Arabische Umbrüche Die Geschichte sind wir!

Ist die arabische Revolution gescheitert? Mitnichten. Es braucht nur viel Geduld, bis die Freiheit sich durchsetzt.

Ein junger Demonstrant bekommt auf dem Tahrir-Platz in Kairo die ägyptische Flagge aufgemalt.

Ein junger Demonstrant bekommt auf dem Tahrir-Platz in Kairo die ägyptische Flagge aufgemalt.

Der Arabische Frühling ist vorbei. Die arabische Revolution auch? Alles ist auf einmal so mühsam und verwirrend zwischen Libyen-Intervention, deutschen Panzern für Saudi-Arabien und dem blutigen Stellungskrieg, den das syrische Regime gegen das eigene Volk führt. In Ägypten steht die Opposition gegen die Militärführung, die islamistische Opposition gegen die liberale Opposition, die radikale islamistische Opposition gegen die gemäßigte islamistische Opposition. Man hat den Überblick verloren: Sind die Reformvorschläge des marokkanischen Königs ein Trick oder ein Fortschritt, und welche Art von Chaos herrscht gerade im Chaosland Jemen? Die Revolution wirkt unfertig, ausgebremst, stecken geblieben. Die Bilder der friedlichen Demonstranten auf dem Tahrir-Platz in Kairo haben die Welt fast so bewegt wie die Bilder vom Berliner Mauerfall. War das voreilig? Haben wir die Revolution überschätzt, ist sie eine Enttäuschung oder sogar schon gescheitert? Das sind unangenehme Fragen. Man darf sich aber nicht vor ihnen drücken.

Nichts steht still. Jeden Tag passieren Dinge, die von einer neuen, unaufhaltsam sich verändernden Wirklichkeit im Mittleren Osten zeugen. Die Revolution ist molekular, so wie sie historisch ist. Sparer ziehen ihr Geld aus syrischen Banken ab und transferieren es nach Beirut oder Istanbul – ein ökonomisches Misstrauensvotum gegen das Regime von Präsident Assad, der seine Herrschaft noch mit Panzern und Scharfschützen zu retten hofft. Die Bürger im reichen Golf-Emirat Qatar lassen sich von den Aufständen, nun ja: nicht zur Revolution inspirieren, aber doch zu einem Konsumentenprotest, einer Demonstration des zivilen Ungehorsams gegen den Telekommunikationskonzern des Landes: kollektives Abschalten der Mobiltelefone für eine Stunde, um niedrigere Gebühren und besseren Service zu erzwingen. In Misrata, der libyschen Stadt, die von den Rebellen über Monate gegen Gadhafis Regierungstruppen verteidigt wurde, kämpfen Medizinstudentinnen um das Recht, wie ihre männlichen Kommilitonen am Krankenbett Praxiserfahrung sammeln zu können – ein Recht, das ihnen in den Tagen der Belagerung, als dauernd Verwundete versorgt werden mussten, geradezu aufgenötigt wurde. Die ganze Region ist voll von Geschichten der Neugier und der Unruhe. Auch von Leid und Scheitern – dafür stehen die wahrscheinlich bereits mehreren Tausend Toten, die der Überlebenskampf des syrischen Regimes bislang gekostet hat. Aber kein Mensch kann bestreiten, dass die arabische Welt des Sommers 2011 von der des Sommers 2010 auf grundstürzende Weise verschieden ist.

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Nein, wir haben die Revolution nicht überschätzt. Sie wurde allerdings mit einem irreführenden geschichtlichen Vergleich bedacht – einem Vergleich, der ihrer Größe angemessen ist, ihre Natur jedoch verkennt. Das war der Vergleich mit den Revolutionen von 1989, dem kartenhausmäßigen Zusammenbruch der kommunistischen Regime in Europa: heute Warschau, morgen Budapest und Prag, übermorgen Ost-Berlin, dann Bukarest, am Ende Moskau. Der arabische Aufbruch, bei dem eine Region von 350 Millionen Menschen ihr historisches Rendezvous mit der Freiheit hat, ist tatsächlich die wichtigste gute Nachricht auf unserem Planeten seit dem Untergang des Ostblocks, der Weltmacht Sowjetunion und der marxistisch-leninistischen Ideologie. Aber er folgt nicht dem Muster von 1989.

