (und auch umgekehrt)?
Die Antwort der Shared-Space-Freunde auf all diese Fragen ist: Risikohomöostase. Wo Schilder abmontiert und Ampeln ausgeschaltet werden, wo die Straßen so gestaltet sind, dass niemand mehr recht zu sagen weiß, wie sich eigentlich wer zu bewegen hat, sinken die Unfallzahlen, oft sogar drastisch. Denn wachsende Unsicherheit macht das Fahren sicherer! Gerade weil der Fahrer eines Autos nicht weiß, ob ihm nicht im nächsten Moment ein Kind vor die Kühlerhaube springt, da der Spielplatz unmittelbar an die Straße grenzt – wie in manchen niederländischen Städten –, wird er ungeheuer wachsam und vorausschauend fahren. Hingegen verleitet ihn eine übersichtliche, klar gegliederte Fahrbahn zu höherem Tempo und zur Unachtsamkeit.
Noch ein weiteres Paradoxon ist dem Shared Space eigen: Nicht nur sorgt in ihm das Ungesicherte für Sicherheit, die Langsamkeit führt auch zu mehr Tempo. Denn obwohl die meisten Autos ihre Geschwindigkeit wegen des Durcheinanders stark drosseln müssen, verkürzen sich die Fahrzeiten oft deutlich. Der Verkehr staut sich nicht an irgendwelchen Ampeln, er fließt, langsam zwar, aber kontinuierlich.
Immer siegt am Ende im Shared Space die Macht der Ästhetik über die Macht der Paragrafen: Statt wie bisher die Bürger mit Bußgeldern erziehen zu wollen, setzen die Stadtplaner auf die überzeugende Wirkung der Gestaltung. Nicht nur die Pflasterung oder die Begrünung, auch die Architektur an den Straßen und Plätze wirkt sich deutlich auf das Verhalten der Menschen aus. Je vertrauter ihnen eine Stadt erscheint, auch wenn sie diese nicht kennen, desto umsichtiger werden sie fahren. Und umgekehrt: Je anonymer, kälter, beliebiger die Bauten sind, desto achtloser reagieren die meisten Menschen.
Nicht Verhinderung durch Bodenwellen, sondern Verlockung durch Schönheit heißt daher eine der Shared-Space-Strategien. Nicht das schnelle Fortkommen ist das Planungsziel, sondern die Freude am Verharren. Aber eben weil das urbane Leben dadurch lebenswerter wird, lehnen absurderweise manche Bürger den Shared Space ab. Gerade in Deutschland gibt es in vielen Städten erstaunliche Proteste, im Hamburger Stadtteil St. Georg zum Beispiel. Dort fürchten die Gegner, dass ihr Quartier durch eine Umwandlung der Langen Reihe noch beliebter werden könnte – und so am Ende die Mieten weiter kräftig steigen. Andere bangen um ihren Parkplatz, denn tatsächlich verträgt es ein Shared Space nicht, wenn überall Autos parken und den notwendigen Austausch, das Sehen und Gesehenwerden, unmöglich machen.
Die Briten hingegen scheinen pragmatischer gesinnt: Weniger Lärm, weniger Staus, weniger Schmutz – viele Städte haben sich in Großbritannien für eine road revolution, wie es dort heißt, entschieden. Aber dort wie hier taugt der Shared Space nicht zur Ideologisierung. Jede Stadt muss selbst entscheiden, ob und wie sie die Ideen des Stadtplaners Monderman umsetzt oder variiert; manchmal gelingen auch Zwischenformen, man muss ja nicht immer gleich alle Ampeln abschrauben.
Gegen den Willen der Bürger jedenfalls wird man keine Straße umwandeln wollen. Für Monderman hieß Shared Space immer auch, möglichst früh möglichst viele Menschen in die Planung einzubinden, ihre Bedürfnisse zu erkunden, ihre Kritik ernst zu nehmen, auch für blinde oder taube Menschen eigene Möglichkeiten zu finden – und so bereits das zu stärken, was seine Gemeinschaftsstraßenpläne im Kern ausmacht: die Achtsamkeit füreinander.
