Wochenmarkt Jetzt königliche junge Erbsen!

Wer in den siebziger Jahren aufgewachsen ist, kennt sie vor allem als »Bonduelle – das famose Zartgemüse aus der Dose«. War damals auch nicht schlecht, etwas lasch vielleicht. Dann kam die Erbse tiefgekühlt in den Handel, und man merkte, die kann auch anders: knackig, frisch, knallgrün. Warum aber, fragte man sich irgendwann als erwachsener Mensch, macht man die eigentlich nie frisch?

Alle Wochenmarkt-Rezepte

Alle Wochenmarkt-Rezepte

Diese Frage stellte sich auch Ludwig XIV. Bis ins 17. Jahrhundert war die Erbse eines der Grundnahrungsmittel der weniger königlichen Schichten gewesen, allerdings nur in ihrer getrockneten, dann eingeweichten und schließlich zu Erbsenmus verkochten Form. An sich eine klasse Idee, da dieses eiweißhaltige Gemüse schnell verdirbt. Ludwig aber hatte gehört, dass die ausgefuchsten Italiener die feinen, eigentlich noch unreifen Erbsen sofort nach der Ernte verspeisten – als Delikatesse. Die Köche des Königs bekamen den Befehl, sich ins Zeug zu legen, und erdachten alle möglichen Rezepte. Es gibt Berichte von Prinzessinnen, die wegen der Erbse kein Auge mehr zutun konnten, so euphorisiert waren sie. Auch der Sonnenkönig war angetan. Fortan ließ er die sogenannten Schmetterlingsblütler in seinen Gewächshäusern kultivieren, sodass er das ganze Jahr auf petits pois , frisch geerntete Erbsen, zurückgreifen konnte.

Anzeige

Eine typisch französische – und möglicherweise die (im Doppelsinn) leichtfeste – Art, das Zartgemüse zuzubereiten, findet man in Le Cuisinier François (»Der französische Koch«), einem Kochbuch von 1651, das heute immer noch aufgelegt wird.

Die Erbsen aus der Schote lösen (Waschen erübrigt sich) und zehn Minuten in etwas Wasser kochen. In einem anderen Topf die fein gehackten Frühlingszwiebeln und die Kopfsalatherzen in der Butter andünsten. Die Erbsen und etwas von ihrem Kochwasser hinzugeben und nochmals fünf bis zehn Minuten dünsten. Salzen, ein wenig frisch gemahlenen weißen Pfeffer und in feine Streifen geschnittenen Estragon hinzugeben. Dieses Gericht passt sehr gut zu Geflügel oder Kalb.

Übrigens hatte Ludwig, der für die Verbreitung des Zartgemüses einiges getan hat, selbst nicht lange Freude an den raffinierten Erbsengerichten seiner Hofköche. Ihm wurden – eine etwas übertriebene zahnärztliche Maßnahme – alle Zähne gezogen. Ob er sich fortan mit dem Arme-Leute-Erbsenbrei begnügte, ist nicht bekannt.

Petits pois à la française

2 kg frische Erbsen
30 g Butter Frühlingszwiebeln
3 Kopfsalatherzen
frischer Estragon, weißer Pfeffer, Salz

Man sollte die Erbsen so schnell wie möglich nach der Ernte verarbeiten, sonst verlieren sie an Geschmack. Auch im Kühlschrank halten sie sich höchstens drei Tage.

 
Leser-Kommentare
  1. Eigentlich ein herrliches Rezept, nur sind die frischen Erbsen nun selten, denn eigentlich pflückt man die im Mai-Juni, vor allem wenn Juni so heiß war, wie dieses Jahr, denn da bekamen die Erbsen schon Mehltau.
    Übrigens, manche geben noch ganz fein geschnittenen frischen Bauchspeck dazu...

    Eine Leser-Empfehlung
  2. Sorry, schade drum. Frische Erbsen zehn Minuten zu kochen ist zuviel. Besser würde ich sie maximal etwas blanchieren oder sogar gleich in Butterfett nur ganz leicht angaren. Mehr nicht. Grundsatz: feines Gemüse wünscht feine Behandlung.

    • wauzi
    • 31.07.2011 um 22:03 Uhr

    aus der schale.
    zum wein.

    Eine Leser-Empfehlung
  3. ... rund 20 Minuten Kochzeit. Das haben die Erbschen wirklich nicht verdient.

  4. "Übrigens hatte Ludwig, der für die Verbreitung des Zartgemüses einiges getan hat, selbst nicht lange Freude an den raffinierten Erbsengerichten seiner Hofköche. Ihm wurden – eine etwas übertriebene zahnärztliche Maßnahme – alle Zähne gezogen."

    Wer braucht für junge grüne Erbschen denn Zähne, zumal nach dieser Kochzeit?

    Eine Leser-Empfehlung
  5. frisch aus der schote gepellt, einfach lecker!! ab und zu eine muss ich mir halt mit einem insekt oder einer schnecke, dem/der es in meinem Gemüsebeet genauso gefällt wie mir, teilen.

    Eine Leser-Empfehlung
  6. Brutto oder Netto?

  7. Die Anzahl der Erbsen je Hülse liegt meistens bei 7 bis 8
    Pro Hülse ca. 5g
    Macht bei 500g ca. 100 Hülsen also 700 - 800 Erbsen
    Kommen mir 2 kg aber viel vor oder wie rechnet man das und wie lange braucht man zum Pulen?

    Übrigens waren uns frische Erbsen in den 70ern auch wohlbekannt – vom Pulen und dabei naschen…

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service