»1989« nämlich liefert überhaupt kein Muster, es war mitnichten eine typische Revolution, es war vielmehr eine krasse Ausnahme. Man übersieht das leicht, denn es war »unsere« Revolution; die mittleren und älteren Jahrgänge haben sie bewusst miterlebt und messen jede historische Umwälzung automatisch daran. In Wirklichkeit war die Lage der mitteleuropäischen Völker und Regime damals vollkommen einmalig: eine herrschende Weltanschauung, an die niemand mehr glaubte; eine alternative politische Ordnung, die im Westen fertig bereitstand; eine EU, für die ihre östlichen Nachbarn im Grunde nicht Neuzugänge, sondern Heimkehrer waren. Das erklärt den dramatischen Kollaps der alten Macht und den raschen Neuaufbau. Es erklärt auch die notwendige Enttäuschung, wenn man diese Geschwindigkeit und diesen Erfolg von irgendeinem anderen Umsturz erwartet.

Den besseren Vergleichspunkt für den arabischen Umbruch liefern die europäischen Revolutionen des späten 18. und des 19. Jahrhunderts, von 1789 in Frankreich bis 1848, als der gesamte Kontinent gegen Unterdrückung und Fremdbestimmung rebellierte: in Frankreich, Deutschland, Polen, Österreich, Ungarn, Italien. Es waren die Revolutionen, in denen das Bürgertum, der »dritte Stand«, die nicht adligen Normalmenschen, sich gegen die überlebte Macht und die Privilegien von Königtum, Aristokratie und Geistlichkeit erhoben – so wie heute in den arabischen Ländern eine gut ausgebildete Mittelschicht und frustrierte Volksmassen sich gegen erstarrte und korrupte Herrschercliquen, gegen einen Feudalismus des 20. Jahrhunderts, erheben. In den europäischen Revolutionen wurde um die Durchsetzung der Moderne gekämpft, um Kapitalismus, liberale Gesellschaft, Rechtsstaat und Demokratie – so wie heute die arabische Welt um den Anschluss an das 21. Jahrhundert ringt.

Entscheidend ist: Diese revolutionäre Geschichte des 19. Jahrhunderts war ein zäher, langwieriger, von Rückschlägen unterbrochener Prozess. Aufstände wurden niedergeschlagen, Siege durch Extremismus oder Feigheit verspielt, alte Herrschaftsverhältnisse durch Putsch oder auswärtige Intervention wiederhergestellt. Als Napoleon, der auch als Kaiser und Eroberer noch etwas vom Geist der Französischen Revolution verkörperte, nach Jahrzehnten europäischer Kriege 1815 endgültig geschlagen und auf die Atlantikinsel St.Helena verbannt worden war, wollten die Siegermächte, die reaktionären Staaten Preußen, Österreich und Russland, die Uhr zurückstellen. Frankreich und der ganze Kontinent sollten zur Zeit vor 1789 zurückkehren. Gestürzte Fürsten wurden wieder auf ihre Throne gehoben; eine Ära der kleinlichen staatspolizeilichen Kontrolle, Spitzelei und Repression begann.

Aber, und das ist der zweite entscheidende Punkt, es funktionierte nicht wirklich. Die »Restauration« konnte die revolutionären Kräfte für eine Weile unterdrücken, sie konnte sie aber nicht ersticken, und sie vermochte das Alte auch nicht zu »restaurieren«. Das Frankreich von 1820 war nicht das wiedererstandene Frankreich von 1780, sondern eine antiquierte Staatsfassade aus politischer Pappmaschee, hinter der sich längst ein anderes, moderneres Sozialgebäude erhob. Die Gesellschaft wurde in rasantem Tempo »bürgerlich«, auch wenn noch so viele Grafen und Herzöge durch die Salons der Neureichen spazierten und weiterhin ihre Nase hoch trugen. Die Presse wurde zensiert und schikaniert, aber sie war trotzdem eine Macht, und abschaffen konnte man sie nicht mehr sowenig, wie heute irgendein arabischer Diktator das Internet zum Verschwinden bringen kann. Die Vergangenheit wehrte sich, doch es blieben Rückzugsgefechte, und die historische Tiefenströmung ging unaufhaltsam in die Zukunft.