Gewiss wird man Schnellstraßen, gar Autobahnen nicht in einen Shared Space verwandeln wollen. Aber überall dort, wo verschiedenste Interessen nach Raum verlangen, bietet sich jetzt die Chance, das vermeintlich Unvereinbare zu vereinen. Jeder darf alles überall, solange er keinen gefährdet. Vorbei ist die Ära der tayloristischen Stadt; in Zeiten der Hyperindividualisierung scheint der Shared Space die einzige adäquate Antwort zu sein: Hier zählt nicht die Masse, hier zählt der Einzelne. Und doch wächst unterm Pflaster der Gemeinsinn – und kriecht wie Unkraut durch jede Ritze.
- Datum 03.08.2011 - 06:45 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 28.7.2011 Nr. 31
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Leider habe ich zu wenig Zeit um was tiefer gehendes zu schreiben. Dieser Jubelartikel ist getretener Quark. Getretener Quark wird breit, nicht stark.
Dies eine "Befreiung" der Verkehrsteilnehmer zu nennen empfinde ich als eine Frechheit. Die Verkehrsteilnehmer würgen sich durch ihre Teilnahme am Verkehr ohne eigene Schonräume sich gegenseitig zu Tode. Eine Deregulierung führt zu viel größeren Zwängen als es eine Regunlierung es jemals könnte.
Wäre ich boshaft, dann würde ich behaupten, dass man den Leuten gerade eine stadtweite Tempo 30 Zone verkauft ohne sie so zu nennen.
Es scheint schon schrecklich für manche Menschen zu sein, wenn sie entschleunigen und achtsam werden müssen, dabei ist genau das die Chance ihres Lebens, gesünder alt und auch noch gelassen und glücklich zu werden. Zur Frage der Achtsamkeit und des Glücks erinnere ich an den Achtsamkeitskongress, der in diesem Monat in HH läuft, an die Achtsamkeitsbewegung, die sich in slow food, achtsame Medizin usw. untergliedert...
Auf arte kam vor einiger Zeit eine Reportage über einige niederländische Projekte zu dem Thema.
Sieht man davon ab, dass die in Holland weit verbreiteten Kreisel dem Shared-Space-Konezept sehr zugute kommen, war ich wirklich positiv überrascht.
Die Leute, die im Gegensatz zum ersten Poster schonmal einen solchen Shared-Space genutzt haben, waren alle sehr angetan. Einige beklagten sich über etwas größere Anstrengung bei der Fahrt, weil sie aufmerksamer sein müssen. Aber dafür wurden erstaunlicherweise die Fahrtzeiten TROTZ deutlich geringerer Spitzengeschwindigkeiten kürzer. Die Durchschnittsgeschwindigkeit stieg nämlich durch die entfallenden Stopps an Ampeln. Und das in Holland, wo jede zweite Kreuzung ein Kreisel ist und gar keine Ampel hat!
Ich stehe jedenfalls diesen Versuchen sehr offen gegenüber und würde ein Projekt in meiner Nähe (Raum Düsseldorf) begrüßen, um es selber mal zu testen.
""Keine Regeln" führt zu "Anarchie" - jedenfalls in der heutigen zivilisierten Gesellschaft, denn die "Erwachsenen" sind lt. Erich Fromm nicht wirklich erwachsen. Sie sind von ihrem wahren Selbst, vom Potenzial ihrer innewohnenden höheren Vernunft, von der universellen Weisheit und ihren Gesetzen abgetrennt."
Wenn Sie davor wirklich Angst haben, muss ein Shared-Space-Projekt für Sie doch ein absoluter Segen sein. Sehen Sie es als erzieherische Maßnahme. Entweder Ihre kindischen Erwachsenen lernen Eigenverantwortung und Rücksichtnahme oder Sie enden als Verkehrstote.
... Ihnen fehlt weniger die Zeit zum Schreiben als vielmehr die Zeit (und der Wille), sich näher mit den hier beschriebenen Konzepten zu befassen, die Sie hier so pauschal verdammen. Aber wie sagte schon C.G. Jung: "Denken ist schwer, darum urteilen die meisten."
