In Deutschland lebt es sich ziemlich gut, das muss man sich zwischendurch immer wieder mal klarmachen. Überwiegend freundliche Menschen hier, eine stabile Wirtschaft, ein Leben in Freiheit. Wir sind frei, zu tun und zu sagen, was wir wollen – ob es dem Nächsten passt oder nicht.

Dieses Prinzip funktioniert bei uns eigentlich ganz gut. Die meisten von uns wollen, dass das so bleibt, auch nach dem Massenmord in Norwegen. Mitten hinein in die Trauer um die Opfer fragten einige, bei wem der Täter Inspiration für die menschenverachtende Ideologie gefunden haben könnte; ob es auch hierzulande Menschen gebe, die ähnlich über das politische Establishment dächten, über Multikulturalismus und die "schleichende Islamisierung" Europas wie der Attentäter von Oslo .

Schnell waren viele bei den sogenannten Islamkritikern. Haben die nicht immer wieder gegen "naive Multikulti-Romantiker" gewettert? Haben die nicht wegen der angeblich gescheiterten Integration von Muslimen in Europa Alarm geschlagen und gewarnt, die erneute Belagerung Wiens stehe kurz bevor? Haben diese Leute nicht schließlich auch behauptet, dass "die" uns mit ihrer Geburtenfreudigkeit und ihren Kopftüchern überrennen würden, dass wir eines Tages nicht mehr wir selbst sein würden?

Diese Stimmen gibt es, ja. Dennoch kann die Antwort nur lauten: Zwischen Worten und Taten besteht immer noch ein Unterschied. Die Taten eines Einzelnen dürfen nicht als Argument benutzt werden, um den Diskurs über Integration oder Islam in die eine oder in die andere Richtung einzuengen.

Ein Grundsatz, auf den wir uns einigen sollten: Jeder darf alles gegen Islamkritiker sagen –und jeder alles gegen Muslime.

Auch wenn es wehtut, ist zum Beispiel Folgendes zu sagen: Türkische Jugendliche in Deutschland machen immer noch nicht so häufig Abitur und brechen doppelt so oft die Schule ab wie deutsche Jugendliche.

Auch sind Türken hierzulande häufiger kriminell .

Türken schlagen ihre Frauen häufiger als deutsche Männer (sagen türkische Frauen).

Türken beziehen häufiger Hartz IV als Deutsche.

Das sind keine Meinungen, das sind Tatsachen.

So. Und an dieser Stelle gabelt sich der Weg. Hier könnte etwas beginnen, das wir den "konstruktiven" Weg nennen: Es hat soziale und ökonomische Gründe, dass der gesellschaftliche Aufstieg der Nachfahren türkischer Gastarbeiter etwas länger dauert als bei anderen Einwanderern, bei denen schon die Großeltern Ingenieure und Ärzte waren und keine Bauern. Ja, und auch dies ist anzumerken: Wahrscheinlich spielen bei den Problemen zu einem bestimmten Teil auch die Mentalität, mangelnde Bildung, das Patriarchat oder die Religion eine Rolle. Es kann den Kritikern zu langsam gehen – aber es wird messbar besser. Langsam, aber stetig.