Dieses Ineinander von hundert Krisen und einer großen, trotz allem durchlaufenden Fortschrittstendenz muss man sich vor Augen führen, um die Chancen der arabischen Revolutionen realistisch einzuschätzen. Kurz- und mittelfristig ist keiner ihrer Erfolge gesichert. Nicht nur können Rebellionen unterdrückt werden wie die Unruhen in Bahrain, die mithilfe einer Intervention der benachbarten Golfstaaten niedergeschlagen wurden. Es kann auch bereits siegreichen Revolutionen ihr Sieg wieder entrissen werden. Der Libanon erlebte 2005, nach dem schockierenden Mord an dem früheren Ministerpräsidenten Rafik Hariri, eine demokratische Protestbewegung, die den Geist der Ängstlichkeit aus der politischen Kultur des Landes vertrieb und die Macht des finsteren Nachbarn Syrien über die libanesischen Staatsangelegenheiten brach. Es war ein komplett neugeborenes, befreites Land, das in diesen Tagen zu entstehen schien – der Märtyrerplatz, auf dem sich die Demonstranten von Beirut versammelten, bot einen Vorgeschmack des Kairoer Tahrir-Platzes.

Doch dann gewannen Syrien, seine libanesischen Strohmänner und die mit ihnen verbündete Großmacht Iran den verlorenen Boden zurück und stießen den Libanon in die politische Entmündigung zurück. Die »Zedernrevolution« scheiterte. Es ist ein Schicksal, das auch den Revolutionsländern von 2011 drohen könnte. Interventionen von außen haben Tunesien oder Ägypten, die Avantgarde-Staaten der »Arabellion«, zwar kaum zu fürchten. Doch die Machtergreifung durch die eigenen Streitkräfte, die Militärdiktatur, bleibt eine Gefahr.

Und dennoch: Eine echte Rückkehr in die Vergangenheit, eine wirkliche Restauration wird es sowenig geben wie im 19. Jahrhundert. Man stelle sich vor, nach einer scharfen reaktionären Wende in der ägyptischen Regierungspolitik, nach einer Konterrevolution, würden die Massen noch einmal, wie gegen Mubarak, auf den Tahrir-Platz strömen. Auch das wäre keine Rückkehr zum Nullpunkt, es wäre nicht mehr dieselbe Situation wie unter dem alten Regime, denn das Volk wäre nicht mehr dasselbe: Es hat inzwischen die Erfahrung seiner Kraft gemacht, es hat die Herrschenden einmal in die Knie gezwungen und würde wissen, dass ihm das wieder gelingen kann. Diese Revolution hat nicht einfach mit der Veränderung der Machtverhältnisse zu tun, sondern mit der Veränderung von Menschen – mit ihrem Aufbruch aus jahrzehntelanger Passivität, mit ihrem Sieg über die eigene Angst, mit der Wiedergewinnung jener schwer greifbaren und zugleich fundamentalen Größe, die das Schlüsselwort der gesamten Bewegung dieses Jahres 2011 liefert: Würde. Sie kann niemand wieder wegputschen.

Zumal auch diesmal, wie beim Aufstieg des Bürgertums und dem Siegeszug der Moderne in Europa, die Basisdaten für die Revolutionäre sprechen. Der französische Soziologe Emmanuel Todd, der mit geradezu unheimlicher Hellsicht erst den Untergang der Sowjetunion, dann die Krise der Vereinigten Staaten und schließlich den fortschrittlichen Umbruch der islamischen Welt vorhergesagt hat, stellt fest: Bei aller Rückständigkeit stecken die arabisch-muslimischen Gesellschaften längst im Prozess der Modernisierung, mit steigendem Bildungsniveau und fallenden Geburtenraten. Die Bevölkerungen werden anspruchsvoller, die Beziehungen zwischen Männern und Frauen wandeln sich; die Kinder, die Schulabschlüsse haben, erkennen nicht mehr selbstverständlich die Überlegenheit ihrer Eltern an, die Analphabeten sind. Alles sieht noch konservativ und patriarchalisch aus, aber die Autorität des Vaters und damit der Inbegriff aller Autorität ist bereits brüchig geworden. Das bleibt nicht ohne Folgen für Gesellschaft und Staat.