Es scheint schon schrecklich für manche Menschen zu sein, wenn sie entschleunigen und achtsam werden müssen, dabei ist genau das die Chance ihres Lebens, gesünder alt und auch noch gelassen und glücklich zu werden. Zur Frage der Achtsamkeit und des Glücks erinnere ich an den Achtsamkeitskongress, der in diesem Monat in HH läuft, an die Achtsamkeitsbewegung, die sich in slow food, achtsame Medizin usw. untergliedert...
Auf arte kam vor einiger Zeit eine Reportage über einige niederländische Projekte zu dem Thema.
Sieht man davon ab, dass die in Holland weit verbreiteten Kreisel dem Shared-Space-Konezept sehr zugute kommen, war ich wirklich positiv überrascht.
Die Leute, die im Gegensatz zum ersten Poster schonmal einen solchen Shared-Space genutzt haben, waren alle sehr angetan. Einige beklagten sich über etwas größere Anstrengung bei der Fahrt, weil sie aufmerksamer sein müssen. Aber dafür wurden erstaunlicherweise die Fahrtzeiten TROTZ deutlich geringerer Spitzengeschwindigkeiten kürzer. Die Durchschnittsgeschwindigkeit stieg nämlich durch die entfallenden Stopps an Ampeln. Und das in Holland, wo jede zweite Kreuzung ein Kreisel ist und gar keine Ampel hat!
Ich stehe jedenfalls diesen Versuchen sehr offen gegenüber und würde ein Projekt in meiner Nähe (Raum Düsseldorf) begrüßen, um es selber mal zu testen.
""Keine Regeln" führt zu "Anarchie" - jedenfalls in der heutigen zivilisierten Gesellschaft, denn die "Erwachsenen" sind lt. Erich Fromm nicht wirklich erwachsen. Sie sind von ihrem wahren Selbst, vom Potenzial ihrer innewohnenden höheren Vernunft, von der universellen Weisheit und ihren Gesetzen abgetrennt."
Wenn Sie davor wirklich Angst haben, muss ein Shared-Space-Projekt für Sie doch ein absoluter Segen sein. Sehen Sie es als erzieherische Maßnahme. Entweder Ihre kindischen Erwachsenen lernen Eigenverantwortung und Rücksichtnahme oder Sie enden als Verkehrstote.
... Ihnen fehlt weniger die Zeit zum Schreiben als vielmehr die Zeit (und der Wille), sich näher mit den hier beschriebenen Konzepten zu befassen, die Sie hier so pauschal verdammen. Aber wie sagte schon C.G. Jung: "Denken ist schwer, darum urteilen die meisten."
Kann dem nur zustimmen. Generell haben wir in unseren Städten noch viel zu viele Autos. Das Ampelsystem ist gut für sie, für Fußgägner und Radfahrer aber mühsam. Sie werden an den Rand gequetscht und sind zwischen den Seiten eingeklemmt. Auch nehmen die Parkplätze unglaublich viel Raum weg. Ich lebe zur Zeit in Wien, da ist die halbe Stadt zugeparkt und sie können bis auf wenige Meter an den Stephansdom ran. Warum? Viele absolut schöne, zentrale Bezirke sind von Parkplätzen überhäuft, Platz für Bänke und Bäume ist kaum. Der Naschmarkt ist zwischen der linken und der rechten Wienzeile eingeklemmt. Wir müssen den Autoverkehr in den Städten deutlich reduzieren, nicht aber den Verkehr selbst. Es braucht wieder Straßenbahnen, die gemächlich, oberirdisch verkehren und den Menschen die Beziehung zur Sdtadt lassen. Die Vorhersehbarkeit und Langeweile des getrennten Verkehrs hat die Langeweile erhöht, vor allem sind aber auch die Geschwindigkeiten der Fahrzeuge zu hoch. Und zu aller letzt sind Ampeln, Zebrastreifen und Fahrwege oft so willkürlich, dass es vor allem als Radfahrer schwer fällt, sich daran zu halten.
Die Menschen auf den Straßen nun in eine völlige "Freiheit" und Regellosigkeit zu entlasxsen halte ich für völlig absurd.