»Wenn man lesen und schreiben kann«, bemerkt Todd, »kann man ein Flugblatt lesen und sogar eines verfassen. Politische Teilnahme wird dadurch zum natürlichen Vorgang.« Auch er stellt den Vergleich mit der europäischen Geschichte an: »Die Französische Revolution brach aus, als 50 Prozent der Menschen im Pariser Becken »schreiben konnten.« Und er findet im Blick auf damals die heutigen Veränderungen keineswegs enttäuschend langsam, im Gegenteil. Frankreich, das fortgeschrittenste Land des Kontinents, brauchte rund ein Jahrhundert und furchtbare politische Konvulsionen, bis es jene bürgerliche Republik einigermaßen stabil errichtet hatte, die schon das Ziel der Revolution von 1789 gewesen war. Im Verhältnis dazu wirkt der gegenwärtige Umbruchprozess bisher ungeheuer komprimiert und in seiner Richtung erstaunlich sicher. Denn so abgeschottet und kontrolliert ist kein arabisches Land, dass seine Bewohner nicht wüssten, wie man im 21. Jahrhundert leben kann und wie ein anständiger Staat seine Bürger behandelt. Es gibt, von der wirtschaftlichen Effizienz bis zu den Menschenrechten, inzwischen globale Standards, die nicht unwidersprochen verletzt werden und die dem Protest seine Orientierung geben.

In Revolutionen, könnte man denken, wird vor allem Mut gebraucht, und natürlich ist er sehr wichtig. Aber noch wichtiger ist die Geduld – vom langem Atem beim Kampf mit dem Regime bis zur Gelassenheit, mit der das Volk nach einem siegreichen Umsturz die tausenderlei Überreste der Vergangenheit und die Dürftigkeit des Lebensstandards ertragen muss, der zunächst nicht besser, sondern schlechter wird. Die arabischen Völker müssen in diesen Monaten alle ihre Zähigkeit und Ausdauer mobilisieren. Wir, die wir nur manchmal am Rande etwas helfen und meist bloß zuschauen können, sollten wenigstens als Publikum unseren kleinen Beitrag zur revolutionären Geduld leisten.

 
Leser-Kommentare
    • Atan
    • 07.08.2011 um 10:15 Uhr

    hier mal ein Leserkommentar darauf hin, dass wir die Arabischen Revolutionen ehr im Licht von 1789 sehen sollten. Allein, mit historischen Vergleichen ist es immer sehr schwierig, in gewissem Sinne lernt man nichts aus ihnen, wenn man wirkliche Aufschlüsse über die Zukunft erwartet.
    1789 stürzte Europa nämlich auch in ein Jahrhundert der Kriege, wenn wir das 19. Jh. nämlich, wie viele Historiker von 1789 bis 1918 sehen. Ob es einen arabischen "Napoleon" geben wird, der die islamische Welt mit 20 Jahren Krieg, Millionen von Toten und eben auch einem modernen Rechtssystem überziehen würde, ist jetzt reine Spekulation, wäre aber auch eine sehr gruselige Ausssicht.
    Vielleicht sollte man aber auch vorsichtig schon mal ein paar Unterschiede herausarbeiten: so z.B. die unterschiedliche Rolle von Religion und Militär. In Tunesien und Ägypten bewirkte das Militär den Machtwechsel, in Syrien und Libyen würde der Machtwechsel gegen das Militär stattfinden. Die frz. Revolution war vor allem auch eine Militärreform, die Frankreich zur schlagkräftigsten Armee ganz Europas verhalf. Wie sähe da ein zeitgenössisches Pendant aus? Zum anderen ist die Religion in der islamischen Welt kein Angriffsziel, während die frz. Revolution das Ende der Kirchenmacht brachte. Gerade der Ramadan könnte z.B. den Aufständischen in Syrien den Sieg bringen,was keinesfalls zu einer Schwächung des sunnitischen Klerus führen würde. Historische Vergleiche bleiben also schwierige, aber hilfreiche Gedankenübungen.