Sobald es keine Regeln mehr gibt herrscht plötzlich das Recht des Stärkeren. Und wer ist das auf der Straße? Der Fußgänger steht in dieser Reihe ganz am Ende und das Auto recht weit vorn, doch auch Autos oder LKW's untereinander werden sich erbitterte Kriege liefern.
Zur Zeit habe ich die Chance den pakistanischen Verkehr etwas zu genießen.
In einem Ort, den wir wohl als "Kleinstadt", laut Artikel also ideal für shared space, bezeichnen würden gibt es auch keine Gehwege, keine Straßen. Der Ort besteht aus einer Teerbahn die sich Fußgänger und Autos und alles andere teilen. Es endet im Chaos.
Man könnte behaupten das läge nur an der Mentalität, aber Gesetze und Regeln beeinflussen nun mal die Mentälität über einen langen Zeitraum.
Wenn wir also unsere schönen ruhigen Fußgängerzonen aufgeben und in "Plätze des Lebens" verwandeln wollen dann ist das Leben das wir uns dort hinholen nur ein stressiges durcheinander von Fußgängern und Autos....
Menschen brauchen Regeln und es ist schade das wir nun anfangen uns einem Trend hinzugeben ohne ihn mal näher zu beleuchten.... typisch deutsch!
Die Behindertenvertreter in Deutschland gehen gegen das Verkehrskonzept vor, weil es Menschen mit Sehbehinderungen und Menschen, die im Straßenverkehr unsicher sind, an der Nutzung der Verkehrsflächen effektiv hindert.
Nicht umsonst ziehen diese Menschen entweder in eine Stadt mit strukturieren Verkehrsflächen oder in ein Heim um. Sie werden in Shared Space-Zonen bestimmte Personengruppen nicht mehr finden.
Und das Schicksal der Fußgängerzonen ist von den Kommunen durch die Outlet-Center und Passagen/ EKZ außerhalb herbeigeführt worden. Daran ändert shared space gar nichts.
Es wird für alle ohne Knautschzone wesentlich unsicherer.
Und der Kommentar zur Tempo 30-Zone stimmt natürlich auch.
Stadtplanerische Mode halt, wie die Kreisverkehre.
Es scheint schon schrecklich für manche Menschen zu sein, wenn sie entschleunigen und achtsam werden müssen, dabei ist genau das die Chance ihres Lebens, gesünder alt und auch noch gelassen und glücklich zu werden. Zur Frage der Achtsamkeit und des Glücks erinnere ich an den Achtsamkeitskongress, der in diesem Monat in HH läuft, an die Achtsamkeitsbewegung, die sich in slow food, achtsame Medizin usw. untergliedert...
Erstmal @dborrmann: Was zu einem glücklichen und entspannten Leben führt überlassen Sie doch bitte jedem selbst. Auch wenn für Sie Entspanntheit mit Slow Food und langsamen Fahren gleichzusetzen ist, gilt das nicht für jeden. Ich bin definitiv entspannter, wenn ich nicht einen Großteil meines Lebens im Auto verbringen muss..
Zurück zum Thema:
An sehr vielen Stellen kann ich mir durchaus vorstellen, dass dieses Konzept Zukunft hat.
Viel zu oft sehe ich, wie zum Beispiel Fußgänger an einer leeren Straße an einer Fußgängerampel warten nur um für das nächste Auto eine rote Ampel zu verursachen. Solche Loose-Loose-Situationen würden definitiv wegfallen und den Verkehr flüssiger machen.
Auf Hauptverkehrsstraßen hat das Konzept jedoch imo nichts verloren. Ab einer bestimmten Verkehrsdichte fällt der Vorteil dieser Regelung schlicht weg und es bleibt die Verlangsamung.
Erstmal @dborrmann: Was zu einem glücklichen und entspannten Leben führt überlassen Sie doch bitte jedem selbst. Auch wenn für Sie Entspanntheit mit Slow Food und langsamen Fahren gleichzusetzen ist, gilt das nicht für jeden. Ich bin definitiv entspannter, wenn ich nicht einen Großteil meines Lebens im Auto verbringen muss..
Zurück zum Thema:
An sehr vielen Stellen kann ich mir durchaus vorstellen, dass dieses Konzept Zukunft hat.
Viel zu oft sehe ich, wie zum Beispiel Fußgänger an einer leeren Straße an einer Fußgängerampel warten nur um für das nächste Auto eine rote Ampel zu verursachen. Solche Loose-Loose-Situationen würden definitiv wegfallen und den Verkehr flüssiger machen.
Auf Hauptverkehrsstraßen hat das Konzept jedoch imo nichts verloren. Ab einer bestimmten Verkehrsdichte fällt der Vorteil dieser Regelung schlicht weg und es bleibt die Verlangsamung.
deregulieren, wo es Sinn macht! Bald jede Kreutzung an Landstraßen und wenn diese noch soweit einsehbar ist wird mit Geschwindigkeitsbegrenzungen oder sinnlosen Ampeln reguliert. Ein schönes beispiel ist die Landstraße Kamsdorf - Unterwellenborn.Dort sind auf 1,5 Km fünf Ampeln. Der witz ist dann, das der Ansturm vom Praktiker/Kaufland unreguliert ist, wo das Verkehrsaufkommen am höhsten ist. Welch Planer sich sowas ausdenken, dürften die Hauptschule verfehlt haben!
"Keine Regeln" führt zu "Anarchie" - jedenfalls in der heutigen zivilisierten Gesellschaft, denn die "Erwachsenen" sind lt. Erich Fromm nicht wirklich erwachsen. Sie sind von ihrem wahren Selbst, vom Potenzial ihrer innewohnenden höheren Vernunft, von der universellen Weisheit und ihren Gesetzen abgetrennt.
Das Verzichten auf von außen vorgegebene Regeln würde nur funktionieren in einer wirklich gesunden Gesellschaft, in der die Menschen mit diesem - wichtigen - Teil ihrer selbst auch wirklich verbunden sind und aus ihm, aus dem höheren Bewußtsein, denken und handeln.
Das theoretische Konzept "alle haben Vorfahrt" - oder "keiner hat Vorfahrt" ist eine tolle Sache - aber es funktiniert in einer kranken Gesellschaft nicht!
Andere "edle" Konzepte - wie "Kommunismus / Sozialismus" oder ähnliche sind ebenfalls daran gescheitert, daß die Erfinder / Betreiber nicht mit dem Faktor "Kollektive (Zivilisations-)Neurose" gerechnet haben, von dem sie selbst ebenso befallen waren wie ihre "Opfer".
Seit das Wort "Neurose" erfunden wurde, neigte man dazu, diese zivilisationsgesellschaftliche Krankheit "Kollektive Neurose", "Gesellschaftsneurose", "Normalneurose" usw. zu nennen. Die Krankheit ist aber viel älter als das Wort Neurose - so etwa 5.000 bis 10.000 Jahre.
Früher nannte man sie einfach die "Dummheit" oder bis vor ein paar Jahrzehnten im Vaterunser das "Übel" - oder "Sünde" = "Abtrennung".
Heilung ist möglich. Durch Selbsterkenntnis und -entwicklung...
Abgesehen von Ampeln, die notwendig sind, damit auch behinderte Personen eine Straße gefahrlos überqueren können, kann im Grunde das gesamte Regelwerk weg. Die Ampeln können on-demand geschaltet werden, sprich auf den Knopf drücken, dann werden sie ratzfatz rot, ansonsten sind sie ausgeschaltet. Klappt hier an einem Kindergarten perfekt, die ist innerhalb von zwei Sekunden auf Rot, ein Paradies für Fussgänger und bei Nichtgebrauch stört sie nicht weiter.
Aus den meisten Kommentaren hier spricht doch die nackte Angst, Eigenverantwortung übernehmen zu müssen. Statt Schild und Ampel zu beachten, muss man plötzlich den Verkehr beobachten-viele überfordert das, gerade in einem Rentnerstaat eine Provokation, schließlich ist unser Schilderwald eher dem betreuten Fahren geschuldet, denn einem fließenden Verkehr.
Und die Furcht vor der 30-Zone, sie ist unbegründet. Man verliert für den innerstädtischen Weg vielleicht 5 Minuten, gewinnt aber massiv an Sicherheit und Entspannung beim fahren. Tödliche Unfälle bei 30kmh sind eigentlich unmöglich, nicht rechtzeitig reagieren zu können bei den modernen Bremsen auch.