    • lepkeb
    • 07.08.2011 um 11:10 Uhr

    meldet sich, dann in zwei drei Jahren nochmal und reflektiert dann nochmal diesen Artikel. Denn imho hinkt der Vergleich mit der frnaz. Revolution, denn anscheinend wird immer von den Experten ausgeblendet, dass es in Europa etwa 150-200 Jahre vorher Ereignisse gab, die es in dieser Form im islamischen Raum nicht stattgefunden haben und auch absehbar nicht stattfinden werden, die Reformation.
    Leider wird die Rolle der Muslimbrüderschaft (Ägypten, Syrien) immer ausgeblendet, denen vorgeworfen wird, die Revolution verschlafen zu haben. Was sie nicht haben, sie sind gut organsiert, haben abgewartet und fangen langsam an Macht zu akkumulieren. Wenn die Machtübernahme passiert (erste Versuch werden die Parlamentswahlen in Ägypten sein, so sie stattfinden), dann kann sich der Westen warm anziehen und besonders für die Bevölkerung vor Ort wird Demokratie wahrscheinlich nur noch ein Fremdwort sein.
    Leider geht der Autor auch nicht auf die erste islamische Revolution und ihre Folgen ein, die imho ein besseres Bildnis der zu erwartenden Folgen geben wird. Aber das Ereignis wird wahrscheinlich vor der Geburt des Autors liegen, damals wurden auch nach der Revolution säkuläre und revolutionäre Gruppen, die eine Gefahr für die sich etablierende Theokratie darstellten, eliminiert.

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    • Atan
    • 07.08.2011 um 11:56 Uhr

    momentan gerade Innen- und Außenpolitik vermischt: aus Furcht, den islamophoben Verschwörungstheoretikern noch mehr "Munition" zu liefern, versucht man die kulturellen und sozialen Unterschiede zu ignorieren. Also schreibt man entweder von einer "Facebook"/Internet-Revolution (die sind ja eigentlich alle so wie wir) oder aber führt einen oberflächlichen Vergleich zur europäischen Geschichte durch, der die Unterschiede (notgedrungen auch aus Platzgründen) ignoriert. Immerhin ist mir letzterer Vergleich aber lieber als die naive Annahme einer "easy internet revolution".
    Der "economist" versucht hier mal differenzierter auf die Rolle des Islam in der Revolution einzugehen:
    http://www.economist.com/...
    http://www.economist.com/...

    (Ein gewisser "lashback" ist in jeder Revolution wahrscheinlich, er muss aber nicht notwendigerweise die monströse Größe eines "Napoleons" oder "Stalins" annehmen. Die US-Revolution konnte ja z.B. die Religion auch als positive Kraft einbinden.)

    • Atan
    • 07.08.2011 um 11:56 Uhr

    momentan gerade Innen- und Außenpolitik vermischt: aus Furcht, den islamophoben Verschwörungstheoretikern noch mehr "Munition" zu liefern, versucht man die kulturellen und sozialen Unterschiede zu ignorieren. Also schreibt man entweder von einer "Facebook"/Internet-Revolution (die sind ja eigentlich alle so wie wir) oder aber führt einen oberflächlichen Vergleich zur europäischen Geschichte durch, der die Unterschiede (notgedrungen auch aus Platzgründen) ignoriert. Immerhin ist mir letzterer Vergleich aber lieber als die naive Annahme einer "easy internet revolution".
    Der "economist" versucht hier mal differenzierter auf die Rolle des Islam in der Revolution einzugehen:
    http://www.economist.com/...
    http://www.economist.com/...

    (Ein gewisser "lashback" ist in jeder Revolution wahrscheinlich, er muss aber nicht notwendigerweise die monströse Größe eines "Napoleons" oder "Stalins" annehmen. Die US-Revolution konnte ja z.B. die Religion auch als positive Kraft einbinden.)

  1. führte zur Wiedereinführung der Sklaverei und Vergasung von 100.000 Schwarzen in Schiffsräumen. Über 8 Mio Menschen starben in diesem Weltkrieg und Rassenverfolgung.
    http://www.cicero.de/weltbühne/napoleons-dunkles-geheimnis/37256

    Hoffen wir mal dass die arabische Revolution besser ausgeht.

    Eine Leser-Empfehlung
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    • TDU
    • 07.08.2011 um 13:26 Uhr

    Ich gehe davon aus, dass es die Sklaverei auch ohne die französische Revolution gegeben hätte. Die gab es ja auch vorher schon. Und Napoleon ist sicher kein Herrscher i. S. der französichen Revolution gewesen. So wie Stalin sicher auch kein Repräsentant der Ideen des Kommnunismus war, mit den Millionen Toten, die er zu verantworten hatte.

    Die Sklaverei war schon abgeschafft als Napoleon sie wieder eingeführt hat. 1 Mio Tote soll das gekostet haben. Die freigelassenen Sklaven, immerhin 600.000 in Frankreich, hat er als Rassist nicht gerne gesehen und wußte dass es unmöglich sein würde sie zurück in die Sklaverei zu prügeln. Deshalb die Vergasung.

    Sicher war kein Napoleon kein Demokrat, wie auch als Kaiser? Aber er ist durch diese Revolution an die Macht gekommen. Ähnlich wie das mit dem Bolschewismus ablief. Es kann nach der Revolution auch mal falsch laufen, Demokratie ist nie garantiert.

    • TDU
    • 07.08.2011 um 13:26 Uhr

    Ich gehe davon aus, dass es die Sklaverei auch ohne die französische Revolution gegeben hätte. Die gab es ja auch vorher schon. Und Napoleon ist sicher kein Herrscher i. S. der französichen Revolution gewesen. So wie Stalin sicher auch kein Repräsentant der Ideen des Kommnunismus war, mit den Millionen Toten, die er zu verantworten hatte.

    Die Sklaverei war schon abgeschafft als Napoleon sie wieder eingeführt hat. 1 Mio Tote soll das gekostet haben. Die freigelassenen Sklaven, immerhin 600.000 in Frankreich, hat er als Rassist nicht gerne gesehen und wußte dass es unmöglich sein würde sie zurück in die Sklaverei zu prügeln. Deshalb die Vergasung.

    Sicher war kein Napoleon kein Demokrat, wie auch als Kaiser? Aber er ist durch diese Revolution an die Macht gekommen. Ähnlich wie das mit dem Bolschewismus ablief. Es kann nach der Revolution auch mal falsch laufen, Demokratie ist nie garantiert.

  2. der Weltöffentlichkeit. Der eine hat den Machtverlust hinter sich, der andere hat ihn noch vor sich. Der eine wird vielleicht noch von der Gnade des natürlichen Todes eingeholt werden, dem anderen droht mit großer Wahrscheinlichkeit lebenslänglich Gefängnis in Haag oder evtl. sogar die Hinrichtung.

    Was der Autor unterschätzt, ist die Verfügbarkeit heutiger Kommunikationsmittel, die Gewalt heutiger Waffensysteme, die Dynamik heutiger Transportmittel und das angehäufte Wissen.

    Diese Faktoren sind das Salz in der Suppe der arabischen Revolution.

    Und dise Faktoren werden auch in der VRChina und anderen Diktaturen wirksam werden, wahrscheinlich sogar kurzfristig.

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    • LaoLu
    • 07.08.2011 um 14:22 Uhr

    die Biege von der "arabischen Revolution" (ist das eine?) zur aktuellen Lage in China geschafft.

    Mit der hoffnungsvollen Anmerkung, daß das "wahrscheinlich sogar kurzfristig" auch hier losgeht.

    dborrmann, Sie wissen so wenig vom heutigen China.

    • LaoLu
    • 07.08.2011 um 14:22 Uhr

    die Biege von der "arabischen Revolution" (ist das eine?) zur aktuellen Lage in China geschafft.