Aber in Deutschland geht das noch nicht. Wir haben zu viele Alte, die noch gelenkt werden müssen, die den Befehl von Oben brauchen, wie der Fisch das Wasser. Die würde man alle traumatisieren, wenn man sie in die Freiheit entließe und sie nötigen würde, selber denken zu müssen, wo sie es bis dato nie getan haben. Im Auto.
1. Gehen Sie davon aus, das jeder Mensch ein Vernunftmensch ist. Das dem nicht so ist merkt man ja wohl täglich im Straßenverkehr. Wenn Leute jetzt schon Schilder ignorieren, werden Sie auch spielende Kinder ignorieren.
2. Können auch Unfälle bei 30km/h tödlich sein. (Es gibt nämlich nicht nur Autofahrer) Außerdem: Querschnittsgelähmt ist vlt. nicht tot, aber trotzdem nicht wünschenswert.
3. Waren Sie mal in einem dieser "Entwicklungsländer?" Da gibt es "Shared Space" schon. Und zwar weil man sich keine Schilder leisten kann. Und was ist die Folge? Das jeder macht was er will und die Unfallquote um das mind. 10-fache höher ist als in Deutschland. Wie kann man nur glauben, dass ohne Regeln ein "Wir-Gefühl" entsteht? Im Gegenteil, jeder wird noch mehr auf sich achten und das sicherste Auto wird gewinnen. Das hat nichts mit "Angst vor Eigenverantwortung" zu tun. Ich möchte sie mal sehen, wie sie als Deutscher durch den "Shared Sapce Jakarta" fahren.
4. Weiß nicht jeder was "rechts vor links ist". Ein Vorfahrtschild macht sich da oft einfacher.
5. Glauben denn alle, dass die Schilder hier umsonst da sind? Vielleicht sind es etwas zu viele, aber mal ehrlich, wenn man sich an die Geschwindigkeiten hält und nicht gerade schläft beim fahren, habe ich noch nie ein Problem gehabt alle zu beachten. Ursprünglich wurden die Schilder mal aufgestellt, weil z.B. einige Leute zu dämlich waren Gefahren selber zu erkennen und regelmäßig mit 100 in irgendwelche Leitplanken gefahren sind.
1. Gehen Sie davon aus, das jeder Mensch ein Vernunftmensch ist. Das dem nicht so ist merkt man ja wohl täglich im Straßenverkehr. Wenn Leute jetzt schon Schilder ignorieren, werden Sie auch spielende Kinder ignorieren.
2. Können auch Unfälle bei 30km/h tödlich sein. (Es gibt nämlich nicht nur Autofahrer) Außerdem: Querschnittsgelähmt ist vlt. nicht tot, aber trotzdem nicht wünschenswert.
3. Waren Sie mal in einem dieser "Entwicklungsländer?" Da gibt es "Shared Space" schon. Und zwar weil man sich keine Schilder leisten kann. Und was ist die Folge? Das jeder macht was er will und die Unfallquote um das mind. 10-fache höher ist als in Deutschland. Wie kann man nur glauben, dass ohne Regeln ein "Wir-Gefühl" entsteht? Im Gegenteil, jeder wird noch mehr auf sich achten und das sicherste Auto wird gewinnen. Das hat nichts mit "Angst vor Eigenverantwortung" zu tun. Ich möchte sie mal sehen, wie sie als Deutscher durch den "Shared Sapce Jakarta" fahren.
4. Weiß nicht jeder was "rechts vor links ist". Ein Vorfahrtschild macht sich da oft einfacher.
5. Glauben denn alle, dass die Schilder hier umsonst da sind? Vielleicht sind es etwas zu viele, aber mal ehrlich, wenn man sich an die Geschwindigkeiten hält und nicht gerade schläft beim fahren, habe ich noch nie ein Problem gehabt alle zu beachten. Ursprünglich wurden die Schilder mal aufgestellt, weil z.B. einige Leute zu dämlich waren Gefahren selber zu erkennen und regelmäßig mit 100 in irgendwelche Leitplanken gefahren sind.
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