    Mit der hoffnungsvollen Anmerkung, daß das "wahrscheinlich sogar kurzfristig" auch hier losgeht.

    dborrmann, Sie wissen so wenig vom heutigen China.

  3. 5. na ja

    der artikel interpretiert in die volksbewegung, wie viele andere auch, eine politische dimension, die es nicht gibt.

    es geht der mehrheit nicht um freiheit und demokratie.
    sie wollen schlicht eine existenzgrundlage.
    die perspektivlosigkeit der jungen menschen führt sie mit sozialen forderungen auf die strasse, nicht politischen.
    den unfug interpretiert der mainstream ständig hinein.

    sie wollen einen regimwechsel, das neue soll arbeitsplätze schaffen, ob mit oder ohne pressefreiheit, gleichberechtigung der frau, der religionen usw. ist sekundär.

    und damit ist auch klar, dass dieser arabische frühling ins nichts abrollt.
    die notwendigen arbeitsplätze zu sozialen befriedung sind nicht da, sie zu schaffen braucht konzepte die es nicht gibt und zeit, die die menschen nicht haben.

    also marionettenwechsel, beruhigungspillen wie prozesse gegen böse, kleine diktaturkorrekturen.
    eben so wie in ägypten.
    die volksbewegung wurde ins leere geführt.
    das wars erst mal.

    • Atan
    • 07.08.2011 um 11:56 Uhr

    momentan gerade Innen- und Außenpolitik vermischt: aus Furcht, den islamophoben Verschwörungstheoretikern noch mehr "Munition" zu liefern, versucht man die kulturellen und sozialen Unterschiede zu ignorieren. Also schreibt man entweder von einer "Facebook"/Internet-Revolution (die sind ja eigentlich alle so wie wir) oder aber führt einen oberflächlichen Vergleich zur europäischen Geschichte durch, der die Unterschiede (notgedrungen auch aus Platzgründen) ignoriert. Immerhin ist mir letzterer Vergleich aber lieber als die naive Annahme einer "easy internet revolution".
    Der "economist" versucht hier mal differenzierter auf die Rolle des Islam in der Revolution einzugehen:
    http://www.economist.com/...
    http://www.economist.com/...

    (Ein gewisser "lashback" ist in jeder Revolution wahrscheinlich, er muss aber nicht notwendigerweise die monströse Größe eines "Napoleons" oder "Stalins" annehmen. Die US-Revolution konnte ja z.B. die Religion auch als positive Kraft einbinden.)

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "Hoffe Herr Roß"
    • TDU
    • 07.08.2011 um 13:26 Uhr

    Ich gehe davon aus, dass es die Sklaverei auch ohne die französische Revolution gegeben hätte. Die gab es ja auch vorher schon. Und Napoleon ist sicher kein Herrscher i. S. der französichen Revolution gewesen. So wie Stalin sicher auch kein Repräsentant der Ideen des Kommnunismus war, mit den Millionen Toten, die er zu verantworten hatte.

    Antwort auf "1789 und die Folgen"
    • TDU
    • 07.08.2011 um 13:42 Uhr

    Im Ergebnis geb ich dem Herrn Ross recht. Aber ich frage mich, wieso man von Arabien redet wie von Deutschland oder von Ost und West. Machtbereiche z. B. Iran-Syrien mit Unterstützung Russlands und Duldung Chinas, Religiöse Feindschaften zwischen Sunniten, Schiiten, weniger mit Christen als noch anderen Strömungen.

    Großstädtische "Bourgeoisie" und die Landbevölkerung, von deren Zugehörigkeit viel mehr wirtschaftliche Vorteile abhängen wie in den damaligen Blöcken.

    Geduld auf jeden Fall, aber auch keine Suche nach schablonenhaften Lösungen sind m. E. angesagt. Und genaues Hinschauen, wer welchen Machthaber bekämpft und aus welchem Grund und wieviel Rückhalt der jeweilige im jeweiligen Volk hat. Sonst kommt auch der Gutwilligste zwischen die Fronten wie das Beispiel Afghanistan (zumindest was Deutschland angeht) und in Ansätzen auch Pakistan zeigen.

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